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Bomben-Terror in Madrid: 186 Tote, 1000 Verletzte
„Es war wie im Krieg“
186 Tote, 1000 Verletzte – das ist die vorläufige Bilanz der blutigen Bombenanschläge, die am Donnerstagmorgen die spanische Hauptstadt Madrid erschütterten. „Ein Massaker“, so fasste Regierungssprecher Eduardo Zaplana das Entsetzen über die Bluttaten zusammen.
Die Anschläge waren generalstabsmäßig geplant. Um 7.30 Uhr, genau zur Rush-Hour, detonierten 13 Sprengsätze innerhalb von 15 Minuten. Im Bahnhof Atocha, einem Knotenpunkt für S- und U-Bahnen sowie Fernzüge, explodierte eine Bombe in einem einfahrenden Hochgeschwindigskeitszug und eine zweite in einem wartenden Vorortzug. In den Arbeitervierteln Santa Eugenia und El Pozo detonierte jeweils ein Sprengsatz in einem Pendlerzug.
Die schockierenden Augenzeugen-Berichte:
Samuel Lozana (24) konnte dem Inferno im letzten Moment entkommen. Er hatte in einem der letzten Waggons des Vorortzuges nach Atocha gesessen. „Mir ist zum Glück nicht viel passiert, nur ein paar kleine Kratzer. Aber ich konnte sehen, wie Leute verzweifelt versuchten, durch die Türen nach draußen zu kommen. Andere zwängten sich durch die Fenster. Es waren Bilder wie aus dem Krieg.“
Notfall-Mediziner Enrique Sanchez war als einer der Ersten am Unglücksort: „Es war ein Blutbad.“ Ein Augenzeuge: „Überall liegen völlig zerfetzte Leichen neben den Gleisen.“ Ein Anrufer bei der Polizei: „Ich sehe überall Menschen mit blutverschmierten Gesichtern.“ Feuerwehrleute zerlegten mit Trennscheren die Trümmer der Waggons, um an Verletzte zu kommen. Überall stöhnten und wimmerten Überlebende.
„Sofort als ich die Explosion hörte, lief ich zum Bahnhof, denn mein Vater hatte kurz vorher das Haus verlassen, wollte mit dem Zug fahren“, so der 25-jährige Álvaro. „Ich rannte in das Gebäude, fand ihn schließlich: blutüberströmt und völlig verwirrt.“
Eine Augenzeugin berichtet: „Ich erinnere mich nur noch daran, dass plötzlich alles in die Luft flog. Von der Druckwelle der Explosion schmerzen mir die Ohren. Bei der Explosion dachten wir zuerst, die Hochspannungsleitung wäre auf den Zug gestützt. Aber dann sahen wir, dass von einem Waggon nur noch das Gerippe geblieben war.“
In der Station Santa Eugenia rief ein Angehöriger völlig verzweifelt immer wieder nach seiner Frau: Er konnte sie über Handy nicht erreichen. Unter Schock klammerte er sich an einen Baum vor dem Gebäude, rief immer nur: „Was mach' ich jetzt, was mach' ich jetzt? Wo soll ich hingehen?“
„Zunächst glaubte ich, wir wären mit einem anderen Zug zusammengestoßen“, berichtet Maricruz, eine Überlebende. „Doch als ich ausstieg, sah ich, dass einer der Waggons ein riesiges Loch hatte.“
Ein Polizist: „Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Bei den Bergungsarbeiten fanden wir drei weitere Bomben in den Zügen, die aber nicht explodiert sind. Der Zünder hatte versagt.“
Rettungswagen hatten Mühe durch die engen Straßen zu kommen. Kurzerhand wurden Verletzte deshalb mit Privat- oder Polizeiwagen in umliegende Krankenhäuser gebracht. Ein benachbartes Sportstudio wurde zum Lazarett umfunktioniert.
Die staatliche Eisenbahn RENFE stoppte sofort alle Züge. In Madrid brach das totale Chaos aus. Radiosender riefen die Bevölkerung zu Blutspenden auf.
Die Regierung macht die baskische Untergrundorganisation ETA für die Attentate verantwortlich, um die Parlamentswahlen am Sonntag zu sabotieren. Für Innenminister Angel Acebes gibt es „keinen Zweifel“, an ihrer Täterschaft. Der Chef der verbotenen ETA-nahen Baskenpartei Batasuna (Einheit), Arnaldo Otegi, dementierte sofort: „Es waren islamistische Terroristen.“ Das Terror-Netzwerk bin Ladens. Dafür spreche auch, dass es keine telefonische Warnung gegeben habe, wie es bei der ETA sonst immer der Fall gewesen sei.
Es gibt noch kein Bekennerschreiben. Fest steht nur, dass die ETA am vergangenen Wochenende versucht hatte, einen Lkw mit 500 Kilo Sprengstoff nach Madrid zu schmuggeln. Das Fahrzeug wurde aber von der Polizei abgefangen.
Die Polizei hat inzwischen eine erste Spur. Sie fahndet nach zwei Verdächtigen. Die beiden wurden nach Polizeiangaben dabei beobachtet, wie sie mehrfach auf der betroffenen Bahnstrecke umstiegen.
Aus aller Welt kamen Beileidsbekundungen. Bundespräsident Rau schrieb ein Telegramm an den spanischen König Juan Carlos, Bundeskanzler Schröder sprach Ministerpräsident Aznar sein Mitgefühl aus. „Ich bin entsetzt über die hohe Zahl der Toten und Verletzten.“
EU-Kommissar Prodi sprach von einem „perversen Akt von Terroristen. Als Menschen in Europa stehen wir Spanien bei.“ Die internationale Gemeinschaft müsse sich „mobilisieren und dies ausmerzen.“