Zitat von El Sparko zur wertedebatte bin ich gespaltener meinung. ich bin nämlich durchaus froh dass bei zeiten viele konservative werte aufgegeben wurden. ich erfreue mich z.B. an meiner freiheit nicht jeden tag mit anzug und kravatte rumlaufen zu müssen. vor ein paar jahren war das noch gänzlich undenkbar, da gab es ungeschriebene regularien ohne weiteren sinn... alles was meine persönliche freiheit einschränkt finde ich daher selbstverständlich nicht in ordnung.
andererseits wär ich auch glücklich würden in bestimmten bereichen menschliche werte an den vordergrund treten. tut mir leid aber da muss ich wieder das schlagwort "kapitalismus" bringen. die unweigerliche und stetige gewinnmaximierung um jeden preis äussert sich meist menschenverachtend.
Hier muss man aber mal ,,Gesellschafts"-politik von Wirtschaftspolitik unterscheiden. Der Kapitalismus ist meiner Meinung nach nicht schuld am Egoismus der Menschen. Es gab auch genügend kommunistische Staaten, wo der Egoismus stark ausgeprägt war, ich würde auch die DDR dazuzählen, soweit ich das beurteilen kann als einer der die Zeit nicht mehr erlebt hat.
Was deine gespaltene Meinung zum Wertewandel angeht, kann ich dir nur zustimmen. So wie ich das sehe hat man in der Geschichte oft immer wieder folgenden Fehler gemacht: Eine Freiheits-Bewegung kam auf, dann hat man es aber mit der Freiheit so weit getrieben und engstirnig alles, was für Ordnung sorgt, verteufelt, dass man merken musste dass das zu Unfreiheit führt, und hat wieder nach Einschränkungen dieser Freiheiten geschrieen. Dies hat man dann aber wieder völlig übertrieben, und heraus kam ein sehr autoritärer, dogmatischer, unmenschlicher Staat. Man kann halt nicht pauschal sagen ,,Freiheit ist schlecht, Sicherheit geht vor", genausowenig kann man aber sagen ,,Wir brauchen keine Gesetze". Und das hat man zu oft gemacht, anstatt von Fall zu Fall zu bewerten. Im Falle der von dir angeführten Kleiderordnung bezüglich Anzug und Kravatte hätte man also sagen sollen, dass man diese dekadente Sitte nicht mehr braucht. In anderen Fällen hätte man wiederum für mehr Einschränkungen sorgen sollen, beispielsweise eben beim Strafrecht, was Mörder oder Bankräuber betrifft. Im Grunde halte ich das auch nicht wirklich für eine Einschränkun von ,,Freiheit". Unter Freiheit versteh ich etwas Anderes. Nämlich die Freiheit, so zu sein und so zu handeln wie man will,
solange man keinen Anderen stört. Was hat es denn mit ,,Freiheit" zu tun, dass man in diesem Staate fast jedem, den man will, und der weniger mächtig ist als man selbst, einfach nach Lust und Laune eine aufs Maul hauen kann, ohne dass es die Polizei auch nur entfernt interessiert ? Daher bin ich sehr wohl der Meinung, dass der totale Liberalismus durchsetzbar und vernünftig ist. Liberalismus heißt nicht, dass jeder machen kann was er will und es so zugeht, wie es jetzt zugeht, nämlich dass bananenrepublikanisch wie die Axt im Walde. Das will man dem Liberalismus und Individualismus nur immer zu Unrecht in die Schuhe schieben. Ich bin wie gesagt auch froh, von vielen konservativen Werten befreit zu sein, dass in den Schulen keine Rohrstöcke mehr eingesetzt werden, dass Schwule toleriert werden, dass man jetzt auch mit mehreren Frauen Geschlechtsverkehr haben darf, ohne zum Verstoßenen der ,,Gesellschaft" zu werden, usw... Und ich sehe die Gefahr, dass jetzt wieder hysterischer Konservativismus einsetzt und wieder maßlos übertrieben wird mit dem Wandel von Freiheit zu Konservativismus (die nächste Generation darf dann wieder die Hälfte auslöffeln und wieder liberalisieren...) : Ich sehe die Gefahr, dass jetzt wieder Schuluniformen kommen, dass Schüler, wenn der Lehrer in den Klassenraum kommt, aufstehen und ,,guten Morgen" herbeten müssen, dass Eltern wieder von ihren Kindern gesiezt werden sollen, und am besten noch den Mädchen wieder die kurzen Röcke verboten werden...
DAS will ich nicht. Aber in diese Richtung geht es doch leider: Bei Abi-Bällen werden Anzüge wieder immer mehr zur Gewohnheit (ich habe mich geweigert und bin im Marylin-Manson-T-Shirt zum Abiball gekommen).
Zitat von Frozen Smile klar...die konservativen schreien immer nach härteren strafen...
Ich bin nicht konservativ, sondern liberalradikal und antikonservativ.

Strafen für Verbrechen zu fordern, hat meiner Meinung nach nichts mit ,,konservativ" zu tun.
Zitat von Frozen Smile härtere strafen schrecken nicht ab und verbessern garnichts
die amerikaner haben ja nur deshalb so
friedliche großsstädte, weil die todesstrafe
alle abschreckt...

Ich hab doch gesagt, dass man von Verbrechen zu Verbrechen unterscheiden muss. Und dass ich bei einigen Vergehen auch mildere Strafen wünsche. Von Todesstrafe habe ich doch überhaupt nicht gesprochen. Ich bin gegen die Todesstrafe. Und ich finde zum Beispiel, dass man die Straftatbestände Beleidigung, Beamtenbeleidigung, Blasphemie, üble Nachrede und Volksverhetzung, weitgehend abschaffen könnte. Bei übler Nachrede würde ich noch Ausnahmen machen, wenn man zum Beispiel öffentlich in einer bundesweiten Zeitung Lügen über irgendeine Firma verbreitet, dann ist das ja ein ungerechtfertigter und nicht zu akzeptierender Wettbewerbseingriff. Und ich bin natürlich dafür, dass sog. ,,leichte" Drogen wie Hachisch legalisiert werden sollten, und wer nachweisen kann dass er z.Bsp. Kokain-süchtig ist, der sollte das auch in der Apotheke bekommen dürfen.