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Rock im Park


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Felicitas
Alt 07.03.2008, 13:38   #1
Standard Rock im Park

Der ein oder andere weiß vllt dass ich gerade an einem Projekt arbeite. Im großen und ganzen gehts da zwar um Fototechniken im Nationalsozialismus, aber irgendwann hat sich der Schwerpunkt ein wenig verlagert.

Wie ich unter anderem aus diesem Thread entnehmen konnte, gibt es ja einige PP'ler die dieses Jahr zu Rock im Park gehen oder die schon einmal da waren. Ich selbst war 2002 (glaube ich) bei Rock im Park.

Wer in Geschichte wenigstens ab und an zugehört hat, der weiß um die sogenannten Reichsparteitage der NS Zeit bescheid. Sie fanden von 1923 bis 1938 statt und dienten zu Propagandazwecken und vereinfacht gesagt: um das Wir-Gefühl zu stärken und natürlich tausenden Menschen die Möglichkeit zu geben Hitler "ganz nah" zu sein (näheres dazu spuckt google in Unmengen aus). Der erste Reichsparteitag war noch in Weimar, der zweite dann in München und ab 1927 sollte Nürnberg der Veranstaltungsort sein. Einer der Gründe war, dass Nürnberg schon damals ein Verkehrsknotenpunkt war und dementsprechend leicht zugänglich. Außerdem lag Nürnberg recht zentral (wenn man sich Österreich berechtigt als Einzugsgebiet dazu denkt) und auch war das Alter der Stadt nicht ganz unbedeutend.

Hier findet ihr eine Übersicht des erschaffenen Reichsparteitagsgeländes. Es gibt nur wenige Bauten die damals fertig gestellt wurden, ua. die erste Konkgresshalle (Luitpolthalle), welche damals schon als Jugendstilvilla existierte, von Alfred Speer (dem Chef-Architekten Hitlers) aber noch den typischen NS-Look verpasst bekam (vorher, nachher. Quelle). Die Luitpolthalle ist auch das einzige Gebäude das während des Krieges zerstört wurde, meines Wissens nach unabsichtlich, da das Reichsparteitagsgelände (größtenteils Baustelle) nicht zum stragischen Ziel gehörte.

Ein weiteres Bauwerk wurde nie fertig gestellt: die Kongresshalle, welche bewusst dem römischen Kollosseum nachempfunden wurde (natürlich größer!). Heute findet man dort ua. das Dokumentationszentrum.

Als fertiggestellter Teil des Reichsparteitagsgeländes zählt (ua.) das Zeppelinfeld mit der Zeppelintribüne und an dieser Stelle kommen wir zu Rock im Park . Wer bislang keinen Zusammenhang zwischen dem Thread Titel und meiner Einleitung gefunden hat, dem will ich ihn jetzt erklären.

Nach dem Krieg hatte die Stadt schlichtweg nicht das Geld um alle Bauten aus der NS Zeit einzureißen. Auch die Instandhaltung kostet Geld, also überlegte man sich alternative Nutzungsmöglichkeiten. So wurde speziell das Zeppelinfeld in der 2. Hälfte des 20. Jhd. für Auto- und Motorradrennen, weiterhin auch für Zusammentreffen religiöser Organisationen (1988) genutzt. Bei letzterem kenne ich nur ein Foto, allerdings munkelt man dass sich dort die Zeugen Jehovas zu einem Stell-Dich-Ein trafen. Seit 1976 (Quelle) finden dort regelmäßig Musikevents statt, eben auch regelmäßig das Event Rock im Park.

Eine Übersicht des Rock im Park Geländes seit 2004 findet ihr hier. Bereits zwei mal wurde das Zeppelinfeld für die sogenannte Center Stage genutzt und auch 2008 wird die Center Stage auf dem Zeppelinfeld eingerichtet. Die Tribüne steht dabei genau vor der Zeppelintribüne auf der Hitler vor ~70 Jahren zu zig Tausenden Menschen sprach und anders ausgedrückt: Die Teilnehmer der Veranstaltungen der Wehrmacht und des Reichsarbeitsdienst schauten genau in die gleiche Richtung einem einzelnen Menschen zu. Die Parallelen sind eindeutig: Heute steht (zB.) Metallica nahe der Stelle an der Hitler damals stand und "spricht" zum Publikum. Wieder jubeln zig tausend Menschen einem Künstler (oder einer Gruppe) zu an diesem historisch doch nicht ganz unfragwürdigen Ort. Vergleichbar ist auch, wo sich die Zeltlager der Hitlerjugend und heute der Rock im Park Besucher befinden - nämlich an den gleichen Stellen! Unterschiede gibt es freilich - im Anliegen und auch an anderer Stelle zB. bei der Organisation der Massen. Waren die Massen damals klar geordnet ("in Reih und Glied"), sind sie heute ungeordnet chaotisch. Es gibt noch einige andere Unterschiede, aber ich mag an der Stelle nicht zuviel vorweg nehmen.

Eine andere Information will ich der Diskussion noch vorrausstellen. Die Kongresshalle, unweit des Zeppelinfeldes, wurde nie fertig gestellt. Nach dem Krieg wurde die Bauruine als Lager für alle möglichen Sachen benutzt, ua. benutzte auch das Quelle Versandhaus die vorhandenen Räumlichkeit als Lager für ihre Produkte. Zwischenzeitlich wurde geplant bzw. erwogen, die Kongresshalle zu einem Einkaufs- und Vernügungscenter umzubauen. Dies stoß auf heftigen Widerstand. Interessant oder vllt auch paradox an dieser Stelle ist aber, dass gleich hinter der Kongresshalle Volksfeste gefeiert werden oder eben in unmittelbarer Nähe dazu auf dem Zeppelinfeld Rock im Park veranstaltet wird.

Und nun seid ihr dran:


Was sind eure Gedanken? Wie sollte mit architektonischen Resten aus der NS Zeit umgegangen werden? Ist die Nutzung für Musikveranstaltungen und Volksfeste abartig und paradox, oder ist es im Gegenteil eine Art Zeichen genau an diesen Stellen etwas zu veranstalten was Hitler verachtet hat (ungeordnete und unkontrollierbare Massenaufläufe)? Wusstet ihr welche Geschichte das Gelände von Rock im Park hat? Was fühlt ihr wenn ihr euch dessen bewußt werdet?

Und weiterführend: Welche Gebäude oder Plätze sind euch bekannt die zu NS Zeiten aus propagandistischen Zwecken erbaut wurden (also keine Wohngebäude) und wie werden sie heute genutzt (ich denke da zB. an Teile der Frankfurter Universität und da wirds noch in viele andere Richtungen paradox und absurd)?

Ich würde mich über eine rege Diskussion und große Teilnahme sehr freuen. Wenn ihr noch mehr Infos braucht sagt einfach bescheid.

Grüße

Feli

Geändert von Felicitas (07.03.2008 um 17:59 Uhr).
 
 
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Anarchnophobia
Alt 07.03.2008, 14:23   #2
Standard

Und weiterführend: Welche Gebäude oder Plätze sind euch bekannt die zu NS Zeiten aus propagandistischen Zwecken erbaut wurden (also keine Wohngebäude) und wie werden sie heute genutzt (ich denke da zB. an Teile der Frankfurter Universität und da wirds noch in viele andere Richtungen paradox und absurd).
stichwort: autobahn. wird ebenfalls in viele andere richtungen benutzt (meist richtung süden), und hitler hat sie gebaut. aber autobahn, das geht mal gar nicht...

will damit sagen: solche vergleiche "uhhhh die bösen nazis haben auch mal da gestanden und haben dies und das erbaut" lassen mich eigentlich nur gähnen. Was soll das bringen da Parallelitäten zu suchen? um die Nazis aufzuwerten im sinne von "nicht alles war schlecht" oder um das aktuelle Geschehen auf diesen Standorten abzuwerten und eine "negative Würze" mitzugeben?

ich glaub Hitler würde im Grab tierisch abgehen wenn er wüsste was noch für ein tohowabohu um seine person und alles was er "erschaffen" hat gemacht würde...

demzufolge halte ich es für den richtigen umgang: die orte einfach "zeitgemäß" nutzen und nicht abriegeln weil der platz irgendwann mal missbraucht wurde. und man muss auch nicht überall wo mal ein nazi stand eine gedanktafel anbringen, der haben wir langsam genug. "nicht vergessen" bedeudet NICHT das die totale gedenküberreizung stattfinden muss...
 
 
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Sidolin
Alt 07.03.2008, 14:39   #3
Standard

Ich war 2007 bei Rock im Park und werd auch dieses Jahr wieder da sein. Natürlich sind die NS-Bauten unübersehbar und bestimmen einen Großteil des Geländes, beim Anreisen ist so ziemlich das Erste was man sieht die Kongresshalle, die Zeltplätze sind direkt daneben, man läuft über die Große Straße zu den Konzerten, von denen die größten auf dem Zeppelinfeld stattfinden. Die Bauten machen selbstverständlich Eindruck und sind genau für solche Massenveranstaltungen ausgelegt, besonders das Zeppelinfeld ist dafür wirklich gut. Von der Haupttribüne sieht man allerdings wenig, da die Bühne davor steht (schon ein paar Meter, nicht direkt davor) und kommt auch nicht in ihre Nähe.

Mir war die Geschichte des Geländes bekannt und ich würde mal schätzen dass gute 60-70% der Besucher jedenfalls ungefähr wissen, wo sie gerade sind. Während der Veranstaltung tritt das aber völlig in den Hintergrund und es denkt niemand dauernd daran dass der Platz vor einigen Jahren Ort der Reichsparteitage war, nur wenn man aufs Zeppelinfeld kommt sieht man wie groß das Ganze ist und welche Menschenmassen da reinpassen, da man über eine ca. 10m hohe Mauer/Hügel muss.

Insgesamt habe ich keine Probleme damit, dass Musikveranstaltungen oder ähnliches dort stattfindet, da es von der Grundrichtung etwas anderes ist als die damaligen Reichsparteitage und wie schon gesagt fast eine Gegenbewegung ist. Aber es sollte eben möglichst jedem bewusst sein, wo er gerade ist.
Dass dort eben die Reichsparteitage stattfanden ist fester Teil der Geschichte dieses Ortes und ich finde es bei weitem besser diesen negativ besetzten Ort zu nehmen und dort etwas positives zu veranstalten als zu versuchen alles abzureissen und verschwinden zu lassen. Dass die Jugend mit der Geschichte in Berührung kommt und so vielleicht dazu gebracht wird sich damit auseinanderzusetzen finde ich gut.

Im Übrigen bin ich zwar an dem Dokumentationszentrum direkt vorbeigekommen, war aber bewusst nicht drin. Das hätte einfach nicht zu dem Rest der Tage gepasst und wäre nicht der richtige Zeitpunkt gewesen.

Edit: Weils so oft vorkommt, mal wieder: Die Autobahnen waren keine Leistung Hitlers, er hat nur die schon längst vorhanden Pläne ausgeführt und fertiggestellt, die ursprünglich in der Weimarer Republik entstanden sind.
 
 
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El Sparko
Alt 07.03.2008, 15:10   #4
Standard

wir waren mit der schule in der 12. natürlich auch in nürnberg und haben uns das angeschaut. ich bin mir der geschichte also tatsächlich sehr bewusst (da drin wurde auf vieles eingegangen, z.b. gabs auch ne riefenstahl aussstellung und was übern architekten)... was ich nicht wusste war, dass da rock im park stattfindet.

was ich dabei denke? nunja ich war beim anblick der gebäude schon begeistert. ob das nun architektonische meisterleistungen sind oder nicht kann ich nicht beurteilen, da steck ich zu wenig in der materie. trotzdem aber finde ich gerade diese, den römischen vorfahren nachempfundenen, prunkbauten schon sehr ansprechend. kaputtere genossen würden wohl sagen "ich bin stolz auf das was wir deutsche bauen können"... bin ich aber nicht. ich mag nur große bauten, die einen gewissen eindruck schaffen. das tut das nicht fertig gestellte reichsparteitagsgelände sehr wohl.

mit einem anderen gebäude aus der nazizeit habe ich mehr erfahrung. in herrsching (ammersee) steht eine beamtenschule (nennt sich jetzt fh), deren sporthalle nichts anderes als so ein typischer hitlerbunker zu sein scheint. regelmässig finden dort veranstaltungen statt, die ich auch besuche. auf den ersten blick ist die einzige bauliche veränderung dort aber eigentlich nur, dass dem reichsadler sein hakenkreuz genommen wurde. ansonsten natürlich ein wenig sanierung aber alles in allem denk ich ist das gebäude sehr originaltreu. und auch hier finde ich den wuchtigen bau mit den säulen ansprechend und auch funktional. ich war dort im wärmsten hochsommer und durch die unglaublich dicken wände war es perfekt kühl in der halle. ich hänge ein bild an, damit man sehen kann was ich meine.


obwohl ich selbstverständlich kein herz für nazis übrig habe und mir der geschichte des landes bewusst bin gebe ich offen zu dass ich diese bauten schätze und gerne betrachte. genausogern sehe ich mir aber auch kathedralen und andere tempel an ohne aber an deren gottheiten zu glauben.
 
 
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OrionX
Alt 08.03.2008, 10:56   #5
Standard

stichwort: autobahn. wird ebenfalls in viele andere richtungen benutzt (meist richtung süden), und hitler hat sie gebaut. aber autobahn, das geht mal gar nicht...
Unter Hitler wurden nur ein paar autobahnen gebaut, richtig ist das er die ersten autbahnen gebaut hat, aber noch lange nicht alle. Geplant hat er sie auch nicht, die Planungen stammen noch aus der 1920er Zeit. Es gibt wirklich nur ein paar autobahnen auf denen man noch fahren kann die wirklich zu NS Zeiten gebaut wurden. Tatsächlich wurde die erste autbahn wie wir sie kennen 1932 von Konrad Adenauer eingeweiht.

ich finds nicht arg schlimm das es die ns bauten noch gibt. das problem an diesen ist das für den bau meist viel blut geflossen ist in form von zwangsarbeitern und gefangenen. Darin sehe ich das echte "problem" was in NS bauten, aber auch in anderen bauten zu sehen ist.
 
 
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Felicitas
Alt 08.03.2008, 13:07   #6
Standard

Danke erst einmal für die bisherigen Antworten

Der Standpunkt von Anarch ist in etwa der, der mir auch am meisten durch den Kopf geht: es ist NUR Architektur. Und die Gebäude (oder Autobahnen whatever) ansich können ja mal rein gar nichts dafür, dass sie in der NS Zeit entstanden sind. Das ist die so ziemlich nüchternste Einstellung zu dem ganzen finde ich. Zu Bedenken ist an der Stelle auch _wie_ viele dieser Bauten entstanden sind: Stichwort Steinbrüche und Zwangsarbeit. Ich hab neulich einen reportageartigen Film aus den 60ern gesehen (Titel folgt wenn ich mich wieder daran erinner), da kamen auch Bauarbeiter der Kongresshalle zu Wort. Und wenn ich mich recht erinner, dann war der Grundtenor "Uns gings gut, wir haben mehr verdient als bei nicht-staatlichen Bauten".

Man muss an der Stelle auch bedenken, dass zB. die Kongresshalle völlig bewusst so angelegt wurde dass sie "ewig" steht. Das 3. Reich sollte ein 1000 jähriges Reich werden. Das Abreißen der Kongresshalle ist schlichtweg nicht finanzierbar, schon allein wegen ihres Fundamentes. Der Guide erzählte was von 30m tiefes Fundament, andere erzählen was von 3m tief - auf jeden Fall ein harter Brocken, schon allein deswegen, weil die Kongresshalle so nah am Dutzendteich gebaut werden sollte, damit sie sich darin spiegelt um noch größer zu wirken. Und nah am Wasser gebaut heißt in dem Fall - Verhindern vom Absacken des Erdreiches durch ein massives Fundament.

Grundsätzlich denke ich aber, es ist nicht wirklich sinnvoll über etwas deswegen nicht zu reden oder zu diskutieren, weil jmd Totes evt. im Grabe einer abgehen würde. Das ist für mich n bissl ausweichen.

***

Meine Erinnerungen an die örtlichen Begebenheiten von Rock im Park sind eher wage. Ich glaube mich aber mit großer Sicherheit daran zu erinnern, dass das Zeppelinfeld damals nicht in Benutzung war. Auf jeden Fall bin ich mir aber ziemlich sicher, dass es damals auf der Homepage von Rock im Park noch keine Informationen dazu gab auf welchem geschichtsträchtigen Gelände man sich befindet. Spontan zweifle ich auch an, dass 60-70% der Besucher wissen wo sie sind. Aber ua. deswegen ist im Rahmen des Projektes an dem ich arbeite auch eine Erhebung geplant. Sollte euch also irgendjmd an der S-Bahn Haltestelle nerven - das bin dann ich

Grundsätzlich finde ich es aber richtig und wichtig zu wissen _wo_ man ist, aber es ist genauso richtig das nicht mit zu dem Event zu tragen.

Das Dokumentationszentrum _kann_ man sich angucken (wenn auch vllt nicht im Rahmen von RiP sondern mal separat), aber ich persönlich bin nicht ganz so begeistert davon. Sinnvoller finde ich da wirklich einen geleiteten Rundgang (ca. 3-4 Stunden). Unser Guide war von einer kleinen Organisation die sich mit der Geschichte des 3-Städte-Ecks befasst. Er selbst ist ua. Politikwissenschaftler und arbeitet wohl gerade an seiner Doktorarbeit, wenn ich das recht in Erinnerung habe. Auf jeden Fall hat er eine angenehme Art gehabt diesen Rundgang zu leiten und uns mit Informationen zu versorgen. (Bei Interesse PM an mich, dann leite ich den Kontakt weiter).

***

Diese Beamtenschule in Herrsching entstand tatsächlich 1935 und war damals die Reichsfinanzschule. Man sieht es dem Bild tatsächlich an finde ich, man sieht aber auch Unterschiede zu der Bauweise unter Speer: der bevorzugte glatte Fronten (zu sehen bei der Luitpolthalle, Bild oben). Interessant im übrigen an der Stelle, dass die die Homepage der FH Herrsching KEINE Informationen zu ihren Gebäuden bereit stellt. Interessant ist noch etwas anderes: die Beleuchtung auf dem Foto. Licht spielte nämlich bei der architektonischen Planung von Gebäuden damals eine große Rolle. So stehen in Berlin zB. einige Gebäude die bewusst schon mit dem Einsatz von Beleuchtung geplant waren und auch beim Zeppelinfeld findet man etwas, was ich persönlich ja beeindruckend finde:



Wenn ich mich nicht irre waren das um die 130 Flak-Scheinwerfer die so ausgerichtet waren, dass sie in ~6km Höhe dann an einem Punkt zusammentrafen und fertig war der Lichtdom. Das ist natürlich deswegen faszinierend, weil man somit "Gebäude" erschaffen konnte die an Größe unübertroffen waren.

Zitat von Speer
So entstand der Eindruck eines riesigen Raumes, bei dem die einzelnen Strahlen wie gewaltige Pfeiler unendlich hoher Außenwände erschienen.
Ich suche gerade noch nach einem anderen Zitat welches ich für wunderbar paradox halte, finde es aber gerade nicht. Im Grund sagte Speer da, dass diese Lichtarchitektur die unvergänglichste ist. Was ja einfach betrachtet Quatsch ist, denn wenn man die Scheinwerfer ausmacht ist die Architektur weg. Aber so einfach ist das nicht. Zum einen ist sie durch Filmaufnahmen und Fotografien für die Ewigkeit festgehalten worden, zum anderen aber ist das die Architektur die jederzeit reproduzierbar ist. Und genau das verbietet meines Wissens nach die Stadt Nürnberg. Es ist nicht erlaubt, diesen Lichtdom erneut beim Zeppelinfeld aufzubauen. Und nun könnte man weiterspinnen und zum WTC in NY übergehen... aber lassen wir das

So was noch: die Architektur ansich macht mich persönlich nicht so an. Aber schlichtweg deswegen, weil ich dieses glatte, eckige nicht sonderlich mag.

Was mir aufgefallen ist, als ich das erste mal auf dem Reichsparteitagsgelände war ist, dass dieses ganze Areal, also das Zeppelinfeld, der Luitpolthain und die Kongresshalle, gar nicht so riesig wirkt. Das war zumindest mein Eindruck. Diese Gebäude wirken erst wenn Menschen in ihnen sind. Wenn man sich Fotos ansieht von damals, wo zig tausend Menschen da aufgereiht stehen, dann wirken die Gebäude, bzw. Areale erst. Was für mich bedeutet, dass die Menschen damals bewusst Teil der Architektur waren. Auch da wirds nen kleinen Teil im Projekt geben, bei dem es darum geht in die "Fußstapfen" der Riefenstahl zu treten und Vergleichsaufnahmen zu machen (einmal die Leere, und wenn ichs hinbekomme auch Bilder von RiP).

***

ich bin ja gerade post für post durchgegangen (absatz 1 anarch, dann sidolin, dann sparkie), nun noch zu orion

netter hinweis . kombinier das doch bitte noch mit etwas das mehr zum Topic gehört . auch ohne bei RiP gewesen zu sein oder das Reichsparteitagsgelände zu kennen, kann man ja eine Meinung darüber haben, inwiefern ehemalige NS Bauten heute genutzt werden sollten.

***

Was ich noch sagen wollte, was ich im ersten Post ja angedeutet hatte: 1987 lehnte die Stadt Nürnberg es ja ab, aus der Kongresshalle ein Freizeit- und Einkaufszenter (rechts unten) zu machen (ein Fußballstadion war auch mal in Planung). Auf jeden Fall ist mein Grundgefühl dabei, dass ichs arg heuchlerisch finde, das zu untersagen, aber (auch schon damals) in unmittelbarer Nähe dann Volksfeste und Musikevents zu veranstalten. Ich habe kein Problem damit dass das Gelände so genutzt wird - es ist ja nun mal da und es ist ja dafür gemacht Massen zu "beherbergen", aber ich finds eben n bissl heuchlerisch. Problematischer finde ich (wie oben angedeutet) dass gerade die Frankfurter Uni noch Prestigebauten der NS Zeit heute nutzt. Gerade die Frankfurter Uni, die mit ihrer Frankfurter Schule und den zig ausgewanderten Professoren eine bedeutsame Geschichte hat. Aber nunja.

Geändert von Felicitas (08.03.2008 um 13:18 Uhr).
 
 
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OrionX
Alt 08.03.2008, 14:02   #7
Standard

netter hinweis . kombinier das doch bitte noch mit etwas das mehr zum Topic gehört . auch ohne bei RiP gewesen zu sein oder das Reichsparteitagsgelände zu kennen, kann man ja eine Meinung darüber haben, inwiefern ehemalige NS Bauten heute genutzt werden sollten.
mach ich doch gerne

Ich bin der Meinung das es auf die Art der Bauten ankommt.

In der nähe meines alten Wohnorts liegt die kleine hessische Stadt Herborn. In der NS Zeit gab es dort eine "Psychatrische Klinik" in die Behinderte, "Schwachsinnige" (Damals wortlaut) und andere geistig beeinträchtigte eingeliefert wurden. Wie sich viele denken können gabs auch dort die Gaskammer und den Brennofen (der heute in einem KZ steht, ich glaube sogar in Ausschwitz). Natürlich ist dort heute eine Gedänkstätte, angesichts der Grausamkeit des Verbrechens nicht verwunderlich, jedoch ist genau daneben, teilweise auch noch auf dem alten Gelände eine JJVA (Jugendgefängnis).

Man könnte jetzt sagen "es ist makaber an so einem ort eine JVA zu errichten". Man könnte auch daran denken das dies gerade der richtige ort ist um jugendliche mahnen Toleranz und Menschlichkeit zu üben.

Für mich liegt der einzige Nachteil der Nutzung von alten NS Gebäuden darin das fast überall Blut daran klebt, an dem einen Mehr an dam anderen weniger. Zahlreiche Bahnhöfe zb wurden damals zur massendeportation genutzt, und heute benutzen wir noch genau dieselben Gleise.

Gedenktafeln gibts an Bahnhöfen ja genug. Trotzdem denkt heute an einem Bahnhof keiner mehr "hier wurden juden deportiert", sondern denkt vllt an ankommende Freunde oder Familienmitglieder, oder freut sich irgendwo hinfahren zu können.

Im Falle von Rock im Park (ohne das gelände zu kennen) finde ich es fast schon amüsant das an dem Ort wo die braune Dikatur und das Menschenfeindliche gedankengut geradezu zelebriert wurden heute Menschen aller Ethnischen Volksgruppen zusammen friedlich Musik aus aller Herren Länder feiern. Genau sowas würde die alten Nazis sich im Grabe rumdrehen lassen

Und genau das ist auch für mich die Art der Nutzung die man nur befürworten kann
 
 
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El Sparko
Alt 08.03.2008, 16:56   #8
Standard

was die wiederbenutzung der gebäude angeht. weiß vielleicht nicht jeder aber gerade die bundeswehr hat ja teilweise noch projekte der wehrmacht übernommen. in kaufering (wo es mehrere KZs gab) wurde so z.b. das projekt "ringeltaube" - also ein großer betonbunker für unterirdisch gebaute und startende messerschmidts - bis zum kriegsende nicht mehr fertig.
die bundeswehr hat den bau übernommen und stellt darin bis heute ihre eurofighter und zeug in stand. ist natürlich reichlich praktisch so ein gebäude zu haben. ich weiß nicht ob die soldaten vor ort großartig reuhe zeigen, denn das projekt wurde definitiv von zwangsarbeitern aus den KZs aufgebaut...

wegen der beleuchtung der halle dieser fh. das war jetzt keine originalbeleuchtung. bestechend ist dass das gebäude in dem licht natürlich wie von selbst imposant wirkt. das war sicher wohl auch intention. die lichter dort waren aber nach meinen informationen nur für die veranstaltung und rein privat aufgebaut.

was diese lichttempel auf dem foto angeht kann ich nur sagen dass ich es ebenfalls beeindruckend finde. die idee und natürlicih das wirken des ganzen. ähnlich ist es wohl mit den berühmten aufnahmen der riefenstahl.
 
 
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