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Tabak-Werbeverbot [Bericht Frontal 21]

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Anardil
Alt 02.03.2006, 13:45   #1
Standard Tabak-Werbeverbot [Bericht Frontal 21]

Frontal 21 - Tabakverband blockiert Werbeverbot
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/29/0,...904477,00.html

Vielleicht hat von euch diese Woche jemand den Frontal 21 - Beitrag gesehen. Es ging um das Tabak-Werbeverbot in der EU. Deutschland wehrt sich seit Jahren dagegen. Letztes Jahr verabschiedete Künast einen Entwurf und machte somit den Weg frei für das Verbot.

Nun kam Rot/Schwarz an die Macht und ein Mr. Seehofer machte diesen Entwurf, bzw. die Bemühungen wieder rückgängig. Kurz zur Erklärung. Es gibt eine Studie (von Seehofer in der vorletzten Regierung in Auftrag gegeben), daß die Tabak-Werbung Einfluss auf das Rauchverhalten der Jungendlcihen hat. Seehofer veröffentlichte diese Studie nie, da sie seinen Vorstellungen "missfiel". Zudem wurden Gesetz/Entwürfe der Tabak-Lobbyisten gezeigt; die die EU beruhigen solten. Diese wurden von der Regierung nahezu 1 zu 1 übernommen. Für diese Bemühungen wurden allen (!) Parteien nach Priorität Spenden im 10 bis 100 Tausender-Bereich überwiesen.

HINTERGRUND
Im Kampf gegen ein Werbeverbot für Zigaretten war Deutschland der Bauchredner für die Tabakindustrie

Von Florian Staeck

Über mehr als eine Dekade hinweg ist es führenden Tabakkonzernen gelungen, strenge Regeln für Zigarettenwerbung in der EU zu hintertreiben. Eine Ende vergangener Woche im "Lancet" veröffentlichte Studie zeigt, daß deutsche Politiker an höchster Stelle mitgewirkt haben, um ein Verbot von Tabakwerbung in der EU zu verhindern und hinauszuzögern.

Wissenschaftler vom Center of Tobacco Control Research and Education von der University of California in San Francisco konnten auf Hunderttausende vertraulicher Dokumente führender Tabakkonzerne wie Philip Morris, R. J. Reynolds und British America Tobacco zurückgreifen. In einem Rechtsvergleich mit 46 US-Bundesanwälten hatten die Unternehmen der Veröffentlichung dieser Dokumente zugestimmt, um künftige Klagen der Bundesstaaten zu vermeiden.
Kommission legte schon im Jahr 1989 einen Entwurf vor

Die Dokumente belegen das abgestimmte und strategische Vorgehen der Tabakindustrie bei der Verhinderung eines Werbeverbots. Schon im Jahr 1989 hatte die EU-Kommission eine Richtlinie vorgeschlagen, die alle direkte und indirekte Werbung und das Sponsoring zugunsten von Tabakerzeugnissen verbieten sollte.

Deutschland war aus Sicht der Zigarettenindustrie der "zuverlässigste Gegner eines Werbeverbots". Dabei konnten sich die Hersteller der Zustimmung von höchster Stelle sicher sein. Aus Sicht der Autoren Asaf Bitton, Mark David Neuman und Staton A. Glantz zeigen die Dokumente, daß "der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl seit 1978 ein enger Verbündeter der Tabakindustrie" war.

Die Hersteller gingen in drei Schritten gegen die Richtlinie vor. Zunächst mußte im damaligen EG-Ministerrat dafür gesorgt werden, daß Mitgliedsländer durch ihr Veto die sogenannte qualifizierte Mehrheit verhindern, die es gebraucht hätte, um den Entwurf zu verabschieden. Das gelang bis Mitte der 90er Jahre, als mit der Aufnahme von Finnland und Schweden die Stimmverhältnisse im Ministerrat neu gewichtet wurden.

Wichtigster Verbündeter dabei war Deutschland. In einem Strategiepapier von Philip Morris aus dem Jahre 1993 wird empfohlen: "Nutzung des deutschen Einflusses, um eine Schwächung des Minderheiten-Vetos (im Ministerrat) zu verhindern."

In einem zweiten Schritt versuchte die Industrie, Gegenvorschläge zum striktem Werbeverbot zu lancieren. Diese zielten auf eine "minimale Harmonisierung" auf EG-Ebene: In der Werbung sollte auf Gesundheitsrisiken hingewiesen und auf Models unter 25 Jahren verzichtet werden. Natürlich durfte die Handschrift der Zigarettenkonzerne nicht zu deutlich sichtbar sein. Daher wurde dieser im Mai 1992 verfaßte Minimal-Katalog von Deutschland ein Jahr später als "Kompromißvorschlag" in die Verhandlungen der EG-Gesundheitsminister eingespeist.

Wichtigster Bündnispartner der Industrie war der deutsche FDP-Politiker und damalige EG-Wettbewerbskommissar Martin Bangemann. Der Vorschlag der Industrie, heißt es in einem Papier von Philip Morris, sollte "scheinbar spontan von der EG-Kommission" lanciert werden.

Der Plan funktionierte. In einem Memo von Philip Morris aus dem Jahre 1993 wird gefordert, "Bangemanns Verfügbarkeit sicherzustellen, 'seinen' Vorschlag zu präsentieren". Als "Alternative" zum strikten Werbeverbot blockierte der "deutsche Kompromißvorschlag" die weiteren Verhandlungen über die ursprüngliche strikte EG-Richtlinie.
Deutschland klagte mit Erfolg gegen die EU-Richtlinie

Ein dritter Weg, um die Richtlinie zu verhindern, war eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Denn im Juli 1998 schien sich das Blatt zu Lasten der Hersteller zu wenden. Die Richtlinie hatte endlich - aufgrund der neuen Mehrheitsverhältnisse im Ministerrat - eine Mehrheit gefunden. Prompt reichten Tabakhersteller und die Bundesrepublik Deutschland Klagen beim Europäischen Gerichtshof gegen das Tabakwerbeverbot ein. Deutschland monierte, daß die Richtlinie dem Ziel zuwiderlaufe, den freien Handel in der EU zu erleichtern - und bekam am 5. Oktober 2000 Recht.

Die EU-Kommission mußte erneut einen Vorschlag erarbeiten, den sie im Mai 2001 vorlegte. Verboten werden soll nur noch Werbung mit "grenzüberschreitendem Charakter", Plakat- und Kinowerbung sind davon nicht mehr betroffen.

EU-Gesundheitskommissar David Byrne erklärte nach Veröffentlichung der Studie im "Lancet": "Ich bin stolz darauf, daß es die Tabakindustrie nicht geschafft hat, uns zu beirren." Das ist angesichts der erfolgreichen Verhinderung der Richtlinie seit nunmehr 13 Jahren eine Beschönigung. Nach Angaben der Kommission sterben jährlich 500 000 Menschen in der EU an den Folgen des Tabakkonsums.

Die Studie kann heruntergeladen werden unter: www.library.ucsf.edu/tobacco/euad/euad.pdf

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FAZIT

Durch strategisches Lobbying haben es Tabakkonzerne verstanden, daß in der EU auch 13 Jahre nach Vorlage eines ersten Entwurfs noch keine einheitlichen Regeln für Tabakwerbung existieren. Deutschland spielte im Kalkül der Hersteller eine zentrale Rolle. Eine im "Lancet" veröffentlichte Studie belegt, daß deutsche Politiker in enger Abstimmung mit der Industrie eine Verabschiedung der Richtlinie verhindert haben. Vor allem der ehemalige EG-Kommissar Martin Bangemann machte sich zum Sprachrohr der Industrie.

Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/docs/200....asp?cat=/news

Solche Sachen waren mir ja von den USA und der Waffenindustrie bekannt - aber hier war ich offensichtlich etwas blauäugig. Was haltet ihr davon?
 
 
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Krashok
Alt 02.03.2006, 17:41   #2
Standard

Lobbyismus hat man überall .. da musst du dir nur mal die Nahrungsmittelindustrie ansehen .. wundert mich aber ehrlich gesagt kein stück.
 
 
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DerAssie
Alt 02.03.2006, 18:09   #3
Standard

Lehne Verbote generel ab als Zensur und Beformundung.
Jeder Depp weis aus zig Quellen Täglich wie Ungesund Alk und Tabak im Exessiven Konsum sind.
Liegt in der Eigenverantwortung was jeder aus diesem Wissen macht, Zensur ist IMMER abzulehnen !!
 
 
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Chromprinz
Alt 03.03.2006, 01:29   #4
Standard

Als mündiger Bürger möchte ich mich nicht von Sesselfurzern bevormunden lassen. Wer die Standards und Verordnungen der Behörden liest, muß um den Untergang des Systems nicht bangen.

Der Bundesmister für Gesundheit warnt:
Das führen eines Kraftfahrzeugs kann Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zufügen


 
 
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Morris
Alt 03.03.2006, 11:03   #5
Standard

Jo, ihr vergesst, dass der Staat auch eine gewisse Verantwortung den Bürgern gegenüber hat. Es ist schön wenn sie wenigstens z.T. auch wahrgenommen wird und ein Werbeverbot für Tabakwaren ist sicherlich keine schlechte Sache.
 
 
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ToMaK
Alt 03.03.2006, 11:47   #6
Standard

Zitat von DerAssie
Lehne Verbote generel ab als Zensur und Beformundung.
Jeder Depp weis aus zig Quellen Täglich wie Ungesund Alk und Tabak im Exessiven Konsum sind.
Liegt in der Eigenverantwortung was jeder aus diesem Wissen macht, Zensur ist IMMER abzulehnen !!
Mag sein, aber weiss dass acuh jedes Kind???
Die sehen die Werbung und werden bestimmt davon schon irgendwie beeinfluss... Des wirkt vllt. cool und was cool ist muss man machen..

Muss zugeben hab ich in meiner Kindheit auch gedacht.. Rauchen ist cool.. deswegen hab ich mit 8 oder 9 oder so. gepafft....
Gut es hat mir net geschmeckt, deswegn hab ichs dann auch wieder gesteckt.

Aber Kinder sind nun mal durch Werbung beeinflussbar!
 
 
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Anardil
Alt 03.03.2006, 12:21   #7
Standard

Der Spruch: "Wer raucht, ist selber schuld" stimmt ja offensichtlich, jedoch werden Jugendliche durch Werbung beeinflusst. Das ist Fakt und es wurde mehrfach bewiesen (siehe Studien). Ihr sagt es ja selber: Rauchen ist cool - ist doch überall zu sehen. Der Marlboro-Mann zum Bleistft. Cooler Cowboy - besser gehts doch garnicht. Dann die Plakate ... sieht doch für Jugendiche cool aus mit dem Stengel seine Angebetete zu umarmen.

Es geht nicht darum, daß hier jemandem etwas vorgeschrieben wird - es geht darum, daß man eine tödliche Sucht nicht bewirbt. Ich habe z.B. noch nirgends einen Spot gesehen, in dem sich der Marlboro Mensch ne Spritze setzt? Ist für mich dasselbe. Vergleiche ala' Alkohol kann auch tödlich sein - genauso wie Autofahren - mögen zwar, wenn auch extrem übertrieben, stimmen aber sind keineswegs ernst zu nehmen.

Aber zurück zum Thema.

Zitat von skinni
Jo, ihr vergesst, dass der Staat auch eine gewisse Verantwortung den Bürgern gegenüber hat. Es ist schön wenn sie wenigstens z.T. auch wahrgenommen wird und ein Werbeverbot für Tabakwaren ist sicherlich keine schlechte Sache.
Da stimme ich dir zu skinni - aber leider würden durch wegfallende Tabakwerbung auch die Finanzen wegfallen - Tabaksteuer. Also befindet sich der Staat in der Klemme. Die Tabakindustrie weiß das - offensichtlicher gehts ja garnicht und handelt genauso wie die Waffenlobby in den USA. Erpressung.
 
 
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DerAssie
Alt 03.03.2006, 13:45   #8
Standard

Auf Tabakwahren kann man auch weiter die Steuern erhöhn meiner Ansicht nach aber das Mehreingenohmene wird eh wieder oben verprast sonst währ das durchaus Sinvoll.
Sah man ja auch in der Vergangenheit das trozdem weiterhin raucht wurd.
 
 
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MiKe
Alt 03.03.2006, 17:58   #9
Standard

AFAIK ist der konsum von tabakwaren aber (v.a. bei jugendlichen) ganz gut zurückgegangen...
 
 
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