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APO - Nur mit Gewalt effektiv?!

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FrozenSmile
Alt 30.05.2006, 16:16   #1
Standard APO - Nur mit Gewalt effektiv?!

Ich hab lange nachgedacht...über APOs in der Neuzeit, ihre Ziele und wie sie versucht haben, selbige zu erreichen...hauptsächlich vor dem Hintergrund der aktuellen Anti-Studiengebühren-Proteste:

Interessant ist folgendes:
In fast allen Fällen, wo eine APO ihr Ziel erreicht hat, geschah das mit Mitteln der Zerstörung öffentlichen Eigentums sowie der Sachbeschädigung allgemein. Also Mitteln, die die meisten Menschen unreflektiert als "sinnlose Gewalt" abtun würden.

Beispiele dafür sind z.B. ie englischen Suffragetten zu Beginn des letzten Jahrhunderts oder die Globalisierungsgegner die 2001 den 27. G8 Gipfel lahmgelegt haben etc.

Dem entgegen stehen friedliche Ereignisse wie die Demo auf dem Platz des Himmlischen Friedens oder der "Aufstand" des 17. Junis 1953 etc etc.


Wie gesagt, dies sind nur Beispiele...es zieht sich aber immer der gleiche Faden durch diese Proteste: Sie sind scheinbar deutlich effektiver, wenn man, wie gesagt, Sachbeschädigung verübt und sogar die offene Auseinandersetzung mit der Staatsgewalt sucht.

Begründungen hierfür gibt es, denke ich, auch:: Zunächst mal erregt eine solche Aktion mehr Aufsehen als eine "friedliche Demo"...die den Normalbürger ungefähr so sehr interessiert wie der vielzitierte Sack Reis in China. Zum anderen zeigt die Bereitschaft zur direkten, physischen Konfrontation auch ein erhöhtes Maß an Überzeugung für die Sache, an die man glaubt.

Bei der Demo mitrennen kann jeder dumme Hempel, egal ob er weiß, worums geht oder eben nicht. Bei so Aktionen wie dem G8 Gipfel, wo die Polizei neben Schockstäben, Tränengas und Wasserwerfern auch scharfe Munition eingesetzt hat (nur so kams ja zu der Exekution (ja, das triffts) dieses einen Aufständischen)...wenn du da mitmachst, bist du entweder total krank oder echt von dem überzeugt, wofür du da mitmachst/kämpfst.
 
 
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DerAssie
Alt 30.05.2006, 18:49   #2
Standard

Wenn es einem so Mieß wie bsp. einigen Bauern geht im Asiatischen Raum die von der WTO und somit dem Kapital vergewaltigt wurden Bildlich ist es kein Wunder wenn die so abgehn auf Demos da die eh nix groß zu verlieren haben.
 
 
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FrozenSmile
Alt 30.05.2006, 18:53   #3
Standard

naja, der boykottierte g8 gipfel war in italien...und das war 2001... 80 verletzte, 1 toter...sachschaden in millionenhöhe...
 
 
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Morris
Alt 30.05.2006, 20:40   #4
Standard

Leuchtende Gegenbeispiele sind da ja die Revolution in der DDR sowie der indische Unabhängigkeitskampf. Friedlichen Protest muss man eben auch lange genug konsequent durchziehen.

In Palästina führt der gewalttätige Protest auch zu mehr Repressalien. Also je nach dem...
 
 
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FrozenSmile
Alt 31.05.2006, 12:32   #5
Standard

Ja, sicher richtig - aber deine Gegenbeispiele sind alle drei Bewegungen, die mehr oder minder vom gesamten Volk getraten wurden und nicht nur von einer Interessensgruppe innerhalb des Volkes. Ich behaupte, dass gerade Ghandi nur deswegen Erfolg hatte...ja nur haben konnte, weil Millionen ihm aktiv gefolgt sind und der Rest "die Sache" zumindest passiv unterstützt hat.


Die Frauenrechtler in England waren ebenso eine kleine Randgruppe wie die Globalisierungsgegner beim G8 Gipfel.
 
 
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autonomia
Alt 31.05.2006, 18:49   #6
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Die Grundfrage die sich hier auftut ist ob man Gewalt zur durchsetzung politischer Ziele als legitimes Mittel ansieht und wie man diesen Gewaltbegriff definiert.
Als erstes muss man unterscheiden ob Gewalt gegen Sachen oder gegen Menschen gemeint ist.
Nach dem man sich nun auf einen Gewaltbegriff festgelegt hat bleibt noch die Frage ob man Gewalt zur durchsetzung von politischen Zielen zu lässt.

Ich denke das die einbeziehung von Gewalt in politische Aktionen immer mehrere Reaktionen hervorrufen kann.

1. Es kann dazu kommen, dass man mit der konkreten Aktion in der Presse und somit auch in der Gesellscdhaft ein größeres Echo hervorruft.

2. Es kann dazu kommen das die aktion in der öffentlichkeit so dargestellt wird das der Sinn in den hintergrund gestellt wird und nur über die Gewalt berichtet wird. Wie z.B. beim 1 Mai in Berlin der in der Öffentlichkeit wohl nur als Massenschlägerei zwischen Polizei und Demonstranten wahrgenommen wird und keinen politischen Inhalt mehr transportiert.

3. Die Gegenreaktion des Staates kann wesentlich heftiger ausfallen und somit sogar zu einer zerschlagung der Bewegung führen. Auch macht es Gewalt dem Staat immer leichter eine ganze Bewegung zu kriminalisieren.

4. Durch die Gegenreaktion des Staates kann die Bewegung gespallten werrden und somit geschwächt werden. Das beste beispiel sind wohl gegenkundgebungen gegen Naziaufmärsche, denn der Normale Bürger ist dort wohl nicht bereit sich auf eine Strassenschlacht mit der Polizei einzulassen und kommt deswegen evt. gleich gar nicht zu Demo.

5. Wenn man Gewalt gegen Personen zulässt ist immer die Frage ob man damit nicht einen potentiell Unschuldigen verletzt was heißen soll das nicht jeder Polizist bei einem Castortransport Atomkraft unterstützt sondern evt. nur seinen Job macht und das obwohl er gegen Atomkraft ist.

6. Es kann aber auch sein dass man durch Gewalt sein Ziel schneller erreicht weil man Leute zwingt sich damit zu beschäftigen und sie ehr dazu gewillt sind nachzugeben um die Ordnung wieder herzustellen. Es kann aber auch das gegenteil eintreten und eine jetzt erst Recht haltung entstehen aus dem Grundsatz heraus das mit Straftätern nicht verhandelt wird.

Nach der Abwägung dieser Punkte würde ich persöhnlich sagen das man lieber die Finger von Gewalt lassen sollte wenn man sich nicht sehr lange über die möglichen Konsequenzen Gedanken gemacht hat. Auch kann ich nicht erkennen was sich seit dem Summer of resistance 2001 geändert haben soll ausser das ein Mensch gestorben ist und die G8 weitermacht wie eh und jeh also ein unnützer Tod. Und ein weiteres negativ Beispiel ist wohl die RAF die nichts erreicht hat mit ihrern Aktionen obwohl sie sehr Gewalttätig waren. Auch die 68er haben nicht sofort etwas erreicht ausser dem Radikalenerlass erst nachdem der Protest abgeflaut ist konnten Veränderungen eintreten und die 68er ihren Marsch durch die Institutionen antreten.
 
 
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Registrierter PPler
Anonymisierungsmodus aktiv!
Alt 31.05.2006, 23:54   #7
Standard

Es kommt auch drauf an, welche Intention die APO hat. Allgemein subversive Ziele, also Umsturz/Revolustion, erfolgreich durchzusetzen kann ich mir angesichts der hiesigen politischen Systems beispielsweise absolut nicht vorstellen.

Gewaltlose Massenmobilisierung ist toll, hat aber auch selten etwas gebracht. Der erfolgreiche Sturz des DDR-Regimes wurde dadurch nur beschleunigt, weil das System schon labil genug war, sodass schnell Eingeständnisse gemacht werden - zumal die die Alternative (Niederschlagung) angesichts des abtauenden politischen Klimas und der totalen Abhängigkeit nicht mehr tragbar gewesen wäre.

Im kleinen, sei es die Atomkraft, Bundeswehr-Auslandseinsätze oder militär. Interventionen allgemein, die Rechtschreibreform, Hartz 4, konnte durch Demonstrationen oder gar Plebiszite nie etwas erreicht werden.

Der Atomausstieg ist zwar beschlossen, aber viel zu spät und wird von bestimmten Politikern in Frage gestellt, zumal er ohnehin revidierbar ist, Die Bundeswehr mischt(e) "fröhlich" in Serbien mit, wird im Kongo "gebraucht", und ist auch hier und da noch zu finden, das deutsche Irak-Nein hatte nur beschränkte Gültigkeit, trotz Wende und damals noch großen Friedensdemos, Ostermärschen noch immer kein nennenswerter Schritt zu weniger Militär. Trotz wirklicher großer Proteste gegen Hatz IV - nichts, die jetzt diskutierte Hartz IV Revision geht geht ja eher in die Richtung von noch mehr Kälte. In Schleswig-Holstein gab es mal einen tollen Entscheid zur Rechtschreibreform - von der Landesregierung aber einfach weggeworfen.

Ernüchternd, aber bei solchen Fragen wäre Gewalt in meinen Augen "unverhältnismäßig".



Zitat von autonomia
Ich denke das die einbeziehung von Gewalt in politische Aktionen immer mehrere Reaktionen hervorrufen kann.

1. Es kann dazu kommen, dass man mit der konkreten Aktion in der Presse und somit auch in der Gesellscdhaft ein größeres Echo hervorruft.
Das ist positiv, wenn somit eine Diskussion angeregt wird, die größtmögliche Teile der Öffentlichkeit mit einbezieht, und wenn diese Diskussion sachbezogen ist, und sich nicht auf die Diffamierung der Gewalt bezieht, sondern auch diesselbe hinterfragt, also wie unter 2. geschildert.

3. Die Gegenreaktion des Staates kann wesentlich heftiger ausfallen und somit sogar zu einer zerschlagung der Bewegung führen. Auch macht es Gewalt dem Staat immer leichter eine ganze Bewegung zu kriminalisieren.
Das ist hypothetisch, zur Verantwortung gezogen können ja nur Anstifter, Beihelfer und die tatsächlichen Täter - um eine ganze Bewegung zu kriminalisieren, müssten dann schon ganze Ansichten verboten werden, und das geht aufgrund der Grundrechte nicht. Ja, schön wäre es, geht ja leider doch (natürlich nur ausnahmsweise und ganz ohne Willkür...), wenn es um den Schutz der freiheitlich demokratischen Grundordnung geht. Womit der Staat denn ganz wunderbar seine autoritäre Fratze zeigt.
Die Reaktion auf die Reaktion aber kann ebenso heftig sein - Solidarität, Zorn weil man ignoriert wird, Steigerung der Gewaltbereitschaft.

5. Wenn man Gewalt gegen Personen zulässt ist immer die Frage ob man damit nicht einen potentiell Unschuldigen verletzt was heißen soll das nicht jeder Polizist bei einem Castortransport Atomkraft unterstützt sondern evt. nur seinen Job macht und das obwohl er gegen Atomkraft ist.
Gewalt gegen Personen ist unzulässig, weil fast immer Unschuldige getroffen werden. Sicherlich kommt es auf das Verhalten an. Die Polizei ist dermaßen gewaltbereit, und gerade auf Protestveranstaltung ist die Polizei nicht Freund und Helfer sondern die geballte Faust des Staates. Es gibt so viele Szenarien mit der Struktur: viele Demonstranten, ohne Waffen, ohne Agression, mit eingehakten Armen, die einfach nur marschieren, und dann gegen eine Wand von Polizistigen mit Schildern und Knüppeln... Generell kommen Agressionen leider immer von beiden Seiten.


Bei der Bewertung von Gewalt seitens der APO muss man sich ja auch immer vor Augen halten, dass das Gewaltmonopol beim Staat liegt. Das ist zwar sinnvoll, allerdings nicht immer - zuam es von vornherein ungerecht ist. Das soll nicht heißem, dass jedem ein Recht an Gewalt zugestanden werden sollte, es geht ja darum wofür - der Staat selber setzt Gewalt ja auch nicht "einfach so" ein.



6. Es kann aber auch sein dass man durch Gewalt sein Ziel schneller erreicht weil man Leute zwingt sich damit zu beschäftigen und sie ehr dazu gewillt sind nachzugeben um die Ordnung wieder herzustellen. Es kann aber auch das gegenteil eintreten und eine jetzt erst Recht haltung entstehen aus dem Grundsatz heraus das mit Straftätern nicht verhandelt wird.
Zu dieser "Jetzt erst recht"-Haltung: So etwas finde ich immer armselig. Es sollte niemals darum gehen, wer Forderungen stellt, oder verhandeln will, sondern immer nur darum, was verhandelt wird. Und das gilt auch - insbesondere bei Geiselnahmen. Jaja... der Staat sollte sich nicht erpressbar zeigen - aber bitte, zu welchem Preis denn?

Und ein weiteres negativ Beispiel ist wohl die RAF die nichts erreicht hat mit ihrern Aktionen obwohl sie sehr Gewalttätig waren. Auch die 68er haben nicht sofort etwas erreicht ausser dem Radikalenerlass erst nachdem der Protest abgeflaut ist konnten Veränderungen eintreten und die 68er ihren Marsch durch die Institutionen antreten.
Die RAF ging ja leider auch sehr schnell zu Gewalt gegen Personen über, steht für mich hier nicht zur Debatte. Einige 68er konnten sich zumindest in politischer Betätigung mehr oder weniger erfolgreich versuchen, haben die gesellschaftliche Autoritätsstruktur ein wenig aufgeweicht, und insbesondere bei der Universitätspolitik einiges erreicht.

Geändert von michaelg (01.06.2006 um 00:01 Uhr).
 
 
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