Ich habe hier noch einen Bericht zu gefunden, der vor einiger Zeit mal beim ARD Ratgeber Technik kam:
Billigwerkzeug: 5 Kilo Schrott für 10 Euro
Fast jeder versteht was vom Heimwerken. Aber häufig gelingen die Werke nicht, weil das Werkzeug nichts taugt. Hammerköpfe fliegen schon nach den ersten Schlägen durch die Gegend. Sägeblätter lassen sich ohne viel Kraftaufwand einfach mit der Hand verbiegen. Und Schraubenzieher drehen beim ersten Kontakt mit einer kleinen Schraube völlig durch. Doch der deutsche Schnäppchenjäger macht vor Billig-Werkzeug nicht halt und freut sich über Komplett-Sets für ein paar Euro.
Zusammen mit der Versuchs- und Prüfanstalt, der VPA in Remscheid nahm der Ratgeber Technik billiges, in verschiedenen Heimwerker- und Baumärkten zusammengekauftes Werkzeug unter die Lupe und prüfte nach geltenden DIN-Normen, den Mindeststandards für Sicherheit und Qualität.
Mieses Material und schlampige Verarbeitung
Das Ergebnis war entmutigend: Einige der billigen Schraubenschlüssel wichen stark von den vorgegebenen Maßen ab, so dass sie sich erst gar nicht testen ließen. Besonders deutlich waren Verarbeitungsmängel schon äußerlich zu sehen: unzureichend entgratete Nähte an der Innenseite, dicke Grate und Wulste an der Vorderseite und schräg auslaufende Backen.
Unter Last bogen sich die Schlüssel auf, das weiche ausgestanzte und nicht gehärtete Material gab nach, spante ab, rutschte ganz weg oder brach sogar.
Selbst bei Schraubendrehern hielt fast keiner, was er versprach. Meist waren die Spitzen so weich, dass sie sich schon bei der Hälfte der vorgeschriebenen Kräfte verformten oder ganz abdrehten.
Die Griffe zersprangen, wenn man mit dem Hammer kurz draufschlug, obwohl die Norm Schlagstabilität fordert.
Selbst mit GS-Zeichen wackelte der Stiel
Kopf und Stiel von Billig-Hämmern waren oft nur durch einen Keil gesichert. Bei einem Zug von nur 2000 Newton löste sich bei manchen Produkten bereits der Stiel vom Eisen. Dagegen kommt ein guter und sicherer Hammer auf fast 35.000 Newton. GS, das Zeichen für geprüfte Sicherheit, sollte für gute Qualität stehen. Aber eine Garantie liefert auch dieses Siegel in der Praxis offenbar nicht immer. Selbst bei einigen Hämmern mit GS-Zeichen wackelte der Stiel erheblich. Das liegt zum Teil auch daran, dass einzelne Hersteller nach der Prüfung eines Produktes die Fertigungstechniken ausmagern, also ein anderes Produkt ausliefern, als das wirklich geprüfte. Glaubwürdig ist das GS-Zeichen ohnehin nur, wenn das prüfende Institut (in unserem Fall VPA = Versuchs- und Prüfanstalt Remscheid) im GS-Zeichen mit genannt wird, damit man sich bei auftretenden Mängeln auch an der richtigen Adresse beschweren kann.
Wann man noch merkt, dass man Schrott gekauft hat
Billig-Knarren gingen bereits bei Belastung mit 283 Newton kaputt. 500 Newton wären die Norm. Doch diese Werte brachte kaum eine im Test.
Billige Stechbeitel drangen mit ein paar Schlägen zwar gut ins Holz ein. Wollte man jedoch Holz raushebeln, legten sie sich krumm. Und billige Spachtel waren so weich, dass sie sich mit kurzem Druck zu einem guten Tortenheber verbogen.
Auch das Material bei Kleinst-Werkzeugen, den sogenannten Bits war nicht gut gehärtet. Ein paar Versuche genügten, um die Spitze rund zu drehen.
Bei vielen Wasserpumpenzangen musste man mit schlimmen Quetschungen rechnen, weil der wichtige Klemmschutz fehlte. Außerdem packten viele Zangen nicht richtig zu, die Schenkel verbogen völlig oder die Schraubverbindung brach einfach.
Nur wenige Einzelstücke im Billig-Werkzeugkasten sind gehärtet
Gut sehen Billigwerkzeuge meist nur vor dem ersten Gebrauch aus. Manchmal wird auch damit geworben, dass die Produkte sogar gehärtet seien. Auf einzelnen Werkzeugen sind denn auch entsprechende Namen von Legierungen (Chromvanadium, Molybdän oder Wolfram) eingeprägt. Doch im vielteiligen Werkzeugkasten für 10 oder 15 Euro sind das höchstens Einzelstücke. Der Rest ist meist Schrott.
Woran man besseres Werkzeug erkennt
Wenn Sie Werkzeug kaufen, nehmen Sie besser immer Einzelstücke, deren Härtung tatsächlich in jedem Fall durch Kennzeichnung belegt sein sollte (z.B. Chromvanadium, Molybdän, Wolfram, PVD-Beschichtung oder Diamantbesatz) und die einiges kosten. Wichtig auch, dass der Herstellername in das einzelne Werkzeug eingestanzt ist.
Auch Sie können zumindest einige Werkzeuge vor dem Kauf prüfen.
Der Sägeblatt-Test: Biegen Sie das Sägeblatt zum Halbkreis. Wenn sie es loslassen, sollte der Stahl sofort wieder in seine Ausgangsform zurückschnellen. Billige Sägen nehmen diesen Test dauerhaft krumm.
Test Seitenschneider und Kombizangen: Knipsen Sie mit den Schneiden ein Blatt Papier sauber durch, sind Klingen und Mechanik gut aufeinander abgestimmt. Schlechtes Material gibt meist schon nach einem Mal auf.
Test Greifzangen: Auch hier müssen die Schneiden Papier sauber durchtrennen können. Die Backen sollten eine Belastung von 70 Kilogramm (soviel, wie ein erwachsener Mann aufbringen kann) aushalten können. Geben Griff oder Drehgelenk bei dieser Prüfung nach, sollte man die Finger davon lassen.
Test Hammer: Der Griff darf keine Astansätze zeigen, sonst bricht er dort leicht. Besser als ein Metallkeil sorgt ein Metallring im Hammerkopf für Stabilität.
Test Rohrzangen: Sie müssen einen Klemmschutz haben. Die Griffe dürfen sich nicht verbiegen, die Kunststoffummantelungen nicht abziehen lassen.
Test Schraubendreher: Versuchen Sie schon im Baumarkt eine fest sitzende Schraube zu lockern. Bei weichem Metall wickelt sich die Schneide zu einem Gewinde auf. Der höhere Preis guter Schraubendreher steckt auch in der Fertigung ergonomischer Griffe. Auch manche Billigwerkzeuge halten zwar hohe Drehkräfte aus. In der Praxis lassen sich diese Kräfte mit der Hand am einfach geformten Griff aber gar nicht aufbauen. Ob der Griff auch bruchsicher ist, zeigt ein Schlag mit dem Hammer.
Test Schrauben- und Steckschlüssel: Nehmen Sie die Oberflächen unter die Lupe und prüfen Sie, ob es Unebenheiten, Wulste und Grate auf der Innenseite der Backen gibt und ob die Backen gerade verlaufen und sich nicht nach vorn hin öffnen. Erproben können Sie die Funktion nur an einer fest sitzenden Mutter entsprechender Größe. Auch hier lohnt es sich, Werkzeug mit eingravierter Schlüsselgröße, Legierung und Hersteller-Kennzeichnung zu kaufen.
Ihr Recht auf funktionsfähigen Ersatz und Schadensersatz
Übrigens gelten auch für die Billigware das Gerätesicherheitsgesetz, das Produkthaftungsgesetz und die Gewährleistungsfrist von zwei Jahren. Unbrauchbare Billigteile können Sie also zurückgeben (das sollten aber auch alle tun und die Reklamation nicht verschlunzen mit dem Argument "Von Billigprodukten kann man ja wohl nicht mehr erwarten!"). Und Sie können sogar umfangreiche Ersatzansprüche bzw. Schadensersatzforderungen stellen, wenn durch den Mangel ein körperlicher oder materieller Schaden entstanden ist.
Bericht: Werner Ahlschwedt
Sendung vom: 11.08.2002