ICh gehöre ebenfalls zu den Drückebergern die um das "du" oder "Sie" herumdrucksen, wenn ich mir unsicher bin, was angebracht ist. Eine Mutter einer guten Freundin, bei der ich auch ein und aus ging hab ich z.B. einmal Siezen "müssen", weil ich mit einem "man" oder anderem nicht ausweichen konnte. Dann schaute sie mich ganz verdattert an, ob ich noch bei Sinnen wäre und wi elang eman sich denn nun schon kenne, dass ich auf so ne blöde Idee käme. Aber andererseits hatte sie es nie angeboten und die gute Sitte verlangte es so.

Mittlerweile greif ich nach ner Zeit auch von selbst nach dem "du" wenn ich auch ungefragt geduzt werden. Respekt vor dem Alter schön und gut, aber ich denke ich habe auch das Recht auf etwas Respekt in der Hinsicht und muss mich nicht von allen dutzen lassen. D.h. bei Eltern von Freunden bin ich somit auch recht schnell beim "du", sofern sie damit anfangen und bei Fremden betone ich energisch das "Sie" zur anderen Person. Zum Beispiel finde ich es eine Unsitte, dass ich bei meinem Job in der Pizzeria automatisch von der Mehrheit der Gäste geduzt werde so in der Richtung "Machst du mir bitte noch ne Cola", etc. In jedem anderen Restaurant würde man die Bedienung auch nicht so ansprechen, doch manchmal habe ich das Gefühl man verrichte dort "niedere" Arbeit, weils eben mehr auf Lieferdienst und nicht so den Restaurantbetrieb ausgerichtet ist, dass die Leute dort so mit einem Umspringen.
Bis auf die Familie meines Freundes, da sieze ich nur seine Mutter (die darauf besteht, sie möchte eine bestimmte Distanz bewahren - wörtlich so gesagt). Ihren Lebensgefährten, Onkel und Tante meines Freundes... wurden mir alle nur mit Vornamen vorgestellt und duzten mich sofort, daher duze ich sie auch.
Ach, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Die Schwiegermutter meiner Mutter hat jahrelang eine solche Distanz zu meiner Mutter bewahrt. Alle in der Familie waren mit ihr per du, doch sie selbst hat ihr erst am Tag ihrer Hochzeit - nach fast 5 Jahren Bekanntschaft - das "du" angeboten, weil sie ja nun zur Familie gehöre.

Gleiches hält sich auch heute noch. Weder den Freundinnen meines Bruders, noch meinen eigenen Freunden wurde jemals von meiner Großmutter das "du" angeboten, obwohl sie bei allen anderen schon längst als Teil der Familie betrachtet werden.