Lupuz.de: Artikel-Portal / Magazin

Zurück   Postpla.net - die Forum Community > Postplanet Talk > Politik und Gesellschaft

Gewalt - nicht nur in Bus und Bahn

Anzeigen:

Thema geschlossen
 
Themen-Optionen
hackvresse
Alt 31.10.2006, 17:55   #1
Standard Gewalt - nicht nur in Bus und Bahn

Im moment geistert ja dieses Thema wieder durch die Presse. Es sei hier ein Beispiel genannt:

Der Fall schockiert Berlin: Ein 18-Jähriger wurde nach einer Busfahrt niedergestochen. Kein Einzelfall: Kontrolleure werden mit Schwertern bedroht, Fahrer verprügelt - in Deutschlands Bussen und Bahnen breitet sich ein Klima der Gewalt aus. Wer sich wehrt, riskiert manchmal sogar sein Leben.
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,445375,00.htm

Dieses Problem ist sicher kein neues. Es existiert schon lange. Diese Form von unbegründeter Gewalt beschränkt sich nicht auf Bus und Bahn, ganz im Gegenteil. Man laufe nur mal nachts durch bestimmte Stadtviertel, jeder der in einer Großstadt wohnt weiss wovon ich rede. Gründe sind vielschichtig: sei es der Alkohol, die soziale Schicht (wo wir wieder bei der neuen Unterschichtsdebatte wären), falsche (bzw keine) Erziehung, fehlende Bildung, fehlende Sanktionierung etc. - vor allen Dingen ist es aber die Ignoranz von allen Stellen die Änderungen erreichen können. Keiner traut sich wirklich an das Thema ran. Man wird einfach so angemacht von Leuten die man vorher nie gesehen hat. Ein falscher Blick genügt und man hat unter den allerschlimmsten Umständen ein Messer in der Brust (sicherlich etwas überspitzt, aber ich denke ihr seht den Punkt).

Man kann die jugendlichen Gewalttäter (aber auch fast alle anderen aus niederen Bildungsschichten) nur noch als asozial bezeichnen. Das Problem ist, dass eben dieses asoziale Verhalten bei der Problemgruppe bzw. Schicht als etwas "cooles" angesehen wird. Ich weiss nicht woher solch ein Verhalten im einzelnen rührt, aber es ist definitv speziell ein Problem unserer Zeit, denn früher gab es sowas nicht wo Menschen einfach zum Spass, ohne für irgendwas zu kämpfen, gewalttätigt werden gegen Mitbürger. Es ist wohl einfach die fehlende Perspektive, aber gleichzeitig auch das Bewusstsein immer genug zu Essen zu haben, was dieses Verhalten fördert.
So sei gesagt dass ein unter Hunger leidender Jugendlicher ohne jegliche Mittel sicherlich anderes zu tun hätte als sinnlos Leute zu verprügeln. Was heutzutage stattfindet kann nur eine Konsequenz unserer Überflussgesellschaft sein in der Armut zwar existent ist, diese sich aber nicht in bspw. fehlender Nahrung äussert sondern vielmehr in Defiziten hinsichtlich kulturellen Verständnisses und Intellekts, u.a. begründet durch Institutionen wie dem Privatfernsehen oder sonstige verdummende Medien.
Aber da bewege ich mich natürlich im Bereich der Spekulation.

Tatsache hingegen ist folgendes:
Während im Jahr 2005 annähernd jeder achte männliche deutsche Jugendliche mit einer Straftat in Erscheinung trat, war dies bei männlichen nichtdeutschen Jugendlichen fast jeder dritte. Männliche nichtdeutsche Jugendliche traten bezogen auf ihren Bevölkerungsanteil insgesamt 2,3 mal so oft in Erscheinung wie männliche deutsche Jugendliche (Vorjahr 2,0 mal). (Quelle: Kriminalstatistik d. Polizei Berlin 2005, nachzulesen unter http://www.berlin.de/polizei/kriminalitaet/pks.html)

Hier fängt nun die Komplexität dieses Themas an. Ist natürlich schnell gesagt, dass fehlende Integration dazu führt dass überwiegend Ausländer gewalttätig werden. Aber viel helfen tut das auch nicht. Übersehen wird nämlich vielfach, dass viele gar kein Interesse haben überhaupt integriert zu sein. Man muss sich doch nurmal anhören was nicht deutsche teilweise über Deutschland zu sagen haben. Und das ist sicher kein Einzelfall. "Ghettos" bilden sich zB im Ruhrgebiet zu Hauf. Sei es in Duisburg, Dortmund oder sonstwo. Von Berlin brauchen wir ja gar nicht anfangen zu reden..
Diese Jugendlichen mit Migrationshintergrund (welch lächerlicher Ausdruck dies doch ist) sind im Schnitt radikaler und gewalttätiger als das deutsche Pendant. Ob das nun in deren Kultur liegt oder ganz einfach der Tatsache entspringt, dass deren Perspektiven und Erziehung noch erbärmlicher ist als die der jugendlichen aus der eher "deutschen" Unterschicht, sei mal dahingestellt. Aber ich denke auch definitiv nicht dass das Problem die Ausländer an sich sind, von denen gehen vielmehr die Symptome aus.

Diese ganze Generation schreit doch regelrecht danach endlich Grenzen aufgezeigt zu bekommen, und die fehlen objektiv gesehen an allen Ecken und Enden. Für die "Ghetto-Gangster" ist die Justiz doch zum größten Teil ein einziger Witz. Es muss sicherlich härter durchgegriffen werden. Sonst macht der größere Teil der Gesellschaft sich zum Sklaven einer Minderheit. Wobei dies sicher zu Teilen schon passiert ist, da wie schon erwähnt bestimmte Stadtteile nicht mehr betretbar sind. Noch ist es hier nicht so schlimm wie in Frankreichs Vorstädten, aber vielleicht sind diese uns auch nur ein paar Jahre vorraus...

Vielleicht klingts ein wenig so als würd ich die Lage unnötig dramatisieren, aber ich sehe die Situation so und mein Bild von dieser Gesellschaft, gerade vom unteren Drittel wird immer wieder aufs neue bestätigt. Völlige Abwesenheit irgendwelcher Werte, wohl kaum ein Problem ist schwerer zu lösen, denn dies fängt schon in frühster Kindheit an und da hat der Staat nur sehr sehr beschränkten Einfluss drauf.
 
 
Nach oben
Deciedon
Alt 31.10.2006, 18:50   #2
Standard

"Kontrolleure werden mit Schwertern bedroht" hehe stell ich mir lustig vor...

hm..das Ding ist nur, dass es die Regierung verpennt hat diese Ausländer in die Gesellschaft zu integrieren! So sind meiner Meinung nach rein türkische Schulen/Kindergärten (jaja immer die türken...bla) kontraproduktiv. Auch das 3 Stufige Schulen System, wo es schwer ist aufzusteigen und man schließlich ohne Hoffnung&Perspektive dasteht halte ich vor allem bei Ausländern für unangebracht. Hier fehlt eindeutig die "soziale"Erziehung und vielleicht sogar das richtige Bestraf&Belohn System.
Auch die Sache mit dem was "cool" ist, ist mir ein Rätsel. Nicht zur Schule zu kommen, Leute zusammenschlagen und nachts um halb 2 in der Stadt rumhängen...
Das Problem ist, dass die Halbstarken wohl schon so geprägt sind, dass sie durch Nahrungsentzug auch nicht mehr zu Vernunft kommen


Zitat von hackvresse
Diese Jugendlichen mit Migrationshintergrund (welch lächerlicher Ausdruck dies doch ist) sind im Schnitt radikaler und gewalttätiger als das deutsche Pendant.
Als welches deutsche Pendant? Den normalen Bürger? Ich kenn da so einige deutsche Gruppierungen die es mit denen in der Rubrik mit aufnehmen können!
 
 
Nach oben
ophi
Alt 31.10.2006, 18:59   #3
Standard

Natürlich sind die gewaltbereiter und -erfahrener als deutsche Jugendliche.z.B.Migrationshintergrund Albanien Mord aus Familienehre (weil der Großvater mütterlicherseits den Esel des Schwagers des Müllers im Nachbardorf mit faulen Feigen beworfen hat)-.Migrationshintergrund Kreuzberg die Schwester legt das Kopftuch ab und wird gesteinigt. M.Hintergrund UdSSr - Gewohnheit/Tradition dito USA.-Nur wir Deutschen haben ne reine Weste-Klammern wir mal das tausendjährige Reich aus wo unsere Altvorderen Gewalt in Uniformen verkleidet ausgelebt haben....
 
 
Nach oben
hackvresse
Alt 31.10.2006, 19:39   #4
Standard

So sind meiner Meinung nach rein türkische Schulen/Kindergärten (jaja immer die türken...bla) kontraproduktiv. Auch das 3 stufige Schulen System, wo es schwer ist aufzusteigen und man schließlich ohne Hoffnung&Perspektive dasteht halte ich vor allem bei Ausländern für unangebracht.
Unser Schulsystem ist wirklich miserabel. Von Flexibilität keine Spur - stattdessen ist man schnell nach unten durchgefallen, manchmal schneller als einem lieb ist. Das mag ja auch im späteren Leben so sein, nur ist es in der Erziehung und Bildung meiner Meinung nach nicht angebracht.
Aber ich denke das ist nicht das Problem warum die Jugend zum Großteil so gewaltbereit ist. Kann es auch gar nicht sein, weil die meisten Täter kommen schließlich erst gar nicht in die Position überhaupt irgendwie in die oberen Schichten vordringen zu wollen und können. Da könnte es noch so leicht sein von Haupt- auf die Realschule zu kommen, das würde sicherlich nicht sonderlich viel Veränderung bringen.

Über rein türkische Kindergärten zB brauchen wir uns denke ich gar nicht erst unterhalten, dass dies nur kontraproduktiv sein kann für Problemfamilien ist offensichtlich.

Auch die Sache mit dem was "cool" ist, ist mir ein Rätsel. Nicht zur Schule zu kommen, Leute zusammenschlagen und nachts um halb 2 in der Stadt rumhängen...
Naja rein aus deren Sicht ist es schon verständlich. Die Schule ist etwas für diese Leute was aus Ihrer Sicht praktisch sinnlos ist. Schließlich eröffnet sich für sie eh keine Perspektive, aus diesem Umfeld kann man nicht so leicht entfliehen (natürlich reine Mutmaßung meinerseits). Dadurch nehmen sie natürlich eine Protesthaltung gegenüber der Institution Schule ein.
Letztendlich endet die Perspektivlosigkeit wie ich schon sagte ich Gewalt. Ursache dafür ist die völlige Wertefreiheit einer ganzen Generation und deren Eltern (ich weiss dass es Ausnahmen gibt).
 
 
Nach oben
OrionX
Alt 01.11.2006, 11:48   #5
Standard

mh dazu fällt mir ein anekdötchen ein. Ein Türke der mal bei mir in der klasse war, später auf hauptschule abgefallen ist kam auf einer feier letztens zu mir und sagte doch wortwörtlich "hätte ich doch besser mal nich so viel scheisse gebaut und meinen realschulabschluss gemacht, da hätte ichs jetzt leichter". Tatsache war das er nach der nicht abgeschlossenen schule es sau schwer hatte nen job zu finden und geld brauchte er. Jetzt hat er doch noch ne lehrstelle bekommen und is überglücklich und meint "ich hätte es viel früher kapieren sollen was wichtig is". Fand ich gut, muss ich ehrlich sagen. Nur leider sind das nur wenige, viele geben bei erfolgloser Jobsuche auf und lungern dann irgendwo rum und werden kriminell, weil das ja viel einfacher is als zu arbeiten.

Mit den Türken ist das immer so ne sache. Wie gesagt es gibt solche und solche, ich kenne zb einen der vor 3-4 Jahren hierher gekommen ist und sofort durchgestartet ist. Er hat sich sofort auf der VHS angemeldet um dort deutsch zu lernen hat mit seiner Frau (die schon seit sie 7 ist hier lebt) seine Familie hier gegründet, erst im haus der Schwiegereltern, dann hat er sein eigenes gebaut. Seine Frau wollte zurück in die türkei, er nicht. Der mann kann perfekt deutsch schreiben, ob rechnung oder geschäftsbrief, da findet man keinen rechtschreibfehler. Das einzige was bei ihm noch schlecht ist ist das sprechen. Er hat angst deutsch zu reden weil er eben doch viele fehler beim sprechen macht und denkt wir lachen ihn deshalb aus. Aber naja, das wird sich geben. Der ist auch nicht dumm, hat in der Türkei Bauzeichner gelernt, kennt sich sehr gut mit türkischem recht aus und im deutschen findet er sich auch mittlerweile zurecht. Solche könnte es mehr geben. Und die Familie blieb weissgott nicht verschont von anfeindungen rechtsradikaler oder "kleiner" faschisten.

Viele Familien (egal aus welchem Land) sind hierher gekommen und dachten hier ist das Land ihrer träume, die deutschen fahren mercedes und verdienen viel geld. Da ist der schlag hart wenns nicht so ist und aus enttäuschung wird schnell verzweiflung und aus verzweiflung unmut, aus unmut resultiert ausgrenzung und kriminalität.

Ich hab letztens eine Dokumentation über eine ehemalige Problemschule/Problemklasse gesehen. Im Interview mit einzelnen schülern, ob deutsch oder migrant, kam oft raus das jeder einzelne einen traum hatte, und das war nicht koks, nutten und mafia, sondern einfach ihren Traumberuf finden und eine familie gründen. Allerdings fehlte ihnen allen die nötige perspektive dazu und keiner wusste so recht wie sie da ran gehen sollten. Nach 1 Jahr betreuung war die klasse auch nicht wieder zu erkennen, die klassenschläger setzten sich für schwächere ein, keiner wurde gemobbt, es war ruhe im klassenzimmer.

Ich find vielen von diesen Jugendlichen fehlt schlichtweg die perspektive. Aber irgendwie ist es auch ein teufelskreis. Die Türken (sorry für das beispiel wieder) die negativ auffallen (und das sind ja nicht wenige mittlerweile) sind eher im fokus als die die negativ auffallen und geben einem schnell das bild das die alle so sind. Und je mehr man von denen trifft desto "rassistischer" wird man. Ich kann diese möchtegern ghettogangster mit gefälschten dolce&gabbana klamotten auch nicht leiden. Nur woher kommt das?

Ich hab letztens noch eine andere Doku gesehen die diese frage gut beantwortet hat. Es ging um russische migranten in deutschland. Eine junge Russin die schon vor zig jahren hierher gekommen ist (als eine der ersten) berichtete davon wie sie damals hier gelebt hat. Sie war gezwungen mit deutschen kindern zu spielen, russische gab es ja nicht, sie hatte angst davor weil sie ja damals noch nicht so gut deutsch konnte. aber sie hatte es geschafft, hatte sich integriert und jahre später kamen andere russische migranten. Nur die habens anders gemacht. Die haben sich zusammengeschlossen, kleine eigene gemeinschaften gebildet und das russische mädchen für sie alles übersetzen lassen (wozu denn deutsch lernen?). Die Frau sagte zudem "Wenn ichs nicht gemusst hätte hätte ich mich sicher auch mit deutsch lernen schwergetan, in dem alter hat man nunmal wenig lust aufs lernen". Sie kann sehr gut deutsch mittlerweile.

Man sieht, es kommt auch immer auf den umgang an. Ich für mich jetzt gehe erstmal vorurteilslos an jeden ran, egal woher er kommt.

Und es wurde noch was falsch gemacht: Die Migranten mussten sich nicht dem Land anpassen, sie haben das land ihnen angepasst, schaue man sich die türkischen stadtviertel in Köln an, die brauchen gar kein deutsch. Man braucht nichtmal deutsch um den führerschein zu machen. Solange man sie nicht zu deutsch zwingt lernen sie das auch nicht. Die paar amtsformulare lassen die sich von verwandten ausfüllen die deutsch können, die gibts ja immer. Wenn man das früher unterbunden hätte, säh die ganze sache auch anders aus.
 
 
Nach oben
hackvresse
Alt 01.11.2006, 13:12   #6
Standard

Die Türken (sorry für das beispiel wieder) die negativ auffallen (und das sind ja nicht wenige mittlerweile) sind eher im fokus als die die negativ auffallen und geben einem schnell das bild das die alle so sind.
Naja wenn du mal in dein ausländisches Viertel gehst wirst du nicht viele Jugendliche finden die freundlich und aufgeschlossen sind und nicht mit Ihren Gangstern durch die Straßen ziehen und jeden blöd anmachen. Ich denke in der unteren Schicht der Gesellschaft ist der jugendliche Gangster schon relativ verbreitet und alles andere als eine Ausnahme.

Man braucht nichtmal deutsch um den führerschein zu machen. Solange man sie nicht zu deutsch zwingt lernen sie das auch nicht. Die paar amtsformulare lassen die sich von verwandten ausfüllen die deutsch können, die gibts ja immer. Wenn man das früher unterbunden hätte, säh die ganze sache auch anders aus.
das ist korrekt. Aber langsam ist ja auch die Politik auf dem Weg zu erkennen, dass sowas nicht die Integration fördert sondern gänzlich unmöglich macht und Ghettobildung als Konsequenz beinhaltet. Jetzt ist es für viele schon zu spät.


edit: dazu weiterführender artikel: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,445876,00.html

Geändert von hackvresse (01.11.2006 um 16:02 Uhr).
 
 
Nach oben
Sivar
Alt 01.11.2006, 18:16   #7
Standard

Ich hab so meine eigene Theorie, woher die Gewalt kommt:

Alle Menschen (südländische vielleicht mehr, deutsche weniger) tragen eine natürlich Aggressivität in sich, die erstmal neutral ist, und daneben das Bedürfnis nach Erfüllung, ein Streben nach irgendwas Konstruktivem. Die Aggressivität soll im Idealfall dabei helfen, den nötigen Biss, die Durchsetzungsfähigkeit und Ausdauer aufzubringen, zur eigenen Erfüllung und Selbstverwirklichung zu finden - wie auch immer die aussieht.

Machen wir erstmal mit der Selbstverwirklichung weiter... wenn ein Mensch in schwierigen Umständen aufwächst, oder ein sehr einseitiges unerfülltes Leben von seinen Eltern vorgelebt bekommt, fällt es demjenigen unter Umständen sehr schwer, sich darüber im Klaren zu werden, was er nun eigentlich will und vom Leben erwartet. Gleichzeitig - oder auch, wenn man weiss was man will - kann es sein, dass die Selbstverwirklichung am Geld (eigenes / das der Eltern) scheitert, oder dass man aufgrund von Erziehung und Erfahrungen im eigenen Umfeld einfach keine Möglichkeit sieht, sich zu verwirklichen. Dazu kommt dann, dass man sich unerwünscht fühlt und den Eindruck bekommt, man wäre nichts wert, die Gesellschaft würde einen nicht wollen.

Die natürlich Aggressivität bleibt allerdings und will ausgelebt werden. Weil sich aber subjektiv kein Weg findet, sie konstruktiv auszuleben, sie aber trotzdem "raus" will, zieht sie negative Folgen nach sich, die sich dann zB in sinnloser Gewalt äußern. Kriminalität zur Geldbeschaffung kann dabei (natürlich wieder subjektiv) sogar ein Weg sein, sich die finanziellen Grundlagen für bestimmte Ziele zu bilden. Oder sie dient der Drogenbeschaffung, weil man mit Drogen wunderbar den eigenen inneren Antrieb ausknocken kann, der einen stört, weil er zu nix zu führen scheint.

Als nächstes kommt natürlich der Wunsch eines jeden Menschen nach sozialer Anerkennung. Wenn man schon von der allgemeinen Gesellschaft unerwünscht zu sein scheint, und auch keine Kollegen (weil keinen Beruf) hat, sucht man sich also Freunde. Freunde sind oft gleichgesinnt, zumindest was grundlegende Ansichten angeht, teilen die eigenen Ziele im Sinne von Selbstverwirklichung meist ungefähr, und sind auch oft "Leidensgenossen".

Geteilte Freude ist doppelte Freude, und geteiltes Leid ist halbes Leid, also entsteht mit zunehmenden sozialen Kontakten auch eine Art Interessengruppe. Man sagt "Gemeinsam sind wir stark" und zieht zusammen los, um die eigene Aggressivität auf die subjektiv gesehen einzige Weise auszuleben, die einem der eigene Status gewährt. Je stärker nun die Verbindung der Clique/Gang/etc ist, desto mehr fühlt man sich auch in seinen Aktionen bestätigt, und desto mehr verliert man auch den Blick für alternative Handlungen. Nebenbei ist der mit der extremsten Persönlichkeit natürlich auch der Anerkannteste. Die Gemeinschaft sorgt neben ihren angenehmen Effekten (Anerkennung, uvm) dafür, dass man sich immer weiter festfährt. Das verstärkt sich innerhalb der Gemeinschaft, und überträgt sich später auch auf Kinder.

Die festgefahrenen Leute sehen einfach keine andere Möglichkeit, sinnvoll zu handeln, halten ihr eigenes Tun also für richtig, geben das als Wertvorstellung selbstverständlich an ihre Kinder weiter, und so bilden sich dann Generationen von "Problemfällen".

Dadurch dass man solche Leute nun bestraft, einsperrt, usw, verstärkt man natürlich den Eindruck, den die Leute eh schon haben, nämlich "Wir sind unerwünscht, der Staat hat bzw die anderen Menschen haben Vorurteile uns gegenüber. Man fällt also in eine Trotzreaktion, wodurch sich alles nur noch verschlimmert.

Abhilfe bringt also das, was allen Menschen hilft, um besser miteinander klarzukommen: Kommunikation. Zu Kommunikation gehört, dass man sich verständigen kann, also müssen alle halbwegs gut deutsch können. Türken, wenn sie frisch nach D kommen, sollten zunächst von gut deutsch und türkisch sprechenden Leuten unterrichtet werden, Anderssprachige analog dazu. Wer sich mit seinen Mitmenschen verständigen kann, baut schon jede Menge Barrieren und Vorurteile ab. Ein Deutscher hat zB auch jede Menge Vorurteile anderen gegenüber, die hier leben und kein Wort deutsch können. Verständigung sorgt also erstmal grundsätzlich für eine Art Zusammengehörigkeit, und vieles ergibt sich allein dadurch schon von alleine... Jobsuche, soziale Kontakte ausserhalb der eigenen Gruppe, usw.

Alle weiteren Schritte für Integration gelten dann für Ausländer ebenso wie für sozial schwache Deutsche (die ja auch oft genug prügeln). Beschäftigung ist da sicherlich ein zentraler Aspekt, und man könnte von Seiten der Arbeitsagentur auch eine Art soziale Betreuungseinrichtung einrichten, die einzelne Leute dann fragt "Was willst du eigentlich?", und dann nach Möglichkeit dabei hilft - entweder herauszufinden, was jemand will, oder dann konkret bei der Umsetzung. Kostet natürlich Personal, aber die Kosten könnten meiner Meinung nach dadurch aufgewogen werden, dass dann weniger geklaut, geplündert, geprügelt, und nebenbei ALG2 bezogen wird.

Alle Menschen suchen einen Sinn im Leben, streben nach Selbstverwirklichung, und da sollte man im Rahmen der staatlichen Möglichkeiten ansetzen. Wenn sich gleichzeitig noch etwas in den Köpfen der gewöhnlichen Mitmenschen ändert - und das geschieht automatisch, wenn einige soziale "Problemfälle" Bereitschaft zeigen etwas zu ändern -, sind wir doch schon auf nem ganz guten Weg... oder?
 
 
Nach oben
Ähnliche Themen, die dich vielleicht interessieren
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Privatisierung der Deutschen Bahn stoppen !! Hanfeld Politik und Gesellschaft 12 01.08.2007 16:02
Gewalt ist heutzutage "in"? *mia Politik und Gesellschaft 62 14.11.2006 20:32
lesen in der bahn Raubtier Literatur 43 25.08.2006 11:20
DB - Deutsche Bahn Ænema Im Namen des Gesetzes 9 10.09.2002 00:09
Anzeigen:
Thema geschlossen

Themen-Optionen



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 12:14 Uhr.


Lupuz.de - wir können auch anders!
©1998 - 2008, Lupuz:Information-Network
Powered by vBulletin Version 3.7.1 (Deutsch), Jelsoft Enterprises Ltd.

SEO by vBSEO 3.1.0 ©2007, Crawlability, Inc.