Die Welt soll still stehen - Wenn ich einen Tag Admin wär‘!
Samstag, 07.08.04, Mitternacht. Ein ruhiger Tag geht zu Ende als mich Squdus erregt anruft. „Du bist Admin, DU BIST ADMIN – Admin für einen Tag“, brüllt er mir ins Ohr. Ich bin mir noch nicht so ganz sicher ob das eine gute Nachricht ist.
Genervt lege ich auf, unterbreche Squdus in seinem Freudengeschrei. Stirnrunzelnd lehne ich mich zurück. Für die Uhrzeit ist es noch erstaunlich warm. Ich bequeme mich noch einmal hoch und stoße das Dachfenster noch weiter auf. Im gleichem Atemzug schalte ich den Ventilator auf Stufe 2. Er ist zu laut.
Überhitzt lehne ich mich wieder zurück, rühre gelangweilt in meinem Glas Wodka-Orange. Es ist fast leer. Im Moment beschäftigt mich die Frage, ob ich aufstehen soll um mir Nachschub zu holen, mehr als Squdus Anruf.
Dennoch bleibe ich noch sitzen und führe ruhig und träumend das Glas mit dem weiß-rot gekringelten Strohhalm zum Mund.
Ein Tag Admin vom Postplanet. Die Nachricht hat auch das IRC überflutet. Überall sehe ich meinen Namen aufblinken. Ich habe keine Lust zu sehen ob es Glückwünsche oder Morddrohungen sind.
Eigentlich habe ich keine Lust. Der Tag war zu schön. Sehr entspannt lag ich auf einer Wiese, ließ mir das Gesicht von der Sonne bräunen. Zum Glück ist es doch noch einmal Sommer geworden. Endlich.
Der Postplanet. Eine Plattform die mich seit Jahren begleitet. Deren Höhen und Tiefen ich seit Jahr und Tag miterlebt habe. Meine Höhen und Tiefen, dokumentiert in zahllosen Thread’s. Es war ein Trugschluss zu glauben das man in einem anonymen Forum keine Probleme hat.
Noch ein paar Minuten schwelge ich in Erinnerungen. Denke an die verschiedensten User. Vor allem an die „üblichen Verdächtigen“.
Ich lehne mich vor zum Schreibtisch, stütze meinen Kopf auf die Hände und beobachte das Treiben im IRC. Ich hab damit gerechnet. Hab damit gerechnet das es Rummel geben würde.
Mein Glas ist leer. Ich beobachte die Kommentare, erregte und zustimmende gleichermaßen. Der Postplanet ist ein Spiegel der heutigen Gesellschaft. Man hat Freunde und Feinde. Auch virtuell lässt sich das nicht ändern. Ich will es auch nicht ändern. Das macht das Leben hier interessant und abwechslungsreich. Ohne wär‘s auch langweilig.
Während ich mich langsam aus meinem Stuhl hoch drücke und mein Glas in die Hand nehme, schwelge ich weiter in Erinnerungen. Eigentlich wollte ich nie Admin sein. Auch das überträgt sich auf mein Reallife. Nie hatte ich das Verlangen mich selbstständig zu machen oder Chef zu sein. Man gibt sich sicherlich auf der eine Seite viele Freiheiten (und viel Macht), auf der anderen Seite nimmt man sich die Freiheit abzuschalten. Man ist immer in Gedanken bei seinem „Baby“, seinem Projekt, seiner Firma, seinem Geld. Darauf hatte ich noch nie Lust.
Beim Aufstehen bemerke ich das mein Kopf zu langsam auf meine Bewegungen reagiert. Leicht schwankend gehe ich die ersten Schritte zur Treppe. Der Gedanke Admin zu sein verfliegt für einen Augenblick – ich ärger mich warum ich mir neulich nicht den Barkühlschrank gekauft hab. Nichts desto Trotz – ich quäle mich die Treppe hinunter. Leise öffne ich den Tiefkühlschrank. Unter Tiefkühlpizza und Eiswürfeln liegt noch eine Flasche Wodka. Daneben ein Tetrapack Orangensaft. Beides entnehme ich der Tiefkühltruhe. Ich schließe die Tür und setz mich erst mal an den Tisch. Einen Augenblick halte ich inne und denke nach. Dann öffne ich die Wodkaflasche und gieß das Glas halb voll. Beim Verschließen der Flasche denke ich an den PP. Und an die neu gewonnen Macht. Was man damit jetzt alles könnte. Einen Augenblick genieße ich die Vorstellung Admin zu sein. Genervt falte ich den Zipfel des Tetrapacks und reiße es auf. Die 2. Hälfte des Glases wird mit Orangensaft aufgefüllt. Mein Blick schweift zum Strohhalm. Diese weiß-roten Kringel gefallen mir. Leise seufze ich auf und setze mich erneut in Bewegung.
10 Minuten später, 10 Stufen höher, 10 Grad wärmer. Entspannt sitze ich in meinem Stuhl. Das Treiben im IRC hat noch nicht nachgelassen. Ich versuche zu filtern was nun Zuspruch und was Ablehnung ist. So langsam finde ich die Vorstellung Admin zu sein recht witzig. Ich schließe das Browserfenster mit den Yahoo Spielen und tipp die Adresse des Postplanet in die Konsole ein. Wie ich es mir gedacht habe: ein Thread diesbezüglich existiert schon. Squdus konnte in seinem jugendlichen Übermut natürlich nicht warten. Ich lächle in mich hinein bei dem Gedanken an den übereifrigen User.
Der Thread hat schon 2 Seiten. Ich atme noch einmal tief durch und beginne mit lesen. Zuspruch gemischt mit Ablehnungsgeschrei. Normal eben. Die Mehrheit stellt die Ernsthaftigkeit der Neuigkeit in Frage.
Ich lehne mich wieder zurück und nehme die Tastatur auf meine Oberschenkel. Mir ist warm. Obwohl ich vor 2 Stunden geduscht habe klebe ich schon wieder. Ich hasse diese schwüle Luft in meiner Dachwohnung. Die Tastatur saugt sich an meine Oberschenkel. Ich drücke auf „zurück“ und gelange zur Forenübersicht.
Ich schaue mir den Postplanet an. Und so lansgam kommen mir Ideen was man alles ändern könnte.
Gleichzeitig denke ich an Anarch Nophobia. Obwohl er sich auf das Spiel eingelassen hat ist es ihm sicher nicht ganz wohl bei dem Gedanken das jetzt ein anderer als er über Gedeihen und Verderb des Postplanet bestimmen kann. Und ich habe keine Lust ihm etwas zu verderben.
Das erste was mir beim Betrachten des Postplanets auffällt ist das wahnsinnig häßliche Design. Häßlich in meinen Augen. Ich weiß das sehr viele User das Design lieben. Ich finde es nervig, alt und trist. Am meisten stört mich der Header. Entstanden aus alten Wünschen, aus Träumen. Existent seit einer Zeit in welcher der Postplanet noch das Nebenprodukt eines Projektes war das seit Jahr und Tag schläft. Es ruht vor sich und mehr als ein Name und entfernt der Inhalt des Projektes ist davon nicht übriggeblieben. Zu gern würde ich den Postplanet endlich einen eigenen Namen, einen eigenen Auftritt, ein eigenes Design schenken. Verdient hat er es. Zumindest hat er, mit seinem Konzept überlebt. Ich halte es nicht für clever ein Logo von toten Projekten zu benutzen. Etwas junges, neues, frisches muss her, mit dem sich die Mehrheit der User identifizieren kann. Aus alten Zeiten sind nicht viele Geblieben. Der Wolf und Lupus ist für viele nur noch ein Begriff und ein Bild.
Mir schwebt ein helles, freundliches Design vor, das einlädt hierzubleiben. Dieses dunkle und triste Design beschreibt nicht das Flair was im Postplanet gewünscht ist. Eine junge, aufgeschlossene, differenzierte Community. Mit vielen Facetten, mit unzähligen vielen Ansichten und Charakteren. Ein Board das lebt. Es pulsiert und atmet mit dem Lauf der Zeit, mit dem was tagtäglich passiert. Es wächst von Tag zu Tag, erweitert sich. Es lebt. Und das wird meiner Meinung nach nicht durch das Design wieder gespiegelt. Das Design sagt etwas anderes: wir sind ein träger, lahmer, depressiver Haufen. Und sind wir das? Das Blau würde ich im Grunddesign weiter behalten. Blau steht für Wasser und Wasser wiederum für Leben, Bewegung und Entwicklung. Auch würde ich die Farbfacette großzügig auswählen. Ein dunkles Blau für die Tiefen, ein helles blau für die Leichtigkeit und die Oberflächigkeit. So vielfältig wie die Töne zwischen fast ganz weißem blau und fast schwarzem blau sind, so vielfältig sind wir. Das Grunddesign würde ich trotzdem hell halten. Hell, freundlich, auffordernd, einladend.
Mein Blick schweift ab. Mein Glas Wodka-Orange steht halb verwaist neben der Maus. Ich lege die Tastatur wieder auf den Tisch. Beim Zurücklehnen in meinen Stuhl greife ich mit der rechten Hand nach meinem Glas und führe den rot-weiß gekringelten Strohhalm zum Mund. Ich ziehe einmal kräftig daran und genieße das eiskalte Nass in meinem Mund.
In meinem Kopf entstehen Bilder von einem hellen und freundlichen Postplanet.
Schnell verwerfe ich diese Pläne, denn es ist wohl kaum zu schaffen dies in einem Tag umzusetzen.
Ich schließe das Browserfenster mit einem gelangweilten Doppelklick. Unter dem Fenster erscheint wieder das IRC. Der Rummel hat sich gelegt. Mittlerweile ist es fast halb 2. So langsam kühlt die Luft außerhalb meiner Wohnung ab. Ich genieße den phantastischen Blick auf den Mond, der groß, rund und wunderbar gelb am Himmel thront. Ein leichter Schauer fährt mir den Rücken hinunter und ich stelle den Ventilator wieder auf Stufe 1.
Schwungvoll setzte ich mich auf meinen Tisch, der genau unter dem Dachfenster steht. Ich drücke das Fenster weiter auf, bis ich es fast nicht mehr erreichen kann. Einen Augenblick halte ich die Luft an und lausche in die Stille der Nacht. Meine Eltern sind schon lange schlafen und ich zünde mir eine Zigarette an. Halb nackt, an den Fensterrahmen gelehnt, gemütlich und genüßlich eine Zigarette rauchend beobachte ich das aufgeweckte Treiben der Mücken weit unterhalb meines Fensters im Scheinwerferlicht der Straßenlaterne. Dieses bunte und wirre Treiben, diesen Tanz den sie aufführen – er erinnert mich an uns. An den Postplanet, die User, das Wuhling was jeden Tag auf dieser Plattform auf und nieder tanzt. Mein Blick schweift zu Nachbars und deren Kaninchenstall im Hof. Die Mümmel sitzen faul und träge in ihrem Stroh und schnurpsen das Gras was die kleine Tochter der Nachbarn ihnen vor 3 Stunden noch schnell gesammelt hat. Ein Bild durchzieht meinen Kopf und ich muss Schmunzeln. Diese trägen Karnickel erinnern mich an unseren Admin. Ich schüttel den Gedanken aus meinem Kopf.
Langsam glüht der Zigarettenstummel aus. Ich werfe die Zigarette in die dunkel Nacht hinein und verfolge das rote Licht mit den Augen bis es ins Gras fällt und erlischt. Das rote Glühen erinnert mich wieder an den Postplanet. Ein roter, glühender Faden der sich durch Konzept und Design hindurchzieht. Dieser Faden fehlt.
Einen Augenblick verweile ich auf meinem Tisch, bevor ich mich etwas weniger schwungvoll wieder auf meinen Stuhl setzte. Es ist mittlerweile um 2 und ich werde langsam müde.
Erneut öffne ich durch einen Doppelklick die Seite des Postplanet. Ich überlege was das Projekt Postplanet – unser Projekt – ausmacht. Meine Gedanken schweifen auf die rechte Leiste im Postplanet mit den aufgezählten Moderatoren. Ich seufze – wenn das Projekt irgendwann mal richtig laufen soll, dann muss sich auch da etwas ändern.
Wir brauchen frische und motivierte Moderatoren, mit einem eigenen Kopf, eigenen Vorstellungen und Träumen. Moderatoren die den Postplanet lieben, die das Projekt lieben und die auch bereit sind sich für das Gelingen des Projektes einzusetzen. Wir brauchen Moderatoren die bereit sind ihren Mund aufzumachen, ihre Meinung auf den Tisch legen und diskutieren.
Ich werde kurz abgelenkt von meinen Gedanken. Ich nehme noch einmal mein Glas Wodka-Orange und ziehe durch den weiß-rot gekringelten Strohhalm einen kräftigen Schluck. Ich schüttel mich kurz und versuche mich wieder zu konzentrieren.
Moderatoren ist ein leidiges Thema. Du willst keinem auf den Schlips treten und du willst keinem das Gefühl geben das er fehl am Platz ist wenn er nicht 24/7 bereit steht. Das ist nicht Sinn und Zweck der Sache. Ein Moderator der nur für den Postplanet lebt ist genauso deplaziert wie einer der keine Zeit für das Projekt hat.
Ich lehne mich zurück. Auch diesen Gedanken bin ich kurz davor zu verwerfen. Ein Thema mit dem man sich keine Freunde macht. Und trotzdem denke ich das ein engagierteres Team dem Postplanet weiterhelfen würde.
Im IRC ist es still geworden. Die Uhr zeigt halb 3. Ich lehne mich noch einmal zurück. Genieße den ruhigen Bass von einem Drum’n Base Liveset und atme die kühle Nachtluft ein.
Mein Glas Wodka-Orange ist noch halb voll, aber ich habe auch keine Lust mehr es auszutrinken. Ich schicke ein obligatorisches „Gute nacht Jungs“ in den Chan und schließe alle Fenster. Die Musik erlischt zu letzt‘, ich trenne alle Verbindungen und fahre den Rechner herunter. Einen Augenblick bleibe ich noch vor dem Rechner sitzen und lausche den letzten Runden der Rotorblätter des CPU Lüfters. Als es still wird schalte ich den Monitor aus und stehe langsam auf.
„Admin für einen Tag“, denke ich bei mir während ich mich den restlichen Klamotten entledige. Ich lege mich ins Bett und suche unter Kissen und Decken die Fernbedienung. Ich schalte den Fernseher ein, schiebe die Decke von mir und zappe mich durch das Programm. Ich lege die Fernbedienung beiseite als ich PRO 7 mit einer Wiederholung von Sex and the City erreicht habe. Noch einmal greife ich zur Fernbedienung und stelle den „OFF-Timer“ auf 30 Minuten. Der Postplanet ist wie weggefegt als ich im Halbschlaf Carry und den anderen Weibern zusehe. Irgendwann fallen mir langsam die Augen zu. Ich höre entfernt noch die Geräusche des Fernsehers und schlafe ein.
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Die Sonne kitzelt meine Nase. Ich denke ‚Mist, vergessen das Rollo runter zu machen‘ und vergrab mein Gesicht wieder im Kissen. Lange bleibe ich so nicht liegen, wenn ich einmal wach bin kann ich nicht mehr schlafen. Es war eine kurze, traumlose Nacht, in welcher der Postplanet wie weggeblasen schien. Ich drehe mich auf den Rücken und schau zu meinem Dachfenster. Die Sonne blendet mich, so daß ich mich auf meine Arme stütze um den Strahlen der Sonne auszuweichen. Mit einem kurzen Blick schaue ich auf die Uhr. Es ist halb elf. Eine durchaus normale Zeit zum Aufstehen für mich. Es ist Sonntag. Es scheint wieder ein schöner Tag zu werden. Schwungvoll werfe ich meine Beine von der Bettkante und der restliche Körper folgt der Bewegung. Ich recke mich und stehe auf. Langsam kommen die Erinnerungen der Nacht wieder hervor. Ich muss lächeln, immerhin hat Anarch Nophobia jetzt schon 10 einhalb Stunden der Übernahme durch mich überlebt ohne das groß etwas passiert ist. Ob er auch so ruhig geschlafen hat?
Ich gehe zum Fenster und ziehe das Rollo halb herunter. Unten auf dem Hof gibt die Nachbarstochter den Karnickeln wieder Futter und ich denk mir ‚bei der Mast müssen die ja fett werden‘. Proportion der Karnickel passen wieder zum Halter. Irgendwie stimmt es das die Tiere nach ihren Herrchen kommen. Ich schlüpfe in die Shorts meines Freundes und zieh mein Bikinioberteil an. Mein Freund liegt noch regungslos im Bett, dennoch sichtlich erleichtert das die Sonne ihn nicht mehr blendet.
Gegen meine Gewohnheit nehme ich den Laptop meines Freundes und steige noch müde die Treppe hinunter. Meine Eltern sind schon längst Rad fahren, so das ich Bad und Küche für mich allein hätte. Trotzdem beschließe ich erst mal den Laptop hochzufahren. Während die alte Mühle langsam startet gehe ich ins Bad und putze mir Zähne. Ich hasse den Geschmack nach dem Schlafen im Mund. Während ich mir die Zähne putze überlege ich was ich mit dem Tag so anstelle.
Ich glaube es wird von mir erwartet das heut irgendetwas grandioses verändert wird, das irgendetwas phänomenales passiert. Aber während ich so überlege was das denn sein könnte bemerke ich das ich wieder mal zuviel Zahnpasta benutzt hab und mir, wie so ziemlich jeden Morgen, ein großer Klecks davon auf meinem Bikini gelandet ist. Ich spucke aus, spüle nach und versuche den Fleck auszuwaschen.
Fakt ist: ich werde ganz sicher nicht den ganzen Tag vor dem Postplanet sitzen und brüten was ich denn verändern könnte. Wenn mein Freund wach ist, werde ich ihn überreden mit mir zum Nachbardorf ins Bad zu fahren. Ich liebe die Sonne, es ist als ob sie mir Energie und Kraft gibt. Außerdem gibt es eine sexy Bräune

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Ich gehe zurück zum Laptop und öffne den Internetbrowser. Wireless LAN hat so seine Vorteile. Ich rufe den Postplanet auf und denke mir das ich ja wenigstens solange mein Freund schläft planetenbewegende Dinge durchsetzen kann.
In dem Thread von Squdus hat sich kaum etwas getan seit heute Nacht. Ich habe auch keine Lust das Alles noch einmal mit klaren Kopf durchzulesen.
Ich überlege was ich mir heute Nacht noch so gedacht habe. Richtig – Design und Moderation waren 2 Gedanken. Das Design wird wohl an der kurzen Zeit scheitern die mir heute zur Verfügung steht. Trotzdem werde ich diesbezüglich mal einen Thread starten mit meinen Gedankenentwürfe. Mal sehen was die anderen sagen. Ganz meiner Natur vermute ich das die meisten dagegen sind – wozu etwas so alt Bestehendes ändern? Ich zucke vorahnend mit den Schultern. Die Moderation werde ich heute auch nicht in Angriff nehmen. Das ist keine Sache die ich allein entscheiden will. Außerdem kann man sich damit nur Feinde machen. Ich lächle, denn mir ist eingefallen was ich heute ändern werde.
Aber ich stehe erst einmal auf und gehe zur Küche. Ich nehme das Paket Orangensaft von gestern aus der Tiefkühltruhe. Es ist jetzt gut durchgefroren. Ich stelle es auf die Ablagen und gehe leise in den Zwischenraum zu meiner Wohnung. Unter der Treppe stehen weitere Saftpakete und ich nehme Multivitamin. Leise schließe ich die Tür hinter mir und nehme diesmal eine Schere um das Tetrapack zu öffnen. Ich gieße mir ein Glas voll ein und suche nach etwas Essbaren. Im Kühlschrank werde ich fündig. Ich gehe mit einem Joghurt und meinem Glas Multivitaminsaft zurück zum Laptop.
Ich tippe die URL des Postplanet mit dem Anhängsel /admin in die Konsole ein. Ich bin schon gespannt was für mich nun auftaucht. Ich bin ein wenig enttäuscht. Ich durchstöbere alle Funktionen und probier alles aus. DAS muss der Moment sein vor dem Anarch Nophobia die größte Angst hat. Ein Laie sitzt vor seinem Adminpaneel und spielt rum und probiert alles aus. Was mich natürlich nicht hindert trotzdem weiter auf alles zu klicken.
Aber nun zu meinem Plan. Ich werde heute die Forenstruktur ändern. Und damit die User das nicht alles in Stückchen mitbekommen werde ich den Postplanet erst einmal schließen mit der Nachricht „Neue Mächte sind am Werk“. Nun gehört der Postplanet wirklich mir. Ich sehe in den LOG Dateien das Anarch Nophobia ebenfalls im Adminpaneel unterwegs ist und nachschaut was ich alles angeklickt habe.
Das soll mir jetzt aber egal sein. Während ich das denke geht ein ICQ-Fenster auf und ich sehe einen ewig langen Beschwerdetext von Anarch Nophobia. Ich klicke ihn gleich weg und setze ihn für heute auf meine Ignoreliste. Das ist mein Tag.
Meine Vorstellung von der Forenumstrukturierung ist seit Jahren klar. Es wird nach wie vor einen Eingangsbereich geben mit der Kneipe und dem Support. Wobei mir der Name „Eingang“ nie wirklich gefallen hat. Da ich kein Gegner von Unterforen bin werden die Sammelkneipe und das Geburtstagsforum als ein solches Subforum bestehen bleiben.
Die nächste Rubrik soll „Postplanet Talk“ heißen. Darin werden dann die Foren „Politik und Zeitgeschehen“, „Im Namen des Gesetzes“, „Karriere“ und „Philosophie und Gedanken“ ihren Platz finden.
Die dritte Rubrik wird „Lifestyle“ heißen und genau das auch beinhalten. Unter diesem Stern stehen Foren wie „Liebe, Sex und Zärtlichkeit“, „ Ernährung, Körper und Gesundheit“, „Mode, Lifestyle und Kosmetik“, „Art und Design“, „Drogen, Sucht und Medikamente“ und die „Mecker- und Jubelecke“.
Die vierte Rubrik wird dann „Hobby und Freizeit“. Darunter fällt dann alles von Autotunig, der Bundesliga, Ebay und den Hobbybastlern. Das sieht dann wie folgt aus: „Drive in“, „Technik“, „Sport“ und dem „Suche/Biete“-Forum. Das Sportforum soll als Unterforum ruhig die „Tippspiele“ behalten.
Die fünfte Rubrik sollte „Medienwelt“ heißen. Darunter fällt dann der „Musikplanet“, „Film und Fernsehen“, „Literatur“ und der „Game Planet“.
Die sechste und letzte große Kategorie ist „PC und Internet“. Darunter fallen dann die Foren „Internet“, „Hardware“, OS und Software“, „Coders Area“ und „Videobearbeitung“.
Und am Ende fällt unter „Sonstiges“ das „Funforum“ und das „Testforum“.
Ich lehne mich zurück und lasse meinen Nacken von der Sonne die durch die großzügige Glaswand in unserem Wohnzimmer scheint wärmen. Es ist jetzt schon wieder zu warm. Ich höre wie es eine Etage über mir rumpelt. Mein Freund wird wohl bald aufstehen.
Ich wende meinen Blick wieder zum Adminpaneel. Eigentlich ist es ziemlich simpel aufgebaut. Nach kurzer Testphase fällt es mir leicht die Änderungen vorzunehmen. Ich schaue auf die Uhr. Ich habe fast eine Stunde damit verplempert. Es ist nun fast Mittag. Die Tür vom Zwischenzimmer wird aufgestoßen und ohne mich eines Blickes zu würdigen tapst mein Freund ins Bad.
Ich kenne ihn gut und weiß das ich jetzt noch gut eine viertel Stunde Zeit habe bevor er frisch geduscht und munter aus dem Bad kommt.
Ich schaue mir nun die aktuelle Forenaufteilung an. Es gefällt mir gut. Ich gerate ins schwärmen und überlege mir wie dies mit neuem Design und neuer „Mitarbeiterstruktur“ wohl aussehen würde. Ich nehme mir vor das den Admins und Moderatoren bei Gelegenheit mal aufzuschreiben wie ich mir eine neue Struktur vorstellen könnte. Ich klicke erneut auf das Adminpaneel und schalte den Postplanet wieder frei.
Mal schauen wie die Reaktionen sind. Schade ist das man vorher nicht mit den Moderatoren über die Umstrukturierung reden konnte, aber so viel Zeit habe ich heute nicht.
Noch während ich beobachte wie Anarch Nophobia den Postplanet betritt wird die Tür vom Bad aufgestoßen und mir wird ein munteres „Guten Morgen Schatz“ entgegen gerufen.
Ich stehe auf, umarme ihn und geb‘ ihm einen Kuss. Gemeinsam packen wir unsere Tasche mit Decke, Sonnenmilch und Proviant und vergessen ist der Postplanet. Schnell fahre ich den Laptop runter und damit ist das Thema „Admin“ und „Postplanet“ für heute erledigt.
Mein Freund ist schon längst zur Tür hinaus und holt das Motorrad aus der Garage. Ich sprinte hinterher, recke mein Gesicht zur Sonne und freue mich auf den entspannten Tag.
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Es ist 23 Uhr. Ich hatte einen wunderschönen Tag in der Sonne. Abends haben wir gegrillt. Mein Bäuchlein wölbt sich leicht, da ich nach dem Baden großen Hunger hatte und auch ordentlich zugelangt habe. Ich lasse mich auf meinen Stuhl unter dem Dachfenster plumsen und schalte den Rechner ein. Meine Wohnung hat sich ordentlich aufgeheizt und es ist schwül/ warm. Ich stoße das Dachfenster auf und schalte den Ventilator auf Stufe 3. Einen Augenblick genieße ich den Wind in meinem Gesicht und lehne mich entspannt zurück. Beim Berühren der Lehne schmerzt die Haut auf meinem Rücken. Das fühlt sich wie ein leichter Sonnenbrand an. Ich nehme mir vor mich nachher noch mit After Sun Creme einzureiben. Windows XP hat sich hochgefahren. Ich öffne den Internetexplorer und gebe die Adresse des Postplanets in die Konsole ein. Im Hintergrund starten sich IRC und Trillian. Mir entfährt ein spöttisches Lachen als auf einmal unzählige Fenster von ICQ auf meinem Bildschirm erscheinen. Bevor ich mich diesen widme setzte ich Anarch Nophobia erst mal von der Ignoreliste. Als hätte er darauf gewartet erscheint ein Textfeld bei mir auf dem Bildschirm. Ich gebe ihm 5 Minuten Zeit um sich alles von der Seele zu schreiben und schau mir erst einmal die anderen Textfelder an. Natürlich sind das nur Beschwerden. Aber so wie ich das auf den ersten Blick erfasse nur von Leuten die eh immer Meckern und selbst nie wirklich Ideen haben. Also werden die Fenster alle kommentarlos geschlossen.
Im Postplanet hingegen ist es recht friedlich. Ich schaue auf die Uhr. Noch eine halbe Stunde und dieser Tag ist vorbei. Ich stelle den Ventilator auf Stufe 2. Ein gelber Balken blinkt wild auf dem Bildschirm. 10 neue PM’s. Ich öffne die erste und finde eine liebe E-Mail von Semmela, welche die Forenaufteilung gut findet. Beim durchsehen der anderen PM’s bestätigen mir noch andere User das sie die neue Aufteilung wesentlich übersichtlicher finden.
Ich lehne mich zurück und schließe die Augen. Der Tag war schön. Ich lese die Message von Anarch. Natürlich meckert er das ich ihn ignoriert habe und es gefällt ihm natürlich nicht das ich Zugriff auf die Adminfunktionen hatte. Aber – das wußte er vorher als er sich auf das Spiel eingelassen hat. Er schreibt auch, das ihm die neue Forenaufteilung so besser gefällt.
Erleichtert schließe ich Trillian und das IRC. Heute werfe ich kein „gute Nacht Jungs“ in den Chan. Ich habe keine Lust in Gespräche verwickelt zu werden und verschwinde so stillschweigend wie ich gekommen bin. Ich werfe noch einmal einen kurzen Blick auf den Postplanet. Mein Blick schweift wieder zum Fenster hinaus. Morgen ist Montag und ich muss arbeiten. Ich bewundere den großen, runden, gelben Mond der genau vor meinem Fenster am Himmel thront. Ich schließe den Browser und fahre den Rechner herunter. Ich lausche meinem CPU Lüfter der langsam aber sicher aufhört sich zu drehen. Als alles still ist drücke ich mich aus meinem Stuhl, stehe auf und ziehe alle Rollos herunter. Ich schaue mich in meinem Zimmer um. Es ist erhellt durch das Licht des Mondes der durch die kleinen Ritzen meiner Rollos scheint. Ich liebe diesen ruhigen, romantischen Anblick. Ich lausche in die Stille der Nacht und höre nur den gleichmäßigen Atem meines Freundes der schon eingeschlafen ist. Ich liebe ihn. Ich werfe die letzten Klamotten in eine Ecke meines Zimmers und krabbel zu meinem Freund ins Bett. Eigentlich bin ich ganz zufrieden mit diesem Tag. Ich kuschel mich an seine Schulter und schlafe ein.