Es lässt sich nicht viel dagegen sagen das Al Gore den Friedensnobelpreis 2007 bekommt, denn schließlich hat ihn auch der Terrorist Jassir Arafat bekommen. Der Preis hat schon lange seine Unschuld und damit seine Bedeutung und Aussagekraft verloren.
Ich schließe mich ausserdem der Frage an, wo denn die Tätigkeit Gores ganz direkt die Verbreitung des Frieden fördert. Sicherlich kann man sich eine solche Rechtfertigung auf (in einem anderen Beitrag gezeigte) Weise herleiten, aber mit nicht mehr Aufwand ließe sich dann auch ein Nobelpreis für z.Bsp. Wirtschaftswissenschaften für Gore rechtfertigen.
Nicht gelten lassen möchte ich auch die ewige und ultimative Rechtfertigung, dass es ja schließlich einer guten Sache dient, die Regeln mal etwas zu beugen, ein Auge zuzukneifen oder zu übertreiben. Das ist ein gefährlicher, populistischer Weg, der alle Glaubwürdigkeit zunichte macht. Einer ruinierten Glaubwürdigkeit ist es egal, ob sie durch Dummheit, Absicht, Boshaftigkeit, Gleichgültigkeit oder im Dienste einer "guten Sache" daran glauben musste - kaputt ist kaputt und der eventuell mitgenommene Publicity-Profit ist ein sehr kurzlebiger.
Warum bekommt eigentlich das IPCC zusammen mit Gore den Friedensnobelpreis? Warum bekommt eine UN-Einrichtung den Preis, die eigentlich nur dafür da ist, Fakten nach guter naturwissenschaftlicher Praxis zusammenzutragen und zu liefern? Diese Einrichtung darf so einen Preis eigentlich gar nicht bekommen, da dies schlichtweg bedeutet, dass sie ihren Job nicht, bzw. in einer Weise gemacht hat, die nicht ihrem Auftrag entspricht.
"Schuster, bleib bei Deinen Leisten" - es muss mit großem Misstrauen aufgenommen werden, wenn Naturwissenschaftler versuchen Politik zu machen, während Politiker sich umgekehrt an der Naturwissenschaft versuchen. Man rufe sich die Szene in Erinnerung als Herr Pachauri, der Vorsitzende des IPCC, vor der Presse verlauten ließ (sinngemäß), er hätte kein Problem damit, wenn im Namen der guten Sache (Bewusstseinsschaffung bei den Menschen) etwas ausgemalt und übertrieben würde. Sich so etwas vom Vorsitzenden eines wissenschaftlichen Beratungsgremiums anhören zu müssen ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden ,der etwas auf die "gute naturwissenschaftliche Praxis" hält - sei er nun "Gläubiger" oder "Skeptiker" im Bezug auf den Klimawandel. Wenn ich mir vorstelle, dass ich als kleiner Forscher einen Kopf kürzer gemacht werde, wenn ich in einer Veröffentlichung die Wörter "schön" und "wunderbar" oder etwas ähnlich nach Emotion Riechendes benutze, dreht sich mir bei einer Aussage wie der des "Chefwissenschaftlers" Pachauri der Magen um.
Derzeit versuchen viele Beteiligte (darunter Gore) sich im Dienste der guten Sache im Rufen von Zeter und Mordio gegenseitig zu übertreffen und nehmen dabei in Kauf, dass den Fakten und Unsicherheiten nicht zu genau Rechnung getragen wird. Kurzfristig mag das Erfolg und Resonanz bringen, mittel- und langfristig aber sehe ich die Reizschwelle beim Publikum sich immer weiter nach oben versetzen, so dass dann die Reaktion umso lethargischer kommt, wenn es wirklich mal akuten Grund gibt "Feuer! Feuer!" zu rufen.
Wenn die Reaktion denn dann auch kommt, denn nicht oder mit viel geringer Intensität als vorhergesagt eintretende Geschehnisse führen zu Gleichgültigkeit bei den Menschen und zum Vertrauen darauf, dass es "wieder mal halb so schlimm wird, wie immer".
Also, ich will keine Populisten sondern klare Fakten und Vernünftige Einschätzungen ... und endlich mal wieder eine sachliche, neutrale Tagesschau (aber das ist eine andere Geschichte).
Nix da, der Friedensnobelpreis hätte in diesem Jahr an anderer Stelle viel direkter viel Gutes für den Frieden tun können (wenn man ihm denn einen Rest an Wirkkraft zugesteht), aber diese Chance wurde vertan.
Hier noch passender Cartoon zum Thema:
http://www.oekologismus.de/index.php.../23/cartoon-2/
Beste Grüße
goarilla