Ich verstehe deine Problematik nur zu gut...
Ich muss auch bei dem Gedanken an diese "gesellschaftlichen Abhängigkeiten" schier reiern. Ich finde es wird einem wirklich verdammt erschwert, seinen 'eigenen Weg' zu finden, einfach weil man ständig von anderen genötigt wird, eine bestimmte Position in einer bestehenden Struktur (einem Netz) einzunehmen; eine Rolle zu spielen, die man dann auch gefälligst zufriedenstellend zu erfüllen hat.
Die Bezeichnung Netz gefällt mir in dieser Hinsicht, weil es genau das richtige auf den Punkt bringt: Desdo länger man an seiner Position im Netz verweilt, desdo stärker wird man darin eingewoben und es wird immer schwieriger, sich daraus zu lösen, je länger man bewegungslos verharrt.
Es ist praktisch ein Netz von Erwartungen und Abhängigkeiten. Man ist ständig genötigt, irgendwas zu tun, das man eigentlich garnicht will aber man tut es letztendlich trotzdem, weil man eben den Erwartungen entsprechen muss.
Ein weiteres Beispiel ist hier der Wehrdienst. Ich finde er ist eine absolute Anmaßung der Staates! Einfach unglaublich, dass sich irgendwelche Melonenschädel denken, sie könnten Anspruch darauf erheben, dass ich ein Jahr Sklavendienst für Gevatter Staat verrichte... einfach so, einfach nur weil ich halt ein Mann im "wehrfähigen Alter" bin.
Wenn nun die Mongolen kurz davor wären, in unser schönes Europa einzufallen und alles zu plündern, wären solche Maßnahmen vielleicht noch nachvollziehber aber da heutzutage keine direkte Bedrohung mehr besteht, ist es eigentlich nur ein Ausnutzen von Arbeitskraft für Interessen, die teils fernab von denen des Volkes sind aber ganz besonders fernab von den Interessen eines Individuums. Ich will keinen Dienst an der Waffe leisten und auch wenn ich viel von Sozialarbeit halte, habe ich keinen Bock, diesen gezwungenermaßen anzutreten, weil ich einfach im Moment was besseres vor hab. Viele begrüßen ja z.B. irgendwie den Zivildienst, weil sich manch einer nach dem Abitur oder seiner Ausbildung erst noch neu orientieren muss und während dieser Zeit was zu tun hat... aber ich habe konkrete Vorstellungen was ich anzufangen habe, sobald ich den ABI-Irrsinn hinter mir habe und da steigt mir Vadder Staat auf die Zehen und lässt mich nicht vom Fleck.
Es stimmt in gewisser Weise mit der 'vorgegaukelten Freiheit', du hat den klassischen Weg ja bereits geschildert: Grundschule, Weiterführende Schule, Ausbildung oder Studium und dann Arbeitskraft für Firma XY.
Man hat also in aller Regel den absoluten Großteil des Lebens seine Energie dafür verschwändet, Dinge zu tun, die eigentlich garnicht unmittelbar im eigenen Interesse liegen.
Allerdings wird einem dann natürlich indirekt vorgegaukelt, dass man eben doch im eigenen Interesse handelt, da man "mit dem Geld, das man mühsam verdient" ja dann "seine Träume erfüllen kann". Das ist riesiger Bullshit, wenn man sich überlegt, wohin eigentlich das ganze verdiente Geld geht: Gut mehr als die Hälfte fließt an den Staat und das meißte wird letztendlich so vom Staat rückinvestiert, dass es direkt oder indirekt dazu dient, die "Arbeitsbedingungen zu verbessern".
Krankenkassenbeiträge helfen dem evtl. Kranken, wieder seine Arbeitskraft herzustellen, Straßen dienen dazu, den Weg zur Arbeit müheloser zu gestalten, Kindergärten und Schulen dienen der Vorbereitung auf die Arbeitswelt.
Ich behaupte keinesfalls, dass dies unnötige Investitionen des Staates sind aber letzendlich besteht das wahre Streben eines Menschen doch eher selten in seiner Arbeit. Ich bin jetzt keinesfalls ein "workophobic", aber mir persönlich ist es sehr wichtig, in meiner Arbeit eine Erfüllung zu sehen, statt einen raubbau an meiner Persönlichkeit und Selbstverwirklichung.
Sicher wird es nicht jedem möglich sein, in seiner Arbeit seine Berufung und sein Glück zu finden, aber letztendlich geht es dem Menschen doch um das Glücklichsein und das findet sich nunmal sehr oft in Selbstverwirklichung.
Diese kann man nun natürlich auch ausserhalb der Arbeitszeiten realisieren, aber hierzu ist eben immer Geld notwendig. Doch wo geht die Hälfte hin, die der Staat nicht abzwackt?
Vor allem in die Lebenshaltungskosten. Auch diese sind ein Zwang, dem wir unterleigen... wir können nicht ohne Kleidung aus dem Haus gehen, ohne Auto und vollen Tank kommen wir nicht zur Arbeit, mit leerem Magen stirbt es sich schnell, ein riesiger Teil unserer 'Hälfte' verrinnt hier im Sand, nur damit wir nicht krepieren. Was übrig bleibt für 'Selbstverwirklichung' ist dann nurnoch ein Bruchteil... und wo geht dieser hin? Wir kaufen in der Regel Scheisse, die wir dann manchmal nichtmal brauchen.
Hier greift dann die Werbung der Firmen, in denen wir selbst arbeiten. Sie macht uns heiss auf Dinge, die nicht nur Lebenswichtige Produkte sind sondern vor allem darüber hinausgehen. Hierfür verschwindet dann der kümmerliche Rest... manche suchen dann genau hierin ihre "Selbstverwirklichung". Man könnte diese Menschen Materialisten nennen aber das sind wir ja alle immer bis zu einem bestimmten Grad.
Und das, was nach alledem noch übrig bleibt, wird dann üblicherweise für einen Urlaub mit der Familie gespart, in dem man sich dann wie üblich wieder zerstreitet.
Ich denke das ist das absolut typische Schema, wie wir im Allgemeinen unser hart verdienstes Geld 'nutzen'. Eigentlich ist hier doch gar kein Raum für Freiheiten und Selbstverwirklichung, wo soll diese denn überhaupt noch stattfinden? Leider habe ich dafür nur meine persönliche Lösung gefunden, die ich nun mal mehr, mal wengier leidenschaftlich verfolge aber ich habe nunmal keine Lösung für die Allgemeinheit vorzuweisen und bin letztendlich vor allem wieder am Meckern, aber habe nunmal nichts besseres vorzuweisen.
Ich weiß nur, dass mich so ein Leben irgendwie abstösst, weil es mir keinen ausreichenden Freiraum lässt, den ich für mich als sehr wichtig erachte. Das ist halt einer der Gründe, warum ich die Flucht nach vorne antrete:
wenns dir nicht passt wander aus.
...genau das werde ich tun.
Nicht für immer, erstmal für zwei Jahre aber wenn ich wiederkomme und für mich keine passende Niesche in dieser Gesellschaft finde, werde ich mir eine andere suchen. Ich kann und will nicht für immer davonlaufen, immerhin kostet selbst das Davonlaufen sein Geld, welches ich mir auch erarbeiten muss aber ich bin absolut nicht gewillt, mein Leben 'nach dem typsichen Schema' zu fristen.
Bye bye
