Das mit dem Hauptschulabschluss ist ein gutes Beispiel. Da haben sich Leute mal die drei getrennten Schulformen einfallen lassen. Das war meiner Meinung nach von Anfang an nicht besonders schlau, keinesfalls sozial, und für das Lernen vielfach eher kontraproduktiv.
Nach und nach wandelte sich die Gesellschaft von einem hohen Bedarf an Arbeitern nach und nach zu einem hohen Bedarf an Angestellten und Akademikern.
Also wurde das von Anfang an sozial und lernpsychologisch betrachtet unzweckmäßige System der drei Schulformen, also im Prinzip der Einkategorisierung von Menschen, noch weiter verschärft.
Wenn ich mir anschaue, daß Ärzte heute Arzthelferinnen mit gutem bis sehr gutem Realschulabschluß suchen, Banken, Krankenkassen und dergleichen gerne Abiturienten einstellen, Handwerksfirmen vielfach gute Realschüler suchen, dann stellt sich die Frage:
Was machen wir mit den mittleren bis schlechten Realschülern und vor allem den Hauptschülern?
Was die Wirtschaft betrifft, so ist die Globalisierung in aller Munde. Nicht nur weil viele sie toll finden, sondern auch weil die meisten mittlerweile resigniert haben und sich sagen: "
Was soll´s, kommt sowieso, die Globalisierung." Aber das mit der Globalisierung ist ein eigenes Thema.
Worauf ich hinaus will ist: Wenn Patente zur Reaktion auf die Globalisierung diskutiert werden, höre ich immer wieder:
"Wir müssen uns besser bilden, die Bildung verbessern." "Arbeiter werden in Zukunft immer weniger benötigt." "Hier wird der Standort für das Know how sein."
Alles schön und gut, daß die Bildung hier vergleichsweise eher schlecht ist, wissen wir ja. Aber ich stelle mir die Frage:
"Woher soll man denn die ganzen hochgebildeten Menschen nehmen?" Wie sollen denn jemals so viele Leute Abitur machen, wie gewünscht werden?"
Denn die Sache ist doch so: Selbst dann, wenn wir (sinnvollerweise) die getrennten Schulformen abschaffen, Gesamtschulen mit Kursabstufungen einrichten, die individuelle Förderung massiv verbessern, Schulfächer individueller anwählbar machen etc...... also lauter sinnvolle Dinge tun....
....dann können noch immer nicht alle Leute Abitur oder eben einen sehr guten Realschulabschluß machen. Die Menschen sind verschieden.
Das ist unmöglich (es sei denn man wollte das Niveau extrem kappen, was Unsinn wäre) Es bleibt also die Frage:
Was machen wir mit den mittleren bis schlechten Realschülern und vor allem den Hauptschülern (bzw. die diesen Abschluß haben)?
Ich finde wir sollten die ganze Theorie mit dem "
wir müssen die Bildung pushen" mal hinterfragen. Verbessern ja, aber dieses Konzept hilft nicht gegen die Globalisierung. Denn die Inder und Chinesen und Koreaner u.s.w. sind auch nicht dümmer als wir. Die setzen genauso auf Bildung, "
bessere Bildung als der andere." Gerade in einer globalen Welt ist die Konkurrenz überall.
Ich denke, das was uns wirklich helfen könnte, wäre mal den Hauptschülern und schlechteren Realschülern eine echte Chance zu geben. Die Schwächen vernünftig zu fördern, sie auch tatsächlich einzustellen. Sie endlich aus ihrer abgeschobenen Schulform zu befreien. (Mittlerweile werden schon Zäune zwischen den Schulen gebaut!)
Denn dann kann man auch mit einem ordentlichen Hauptschulabschluß Arzthelferin, Facharbeiter u.s.w. werden. Aber da fehlen ja noch die Arbeitsplätze....
Demzufolge sollten wir uns mal überlegen, was uns diese ganzen Grossfirmen und Aktiengesellschaften eigentlich bringen.
Sie bringen einigen wenigen (im Vergleich zur Unternehmensgrösse sind es sehr wenige!) Arbeitnehmern
gute Gehälter und gute Sozialleistungen. Und der Rest?
Immer höhere Gewinne werden erzielt und gleichzeitig
immer mehr Leute entlassen. Tausende, Zehntausende. Ist das nicht seltsam? Sollte man so etwas noch subventionieren, unterstützen? Sollte man unterstützen, daß sich Manager die Gehälter kurzerhand um 30% und mehr erhöhen?
Ich bin der Meinung wir sollten uns mal Gedanken darum machen, solche Unternehmen zu meiden, bei kleineren Unternehmen arbeiten und vielmehr das Wagnis eingehen, uns selbstständig zu machen. Was kann uns schon passieren? Die Beschäftigten der grossen Aktiengesellschaften werden weiterhin massiv abgebaut werden, Callcenter werden zunehmend nach Indien verlegt u.s.w.
Ja, moderne Langstreckentarife machens möglich....heute gerade gelesen. In Zukunft telefonieren wir mit jungen Akademikern aus Indien und merkens nicht einmal....
Die Umkehr der Industrialisierung! Was geschah damals? Die Menschen gaben ihr Handwerk, ihre Selbstständigkeit auf und wurden Fabrikarbeiter. Sie zogen in die Städte. Heute braucht sie keiner mehr, sie werden entlassen wie die Fliegen. Vor allem wie gesagt die, mit niedrigerem Bildungsniveau.
Wenn nun die Menschen sich wieder selbstständig machen würden, andere einstellen würden, dann hätten wir die Umkehr der Industrialisierung. Klar, die Berufe haben sich verschoben, weniger Handwerk, vermehrt Dienstleistung u.s.w.
Aber ich glaube
daß ist es, was hier Zukunft hat. Wir sollten ernsthaft darüber nachdenken, dieses Wagnis einzugehen.
Dabei macht es natürlich auch Sinn, kleinere und mittlere Firmen und Betriebe großen vorzuziehen. Diese durch unsere Order, unseren Kauf zu unterstützen. Wir sollten umdenken,
eine Aktiengesellschaft ist eine Kapitalgesellschaft mit nur einem Primärziel und einer Verpflichtung: Das Kapital ihrer Anleger zu vermehren. Sie sind nicht den Menschen verpflichtet, die dort arbeiten. Und nicht den anderen Menschen. Die meisten Menschen in Deutschland haben
keine Aktien. (15,3 Prozent besitzen Aktien/Fondsanteile) Dessen sollten wir uns bewusst werden.....
Dazu eine gute Filmempfehlung: "
The Corporation" von Mark Achbar;Jennifer Abbot
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,304353,00.html
Den Film kann ich euch wirklich
sehr empfehlen. Er ist ganz einfach hervorragend gemacht.
Ein Bericht dazu:
http://www.2centsofwisdom.de/soc0023.html
"
Im Land des Lächelns" Ein Stern-Artikel über Gewinne und die Verhaltensweisen der Grossunternehmen mit einer sehr aussagekräftigen Bilanz der Dax-30-Unternehmen auf Seite 4. Zwar von 2004, aber die Situation ist dieselbe:
http://www.stern.de/wirtschaft/boers....html?nv=ct_cb