Zitat von Morris Ich habe in der Zwischenzeit ein wenig über China vs. Tibet nachgedacht und befinde nun, dass ein Boykott Chinas wegen Tibet, sei es nun hinsichtlich der aktuellen Ereignisse oder der Besatzung, nicht gut ist, wie auch allgemein die Forderung "Free Tibet". Denn was wäre in Tibet ohne China? Eine feudale, abgeschottete Theokratie mit einem Gottkönig, in dessen Rechtssystem es auch körperlich harte Strafen gebe.
Den Lamaismus zu hinterfragen und sich darüber zu informieren ist ein wichtiger Schritt zum Verständnis der Sache. Feudalismus ist wirklich die beste Beschreibung dafür.
Andererseits muss man damit auch vorsichtig sein. Niemand könnte sagen wie die politische Realität bei einer Souveränität Tibets oder einer nicht erfolgten Annektierung aussähe.
Als westlicher Demokrat kann man sowas ja nun auch nicht gutheißen, da kann man vielleicht noch das chinesische System präferieren. Weiterhin ist Tibet völlig von China abhängig und diese Abhängigkeit würde auch nicht bei einer formalen "Unabhängigkeit" schwinden, sondern da kann China im Gegenteil sogar noch gut dran verdienen, schließlich sind die Tibeter inzwischen auch im 20./21. Jahrhundert angekommen, sprich es gibt Eisenbahnen, Strom, Fernsehen, Radio, Internet usw. usf. Das würde ja alles nicht verschwinden, wenn China weg ist.
Naja, abgesehen davon finde ich aber auch, dass man mit China vielleicht ein wenig anders umgehen sollte *g*.
Ich würde das etwas differenzierter sehen. China hat absichtlich über lange Jahre nichts für diese Region getan da es außer dem Gebietsanspruch und dem Machtanspruch im Himalaya-Raum keinen Nutzen gab.
Seit ein paar Jahren ist man nun dazu übergegangen Tibet umzukrempeln und auf Linie zu bringen. D.h. gezielte Ansiedlung von chinesischen Unternehmen und damit vor allem chinesischer Arbeitskräfte, den Bau von Infrastruktur wie der Tibet-Bahn.
Es wäre naiv zu denken dass dies zum Wohle der ansässigen Bevölkerung geschehe, man ist nur dank der explodierten Rohstoffpreise wie z.B. Kupfer wieder aufmerksam geworden. Zudem sind Bergbau- und größere Bauprojekte erst mit dem heutigen technischen Fortschritt möglich oder rentabel geworden.
Das ist rein wirtschaftliches Denken wie es in aller Welt auch vorherrscht.
Das perverse an diesen Vorgängen ist aber dass die Tibeter nicht am Fortschritt teilhaben können und in ihrem Land förmlich Ausgegrenzt werden. Die Arbeiter werden aus anderen Regionen angekarrt und Aufträge gehen ebenfalls nach ausserhalb (natürlich auch wegen fehlender ansässiger Unternehmen, wie kommt das nur...).
Die Tibeter werden zu einer Parallelgesellschaft in ihrem eigenen Land.
Das ganze erinnert an einen Heuschreckenschwarm der alles kahlfrisst und danach einfach weiterzieht.
Mir fällt im Moment kein Vorteil ein, den die Tibeter erlangt haben außer einem mikrigem Maß an Infrastruktur, lasse mich aber gerne eines besseren belehren.