Es kommt auch drauf an, welche Intention die APO hat. Allgemein subversive Ziele, also Umsturz/Revolustion, erfolgreich durchzusetzen kann ich mir angesichts der hiesigen politischen Systems beispielsweise absolut nicht vorstellen.
Gewaltlose Massenmobilisierung ist toll, hat aber auch selten etwas gebracht. Der erfolgreiche Sturz des DDR-Regimes wurde dadurch nur beschleunigt, weil das System schon labil genug war, sodass schnell Eingeständnisse gemacht werden - zumal die die Alternative (Niederschlagung) angesichts des abtauenden politischen Klimas und der totalen Abhängigkeit nicht mehr tragbar gewesen wäre.
Im kleinen, sei es die Atomkraft, Bundeswehr-Auslandseinsätze oder militär. Interventionen allgemein, die Rechtschreibreform, Hartz 4, konnte durch Demonstrationen oder gar Plebiszite nie etwas erreicht werden.
Der Atomausstieg ist zwar beschlossen, aber viel zu spät und wird von bestimmten Politikern in Frage gestellt, zumal er ohnehin revidierbar ist, Die Bundeswehr mischt(e) "fröhlich" in Serbien mit, wird im Kongo "gebraucht", und ist auch hier und da noch zu finden, das deutsche Irak-Nein hatte nur beschränkte Gültigkeit, trotz Wende und damals noch großen Friedensdemos, Ostermärschen noch immer kein nennenswerter Schritt zu weniger Militär. Trotz wirklicher großer Proteste gegen Hatz IV - nichts, die jetzt diskutierte Hartz IV Revision geht geht ja eher in die Richtung von noch mehr Kälte. In Schleswig-Holstein gab es mal einen tollen Entscheid zur Rechtschreibreform - von der Landesregierung aber einfach weggeworfen.
Ernüchternd, aber bei solchen Fragen wäre Gewalt in meinen Augen "unverhältnismäßig".
Zitat von autonomia Ich denke das die einbeziehung von Gewalt in politische Aktionen immer mehrere Reaktionen hervorrufen kann.
1. Es kann dazu kommen, dass man mit der konkreten Aktion in der Presse und somit auch in der Gesellscdhaft ein größeres Echo hervorruft.
Das ist positiv, wenn somit eine Diskussion angeregt wird, die größtmögliche Teile der Öffentlichkeit mit einbezieht, und wenn diese Diskussion sachbezogen ist, und sich nicht auf die Diffamierung der Gewalt bezieht, sondern auch diesselbe hinterfragt, also wie unter 2. geschildert.
3. Die Gegenreaktion des Staates kann wesentlich heftiger ausfallen und somit sogar zu einer zerschlagung der Bewegung führen. Auch macht es Gewalt dem Staat immer leichter eine ganze Bewegung zu kriminalisieren.
Das ist hypothetisch, zur Verantwortung gezogen können ja nur Anstifter, Beihelfer und die tatsächlichen Täter - um eine ganze Bewegung zu kriminalisieren, müssten dann schon ganze Ansichten verboten werden, und das geht aufgrund der Grundrechte nicht. Ja, schön wäre es, geht ja leider doch (natürlich nur ausnahmsweise und ganz ohne Willkür...), wenn es um den Schutz der freiheitlich demokratischen Grundordnung geht. Womit der Staat denn ganz wunderbar seine autoritäre Fratze zeigt.
Die Reaktion auf die Reaktion aber kann ebenso heftig sein - Solidarität, Zorn weil man ignoriert wird, Steigerung der Gewaltbereitschaft.
5. Wenn man Gewalt gegen Personen zulässt ist immer die Frage ob man damit nicht einen potentiell Unschuldigen verletzt was heißen soll das nicht jeder Polizist bei einem Castortransport Atomkraft unterstützt sondern evt. nur seinen Job macht und das obwohl er gegen Atomkraft ist.
Gewalt gegen Personen ist unzulässig, weil fast immer Unschuldige getroffen werden. Sicherlich kommt es auf das Verhalten an. Die Polizei ist dermaßen gewaltbereit, und gerade auf Protestveranstaltung ist die Polizei nicht Freund und Helfer sondern die geballte Faust des Staates. Es gibt so viele Szenarien mit der Struktur: viele Demonstranten, ohne Waffen, ohne Agression, mit eingehakten Armen, die einfach nur marschieren, und dann gegen eine Wand von Polizistigen mit Schildern und Knüppeln... Generell kommen Agressionen leider immer von beiden Seiten.
Bei der Bewertung von Gewalt seitens der APO muss man sich ja auch immer vor Augen halten, dass das Gewaltmonopol beim Staat liegt. Das ist zwar sinnvoll, allerdings nicht immer - zuam es von vornherein ungerecht ist. Das soll nicht heißem, dass jedem ein Recht an Gewalt zugestanden werden sollte, es geht ja darum wofür - der Staat selber setzt Gewalt ja auch nicht "einfach so" ein.
6. Es kann aber auch sein dass man durch Gewalt sein Ziel schneller erreicht weil man Leute zwingt sich damit zu beschäftigen und sie ehr dazu gewillt sind nachzugeben um die Ordnung wieder herzustellen. Es kann aber auch das gegenteil eintreten und eine jetzt erst Recht haltung entstehen aus dem Grundsatz heraus das mit Straftätern nicht verhandelt wird.
Zu dieser "Jetzt erst recht"-Haltung: So etwas finde ich immer armselig. Es sollte niemals darum gehen,
wer Forderungen stellt, oder verhandeln will, sondern immer nur darum,
was verhandelt wird. Und das gilt auch - insbesondere bei Geiselnahmen. Jaja... der Staat sollte sich nicht erpressbar zeigen - aber bitte, zu welchem Preis denn?
Und ein weiteres negativ Beispiel ist wohl die RAF die nichts erreicht hat mit ihrern Aktionen obwohl sie sehr Gewalttätig waren. Auch die 68er haben nicht sofort etwas erreicht ausser dem Radikalenerlass erst nachdem der Protest abgeflaut ist konnten Veränderungen eintreten und die 68er ihren Marsch durch die Institutionen antreten.
Die RAF ging ja leider auch sehr schnell zu Gewalt gegen Personen über, steht für mich hier nicht zur Debatte. Einige 68er konnten sich zumindest in politischer Betätigung mehr oder weniger erfolgreich versuchen, haben die gesellschaftliche Autoritätsstruktur ein wenig aufgeweicht, und insbesondere bei der Universitätspolitik einiges erreicht.