Danke erst einmal für die bisherigen Antworten
Der Standpunkt von Anarch ist in etwa der, der mir auch am meisten durch den Kopf geht: es ist NUR Architektur. Und die Gebäude (oder Autobahnen whatever) ansich können ja mal rein gar nichts dafür, dass sie in der NS Zeit entstanden sind. Das ist die so ziemlich nüchternste Einstellung zu dem ganzen finde ich. Zu Bedenken ist an der Stelle auch _wie_ viele dieser Bauten entstanden sind: Stichwort Steinbrüche und Zwangsarbeit. Ich hab neulich einen reportageartigen Film aus den 60ern gesehen (Titel folgt wenn ich mich wieder daran erinner), da kamen auch Bauarbeiter der Kongresshalle zu Wort. Und wenn ich mich recht erinner, dann war der Grundtenor "Uns gings gut, wir haben mehr verdient als bei nicht-staatlichen Bauten".
Man muss an der Stelle auch bedenken, dass zB. die Kongresshalle völlig bewusst so angelegt wurde dass sie "ewig" steht. Das 3. Reich sollte ein 1000 jähriges Reich werden. Das Abreißen der Kongresshalle ist schlichtweg nicht finanzierbar, schon allein wegen ihres Fundamentes. Der Guide erzählte was von 30m tiefes Fundament, andere erzählen was von 3m tief - auf jeden Fall ein harter Brocken, schon allein deswegen, weil die Kongresshalle so nah am Dutzendteich gebaut werden sollte, damit sie sich darin spiegelt um noch größer zu wirken. Und nah am Wasser gebaut heißt in dem Fall - Verhindern vom Absacken des Erdreiches durch ein massives Fundament.
Grundsätzlich denke ich aber, es ist nicht wirklich sinnvoll über etwas deswegen nicht zu reden oder zu diskutieren, weil jmd Totes evt. im Grabe einer abgehen würde. Das ist für mich n bissl ausweichen.
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Meine Erinnerungen an die örtlichen Begebenheiten von Rock im Park sind eher wage. Ich glaube mich aber mit großer Sicherheit daran zu erinnern, dass das Zeppelinfeld damals nicht in Benutzung war. Auf jeden Fall bin ich mir aber ziemlich sicher, dass es damals auf der Homepage von Rock im Park noch keine Informationen dazu gab auf welchem geschichtsträchtigen Gelände man sich befindet. Spontan zweifle ich auch an, dass 60-70% der Besucher wissen wo sie sind. Aber ua. deswegen ist im Rahmen des Projektes an dem ich arbeite auch eine Erhebung geplant. Sollte euch also irgendjmd an der S-Bahn Haltestelle nerven - das bin dann ich
Grundsätzlich finde ich es aber richtig und wichtig zu wissen _wo_ man ist, aber es ist genauso richtig das nicht mit zu dem Event zu tragen.
Das Dokumentationszentrum _kann_ man sich angucken (wenn auch vllt nicht im Rahmen von RiP sondern mal separat), aber ich persönlich bin nicht ganz so begeistert davon. Sinnvoller finde ich da wirklich einen geleiteten Rundgang (ca. 3-4 Stunden). Unser Guide war von einer kleinen Organisation die sich mit der Geschichte des 3-Städte-Ecks befasst. Er selbst ist ua. Politikwissenschaftler und arbeitet wohl gerade an seiner Doktorarbeit, wenn ich das recht in Erinnerung habe. Auf jeden Fall hat er eine angenehme Art gehabt diesen Rundgang zu leiten und uns mit Informationen zu versorgen. (Bei Interesse PM an mich, dann leite ich den Kontakt weiter).
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Diese Beamtenschule in Herrsching entstand tatsächlich 1935 und war damals die
Reichsfinanzschule. Man sieht es dem Bild tatsächlich an finde ich, man sieht aber auch Unterschiede zu der Bauweise unter Speer: der bevorzugte glatte Fronten (zu sehen bei der Luitpolthalle, Bild oben). Interessant im übrigen an der Stelle, dass die die Homepage der FH Herrsching KEINE Informationen zu ihren Gebäuden bereit stellt. Interessant ist noch etwas anderes: die Beleuchtung auf dem Foto. Licht spielte nämlich bei der architektonischen Planung von Gebäuden damals eine große Rolle. So stehen in Berlin zB. einige Gebäude die bewusst schon mit dem Einsatz von Beleuchtung geplant waren und auch beim Zeppelinfeld findet man etwas, was ich persönlich ja beeindruckend finde:
Wenn ich mich nicht irre waren das um die 130 Flak-Scheinwerfer die so ausgerichtet waren, dass sie in ~6km Höhe dann an einem Punkt zusammentrafen und fertig war der
Lichtdom. Das ist natürlich deswegen faszinierend, weil man somit "Gebäude" erschaffen konnte die an Größe unübertroffen waren.
Zitat von Speer So entstand der Eindruck eines riesigen Raumes, bei dem die einzelnen Strahlen wie gewaltige Pfeiler unendlich hoher Außenwände erschienen.
Ich suche gerade noch nach einem anderen Zitat welches ich für wunderbar paradox halte, finde es aber gerade nicht. Im Grund sagte Speer da, dass diese Lichtarchitektur die unvergänglichste ist. Was ja einfach betrachtet Quatsch ist, denn wenn man die Scheinwerfer ausmacht ist die Architektur weg. Aber so einfach ist das nicht. Zum einen ist sie durch Filmaufnahmen und Fotografien für die Ewigkeit festgehalten worden, zum anderen aber ist das die Architektur die jederzeit reproduzierbar ist. Und genau das verbietet meines Wissens nach die Stadt Nürnberg. Es ist nicht erlaubt, diesen Lichtdom erneut beim Zeppelinfeld aufzubauen. Und nun könnte man weiterspinnen und zum WTC in NY übergehen... aber lassen wir das
So was noch: die Architektur ansich macht mich persönlich nicht so an. Aber schlichtweg deswegen, weil ich dieses glatte, eckige nicht sonderlich mag.
Was mir aufgefallen ist, als ich das erste mal auf dem Reichsparteitagsgelände war ist, dass dieses ganze Areal, also das Zeppelinfeld, der Luitpolthain und die Kongresshalle, gar nicht so riesig wirkt. Das war zumindest mein Eindruck. Diese Gebäude wirken erst wenn Menschen in ihnen sind. Wenn man sich Fotos ansieht von damals, wo zig tausend Menschen da aufgereiht stehen, dann wirken die Gebäude, bzw. Areale erst. Was für mich bedeutet, dass die Menschen damals bewusst Teil der Architektur waren. Auch da wirds nen kleinen Teil im Projekt geben, bei dem es darum geht in die "Fußstapfen" der
Riefenstahl zu treten und Vergleichsaufnahmen zu machen (einmal die Leere, und wenn ichs hinbekomme auch Bilder von RiP).
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ich bin ja gerade post für post durchgegangen (absatz 1 anarch, dann sidolin, dann sparkie), nun noch zu orion
netter hinweis

. kombinier das doch bitte noch mit etwas das mehr zum Topic gehört

. auch ohne bei RiP gewesen zu sein oder das Reichsparteitagsgelände zu kennen, kann man ja eine Meinung darüber haben, inwiefern ehemalige NS Bauten heute genutzt werden sollten.
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Was ich noch sagen wollte, was ich im ersten Post ja angedeutet hatte: 1987 lehnte die Stadt Nürnberg es ja ab, aus der Kongresshalle ein
Freizeit- und Einkaufszenter (rechts unten) zu machen (ein Fußballstadion war auch mal in Planung). Auf jeden Fall ist mein Grundgefühl dabei, dass ichs arg heuchlerisch finde, das zu untersagen, aber (auch schon damals) in unmittelbarer Nähe dann Volksfeste und Musikevents zu veranstalten. Ich habe kein Problem damit dass das Gelände so genutzt wird - es ist ja nun mal da und es ist ja dafür gemacht Massen zu "beherbergen", aber ich finds eben n bissl heuchlerisch. Problematischer finde ich (wie oben angedeutet) dass gerade die Frankfurter Uni noch Prestigebauten der NS Zeit heute nutzt. Gerade die Frankfurter Uni, die mit ihrer Frankfurter Schule und den zig ausgewanderten Professoren eine bedeutsame Geschichte hat. Aber nunja.