"buy german" und schon gehts ab in lederhosen-land.
Nun, ja, wir bestehen ja nicht nur aus Bayern... ;-)
Was ich sagen will ist: Das "buy german" möchte ich gar nicht für alles und jedes.
Ich möchte mal etwas länger zurückdenken:
Es gab schon immer Welthandel. Nur es war einmal völlig anders: Die Produkte des täglichen Gebrauchs wurden vor Ort hergestellt und waren auch erschwinglich für die meisten.
Das, was aus dem Orient oder sonstwoher kam, war durch die langen Handelswege viel
teurer. Importiert wurden die Produkte, die es hier schlicht nicht gab, etwa weil die Gewürze hier nicht wuchsen, Tiere hier nicht lebten u.s.w..
Es war eine Nachfrage nach den Produkten, also kam es zum regen Handel, obendrein durch Windkraft fahrende Schiffe...alles kein Problem, im Gegenteil, eher bereichernd. Für alle Seiten.
Nun ist es aber so, daß -wie Du selbst schreibst- die Produkte des täglichen Gebrauchs viel
billiger aus Fernost importiert werden, etwa Schuhe, Kleidung etc. über tausende von Kilometern. Daß das ganze auch ein echtes Umweltproblem mit sich bringt, das weiß man vielleicht nur, wenn man sich damit beschäftigt hat, aber:
Die Schiffe fahren mit Schweröl
http://de.wikipedia.org/wiki/Schwer%C3%B6l, einem Raffinerieabfallprodukt, daß bei normaler Temperatur ziemlich fest ist und erst erhitzt werden muß. Überwiegend ohne Filter, Hamburg kann ein Lied davon singen.
http://www.3sat.de/3sat.php?http://w...462/index.html
Die Schiffe (Tanker) fahren einwandig, aus Geldgier, denn doppelwandig wäre teurer, und etwas Volumen würde draufgehen.
http://www.greenpeace.de/themen/oel/..._doppelhuelle/
Deshalb kommt es immer wieder zu Havarien, (umso leichter) bei denen grosse Kraftstoff- und Erdölmengen etc. austreten.
Die Schiffe entsorgen Schadstoffe auf offener See
http://www.greenpeace-magazin.de/mag...php?repid=1333, reinigen dort ihre Tanks, entsorgen Abfälle u.s.w.. Es gibt teilweise auf offener See (Pazifik) über hunderte Kilometer riesige Strudel/Wirbel voll von Plastikmüll.
http://oceans.greenpeace.org/de/unse...udel-aus-muell Meerestiere (Vögel etc.) fressen den Kram und verenden daran.
Nun ja, unsere Schuhe sind an eins zwei Stellen etwas defekt, was tut der Durchschnittsdeutsche? Ab in den Müll und neue kaufen. Aus Fernost. Bei deutscher Fertigung (würde Arbeitsplätze schaffen) würden wir auf solche Ideen nicht kommen, da wäre uns das Geld zu schade, das wir in die Schuhe investiert haben. Im Regelfall werden die Fernost-Schuhe auch nicht repariert, obwohl selbst davon wieder Menschen Arbeit und Einkommen hätten.
Was ich sagen will ist: Es wäre einfach sinnvoll, wenn Faktoren wie lange Transportwege, die nicht nur Kraftstoffkosten etc. verursachen, sondern auch Umweltschäden, Schäden für die Menschen etc., in vollem Maße berücksichtigt würden. Die Kosten müssten also real viel Höher sein.
Im Weiteren zerstören diese (unnötigen) Importe eben ganz klar Arbeitsplätze.
Ich bin für Handel, auch Welthandel, aber eben für die Produkte, für die es sinnvoll ist. Durch entsprechende Steuern je Schiffsladung, ausreichende Steuern auf den Schiffskraftstoff, Umweltauflagen, Haftungsauflagen (etwa bei Havarien etc.), Produktbezogene Einfuhrzölle und eine sinnvolle und effiziente Förderung des Mittelstandes und Handwerks könnte man das meiner Meinung nach erreichen.
Wenn man alles der Wirtschaft überlässt, dann führt das eben dazu, daß Schweröl verbrannt wird, statt Schadstoffmässig wesentlich bessere Kraftstoffe -und ohne Filter, zu einwandigen Schiffen, zu Entsorgungsaktionen auf offenem Meer und Verschrottung von Altlasten (Giftstoffe) in Entwicklungsländern u.s.w.. Und eben zu einer Überschwemmung des Marktes mit billigen Plastikprodukten, Klamotten und Sonstigem aus Fernost. Zu Preisen, bei denen sich deutschsprachige Kaufleute fragen, wie sie dazu überhaupt die Rohware ordern sollen.
ich denk nur ein enormer teil produzierender unternehmen ist schon garnicht mehr im lande tätig.
Das sehe ich nicht als Problem an. Wo sich die Bedingungen verbessern, d.h. steigende Nachfrage, Bürokratieabbau (etwa Steuersystem vereinfachen), etc., da kommt es auch schnell wieder zur Ansiedelung von Unternehmen.
man schätzt den anteil der menschen, die vollkommen von unselbstständiger arbeit leben auf etwa ein drittel der bevölkerung. diese, ihre chefs und ihre ehepartner sind dann ungefähr die einzigen leute im land die überhaupt diese "macht" hätten.
Diese sind aber jene, die die (überwiegende) Kaufkraft haben. Also schätze das nicht so gering.
Davon abgesehen halte ich es nicht für korrekt, davon auszugehen, daß Studenten, zivildienstleistende, arbeitslose, sozialhilfeempfänger, frührentner, schüler, auszubildende, angestellte im billiglohnsektor...
nicht in der Lage wären alternativ zu Supermarkt und Discounter einzukaufen. Ich selbst falle in diese Liste und bin doch dazu in der Lage:
Es ist eine Frage der Prioritäten, die ich setze: Kaufe ich mir nen neuen Laptop, leiste ich mir etwas, oder...gutes Essen. Nur so als Beispiel.
also sogar die wenigen leute mit der hand aufm kapital werden selbstverständlich nachm maximal-prinzip vorgehen und so, wie sie es im BWL-studium gelernt haben, das größtmöglichste fürs gegebene kapital rausholen wollen.
Richtig. Zu meinen Aldi-Zeiten (bis vor 1 Jahr) war mir das zunehmende Vorfahren von Nobelkarossen vor dem Aldi-Markt ins Auge gefallen. Denn Aldi hatte sich gewandelt: Vom Billigladen zum Qualitäts- Schnäppchen-Discounter.
Jeder wird so reagieren, der die Möglichkeit dazu hat und eben oberflächlich betriebswirtschaftlich, nicht jedoch volkswirtschaftlich, nicht umfassend denkt: Beim Aldi gibt es recht qualitative Ware für geringes Geld.
Das Problem ist aber auch hier: Wenige Mitarbeiter (bei Aldi recht gut bezahlt) profitieren von den Gewinnen durch Maximalmengen, Organisation, Logistik und Effizienz, allen mit extremem Abstand voran die Chefs
http://www.n-tv.de/719804.html. Viele Einzelhändler, kleine Existenzen aber gehen daran zugrunde.
Würde man diese Mengen, die Aldi, Lidl und Co. verkaufen, verteilen, dann gäbe es für viel mehr Menschen Arbeit und auch für viel mehr Menschen Einkommen und damit eine Existenzgrundlage. So ist es überall in der Grossindustrie, Grossvertrieb etc..
Ich denke nicht, daß es überhaupt möglich sein wird, das allgemeine Denken diesbezüglich zu ändern. Der Mensch ist nun mal leider ein Egoist. Betriebswirtschaftliche Denkweise passt da gut ins Schema.
Aber einige wenige werden es tun, sie werden begreifen:
"Moment, wenn ich bei mir nichts ändere, wie soll sich dann jemals was ändern? Ich kann mich nicht mehr weiter aufregen, selbst schmarotzen, und weiter aufregen. Ich fange bei mir an."
Und schon diese können etwas verändern und durch ihre Nachfrage die Existenz neuer Betriebe ermöglichen.