Also mit Rachegedanken würde ich auch nicht argumentieren, aber es ist doch durchaus denkbar, dass Herr Schäuble einen psychischen Schaden welcher Art auch immer davongetragen hat, als er damals angeschossen wurde. Es hätte schon eine gewisse Logik, dass er aufgrund seiner persönlichen Erfahrungen jetzt übertriebene Sicherheitspolitik betreibt. Man muss allerdings auch sehen, dass sich die Opposition und einige Medien alle Mühe geben, seine teils extremen Vorstellungen einzudämmen. Dieser Mann allein hat jedenfalls nicht die Macht, Deutschland in Staat der Sicherheitsfanatiker zu verwandeln. Entweder gehen eine ganze Reihe anderen Leute auch seinen Weg - in dem Fall sollte man ihm auch nicht die ganze Schuld geben, weil er nur "der Arsch" ist, der die Debatte anheizen muss - oder es wird einfach nichts passieren, und seine Reden verhallen im Laufe der Zeit.
Weiterhin muss man vielleicht mal sehen, dass man einen Staat nicht mit Blumen und Liebe beschützen kann, wie es wohl einige 68er gerne gehabt hätten

. Man ist mE einfach auf Geheimdienst und Verfassungsschutz (evtl auch das BKA bzw die LKAs) angewiesen, um bestimmte Gefahren abzuwenden. Solange deren Arbeit also überwiegend die Menschenrechte achtet statt sie überwiegend zu verletzen (was natürlich kontrolliert werden muss, da gibt es sicherlich weitere Probleme), kann ich ehrlich gesagt damit leben.
Ich will damit sagen, dass man nicht zu vorschnell alles verurteilen sollte, was auch nur im geringsten nach Überwachung riecht, sondern man sollte jede Maßnahme für sich betrachten, inwiefern sie geeignet ist, den durchschnittlich intelligenten Terroristen oder Spion abzuwehren. Bei Dingen wie der Onlinedurchsuchung per Bundestrojaner ist zB jedem sicherheitsbewussten Computernutzer klar, dass die Schnüffelei durch ein halbwegs gesichertes System unmöglich gemacht wird - solange Konzerne wie Microsoft und Sygate und Norton nicht verpflichtet werden, die passenden Lücken zu lassen... und dann gibts immer noch Open-Source-Systeme und -Programme.
Mich stört es nur, dass es zur "Mode" geworden ist, sämtliche Überwachung als menschenverachtend abzulehnen, während man sich bei seiner Kritik eigentlich darauf konzentrieren sollte, was ohne Notwendigkeit eine grosse Zahl von Bürgern in ihrer Freiheit beeinträchtigt. Unsere gegenwärtige Gesellschaft braucht nunmal Kontroll- und Überwachungsstrukturen (simples Beispiel: Geschwindigkeitskontrollen mit Foto), solange nicht jeder Mensch von sich aus bereit ist, dem Gemeinwohl zu dienen und dementsprechend zu handeln.