Zitat von El Sparko die geschichte "erst punk dann nazi" ist nicht so weit hergeholt. solche fälle gibts genug, weil der kleine "gegen das system"-punk ganz schnell mal ganz viel auf die fresse bekommen kann, in einer "anderen" gemeinschaft aber vielleicht mehr halt findet. da ist dann eigentlich auch zweitrangig für was die "truppe" eintritt.
mal wieder ein schwank aus meiner jugend. bis ich 12 war lebten wir in einer dieser neubaublocksiedlungen. damals lebten viele junge sozial schwache familien da. bald entwickelte sich ein trend das ziemlich viele jugendliche "rechts" waren. das war richtig extrem und damals galt jena neben saalfeld auch als "hochburg" der rechtsextremen in thüringen.
das gymnasium das ich besuchte war voll von diesen jugendlichen rechten. in meiner klasse erinner ich mich spontan an 4. nun wurde ich von meinen eltern dahingehend aufgeklärt und erzogen das ich mich NICHT diesem trend hingegeben habe und mehr noch: das ich auch den mund aufgemacht habe.
selbiger wurde mir dann nicht nur einmal eingeschlagen.
was interessant war: wie wenig tiefgang diese sogenannten rechten hatten.
und das was ich wohl nie vergessen werde ist der satz:
"ich bin ein zecken-nazi-punk mit neutraler meinung"
ööööööööööööööööööhm

auf jeden fall: ich wechselte die schule und kam in eine andere welt. was auf der alten schule rechts war, war auf der anderen nun extrem links.
mein resultat aus den jahren: mir sind diese linken jugendlichen wesentlich lieber gewesen als die rechten. bei den linken konnte man wenigstens feststellen das sie um hintergründe bemüht waren und das ihre meinung auf irgendwas basiert. die rechten jugendlichen waren nur mitläufer, und das, war gar nicht mal so unklug, denn um in dem wohngebiet zu überleben (und das ist jetzt NICHT übertrieben) war es besser nach außen rechts zu sein.
ein paar leute von denen sehe ich manchmal in der stadt. und: ein paar von denen habe ich auch schon auf gegendemos gegen nazis entdeckt.
was wohl heißen will: was auch immer die kiddies auf den fotos sagen oder jetzt tun: es ist nicht zu spät. soziale brennpunkte entstehen und lösen sich auch wieder auf. heute wohne ich wieder in dem wohngebiet. jetzt gibt es hier eigentlich nur rentner und studenten. ich habe KEINEN möchtegern nazi mehr gesehen.
am tag der völker, der europaweit nazis in unsere kleine stadt locken sollte kamen 50 von ihnen, die gegenfraktion hat es auf mehrere hundert gebracht.
es hängt also viel davon ab was nun grade "günstig" für einen ist. es gab wenige die sich öffentlich gegen diese jugendlichen nazis gestellt haben, und die haben es eigentlich kurzfristig körperlich und psychisch bereut.
HEUTE denke ich da anders drüber. 1. sehe ich es als art phase der jugendlichen, 2. bin ich STOLZ darauf meinen mund aufgemacht zu haben.
egal was danach passierte. vllt mag man es dumm nennen den mund aufzumachen. vllt war es dumm. aber ich bin wenigstens mit meinem gewissen im reinen.
und wenn ich die aussagen der kiddies auf den bildern lese, denke ich an die kiddies meines ersten gymnasiums zurück. die haben nichts anderes gesagt. und wenn man berichten glauben kann war zum abitur keiner mehr das was er damals, zu meinen zeiten auf der schule, noch war.
der drang sich mit irgendwas zu identifizieren, irgendwo dazuzugehören und bei der scheinbar stärksten fraktion dazuzugehören erscheint mir, gerade in dem alter, irgendwie sogar nachvollziehbar. und irgendwie kann man nicht mal erwarten das sich kiddies von 11/12/13 jahren näher damit beschäftigen. sie sehen das sie in der gruppe stark sind und das sie ein unbeschwertes leben haben können, kriegen für alles was schiefläuft sündenböcke präsentiert.
und auch da wieder: ich gebe die schuld den eltern. die, die selber so denken, die ihre augen verschließen und angeblich machtlos zusehen. wenn man keine macht hätte, frage ich mich warum meine eltern es geschafft haben mir in recht jungen jahren klar zu machen das bei der "rechten gesinnung" irgendwas falsch läuft.