zitat: "
Halluzinogene
lateinisch hallucinari, alucinari, "faseln, geistesabwesend sein", und griechisch-lateinisch -gen, "erzeugend"
auf das Nervensystem und die Psyche wirkende Substanzen, die beim Gesunden dosisabhängig und meist unter Erhalt des vollen Bewusstseins Sinneseindrücke verändern und Sinnestäuschungen (Halluzinationen) bis hin zu psychoseartigen Zuständen hervorrufen. Als Rauschmittel verwendet verursachen sie Farbvisionen, Hörtäuschungen, objektlose Geruchs-, Geschmacks- und Tastempfindungen sowie Störungen des Gleichgewichtssinnes (Schwerelosigkeitsgefühl). Zu den Halluzinogenen, die zu solchen psychedelisch genannten Innenerlebnissen führen, zählen LSD (Lysergsäurediethylamid), Mescalin, Psilocybin, Ecstasy und Dimethylacetamid; oft werden auch Haschisch und Marihuana (bzw. ihr Hauptwirkstoff Tetrahydrocannabinol) dazu gerechnet. Halluzinogene sollen nicht zwangsläufig zu Abhängigkeit führen.
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zitatende
übrigens kiff ich nich, ich bin ein alk junkie
V. Kiffen macht gleichgültig
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Alkohol ist eine Leistungsdroge. Sie wird relativ schnell
abgebaut, der Konsument steht im Allgemeinen der Produkti-
vität der Gesellschaft schnell wieder zur Verfügung. Erst
nach langem und dauerhaftem Gebrauch stellen sich spürbare
negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit ein, und
dann zeigt die Gesellschaft die Klauen: Wird einerseits auf
den meisten Büroparties geschluckt, was Fässer und Champag-
nerflaschen hergeben, wird der - einmal entlarvte - Alkoho-
liker gemieden, als hätte er die Pest. Niemand will die
letzte Konsequenz vor Augen geführt bekommen, zu der der ei-
gene Drogengebrauch in bestimmten psychischen und sozialen
Konstellationen führen kann.
Der Alkoholiker am Arbeitsplatz wird meist ein paarmal er-
mahnt, schließlich gefeuert. Niemand denkt daran, den teil-
weise wirklich hemmungslos praktizierten Alkoholkonsum (wer
hier vom 'gemütlichen Beisammensein' spricht, macht sich der
Verharmlosung schuldig!) einzuschränken oder gar zu verbie-
ten.
Pikanterweise läßt sich häufig beobachten, daß die einzigen
Freunde von Alkoholikern in Betrieben die wenigen dort anzu-
treffenden Anti-Alkoholiker sind.
Der Alkohol hilft, den Alltagsfrust zu verdrängen, und er-
scheint dem von Alkoholsucht Bedrohten geradezu als 'Brenn-
stoff', um überhaupt noch mithalten zu können. Als ver-
meintliche Alternative zu einer dringend benötigten Kur oder
Therapie aufgrund persönlicher Umstände hält Alkohol den
Produktionseinsatz aufrecht, und der Alkoholiker in spe läßt
sich im wahrsten Sinne des Wortes 'verheizen'. So werden er
und seine Sucht geduldet, bis es zu spät ist. Erst in letz-
ter Zeit unterhalten manche größeren Unternehmen Abteilungen
zur betriebsinternen Suchtberatung.
Üblich ist aber nach wie vor der Zyklus "Verdrängen, Verhei-
zen, Fallenlassen". Der Suchtgefärdete läßt sich anstacheln
bis zum Umfallen, und das macht den Alkohol zum Helfer des
Goldenen Kalbes namens 'Umsatz'. Sein schlechtes Gewissen
(zumindest latent weiß er ja, was ihm blühen kann) macht ihn
zum willfährigen Robotnik, der immer mehr die euphori-
sierende Alkoholwirkung benötigt, um ungebrochene Leistungs-
fähigkeit zur Schau und unter Beweis zu stellen. Er schöpft
aus dem Alkohol Aggressivität, 'dopt' sich, um auf der Lang-
streckendiszplin Leistungsgesellschaft nicht zusammenzubre-
chen.
Cannabis dagegen hat Wirkungen, die das genaue Gegenstück
sind. Eine der treffendsten Beschreibungen fand ich in einem
vierbildrigen Comic-Strip aus Kowalski, dem einzig freien
Blatt im Westen:
- Erstes Bild: Eine Mauer, darauf Graffitti: "Kiffen
macht gleichgültig!" von links betritt
eine Person das Bild
- Zweites Bild: besagte Person entpuppt sich als wu-
scheliger Langhaarfreak und Hippie,
passiert die Mitte der Graffiti
- Drittes Bild: Der Freak schreibt etwas hinter die
Graffiti
- Viertes Bild: Er verläßt das Bild. Geschrieben hat
er: "Mir egal!"
Wer Haschisch raucht, denkt nicht an maximale Arbeitslei-
stung - wenn er überhaupt in Zusammenhang mit seiner Arbeit
Haschisch zu sich nimmt. 'Relaxen' hat er im Sinn, Entspan-
nung, das genaue Gegenteil der beschriebenen Alkoholwirkung.
Der Haschischraucher läßt sich nicht anstacheln und zeigt in
der Regel keinerlei Bedürfnis, seine Leistungsfähigkeit zur
Schau zu stellen. Die Leistungsphilosophie an sich ist ihm
fremd. Laut Untersuchungen handelt er 'oft impulsiv, aber
nur selten aggressiv'.
Aggressivität wird von unserer Gesellschaft aber positiv be-
wertet; man sieht in ihr die Triebfeder für menschliches
Handeln und Ehrgeiz schlechthin. Nur die Auswüchse der Agg-
ressivität, ihr Umschlagen in gewalttätige Handlungen, wird
negativ bewertet. Das Fehlen von Aggressivität gilt als
'Laschheit', nicht aggressive Menschen gelten als nicht lei-
stungsfähig. Eine Gesellschaft, die sich gerne als 'Lei-
stungsgesellschaft' feiert (bei näherer Betrachtung entpuppt
sich das allerdings als Mythos, um die untergeordneten Mit-
glieder der Gesellschaft zur Leistung anzustacheln), kann
eine solche Droge natürlich nicht gutheißen. Sie ist ein
Verstoß gegen die von oben verordnete Leistungsphilosophie
und rüttelt an den vermeintlichen Grundfesten des hier-
archisch strukturierten Gemeinwesens - von oben betrachtet.
So gesehen ist Haschisch eine Gefahr für das von der Gesell-
schaft gezeichnete Selbstbildnis. Haschischrauchern sind die
Mythen von Karriere, unbedingtem Leistungswillen und 'gesun-
dem' Aggressionspotential schwer bis überhaupt nicht zu ver-
mitteln. Die Lockmittel, mit denen die Gesellschaft Leistung
aus ihren Mitgliedern kitzelt, orientieren sich aber aus-
nahmslos an diesen Mythen. Sie nehmen Form an in Statussym-
bolen wie Autos, Fernseher und Luxusurlauben, verschie-
dentlich in Gehaltserhöhungen, bei denen wegen der Steuer-
progression ein niedrigeres Netto-Gehalt herauskommt, grös-
seren Büroräumen und der Möglichkeit, selbst mal Vorgesetz-
ter zu sein - alles Ideale, mit denen sich kaum ein Kiffer
hinter dem Ofen vorlocken läßt. Der will selten mehr als
seinen gerechten Lohn, ein gerüttelt Maß an Lebensqualität
und ansonsten seine Ruhe.
Hinter der vielbeschworenen 'Gefahr für die Gesellschaft'
steckt bei genauerem Hinsehen die Angst vor der Gefahr einer
Nivellierung der keineswegs unumstrittenen Leistungsideo-
logie, wie den Verantwortlichen in der Politik sehr wohl be-
wußt ist. Die einseitige Ausrichtung auf Leistung steht von
Psychologen- und Soziologenseite aber bereits seit einiger
Zeit unter scharfem Beschuß, nicht zuletzt wegen - trau
schau wem - ihrer Auswirkung auf das Drogenverhalten. Erst
die sogenannten Leistungsgesellschaften produzieren Drogen-
süchtige in bedrohlich großer Zahl, Motivation ist nicht
selten der als unerträglich empfundene Leistungsdruck. Damit
erzeugt die Gesellschaft den Hang zum Drogenkonsum, den sie
anschließlich in Form einer Symptombehandlung auszumerzen
sucht.
Eine politische Argumentation in dem Sinne, Alkohol ließe
sich bedauerlicherweise nicht verbieten, andere Rauschdrogen
seien daher umso vehementer zurückzudrängen, ist mehr als
scheinheilig. Zum einen ist der alkoholabhängige Politiker
kein Einzelfall, zum anderen wird die Droge Alkohol ganz ge-
zielt eingesetzt. Ein klassisches Beispiel dafür ist der
kürzlich wieder einmal abgehaltene 'Politische Aschermitt-
woch' der CSU in Passau. Wer hier beispielsweise den Waigel
hat reden hören, bekommt eine Ahnung davon, wie hier mehr
oder weniger dümmliche Parolen dem angedudelten Parteivolk
der CSU von seinen Häuptlingen reingedrückt werden. Für Ar-
gumentationen ist hier kein Platz; wer sein Bier nicht
trinkt (Aschermittwoch ist in Bayern weniger der Auftakt zur
Fastenzeit als vielmehr das Startsignal für die Starkbier-
zeit), muß seine Enthaltsamkeit schon triftig begründen kön-
nen (Leberschaden, Herzschrittmacher u.ä.), um nicht als
Marsmensch zu gelten.
Fortsetzung folgt...
[ 29. Mai 2002, 04:19: Beitrag editiert von: outfreyn ]