2,3 MRD Gewinn. 6400 Menschen werden 'nen neuen Job brauchen.
In diesem Sinne: Arbeitslose sind bloß alle zu faul und die Wirtschaft ist zu mies...
Zur deutschen Bank:
Aufstand wg. Anstand - Deutsche Bank kapitalistisch
»Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie, was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?« fragt Brecht. Aber die sogenannten Anständigen in diesem Land nehmen ihn, weiß der Kuckuck warum, nicht zur Kenntnis. Obwohl sie sich, schon stark beansprucht von der permanenten Ankündigung von Aufständen gegen Neonazis, nun auch noch mit dem schlechten Benehmen der Deutschen Bank auseinandersetzen müssen. Trotz eines gewaltigen Gewinnsprungs um 87 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro will der deutsche Branchenprimus 6400 Arbeitsplätze abbauen, vermelden die Agenturen.
»Das ist eine Schweinerei«, empörte sich der SPD-Fraktionsvize Michael Müller in der Berliner Zeitung. »Die Gewinnerwartung so (!) zu Lasten der Arbeitsplätze zu überziehen, ist eine Unverschämtheit.« Die Anständigkeit der CDU allerdings, gemessen an ihrer moralischen Entrüstung, war noch größer: »Dies ist ein Zeichen, daß die Wirtschaftsethik verloren zu gehen droht«, sagte der derzeitige Vorsitzende des sogenannten Arbeitnehmerflügels der Partei, Gerald Weiß.
Wirtschaftsethik? Verstößt ein in die Luft geworfener Stein gegen die Ethik, wenn er wieder zur Erde zurückfällt? Er folgt wohl vielmehr den Gesetzen der Schwerkraft. So wie die Deutsche Bank sich nach den ökonomischen Gesetzen des Kapitalismus verhält und zu jedem Zeitpunkt genau jene Zahl von Stellen vorhält, die für die Kapitalverwertung gerade am effektivsten ist. Das ist weder anständig noch unanständig, sondern die Existenzgrundlage der kapitalistischen Gesellschaft.
Im vergangenen Jahr sind die Einkommen aus Gewinn und Vermögen um fast elf Prozent in die Höhe geschossen, während die Löhne der Beschäftigten bekanntlich stagnierten. Eines der Hauptergebnisse dieser Gewinnexplosion ist der Anstieg der offiziellen Gesamtarbeitslosenzahlen auf inzwischen über fünf Millionen. Das ist der Vorgang in der gesellschaftlichen Dimension, den die Deutsche Bank jetzt im Bereich ihres Konzerns durchsetzt. Doch darüber hat sich niemand empört. Statt dessen wurde mit »Hartz IV« eine in der Geschichte der Bundesrepublik beispiellose Hatz auf die Arbeitslosen eröffnet. Die Initiatoren sind dieselben Politiker, die sich im Fall der Deutschen Bank jetzt so entrüstet geben. Dagegen machen könne man natürlich nichts. Auf »unternehmerische Entscheidungen« habe man »nicht viel Einfluß«, ließ die Grünen-Finanzexpertin Christine Scheel die Öffentlichkeit wissen.
Wo sie recht hat, hat sie recht. Denn die Sache ist umgekehrt eingerichtet: Die Politik ist zu gar nichts anderem da, als die Interessen der Unternehmer zur Staatsräson zu machen. Damit das so bleibt, gehört ein bißchen Empörung wie das Klingeln zum Geschäft.
jungewelt.de
Und nu' wird ja langsam Billiglohn -Land quasi:
Praxis in Berlin beweist: Ein-Euro-Jobs klauen Arbeit
Ein-Euro-Jobs dürfen regulär bezahlte Arbeitsplätze nicht gefährden - das ist die Theorie. Doch die Praxis sieht anders aus. Das zeigt ein Beispiel aus Neukölln, auf das die Fuhrgewerbe-Innung Berlin am Freitag hingewiesen hat. Dort verzichtete das Bezirksamt bei einem Umzug darauf, wie bisher Mitarbeiter einer Spedition als Möbelträger einzusetzen. Stattdessen schleppten Ein-Euro-Jobber Tische und Schränke. "Das wird nicht der einzige Fall bleiben. Wenn es so weitergeht, werden auf dem regulären Arbeitsmarkt weitere Stellen wegfallen", befürchtet Innungs-Chef Gerd Bretschneider. "Wehret den Anfängen - sonst gibt es einen gewaltigen Druck auf die Löhne", warnt Dieter Pienkny, der Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Berlin.
Bis vor kurzem war die Welt für die Neuköllner Detlef Fahrtmann Spedition noch halbwegs in Ordnung: Wenn das Bezirksamt Möbel zu befördern hatte, wurden meist auch Umzugshelfer bestellt. Doch diesmal orderte es nur einen Lastwagen und einen Fahrer. Thomas Brüggemann, seit fünf Jahren bei der Spedition, übernahm den Auftrag - und erlebte eine Überraschung: "Als ich am vergangenen Montag zum Rathaus in die Erkstraße fuhr, standen da ungefähr 30 Ein-Euro-Jobber. Sie sollten die Möbel tragen sowie ein- und ausladen - für 1,50 Euro die Stunde."
Zwar waren die Männer, die alle Arbeitslosengeld II beziehen, "bei der Sache". Trotzdem fühlte sich der Fahrer unwohl: "Da waren viele Ältere dabei, einer sogar über 60. Die haben einem richtig leid getan." Denn ein Umzug ist harte Arbeit, die zugleich aber auch viel Fingerspitzengefühl erfordert. So wird erzählt, dass bei den Amateuren einiges beschädigt wurde. "Viele waren früher beim Bau, es war aber auch ein ehemaliger Kassierer dabei", sagt Brüggemann. Persönlich hat er nichts gegen die Ein-Euro-Jobber. Doch unterm Strich stelle sich die Aktion für ihn als "die absolute Arbeitsplatzvernichtung" dar. Hätten nicht Erwerbslose die Möbel getragen, hätten sechs Mitarbeiter der Spedition die ganze Woche eine Beschäftigung gehabt, sagt Richard Marx aus der kaufmännischen Abteilung des Unternehmens. So aber mussten für die Arbeitnehmer andere Aufgaben gesucht werden. "Für uns war es das erste Mal, dass so etwas passiert. Wenn die Arbeitsmarktreform solche Blüten treibt, bringt das die Wirtschaft durcheinander", sagt Marx. Bretschneider ergänzt: "Firmen werden ihr Personal verringern müssen." Die Agentur für Arbeit kündigte an, dass sie den Fall prüft. "Denn in der Tat dürfen Ein-Euro-Jobs Arbeitsplätze auf dem so genannten ersten Arbeitsmarkt nicht gefährden", bekräftigt Olaf Möller, Sprecher der Regionalagentur.
Zur Kritik der Fuhrgewerbe-Innung und des DGB sagt er: "Dieser Denkansatz ist richtig." In dem Fall hätten Ein-Euro-Jobber Tätigkeiten übernommen, die bisher von Arbeitnehmern ausgeführt wurden, die normal entlohnt werden und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Heinz Buschkowsky (SPD), der Bezirksbürgermeister von Neukölln, weist die Kritik jedoch zurück. "Die Argumentation hinkt", sagt er. "Natürlich könnten wir jeden Handschlag von einer Firma machen lassen" - doch nach dieser Logik wären gar keine Ein-Euro-Jobs möglich. In diesem Fall habe sich das Bezirksamt bemüht, zumindest einen Teil der Arbeiten an ein Unternehmen zu vergeben. Denn der Umzug hätte auch mit einem Lastwagen des Bezirks abgewickelt werden könne.
berlinonline.de