Nachdem ich mir das jetzt mal im Ganzen angesehen habe, muss ich auch nochmal ein paar Zeilen verlieren.
Der erste Eindruck den ich von den paar kurzen Szenen hatte, die im Fernsehn wiederholt wurden, war scheinbar vollkommen richtig.
Frau Schreinemakers und Frau Berger reagieren völlig überzogen. Und erschreckenderweise muss ich feststellen, dass selbst Mario Barth gleich meint "Stimmt ja nicht" nachdem Frau Hermann meinte, dass man nicht über die damalige Zeit reden kann, ohne in Gefahr zu geraten.
Dabei hat sie ja recht.
Sie sagte, dass seinerzeit der Familienzusammenhalt besser war und alle sahen sie gleich in der braunen Ecke. Dabei hat sie mit Sicherheit nicht gemeint, dass Hitler und seine Leute tolle Hintergedanken beim Auszeichnen von Familien mit vielen Kindern hatte, sondern wohl eher, dass in den Familien an sich ein besserer Zusammenhalt bestand.
Vielleicht hat sie dabei eine zu rosa Brille auf und sieht glücklichste Familien, wo in Wirklichkeit gar keine waren. Aber sie wollte sicher nicht Hitlers tatsächliches Ziele bei seiner Familienpolitik loben.
Dann benutzte sie das Wort Gleichschaltung als sie über die Presse (im Bezug auf die Artikel über sie?) sprach und wieder sah man sie bei den Nazis stehen.
Dabei sehe ich nicht wie man bei einem Wort wie
Gleichschaltung, dass in manchen Situationen sicher das passendste ist (z. B. um auf gleiche Meinungen von Zeitungen/ Sendern hinzuweisen), immer gleich mit den Nazis in Verbindung bringen und ebenso jeden als Nazi brandmarken muss, der dieses Wort benutzt.
Es mag ja stimmen, dass dieser Begriff stark rechtsbelastet/ -behaftet ist, aber ihn nur alleine deshalb nicht mehr zu gebrauchen, halte ich für Unsinn.
Im negativen Sinne klasse, fand ich ja auch den Historiker, der da in der Sendung saß.
Wenn er Frau Hermann zugehört hätte, hätte er gemerkt, dass sie darauf hingewiesen hat, dass der Begriff Gleichschaltung vom Spiegel und anderen Zeitschriften schon mehrfach verwandt wurde.
Stattdessen weist er sie darauf hin, dass es nicht stimmt, dass der Begriff kein nationalsozialistischer Begriff ist, als wenn Frau Hermann behauptet hätte, dass dem so wäre.
Jetzt kann ich mich natürlich irren und Frau Hermann hat doch eine mehr oder weniger starke rechte Orientierung.
Aber dies einfach zu behaupten, weil sie ein paar Begriffe benutzt hat, die in der damligen Zeit einen negativen Touch bekommen bzw. damals entstanden sind - und dies ja durchaus einfach nur auf schlechte / unüberlegte* Wortwahl zurückzuführen sein kann - finde ich einfach nur daneben.
*Unüberlegt insofern, dass man ja sieht, was da an Reaktionen kommen.
Und noch etwas zur Euthanasie:
Wandlung des Begriffs am Beispiel von Lexika
Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts erfuhr der Umfang des Begriffs "Euthanasie" eine Erweiterung, die heute unter anderem durch eine Einebnung des Unterschiedes zwischen "thanatos"- und "ker"-Tod (siehe oben) Begriffsbestimmung und Diskussion der
Sterbehilfe beeinflusst.
Brockhaus Konversations-Lexikon 1902 Euthanasie (grch.), Todeslinderung, dasjenige Verfahren, durch welches der Arzt den als unvermeidlich erkannten Tod für den Sterbenden möglichst leicht und schmerzlos zu machen sucht, besteht hauptsächlich in zweckmäßiger Lagerung, Fernhaltung aller äußeren Störungen, Linderung der Schmerzen durch anästhetische und narkotische Mittel (s. auch Arzt, Bd. 17), Sorge für frische Luft und zeitweiligem Einflößen von milden und labenden Getränken. Bei dem scharfen Gehör, welches Sterbende bis zum letzten Augenblicke zu haben pflegen, ist die größte Vorsicht hinsichtlich aller Äußerungen der Umgebung geboten. (Zitiert nach Drechsel 1993, S. 23f)
Meyers Konversations-Lexikon 1926 Euthanasie (griech., "schöner Tod"), gewöhnlich ein schönes, würdiges Sterben; in der Medizin Sterbehilfe, die vom Arzt durch geeignete Mittel herbeigeführte Erleichterung schweren Sterbens augenscheinlich zugrunde gehender Kranker. Die schon von K. Binding unterstützte Euthanasiebewegung fordert Straflosigkeit für Ausführung der E. (Zitiert nach Drechsel 1993, S. 24)
Der Große Brockhaus 1930 Euthanasie (grch.), Todesbehagen, das Gefühl des Wohlseins beim Sterbenden, das vom Arzt, wenn er den Tod als unvermeidlich erkannt hat, durch Schmerzbetäubung und Anwendung narkotischer Mittel gefördert werden darf. Eine absichtliche Tötung zur Erlösung eines Schwerkranken mit narkotischen Mitteln, auch bei unvermeidlichem Tode, wird bestraft. (-> Sterbehilfe.) (Zitiert nach Drechsel 1993, S. 25)
Der Große Brockhaus 1930/34 Sterbehilfe, grch. Euthanasie, die Abkürzung lebensunwerten Lebens, entweder im Sinn der Abkürzung von Qualen bei einer unheilbaren langwierigen Krankheit, also zum Wohle des Kranken, oder im Sinn der Tötung z.B. idiotischer Kinder, also zugunsten der Allgemeinheit. (Zitiert nach Drechsel 1993, S. 25)
Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Euthanasie
Wie man weiter oben bei dem Wikipedia Artikel sehen kann, ist der Begriff Euthanasie wohl zwischen 500 und 600 n. C. enstanden. Also lange vor dem 3. Reich. Lange bevor es die Nazis gegeben und Hitler überhaupt geboren war.
Vor Hitler, den Nazis und dem 3.Reich war er nicht negativ behaftet. Und wie man in meinem Zitat aus dem Artikel sehen kann, taucht der Begriff "lebensunwertes Leben" auch erst in der Brgiffserklärung 1930/1934 auf.
Vorher wird nur von Schmerzlinderung und Hilfe beim Sterben, wenn der Tod gewiss ist, gesprochen.
Insofern sehe ich auch kein Problem darin, wenn man statt Sterbehilfe auch mal Euthanasie sagt. Solange man sich dabei von dem Gedanken, dass es lebensunwertes Leben gäbe, distanziert und wirklich nur meint, dass einem todkranken Menschen, der Tod erleichtert werden soll, sehe ich den Begriff Euthanasie nicht als einen negativen Begriff.