Zitat von Sivar:
Nur zum besseren Verständnis... Müttern, die nicht gearbeitet haben, wird das Erziehungsgeld drastisch gekürzt, und dafür erhalten Mütter, die bis fast zur Geburt ihres Kindes arbeiten, nun ein Jahr lang 67% ihres früheren Lohns - was meist weitaus mehr ist also die 450 Euro vorher. Richtig?
Sehr richtig.
Um jetzt vernünftig diskutieren zu können, müsste man zB wissen, wie langeund bis wann vor der Geburt eines Kindes die Mutter gearbeitet haben muss, um Anspruch auf Erziehungsgeld zu bekommen. Mal ein Beispiel: Eine junge Mutter hat zuerst Lehre gemacht und arbeitet danach 6 Monate in Vollzeit, bis ihr erstes Kind geboren wird. Was bekommt sie nun? 67% des vorigen Lohns, obwohl sie nur so kurz gearbeitet hat?
Maßgeblich sind die letzten zwölf Kalendermonate vor der Geburt. Wenn sie vorher nur 6 Monate ein volles Gehalt und zuvor eine Ausbildungvergütung erhielt, dann errechnet sich das Erziehungsgeld nach dem Gesamt
Nettogehalt in diesem Zeitraum. Sie wird also entsprechend weniger erhalten.
Wenn man von nem Nettoverdienst von 1200 Euro ausgeht, bekommt eine Mutter, die drei Kinder nacheinander grosszieht, also fürs erste Jahr 800/Monat, fürs zweite und dritte dann jeweils 360/Monat für je ein Jahr... macht zusammen 18240 Euro.
Wäre nahezu richtig, wenn meine Angaben gestimmt hätten. Bei 1200 Euro bekäme sie 804 Euro monatlich für ein Jahr
oder 402 Euro monatlich für 2 Jahre (wahlweise). Danach gibt es
kein Elterngeld mehr, erst wieder ab Geburt des nächsten Kindes. Wohlgemerkt: Im Regelfall werden die Kinder nicht im Abstand von 1 Jahr geboren, selbst ohne Verhütung. Das bedeutet es bleibt ein Leerzeitraum oder eben für zwei Jahre der reduzierte Satz. (150 bzw. 187,50 Euro)
->Es heisst jetzt übrigens "
Elterngeld", nicht mehr Erziehungsgeld. Ich hatte das oben falsch geschrieben.
Das mit den 360 Euro habe ich in 300 bzw. 375 Euro mit Bonus korrigiert. Ich hab´s noch mal nachgelesen. Siehe oben.
Das System verteilt also von der Tendenz hauptsächlich um von Müttern, die NIE gearbeitet haben, hin zu Müttern, die gerne nach der Elternzeit weiterarbeiten möchten.
Diejenigen, die vorher ein bisschen gearbeitet haben, bekommen fast genauso viel, und sogar mehr, wenn sie nach dem ersten Kind zB noch eine Teilzeitstelle antreten. Dort bekämen sie nämlich angenommene 50%, dh 600 Euro netto, und hätten 400 (=67%) Euro Erziehungsgeld beim zweiten Kind statt 360.
Man konnte auch beim alten Erziehungsgeld bis zu 30h wöchentlich arbeiten, und trotzdem Erziehungsgeld beziehen. Das bleibt meines Wissens unverändert.
Selbstverständlich ist und bleibt es diskussionswürdig, ob es gut wäre, 30h Externarbeit weiterhin als "
Erziehungszeit" zu bezeichnen und entsprechend zu honorieren.
In Deinem Beispiel würde eine Mutter bei einem 2jährigen Kind (nach 2 Jahren Elterngeld) wieder 20h arbeiten gehen. Also etwa Mo-Fr vormittags.
Meine Frage ist: Wäre es zweckmässig das zu tun, und das Kind mit 2 Jahren in eine Betreuungseinrichtung, zum Kindermädchen etc. zu geben?
Viele Eltern wollen das eben nicht.
Und sehr richtig: Das ganze würde beim 2. Kind (sagen wir nach 2 Jahren)
für ein Jahr gerade 400 Euro bringen, also 100 Euro mehr als wenn sie zuhause geblieben wäre und sich in Vollzeit um den Haushalt und ihr 1. Kind gekümmert hätte. Sie bekäme dann 300 Euro für ein Jahr, da das 1. Kind schon ab 2 Jahren aufwärts ist.
Da bist Du aber schon von einem recht guten Gehalt ausgegangen. Eine Raumpflegerin wird 1200 netto für 40h wöchentl. mgl. kaum erreichen.
Es bleibt also festzustellen: Richtig lohnen tut sich das nur, wenn man vorher nicht 50%, sondern 100% (40h wöchentl.) gearbeitet hat. Also bei einem möglichst hohen Gehalt.
Es werden also Erstmütter gelockt, die dann aber bereits beim 2. Kind entweder hohe Defizite in Kauf nehmen müssen oder sich dafür entscheiden, das Kind zum Kindermädchen, die Betreuungseinrichtung etc. zu geben.
Das System belohnt also Arbeit und bestraft es, nie gearbeitet zu haben und das auch in Teilzeit mit Kindern nicht zu tun.
Es belohnt Arbeit bei Normalverdienern nur dann, wenn sie vorher (vor dem ersten Kind) oder zwischen den Kindern in sehr hohem Stundenumfang und über mögl. 12 Monate erfolgte. Ich meine: Wer hier gut dastehen will, wird dies letztlich auf Kosten des Kindes tun. Die Zeit die ich hier investiere, nehme ich an anderer Stelle dem Kind (den Kindern), dem Mann, der Familie.
Wenn jemand nur Hausfrau und Mutter sein will, und zwar vor dem ersten Kind, und wenn alle Kinder selbstständig leben können, dann ist das zwar jederfraus gutes Recht, aber das muss nicht extra durch die Gesellschaft gefördert werden.
Richtig. Die Frage ist hier nur, ab wann können Kinder selbstständig leben. Ich meine, sie können es selbst in jugendlichem Alter nur eingeschränkt. Und vorher gar nicht.
Interessant ist diesbezüglich, was Lehrer erzählen. Immer wenn ich diesbezüglich etwas lese oder Berichte im Fernsehen sehe, dann wird darüber geklagt, daß Eltern ihrer erzieherischen und fürsorgenden Rolle nicht mehr in ausreichendem Masse nachkommen (können).
Viele Kinder leiden unter Problemen, diverse Kinder entgleiten den Lehrern und fallen dann aus dem Netz -> Schüler ohne Schulabschluss >10%! lt. einer Schuldirektorin kürzlich im Fernsehen
Das hat sehr viel mit der externen Arbeit der Mütter (und auch Väter) zu tun. Wenn beide Partner im Wechsel arbeiten, dann bleibt nunmal wenig Zeit für Familie und Kinder, es bleiben Leidtragende: Die Kinder. Oder auch die Beziehungen an sich.
Oder frage Mediziner: Wie viele Kinder in Deutschland sind in zunehmendem Masse viel zu dick, leiden an Fettsucht! Mit den entsprechenden gesundheitlichen Folgen.
Solche erheblichen Ernährungsdefizite sind einerseits Ernährungsbedingt aus Unwissenheit beim Kochen und zubereiten der Speisen, vielfach auf Fertigfood zurückzuführen
und auch auf psychische Probleme zurückzuführen. Etwa unbewältigte Probleme für die keine oder nicht ausreichend Zeit ist, der feste Ansprechpartner fehlt, etc.
Warum ist also der volle Einsatz der Mutter in die Familie nicht förderungswürdig? Weshalb bedingt das Deiner Meinung nach eine fehlende Ausbildung der Mütter? Die meisten schliessen ihre Ausbildung oder ihr Studium doch in jungen Jahren ab, bevor sie in feste Beziehung etc. kommen und Kinder bekommen. An diese Ausbildung können sie später
-wenn die Kinder grösser sind- wieder anknüpfen und auch insgesamt davon profitieren. Krankenpflege oder hauswirtschaftliche Ausbildungen (auch Diplomökotrophologie als Studium etc.) sind beispielsweise für die Familie sehr positiv, da das Wissen allen zugute kommt.
Sowas ist eine individuelle Entscheidung zu einer bestimmten Lebensführung, für die man auch selber die Verantwortung übernehmen muss - auch finanziell.
Die Frage ist, ob man da nicht leicht eine Rechnung aufmacht, die nicht bis zu Ende durchkalkuliert ist. Zeit ist Geld. Aber wenn die Zeit bei den Kindern fehlt, verursacht das nicht nur Leiden, sondern ebenso wieder Kosten. Für alle.