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Kinderarbeit - ein Produkt unseres Kaufverhaltens?

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sailor
Alt 23.02.2007, 16:46   #1
Standard Kinderarbeit - ein Produkt unseres Kaufverhaltens?

http://www.stern.de/wirtschaft/unter...nd/581923.html
"Kinderarbeit für den Heine-Versand."

Als ich den Artikel so gelesen habe, fiel mir auf: Eine entscheidende Problematik ist die, das Deutsche Firmen ihre Aufträge an Subunternehmen vergeben, die wiederum auch, und heraus kommt: Kinderarbeit. Versklavte Kinder, die in irgendwelchen Kellerlöchern für Nichts schuften müssen.

Aber ganz unschuldig sind die Unternehmen ja nicht, im Heine-Versand war es offenbar bekannt, wie dort gewirtschaftet wurde. Ist es denn nicht auch naheliegend? Ist es nicht eine Frage des Preises?

Noch mehr als der Endverbraucher wusste das Unternehmen genau, was für das Produkt gezahlt wurde. Es wusste genau, wie aufwendig die Arbeit der bestickten Blusen etc. war. Nun ja, ich kenne die Preise beim Heine-Versand nicht konkret, obwohl man es recherchieren könnte...

Was mir aber schon lange auffällt: Man kann Hemden kaufen für sieben oder acht, manchmal fünf Euro. Etwa bei C&A. Das ist keine schlechte Qualität, es ist nur -aus Billiglohnländern. So wie etwa Indien.
Man kann auch Elektroautos mit Kabelfernsteuerung für zwei Euro sechzig kaufen. Made in China.
Wenn die Kleider nun teurer sind, heißt das automatisch, das die Preise, die dem Produzenten und letztlich Arbeiter gezahlt werden, angemessen sind? Nach rein marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten gilt: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Und genau danach wird verfahren.

Solche Handelsunternehmen wie der Otto-Versand oder WalMart oder oder, was denken wir uns, woher die ihre Milliardengewinne erwirtschaften?
in China: Stundenlohn etwa 45 Cent, 16h täglich, alle zwei Wochen ein Ruhetag, wenn überhaupt. Siehe unterster Abschnitt:
http://www.cafebabel.com/de/article.asp?T=T&Id=5357
In Indien ist es noch krasser: Teilweise 9 Cent pro Stunde. Die Angaben zu den Arbeitszeiten schwanken stark, auch 16h täglich sind also realistisch. http://www.teltarif.de/arch/2006/kw48/s24021.html
Dabei sind es oftmals Fabriken, die von US-amerikanischen oder auch europäischen Unternehmen direkt unterhalten werden, also keine Unterhändler. Mehr dazu in
http://www.dvd-palace.de/dvd-review-r5t1753.htm

Was erwarten wir für dieses Geld? Machen wir uns nicht absolut Illusionen, wenn wir meinen, solche Preise könnten einen menschenwürdigen Verdienst der Menschen vor Ort ermöglichen und gleichzeitig die Gewinnsucht der Konzerne und Unterhändler befriedigen?
Die Frage ist also auch: Dient Globalisierung den Menschen oder den Grosskonzernen und...ist Geiz wirklich geil? Wo liegt die Lösung?
 
 
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tj
Alt 23.02.2007, 18:17   #2
Standard

Also ich denke , dass das Problem was du hier anspricht sicherlich nicht gelöst werden kann und hier auch keine Antworten gefunden wurden. Wir haben in unserem Sowi Leistungskurs die Problematik sehr lange behandelt, und sind am Ende auch zu keinem weiterführenden Ergebniss gekommen. Desweiterren steht die Problematik schon seit langer Zeit auf Platz 1 der Probleme welche die Marktwirtschaften sowie Menschenrechte umfassen.

Aber naja wollen wir mal anfangen das Thema anzugehen :

Ich denke die Probelmatik die du "aufdeckst" ist nichts neues sondern sollte meines Erachtens schon lange bekannt sein. Und das ich wenn ich 80 € für meine Lacoste Polo-Shirts bezahle damit nicht die wirklichen Arbeiter sondern den Markennamen und somit die Big Bosse bezahle ist auch gewiss. Ich arbeite selber seit Jahren in der Modebranche und weiss wie und wo welche Dinge produziert werden und ja auch wir geben Aufträge ins Ausland weil es sicherlich notwendig ist um einen gewissen Absatz zu machen. Was jetzt nicht heisst das es nicht teure Klamotten gibt die aus Billiglohnländern kommen.

Du fragst was wir für das Geld erwarten ?
Ich erwarte Qualität von allem, egal ob es Lacoste, H&m oder Kik ist was auch sicherlich daran liegt das ich wie gesagt in der Branche arbeite. Wir verkaufe unter anderem Second Hand, welche schlechter verarbeitet ist aber im Endeffekt den gleichen Preis erzielt auf Dauer. Aber in der heutigen Zeit zählt nicht die Verarbeitung sondern der Look. Warum muss eine Jacke mehr als 1 Jahr halten, wenn im nächsten Jahr der Trend wieder komplett umschlägt ???

Machen wir uns nicht absolut Illusionen, wenn wir meinen, solche Preise könnten einen menschenwürdigen Verdienst der Menschen vor Ort ermöglichen und gleichzeitig die Gewinnsucht der Konzerne und Unterhändler befriedigen?
Machen wir das ???
Du sprichst so als ob jeder deine Meinung vertritt in diesem Punkt. Ich persönlich weiss das egal ob ich 10 oder 100 euro für nen shirt ausgebe das Endprodukt is das gleiche.

Und zu der Globalisierungsfrage kann man wohl sehr offensichtlich sagen das diese nur Groskonzernen dient und nicht den einzelnen Menschen.

Ist geiz geil ???
Vllt. kannst du noch mal erläutern inwieweit du dies hier in den Zusammenhang bringst.
und wie gesagt ---> Lösung gibts keine zumind. nicht eine die eine Leihe wie wir erkunden könnte bzw. erst recht nicht durchsetzen könnte.
soweit
 
 
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Krashok
Alt 24.02.2007, 04:56   #3
Standard

Die Frage ist also auch: Dient Globalisierung den Menschen oder den Grosskonzernen ?
gegenfrage: wer hat je behauptet das globalisierung dem wohl der gesamten menschheit dient ? ich würde sagen niemand...globalisierung ist einfach ne geschichte von großunternehmen für großunternehmen..zur maximierung der rendite.. du glaubst doch nicht ernsthaft das da irgendwer mal gesagt hat "also tun wir den indern mal was gutes und geben denen jobs"

Versklavte Kinder, die in irgendwelchen Kellerlöchern für Nichts schuften müssen
ja kinderarbeit ist eine keine sehr schöne sache..aber vielleicht sollte man mal vorher nachdenken wie es den familien in den ländern gehen würde wenn sie die kinder nicht arbeiten schicken gehen könnten ! ..in einem land den finger zu heben wo zwei drittel der männer übergewicht haben ist sehr sehr leicht !
Man sollte sich vielleicht beide seiten der medialle mal genau ansehen..

Geiz wirklich geil?
willst du uns damit sagen das du wenn du sagen wir mal eine hose die dir gefällt lieber für 89€ anstatt im angebot oder wonders für 40€ kaufen würdest ?

Dieser sologan hat sehr wohl seine berechtigung, da man nicht blind seine kohle unternehmen zuwerfen sollte...
 
 
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Alt 24.02.2007, 09:24   #4
Standard

naja, das problem ist nicht nur kinderarbeit an sich. schau dir china an, da verdient ein normaler arbeiter 20 ct die stunde und arbeitet zwar offiziell 8 stunden am tag, aber in wirklichkeit 12 stunden jeden tag (auch am wochenende).

Was dagegen tun? Die EU verhängt auch oft einfuhrrestriktionen gegen die überschwemmung des marktes durch billigprodukte, in erster linie textilien, aber das ist nicht die spitze des eisbergs, denn wie krashok sagt, die familien dort haben oft keine andere einnahmequelle als ihre kinder. Besonders weil es dort meist keine sozialversicherungen etc. gibt. Die arbeiter selbst können sich auch nicht auflehnen, da es keine gewerkschaften gibt und jeder arbeiter ersetzbar ist. Aber das machen ja auch nicht nur subunternehmer sondern auch große deutsche firmen, die ihre standorte nach china, etc verlegen. Auch witzig ist, das es dort sogar billigfachkräfte gibt, also studierte leute die für einen hungerlohn arbeiten und forschen.

Zur frage des kaufverhaltens: Es ist schwierig, wenn man billigprodukte kauft unterstützt man natürlich indirekt diese kinderarbeit, aber wenn man, wie krashok schon sagt, diese produkte aufhören würde zu kaufen würde man familien ihrer einnahmequelle berauben. So oder so ist es ein teufelskreis. Was dagegen getan werden kann ist diese länder generell zu unterstützen, in form von aufbauhilfen etc. sodass die leute irgendwann nicht mehr so billig arbeiten wollen und können. Solange dort kriegs oder krisenzustand herrscht wirds dort nie anständige lebensumstände geben, ob man nun deren produkte kauft oder nicht.
 
 
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Krashok
Alt 24.02.2007, 14:44   #5
Standard

Naja ..problem ist einfach es gibt in diesen ländern einfach zuviele billige arbeitskräfte.. was macht man hier wenn man ein 3x3x2 meter tiefes loch in einem betonboden braucht ? man nimmt einen kleinen bagger mit presslufthammer und macht das loch.. in china holt man sich 30 arbeiterinnen die bekommen so 25cm lange nägel.. da ein gummischlauch durch zum festhalten und irgendwas zum draufhauen..dann machen die da paar tage an dem loch rum..is billiger als der bagger ... story hab ich mir von jemandem erzählen lassen mit dem paintball spiele und der in vietnam/china industrieanlagen montiert.

Hab die Woche gesehen das die Chinesen inzwischen mit paar unternehmen nach afrika gehen,weil es dort noch billiger ist.
Ich denke da durch aufbauhilfe entgegen zukommen, ist wie in californien beim waldbrand sein haus mit dem gartenschlauch zu schützen...darüber hinaus hat doch nicht wirklich irgendwer interesse daran das die waren teurer werden..und es gibt einfach zuviele arme länder
 
 
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missgreenx
Alt 24.02.2007, 15:05   #6
Standard

zzzZZZzzz so ganz "sozial" ist unser System halt doch nicht. der + Pol hat halt auch immer iwie ein - Pol!
Im Grunde ist es total schrecklich, dass Kinder in Indien ...(usw.) als Sklaven verkauft werden und schon bis zur Erschöpfung und mit wenig Nahrung arbeiten müssen. Aber eigentlich ist es auch ziemlich schlimm, dass wir sozusagen in einem überversorgten Staat leben, fast alles in den Arsch geschoben bekommen ...usw. ... Unser Handelswesen ist ja sogar schon so weit, dass viele Wahren (, darunter auch viele Lebensmittel) wegen Überproduktion verbrannt werden müssen, damit die Preise nicht kaputt gehen....
 
 
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Krashok
Alt 24.02.2007, 15:12   #7
Standard

Das hat weniger was mit "handelswesen" zu tun sondern vielmehr etwas mit der effizienz unserer landwirtschaft und in den arsch geschoben bekommt hier niemand etwas..
 
 
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sailor
Alt 25.02.2007, 01:05   #8
Standard

Zitat von tjc:
Ist geiz geil ???
Vllt. kannst du noch mal erläutern inwieweit du dies hier in den Zusammenhang bringst.
Nun ja. Es ist ja so, daß bei der Produktion vieler Waren -aber auch bei der Aufzucht von Tieren- der Preis, den der Verbraucher zu zahlen bereit ist, ein entscheidendes Kriterium ist. Er bestimmt über den Rahmen an Qualität und in der direkten Folge auch über den Rahmen an Quälerei für Mensch und Tier und industrieller Massenproduktion.
Ein gutes Beispiel sind die aktuellen Skandale in der Fleischwirtschaft: Jeder, der sich etwas eingehender informiert hat, wird wissen, daß es sich nicht mehr nur um das Problem einiger weniger "schwarzer Schafe" handelt. Das Problem ist die Massenproduktion unter massivem Preisdruck.

Ihre Folgen sind: Quantitätssteigerung bei Qualitätsminderung. Denn je mehr ich bei gleichzeitig verminderter Qualität produziere, umso günstiger kann ich je Stück produzieren.
Denn Begriff "Qualität" beziehe ich in Hinsicht auf die Bekleidungsproduktion nicht nur auf die Klamottenverarbeitung selbst, sondern auch auf die Arbeitsbedingungen, die Kontamination der Kleidung mit irgendwelchen Pestiziden und giftigen Färbesubstanzen, und den Lohn, der den Arbeitern gezahlt wird etc..
Qualität bei der Tierhaltung bedeutet Freilandhaltung statt Käfighaltung,
natürliche Milchproduktionsmengen und gesunde natürliche Haltung, statt Antibiotika und Wachstumsbeschleuniger.

Ist der Endverbraucher zu grossen Teilen nur bereit, acht Euro für ein Hemd oder zwei Euro sechzig für ein drahtferngesteuertes Plastikauto oder ein Euro achtzig für ein gefrorenes Brathähnchen zu zahlen, dann bestimmt dieser Preis quasi die Produktionsbedingungen und deren Folgen.
Die Bereitschaft, zehn Euro für ein Brathähnchen zu zahlen, bedeutet zwar nicht automatisch entsprechende Qualität (nach obigen Gesichtspunkten), aber diese Bereitschaft würde solche Qualität überhaupt erst machbar machen.
Für einen Euro achtzig ist es schlicht unmöglich, das Tier grosszuziehen, also zu füttern, zu betreuen incl. med. Versorgung etc., zu rupfen, zu schlachten, zu verarbeiten, einzufrieren, zu verpacken, zu lagern, zu transportieren, und dem Produzenten und Händler dabei noch einen angemessenen Gewinn zu ermöglichen. Unmöglich - es sei denn ich wähle den Weg industrieller Massenproduktion bei Käfig- oder Betonbodenmassenhaltung, entsprechender Quälerei, präventiver Antibiotikaversorgung etc..

Deshalb habe ich es in Frage gestellt, ob Geiz wirklich geil ist.

Zitat von tjc:
und wie gesagt ---> Lösung gibts keine zumind. nicht eine die eine Leihe wie wir erkunden könnte bzw. erst recht nicht durchsetzen könnte.
soweit
Lösungen, die noch nicht gefunden oder auch umgesetzt wurden, bedeuten niemals, daß es sie nicht gibt.

Anhand des Beispiels mit dem Brathähnchen lässt sich ein möglicher Lösungsweg herausfinden. Ich verwende das Beispiel auch deshalb, weil ich diesbezüglich eigene Erfahrungen gemacht habe:

Tatsächlich kostet ein Brathähnchen beim Aldi unter zwei Euro, vermutlich so um einen Euro achtzig. Ein Brathähnchen bei Bioland kostet etwa zehn Euro.
Bedeutet nun dieser Preis, daß wir auf Kosten unserer Gesundheit auf etwas Gutes verzichten müssten? Dem ist nicht so. Warum?
Die Preise für ökologisch, tierfreundlich und umweltverträglich produziertes Rind- oder Schweinefleisch liegen im Vergleich zu Hähnchenfleisch weitaus niedriger. Wir essen täglich Fleisch, viel zu viel, jeder Ernährungswissenschaftler wird bestätigen, daß weitaus geringere Mengen an tierischem Eiweiß durchaus ausreichen. Daß sie sogar gesünder sind. Gleichzeitig produziert gerade unser Massenkonsum an Fleisch auch Unmengen an Methangas, welches wiederum nachweislich am Treibhauseffekt beteiligt ist.
Mit Hilfe von drei Wegen kann ich mit kaum grösseren Mengen an Ausgaben für Fleisch auskommen:

1.In dem ich kleinere Fleischmengen je Portion konsumiere, und 2. in dem ich ein- bis zwei Mahlzeiten wöchentlich durch vegetarische Kost ersetze, und 3. in dem ich darauf achte, welches Fleisch ich kaufe. Beispiel: Hühnerbrust hat ein jedes Brathähnchen nur begrenzt nur Verfügung. Die anderen Teile können ebenso gegessen werden und sind weitaus günstiger.
Fertigprodukte wie etwa Chicken Mc Nuggets und dergleichen sind ebenfalls
-hochgerechnet auf ein kg- unnötig teuer. Verzichte ich darauf, spare ich ein.
Deshalb meine Erfahrung: Man benötigt nicht wesentlich mehr Geld.

Was aber ist das besondere an Bioland und in wiefern ist das mit der Produktion von Kleidung vergleichbar?

Bei Bioland werden die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in einem Kreislauf erzeugt, der ohne externe Zufuhr auskommt:
Das Gemüse und Grünfutter wächst auf dem Feld, es dient u.a. den Tieren als Nahrungsgrundlage. Die Ausscheidungen der Tiere wiederum dienen zusammen mit Gründünger (Stickstoff etc. produzierenden Pflanzen) als Nährgrundlage für die nächste Ernte. Die wiederum u.a. als Futter,.... u.s.w.. In einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Tieren und Ackerland funktioniert dieser Kreislauf, er kommt bei gesundem Boden vollkommen ohne Kunstdünger, Spritzmittel etc. aus.
Um den Tieren auf dem Hof und dem eigenständigen Kreislauf gerecht zu werden, muß das ganze in einer überschaubaren Grössenordnung und ohne industrielle Produktion auskommen. Das wiederum sorgt dafür, daß es viele "kleinere" Höfe mit eigenständigem Auskommen und -auch durch Direktvermarktung (Hofläden)- guter finanzieller Versorgung der davon lebenden Menschen gibt. In der industriellen Produktion sind dagegen oftmals einer oder wenige die Profiteure: Der Chef bzw. die Aktionäre. Die anderen Mitarbeiter gehen ohne den entsprechenden (gewerkschaftlichen) Druck nahezu leer aus.

Was geschieht im Weiteren?
Durch industrielle Massenproduktion werden grosse Mengen an Nahrungsmitteln produziert, der Markt überschwemmt, welches zu der von Missgreenx oben angesprochenen Tatsache führt, daß ganze Nahrungsmittelberge in der EU vernichtet werden, um die Preise einigermassen stabil zu halten.
Trotzdem kommt es zu einem starken Preisdruck, ganz nach dem Prinzip: "Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis."
Durch Übermengen kommt es zu sehr niedrigen Preisen, etwa für Milch, für Fleisch, für alle möglichen landwirtschaftlichen Produkte.
Was ist die Folge?
Die einzelnen Produzenten sagen sich: Ich muß noch mehr, noch rationeller, noch funktionaler, noch schneller produzieren, um durch die Stückzahl meine Gewinne zu erhöhen. Genau das sagt sich Produzent X, ebenso wie Produzent Y oder Produzent Z, die alle auf die jeweiligen Konkurrenten schielen und die eigene Produktion auf das Maximum trimmen. Durch Automatisierung und Entlassung von Menschen, denn die sind ein erheblicher Kostenfaktor.
Gleichzeitig zerstören sie sich durch ihre eigene Massenproduktion die Preise. Je weiter sie fallen, desto mehr automatisieren sie und erhöhen sie ihre Produktion.

Die Lösung liegt also nicht in einer weiteren Produktionssteigerung und Automatisierung, die in der Folge noch niedrigere Preise erzeugen würde, sondern in einem vollkommen anderen Prinzip:
Der Bioland- Landwirt erhält viel mehr Geld für sein Produkt, weil er es ganz anders produziert und zu grossen Teilen ganz anders vermarktet. Eben ohne Massenproduktion in einem Kreislaufsystem, und mit Direktvermarktung. Er hat deshalb diese -selbsterzeugten- Probleme nicht.

Die Lösung bei der Globalisierung und industriellen Massenproduktion von Kleidung liegt ebenfalls nicht in einer weiteren Produktionssteigerung, Verlegung ins billigere Ausland, Ausbeutung der Arbeiter etc., sondern in einer lokalen Produktion (d.h. wenigstens in Europa für Europäer, weitestgehend im eigenen Land, da auch dort die entsprechenden Löhne benötigt werden)
Und sie liegt in der Produktion in kleineren Einheiten, im Zusammenschluß könnten es auch Genossenschaften sein, etwa landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften. Bei industrieller Produktion Betriebe maximal in mittelständischer Grössenordnung. Auf diese Weise wird -wie zuvor schon angesprochen- das Geld besser verteilt und das ganze bleibt überschaubarer ,weniger industriell, persönlicher. Damit weniger Finanz- und mehr Qualitätsorientiert im Sinne von ganzheitlicher Qualität, d.h. auch entsprechenden Lebensbedingungen für Mensch und Tier. Der Chef kennt dann seine Arbeiter und Angestellten noch persönlich und die Wahrscheinlichkeit ist grösser, daß er seine Entscheidungen nicht ausschließlich nach finanziellen Gesichtspunkten trifft.

Ist das unbezahlbar? Nein. Wie Du schon selbst erwähnst:
Zitat von tjc:
Aber in der heutigen Zeit zählt nicht die Verarbeitung sondern der Look. Warum muss eine Jacke mehr als 1 Jahr halten, wenn im nächsten Jahr der Trend wieder komplett umschlägt ???
Es wird in Masse bei verminderter Qualität produziert. Überwiegend nicht zeitlos, sondern nach Mode, nach Trend. Wer bestimmt diesen Trend? Wem nützt dieser Trend?
Ich zahle letztlich nahezu genausoviel für Kleidung, weil ich mir die Kleidung zwar billig (preiswert ist etwas anderes) aber eben nach Mode kaufe. Sachen in Trendfarben die schnell auswaschen, überempfindliche Stoffe und helles, Dinge, die ich einfach nächstes Jahr nicht mehr anziehen mag, weil es nicht mehr "modisch" ist und keineswegs zeitlos.

Ich behaupte: Würde ich mein Kaufverhalten ändern, etwas weniger, zeitloses, qualitatives, auch mal Second- Hand (das ja durchaus oft nicht erkennbar ist) kaufen, dann würde ich bei inländischer oder wenigstens europäischer Produktion genausoviel oder jedenfalls nicht soviel bezahlen müssen, daß ich ein echtes finanzielles Problem bekomme. Ich glaube auch, daß bei vielen kleinen Flecken und Löchlein bereits weggeworfen wird, weil die Kleidung ja eben so günstig ist. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft. In Masse produzieren, in Masse kaufen, in Masse wegwerfen. Mit den entsprechenden Folgen auch für die Menschen. Wie man oben lesen kann.

Wie können nun wir als Verbraucher sowas durchsetzen? Ganz einfach: In dem wir solche Kleidung kaufen, die qualitativ ist, die zeitlos ist, die lokal produziert wurde, die auch mal Second Hand ist, u.s.w.. Denn der Endverbraucher ist sehr mächtig, er besitzt Macht, weil die Grossunternehmen alle einen Antrieb haben, ein Wort für das sie "leben": Geld. Letztlich unser Geld.
Die Nachfrage nach einer bestimmten Art von Waren geht der entsprechenden Produktion in grösserem Umfang voraus. Einer produziert, die Nachfrage steigt, viele Produzenten folgen. Diese ersten Produzenten gibt es bereits. Ein Beispiel:
http://www.stern.de/wirtschaft/unter....html?nv=ct_cb

Zitat von Krashok:
willst du uns damit sagen das du wenn du sagen wir mal eine hose die dir gefällt lieber für 89€ anstatt im angebot oder wonders für 40€ kaufen würdest ?
Genau das wäre der richtige Ansatz. Dazu müssen erst entsprechend Produzenten und Vertreiber herausgefunden werden, aber ich denke es wäre machbar. Weniger bessere Hosen, teilweise gebraucht, für letztlich nur unwesentlich mehr Geld. Und eben nicht aus Fernost für Hungerlöhne, wenn irgendwie machbar.

Geändert von sailor (25.02.2007 um 14:58 Uhr).
 
 
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Krashok
Alt 26.02.2007, 05:41   #9
Standard

Ist ja schön und gut nur hinkt das alles gewaltig an mehreren stellen:

1. wie du bereits erwähnt hast, hat eine preissteigerung noch lange keine qualitätssteigerungs zur folge und eine verminderung von kinderarbeit ebenfalls nicht.

2. Massenproduktion kann definitiv nicht gleichgesetz werden mit minderwertiger ware. Im umkehrschluss bedeutet dies ebenfalls das eine geringe anzahl von mitarbeitern noch lange keine hochwertige ware garantiert !

3. Damit deine Theorie funktioniert müssten soviele von der massenproduktion in entwicklungsländern mit kinderarbeit umsteigen das sich das nicht mehr lohnt.. und wer deckt dann den bedarf ?

Es geht hier ja nicht um Bioland Geflügelmettwurst sondern um Textilien.. und die kann man nicht mit einer vegatarischen mahlzeit substituieren

Walmart alleine macht zum beispiel 11% des Nettoimportvolumens der USA in China aus..dieses eine Unternehmen..wenn walmart jetzt sagt : "wir importieren nichts mehr aus china sondern basteln alles hier" ..kann das gar nicht funktionieren aufgrund der fehlenden arbeitskräfte die die nötige fachkompetenz besitzen, darüber hinaus würde das unternehmen deutlich teurer produzieren und wäre bei weitem nicht so wettbewerbsfähig was wieder entlassungen zur folge hätte..die entlassenen arbeitskräfte besitzen nur einen bruchteil der kaufkraft im vergleich zu einem arbeitnehmer.. was die nachfrage nach günstigen gütern erhöht.

Darüber hinaus steht dann immernoch das problem der nicht mehr arbeitenden kinder und der unfähigkeit die familien zu unterstützen.. wie willst du das bitte beheben ?..das ist der bei weitem schlimmere aspekt dieser geschichte
 
 
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sailor
Alt 26.02.2007, 16:27   #10
Standard

1. wie du bereits erwähnt hast, hat eine preissteigerung noch lange keine qualitätssteigerungs zur folge und eine verminderung von kinderarbeit ebenfalls nicht.
Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, diese Kontrolle zu gewährleisten. Das Stichwort heißt schlicht "Transparenz". Genau so funktioniert es bei Bioland: Ich kann auf jedem Produkt jederzeit nachvollziehen, woher es kommt. Anhand einer aufgedruckten Nummer kann ich feststellen, welcher Hof das jeweilige Produkt produziert hat.
Wenn nun die "Beschissquote" bei 2% liegt, (höher auf keinen Fall) dann lässt sich damit leben, das ergibt dann nämlich mit anderen Worten zu 98% ökologisch und sehr qualitativ aufgewachsenes Geflügel, daß durchaus seine 10 Euro wert ist.
Über die gleiche Schiene, könnte die Produktion von Kleidung transparent werden, dabei hatte ich ja auch die Produktion in Europa befürwortet, was das ganze einfacher macht. Auch gibt es dort seltener die in obigem Artikel beschriebenen Fälle.

2. Massenproduktion kann definitiv nicht gleichgesetz werden mit minderwertiger ware. Im umkehrschluss bedeutet dies ebenfalls das eine geringe anzahl von mitarbeitern noch lange keine hochwertige ware garantiert !
Nein, was die ausschließliche Produktqualität, also Verarbeitung, Stoffqualität, Färbung etc. angeht nicht zwangsläufig. Obwohl die Qualität aus Fabriken in Asien durchaus häufig schlechter ist, als etwa bei heimischer Produktion. Aber ich hatte den Begriff Qualität nach meiner Betrachtungsweise ja auch definiert.
Sie umfasst eben auch andere Kriterien, wie etwa die Verwendung von giftigen und gewässerverseuchenden Färbesubstanzen, hierzulande verbotenen Spritzmitteln bei der Baumwollproduktion, ausbeuterischen Löhnen, die trotz 14h und 7 Tagen wöchentlich nicht ausreichen, um die Familie zu ernähren, unzureichenden oder keine Absauganlagen und Schutzvorrichtungen bei der Arbeit mit giftigen Substanzen und Gasen, qualifizierte Entsorgung gleich Null, u.s.w. und so fort.

Weshalb ein kleiner bis mittelständischer Betrieb mit weniger Mitarbeiter günstiger ist, hatte ich ja beschrieben. Wie gesagt: In einer Aktiengesellschaft oder einem Grosskonzern hat der Geschäftsführer nahezu keinen Bezug mehr zu seiner Belegschaft. Oft kommen Leute von sonstwoher aus der Wirtschaft, um Unternehmen zu sanieren etc.. Solche Leute tun nur eines: Sie gucken auf Zahlen und beachten kaum die Mitarbeiter. Mitarbeiter sind ein erheblicher Kostenfaktor in ihren Augen und nur so lange erwünscht, wie sie dem Unternehmen Vorteile bringen.
Auch wenn ein Unternehmen noch ordentliche schwarze Zahlen schreibt, sind sie nicht den Forderungen der Analysten entsprechend, werden Unternehmensteile abgekoppelt und Leute schlicht entlassen. Ob sie sich nun für das Unternehmen eingesetzt haben oder nicht.

Der Faktor Mensch wird in vielen Unternehmen masslos unterschätzt. Das zwischenmenschliche meine ich. Das Verhältnis der Mitarbeiter untereinander, das Verhältnis von Mitarbeitern zum jeweiligen Vorgesetzten, zur Führungsebene etc. Stimmt die Stimmung in einem Unternehmen nicht, dann liefern die Mitarbeiter auch nicht mehr die Qualität und Einsatzbereitschaft, wie sie es tun würden, wenn die Stimmung eben stimmt. Und Menschen nehmen durchaus wahr, wo der Hase langläuft: Interessieren den Chef nur Zahlen und seine Villa oder interessiert er sich für uns.....
Diesbezüglich hat die Grösse eines Unternehmens klare Vorteile, wenn sie im überschaubaren Rahmen und Persönlich bleibt. Ein Plus für Qualität oder sagen wir bessere Vorraussetzungen dafür.

Soweit erstmal.
 
 
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Krashok
Alt 27.02.2007, 05:14   #11
Standard

Anhand einer aufgedruckten Nummer kann ich feststellen, welcher Hof das jeweilige Produkt produziert hat.
dann schau dir mal an wie die chinesen sowas kopieren und da ist die "beschissquote" fernab von 2% ..es geht hier schlicht und er ergreifend nicht um irgendwelche hühner die als braten enden! Es geht um hemden die mich wenn die stückzahl irgendwo bei 1.500 landet was bei einem 1,20 dollar kosten und die ich dann für 30 Euro verkaufe.. dieses was wäre wenn ist ein schönes spiel aber du solltest anfangen die ganze sache mal R E A L I S T I S C H zu betrachten. Zu solchen Preisen kann man nicht in europa produzieren und wenn ich eine ordentliche spedition mit erfahrung habe muss ich mich noch nicht mal mit dem zoll stressen..das machen alles die und das ist keine spekulation oder stern.de-artikel das sind eigene erfahrungen.

Ich sehe hier immernoch keinen vernünftigen grund

a) warum diese standorte aufgegeben werden sollten und damit konkurrenzfähigkeit aufgegeben wird ?
b) wie man die trotzdem anhaltende nachfrage befriedigen will, da man diesen produktionsstättenverlust nicht zeitlich unmittelbar ausgleichen kann
c) was aus den familien in den entwicklungsländern werden soll ? da deren einkommensquelle wegfällt

und diese mitarbeitergeschichte die du im vorletzten und letzten absatz anführst stimmt so auch nicht.. jeder bwler bekommt das in personalwirtschaftsseminaren beigebracht... es liegt dann einzig und alleine an der sozialen kompetenz des einzelnen dies umzusetzen und das hat nichts mit der größe des unternehmens sondern mit der person selbst zu tun.

Mitarbeiter sind ein erheblicher Kostenfaktor in ihren Augen und nur so lange erwünscht, wie sie dem Unternehmen Vorteile bringen.
was sonst ? dafür werden sie ja bezahlt.. keiner bezahlt angestellte weil er sie so gern hat..es sei dann man lässt sich vom chef vögeln.. und selbst dann erfüllt man eine gewisse aufgabe im unternehmen.. tut man dies nicht wird man überflüssig.. was ist daran bitte so verwerflich?

und nur weil man sich vielleicht bissl besser kennt arbeitet man noch lange nicht günstiger oder effektiver..das ist ein vollkommener trugschluss.
 
 
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sailor
Alt 27.02.2007, 12:21   #12
Standard

Im Weiteren:

Zitat von Krashok:
3. Damit deine Theorie funktioniert müssten soviele von der massenproduktion in entwicklungsländern mit kinderarbeit umsteigen das sich das nicht mehr lohnt.. und wer deckt dann den bedarf ?
Es werden niemals soviele tun. Dazu habe ich die Menschen schon ausreichend kennengelernt. Aber es gibt einige, die für alternative Überlegungen offene Ohren haben und auch darüber nachdenken, dementsprechend nachhaltig zu produzieren.
Über den Bedarf muß man sich am wenigsten Gedanken machen. Dort wo Geld zu verdienen ist, da sind Menschen sehr schnell bei der Sache. Ändert sich also aufgrund von gesetzlichen Regelungen oder entsprechender Nachfrage nach im Inland produzierten Produkten die Nachfragesituation, dann reagieren die Firmen sehr schnell.
Ausserdem: Das was zur Zeit bzgl. Kleidung alles produziert wird, benötigt kein Mensch wirklich. Man muß hier "haben wollen" (auch durch Werbung und Mode beeinflusst) und "Notwendigkeit" unterscheiden.

Zitat von Krashok:
Walmart alleine macht zum beispiel 11% des Nettoimportvolumens der USA in China aus..dieses eine Unternehmen..wenn walmart jetzt sagt : "wir importieren nichts mehr aus china sondern basteln alles hier" ..kann das gar nicht funktionieren aufgrund der fehlenden arbeitskräfte die die nötige fachkompetenz besitzen, darüber hinaus würde das unternehmen deutlich teurer produzieren und wäre bei weitem nicht so wettbewerbsfähig was wieder entlassungen zur folge hätte..
Das mit den 11% ist eine sehr hohe Zahl, kannst Du das belegen?
Ansonsten ist das Nettoimportvolumen natürlich nicht gleich dem Bruttoinlandprodukt, sondern ein variabler Wert, der bei WalMart eher ein Indikator für Arbeitsplatzabbau in den USA und Europa, und Arbeitsplatzaufbau (per Ausbeutung) in Fernost ist.
Warum? Man darf niemals nur auf die reinen Arbeitsplätze solch eines Grossunternehmens schauen, sondern man muß auch betrachten, wie viele Arbeitsplätze bei kleinen und mittleren Unternehmen durch eben dieses Unternehmen verloren gegangen sind. Wenn dazu dieses Unternehmen noch massiv in Fernost produziert, dann ist das noch ein weiter verstärkender Faktor, da nicht nur im Handel, sondern auch in der Produktion Arbeitsplätze vor Ort abgebaut werden. Wenn man diese Zahl gegenrechnet, dann ist davon auszugehen, daß ein Abbau dieses Grossunternehmens ein Aufbau und grosser Vorteil im kleineren Gewerbe sein kann. (Wenn das Kleingewerbe entsprechend gefördert wird und andere Grossunternehmen diese Teile nicht schlucken)

Ausserdem: Sieh Dir mal die Produktion in den chinesischen Fabriken an: Dort lernt kaum jemand mehrere Jahre. Das was dort mit den Mitarbeitern geschieht, -sie werden angelernt- das kann selbstverständlich auch in den USA erfolgen. Zumal der Vorbildunggrad der Bevölkerung dort höher ist.

Im weiteren findet sowas nie mit einem Schlag, sondern als Prozess statt. Solche Szenarien sind also gar nicht realistisch. Wie gesagt: Es handelt sich um wenige, die umdenken. Wenige Endverbraucher und wenige Unternehmen. WalMart wird sehr wahrscheinlich nicht zu den Unternehmen gehören, bei denen so etwas freiwillig stattfindet, das zeigt die grundsätzliche menschenverachtende Handlungsweise innerhalb des Unternehmens. Ich hatte oben den Link zum Film angegeben. Aber WalMart kann dazu genötigt werden -wie es der Protest in den USA auch bewirken könnte.

Wenn solch ein Unternehmen -das übrigens nachweislich in hohem Masse Staatsleistungen für seine Mitarbeiter beansprucht, aufgrund der katastrophalen Löhne!- Arbeitsplätze abbauen müsste, dann wäre das nicht wirklich ein Problem. Kaum ein Mitarbeiter bei WalMart in den USA kann sich eine Krankenversicherung leisten, letztlich zahlt der Staat drauf.
Durch das Unternehmen selbst wurden wie gesagt in hohem Masse Arbeitsplätze bei kleineren Unternehmen vernichtet, ganze Ortschaften starben im Handel und Handwerk aus. Würde das Unternehmen zerbrochen, könnte das Kapital (die abermilliarden an Kaufkraft!) die zuvor den kleinen Unternehmen und Geschäften zugute kam, wieder für diese zur Verfügung stehen. Viele Mitarbeiter könnten dort Arbeit finden, wie viele zuvor dort auch beschäftigt waren.

Zitat von Krashok:
die entlassenen arbeitskräfte besitzen nur einen bruchteil der kaufkraft im vergleich zu einem arbeitnehmer.. was die nachfrage nach günstigen gütern erhöht.
Wie gesagt, durch genannte Effekte kann das durchaus mehr als ausgeglichen werden. Zuvor wurden diese Arbeitsplätze im kleineren Gewerbe vernichtet. Ein langsamer Abbau bei Grossunternehmen und ebensolcher Aufbau im Kleingewerbe und Mittelstand kann die fehlende Kaufkraft ausgleichen.

Zitat von Krashok.
Darüber hinaus steht dann immernoch das problem der nicht mehr arbeitenden kinder und der unfähigkeit die familien zu unterstützen.. wie willst du das bitte beheben ?..das ist der bei weitem schlimmere aspekt dieser geschichte
Aktuell arbeiten sie laut dem Artikel als Sklaven. Sie wurden verkauft und bekommen keinen Lohn bei miserablen Lebensverhältnissen.
Die Frage ist: Wird durch diese Form des Kinderverkaufes tatsächlich eine Verbesserung geschaffen?
Die Kinder bedeuten in den Familien der Entwicklungsländer eine grosse Hilfe, Existenzsicherung und Altersversorgung für die Eltern. Es ist also nicht nur die elterliche Liebe, sondern auch existenzielles, daß den Eltern diesen Schritt sehr schwer macht. Wenn sie dies tun, dann bedeutet es in vielen Fällen eine ursächlich vorhandene hohe Verschuldung, aus der sie sich nicht mehr erretten können bzw. keinen Ausweg wissen. Es ist also meistens eine Verzweiflungstat.
In der Folge produziert der Verkauf der Kinder jedoch spätestens im Alter erneut Armut und Verschuldung. Das Problem verschiebt sich nur geringfügig, wenn es es aktuell überhaupt aufhebt.

Interessant ist es da, zu beobachten, durch welche Mechanismen es übehaupt zu Armut und vor allem massiver Verschuldung der Eltern kommt.
Da wäre beispielsweise in Indien der Verkauf sogenannter Hybridsaaten, also nur einmalig keimender Saaten zu nennen, die meines Wissens durch Firmen wie Bayer oder Monsanto vorangetrieben werden.
http://www.greenpeace.de/themen/gent...fe_ein_report/


Durch diese genetisch veränderten Saaten werden die Bauern (die meisten Menschen leben dort von der Landwirtschaft) in Abhängigkeit zu den Grosskonzernen getrieben (sie müssen ständig neue Saaten kaufen, zu höheren Preisen) sowie auch in Abhängigkeit zu sogenannten "Kredithaien", durch horrende Zinsen.
Viele reagieren mit Selbstmord oder dem Verkauf ihrer Kinder.

Warum kommt es dazu? Den Menschen werden vollmundig massive Produktionsvorteile der Hybridsaaten (etwa Schädlingsresistenz) versprochen, die angeblich viel höhere Gewinne ermöglichen.
Tatsächlich werden sie angelogen, die Saaten erweisen sich oftmals als weniger resistent (auch gegen andere Schädlinge, Pilze etc.), klimatisch anfälliger u.s.w.. Die viel höheren Ausgaben stehen also gegenüber den geringeren Einkünften. Das bedeutet zunächst den Verkauf des Ackerlandes und in der Folge den Ruin. Dazu: http://www.amazon.de/Leben-ausser-Ko.../dp/3935573138

Desweiteren:
Die Arbeit in den Fabriken für 9Cent die Stunde (Indien), die Verseuchung ihrer Umwelt mit Produktionsgiften (Einleitungen in Flüsse etc.) ermöglicht ebensowenig ein schuldenfreies Leben. Es bedeutet nur eine weitere Ausnutzung der schlimmen Situation dieser Menschen und ebenso eine weitere Verschlechterung. Nichts spricht also für eine Fortsetzung dieser Massenproduktion in Fernost, es sei denn die Vorteile der reichen Länder (unsere Vorteile) auf Kosten der billigen Arbeitssklaven in den Entwicklungsländern.

Geändert von sailor (27.02.2007 um 12:34 Uhr).
 
 
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Whatever, Dude!
Alt 01.04.2007, 12:41   #13
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geiz ist geil fordert halt seinen tribut, man kann nicht nach billig schreien und dann guet arbeitsbedingungen (oder hohe qualität) erwarten
 
 
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