Im Prinzip ist es so, daß "Dein" Unternehmen bewertet wird, und Du dann diesen Wert durch eine bestimmte Anzahl von Wertgutscheinen (Aktien) zu einem bestimmten Verkaufspreis anbietest. Oft nur einen Teil des Gesamtwertes, damit Geld reinkommt für neue Investitionen.
Sobald Dein Börsengang bekannt ist, beginnen Deine Wertgutscheine
-definiert durch Angebot und Nachfrage- (also die Anzahl der angebotenen Aktien im Verhältnis zu den Aktienkaufaufträgen) im Wert zu steigen oder zu sinken. Und -da hast Du vollkommen recht- diese Nachfrage ist mehr psychologischer Natur und hat weniger mit harten Fakten zu tun.
Das was dann nämlich häufig entsteht -gerade bei spekulativen, also unklaren und euphorischen Werten- wenn viele ganz "Geil aufs Kaufen" sind, ist eine Art Seifenblase, ein künstliches Wertgebilde, daß dann -durch manchmal nur eine schlechte Meldung- zu platzen droht.
Danach richtet sich der an der Börse notierte Wert nach dem Verhältnis der Kauf- und Verkaufsaufträge. Auch hier geht es wieder vielfach vornehmlich um die psychologische Seite, obwohl es auch Unternehmen gibt (wenn die z.B. soliden Maschinenbau mit rel. kontinuierlichen niedrigeren Gewinnen betreiben u.s.w.) wo weniger Spekulation drum getrieben wird, man solide Rechnungen aufstellt (auf Basis von Kurs, Umsatz und Gewinn) und die Kurse dementsprechend rel. stabil sind. Aber man muß wissen: Sobald irgendwas passiert im Vorstand, irgendwelche neuen Unternehmensstrategien etc. oder das auch nur
behauptet wird, dann hat das massiven Einfluß auf die Kurse. So ein Unternehmen kann auch mal Pleite gehen, und die Kurse fallen massiv. Meistens ist es nicht so schlimm und es beruhigt sich wieder. Alle Kurse beinhalten jedoch bestimmt Erwartungen, die die Aktionäre an die Unternehmen haben, deshalb liegen die Kurse schnell beim Vielfachen des Kurs-Gewinn-Verhältnisses.
Eine wichtige Funktion bei dieser vornehmlich psychologischen Sache haben die sogenannten "Analysten", von irgendwelchen Banken, Fonds ; Börsenzeitungen etc.. Wenn die irgendwas erzählen wie "toll" irgendein Unternehmen ist (und das dann mehrere oder "besondere" tun) dann hat das massiven Einfluß auf die Kurse. Dabei ist das durchaus mal nicht die Wahrheit, aber danach geht es nicht. Es geht danach, was die Leute glauben.
Dann gibt es eine Menge Spekulanten, die zusätzlich damit gewaltige Gewinne (oder Verluste) machen, daß sie darauf setzen, daß Deine Aktie bis zu einem bestimmten Termin steigt oder fällt. Oder sie beeinflussen mit ihren impulsartigen Kauf- Verkaufsaufträgen erheblich die Kurse kleinerer Werte, um dann wiederum davon zu profitieren.
Wenn Du Macht hast (viele Aktien von einem Unternehmen besitzt oder verwaltest, z.B. im Fond) und gezielt Gerüchte streust, dann kannst Du die Leute irgendwas falsches glauben lassen (z.B. daß der Vorstand abdankt etc.) und gleichzeitig einen grossen Teil Deiner Aktien schnell verkaufen. Dann bricht der Kurs ein und in der Folge verkaufen ganz viele vor lauter Angst ihre Aktien, bei vielen geht das ab bestimmten Kursen automatisch, und der Kurs fällt ins Bodenlose.
Da Du ja weißt, daß das alles Fiktion ist, kaufst Du dann ganz viele Aktien zum Spottpreis ein. Wenn die Leute merken, daß es vorgetäuscht war, kaufen sie wieder Aktien, der Kurs steigt und Du bist stinkreich.
Das ist nur ein Beispiel. Man kann den ganzen Laden auf verschiedene Weise manipulieren. Da ich nur Laie bin, weiß ich ganz sicher nur wenig von den Möglichkeiten diesbezüglich.
Immer wenn Du real Gewinn machst, machen andere Verluste, umgekehrt genauso. Das Geld gewinnst oder verlierst Du aber natürlich erst dann tatsächlich, wenn Du Deine Aktien auch verkauft hast.
Vielen bleibt in bestimmten Situationen aber nichts anderes übrig, gerade Kleinanleger machen da viele Fehler, nehmen dafür Kredite auf u.s.w.
Viele haben sich da schon übel verschuldet.
...bietet das derzeitige System die Illusion eines Tages auch reich werden zu können.Dementsprechend gibt es für viele kaum Motivation etwas zu ändern, selbst wenn sie die negativen Seiten kennen.
So ist es. Auch bezogen auf die Wirtschaft. Das ganze Wirtschaftssystem ist auf dem Prinzip Egoismus aufgebaut. Wenn ich weiß daß die Leute Fleisch haben wollen, dann produziere ich Fleisch, um damit Geld zu machen. Nicht weil ich meinen Lebensunterhalt verdienen will und den Leuten
gleichfalls etwas Gutes tun will (das wäre ja ebenfalls möglich) sondern leider im Regelfall nur deshalb, weil ich Geld machen will.
Richtig schlimm geworden ist das in der Industrialisierung. Vorher hat jeder im kleinen Stil produziert. Nun produziert Herr X Fleisch, obwohl er selbst womöglich nie Tiere getötet hat und möglicherweise kaum seine Angestellten kennt. Er hat keinen wirklichen Bezug zu all dem, nur zu seinem Geld, dazu hat er Bezug. Was tut er also?
Er "maximiert" seinen Gewinn, streicht wo er nur kann, besonders beim Personal, kauft Maschinen, produziert noch mehr, noch schneller, noch mehr, noch schneller u.s.w.. Dabei schielt er immer auf die anderen, die ja auch schneller werden und günstiger. Also muß er noch schneller und günstiger werden.
Was kommt am Ende dabei heraus?
Ein lebendiges Tier, grossgezogen, ernährt, geschlachtet, verpackt, kostet beim Aldi 1,98 Eur, ein ganzes Brathähnchen. Wie ist es möglich, daß so ein Lebewesen 1,98 Euro kostet?
Aldi macht ja noch ordentlich Gewinn dabei! Und der Schlachtbetrieb! Und die Zulieferer! Die Tiere bleiben dabei auf der Strecke, daß ist doch klar, wie es klarer nicht geht, oder?
Und letztlich bleiben auch die Menschen auf der Strecke -denn die dürfen dann nämlich Gammelfleisch essen. Das sind keine Einzelfälle mehr -der Preis macht´s. Die Gier und der Geiz des "kleinen Mannes", des Konsumenten bestimmt über die Preise und die Qualität und über das Futter und die Haltungsbedingungen für die Tiere. Für ein Bioland-Hähnchen zahlen wir jetzt etwa 10 Euro. Da wir nicht Krösus sind, essen wir weniger Fleisch. Etwas seltener und vor allem weniger. Es stört uns aber nicht, weil wir sowieso zuviel Fleisch gegessen haben. 10 Euro sind ein realer Preis für ein solches Lebewesen, das ja noch verarbeitet werden muß etc.. Damit besteht nicht zwangsläufig die Garantie, aber eindeutig
die Möglichkeit zu einer tierfreundlichen, natürlichen, letzlich auch menschenfreundlichen Aufzucht und Verarbeitung.
Mein Tipp: "
Unser täglich Brot" Kinostart am 18. Januar 2007, also in 12 Tagen.
http://www.film.de/moviecontent.php/id/14706/ oder die DVD "
We feed the world"
http://www.we-feed-the-world.at/film.htm Beispielsweise.
So ist es beim Geld, so ist es bei den Aktien, so ist es bei den Produkten selbst. Es läuft immer wieder auf eines zurück: Unsere Gier, unseren Geiz, unsere Selbstsucht.
Das ist der eigentliche Ursprung all unserer Probleme.
Was Alternativen betrifft, so habe ich Dir mit dem Bankbeispiel in #16
eine Möglichkeit aufgezeigt. Aber unser gesunder Menschenverstand sagt uns doch auch, wo die Probleme liegen. Jeder kann doch für sich selbst gezielt daran arbeiten, sich eben genau so
nicht zu verhalten. Genau
das nicht zu unterstützen. Für mich lag eine dieser Möglichkeiten damals im Verkauf der Aktien.