
01.02.2003, 13:57
# 1 Schöne neue Welt Dieses mal sind ausnahmsweise mal nicht die USA und Mr. Adolf Bush (frei nach G. Däubler-Gmelin) Thema meines textes. Dieses mal geht mein Blick nach Osten, in die "neuen Demokratien". Genauer gesagt geht es um Russland und die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS).
Es war einmal ein großes Land, genannt Russland welches Jahrelang die Führende Nation in einer Weltmacht genannt Sowjetunion bzw. UdSSR war. Doch 1991 kam plötzlich der große Umbruch. Die große Kommunistische Weltmacht ist wie ein Kartenhaus in sich zusammengebrochen. Die Rufe nach Demokratie (Griech. "Volksherrschaft") wurden immer lauter, und unter Präsident Michail Gorbatschow wurden die ersten Schritte in diese Richtung eingeleitet.
Russland mauserte sich ganz gut, und trotz vieler Relikte aus den totalitären Vorzeiten wie zum Beispiel staatliche Kontrolle und Zensur der Medien war überall der saubere weiße demokratische Anstrich vorhanden.
Schade nur, dass dieser nicht gerade Regenfest war. Es gibt viele Punkte die man hier ansprechen könnte. Zum Beispiel das Vorgehen beim gesunkenem russichen U-Boot "Kursk", oder die Miserable Wirtschaftslage im Land, welche durch den viel zu überstürzten Umbruch von Plan- in Marktwirtschaft völlig am Boden ist.
Aber es gibt ein viel aktuelleres Thema, welches in den westlichen Medien leider kaum Beachtung bekommt.
Zuerst mal eine kleine Einführung. Dazu ein kleiner Rückblick: Wir alle erinnern uns an diese wahnwitzige Geiselnahme im Moskauer Theater. Jene, in der Tschetschenische Terroristen (Tschetschenien ist ein autonomer Staat in Russland, welcher lange einen Unabhängigkeitskrieg führte, und bis heute von Moskau nicht anerkannt wird, und unter russicher Militärbesatzung steht) bis an die Zähne bewaffnet ein ausverkauftes Theater stürmten, und drohten es mit einer selbstgebauten Bombe (welche von der Sprengkraft her auf jeden fall ausgereicht hätte, das Theater komplett zu zerstören) in die Luft zu sprengen.
Das konnte zwar durch das Eingreifen von russischen Spezialkräften verhindert werden, doch die Anzahl der Opfer übersteigt bei weitem das Maß, bei dem die Formulierung "erfolgreicher Einsatz" angewendet werden dürfte. Trotzdem gab es kaum öffentliche Kritik. Um mal etwas genauer zu werden: Bei dem Einsatz starben hunderte Theaterbesucher, und fast alle Terroristen. Durch den gleichzeitigen Einsatzes eines starken Betäubungsgases, und eines leichten Nervengases hatten die meisten in dem Theater eingeschlossenen keine Chance.
Worauf ich aber letztlich hinaus möchte ist folgendes: Kurz nach der "erfolgreichen Operation" im Moksauer Theater, wurde das Leben für die in Tschetschenien lebenden Menschen von den russischen Besatzern zur Hölle gemacht. Jene, welche vom Krieg sowieso schon am Boden sind, werden durch völlig sinnlose russische Racheaktionen noch zusätzlich schikaniert. So kam es in den letzten Wochen desöfteren vor, dass horden von betrunkenen russischen Soldaten durch die Kriegsruinen, in denen die ärmsten Tschetschenen wohnen, zogen, alle Männer die sie antrafen mitnahmen, und ihren Frauen sagten, sie würden alle erschossen. Erst einen Tag später wurden die Tschetschenischen Männer zurückgebracht, zum Teil schwer gefoltert.
Seltsam ist auch, dass sich die russische Regierung plötzlich sehr um die Baufälligkeit Tschetschenischer Kriegsruinen kümmert. Häuser, die seit 1994 nahezu vollständig zerstört, aber trotzdem noch bewohnt sind, werden plötzlich von russichen Soldaten abgerissen. Die offizielle Begründung lautet "Die Sicherheit der Bewohner kann aufgrund der Baufälligkeit der Häuser nicht gewährleistet werden". So philanthropisch kennt man die Russen sonst eigentlich nicht. Es liegt klar auf der Hand. Sämtliche Aktionen welche in Tschetschenien zur Zeit von den Russen durchgeführt werden, sind reine Racheaktionen - soviel dann zur sauberen Demokratie.
Nicht dass man mich falsch versteht - die Wendung die Russland seit dem Ende der Sowjetunion genommen hat, ging in die richtige Richtung. Jedoch ist dieses Land noch weit von den Maßstäben einer westlichen Demokratie entfernt, so dass Putin und co. durchaus noch mit gewisser Vorsicht zu genießen sind.
Aber im Zuge der neuen Internationalen Freundschaft, wird natürlich schnell über solche Konflikte wie der in Tschetschenien hinweggesehen - denn der neue gemeinsame Feind liegt ja bekanntlich im Irak, und in Afghanistan (interessanterweise hat die Sowjetunion auch schon einmal erfolglos einen Krieg gegen dieses Land geführt).
In diesem Sinne...
Darkstorm |