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Ist Wissen möglich?

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Janshi
Alt 19.09.2004, 18:59   #1
Standard Ist Wissen möglich?

*Ich weiß dass ich nichts weiß*


Den oben zitierten Ausspruch *Ich weiß, dass ich nichts weiß?* könnte man auch erweitern um den Zusatz, *dass ich nichts rechtes weiß* also, im gesamten *ich weiss, dass ich nichts rechtes weiß*. Diese Aussage zieht eine Grenze zwischen dem Fallibilismus (der die Fehlbarkeit des Wissens anerkennt) und dem Szientismus (hier hat die Wissenschaft alle Autorität inne und ist somit unantastbar). Während Sokrates bescheiden war indem er sich seines Unwissens (dem Unwissen aller) bewusst war und jede Anmaßung vermied, wollte Platon einen Staat errichten in dem die weisen Philosophen regierten (Anerkennung des Wissens und dieses Wissen bzw. der Träger dieses Wissens verfügt über alle Autorität und bildet die geistige Elite eines Staates). Könige = Philosophen und umgekehrt. Sokrates stand der Wissenschaft und insbesondere den Naturphilosophen kritisch gegenüber. Die Naturwissenschaften haben aber seit dieser Zeit einen großen Sprung gemacht und scheinen zumindest einige Theorien und Hypothesen aufgestellt zu haben die unwiderlegbar sind (gerade solange bis diese durch neue erweitert oder widerlegt werden.

Das Feld unserer Unwissenheit ist um ein vielfaches größer als das Feld unseres Wissens, zudem müssen wir uns noch die Frage stellen (und gefallen lassen) wie haltbar unser Wissen ist und ob wir nach ihm nicht die Natur ausrichten (wie Kant sagte) statt umgekehrt wie es richtiger wäre. Man kann auch fragen, haben wir unser Wissen erfunden (also die Natur nach ihm ausgerichtet) oder es entdeckt. Beim Entdecken des Wissens scheint das Wissen begründeter (es war schon da und erfährt somit gleich eine doppelte Zustimmung). Man kann die Fragestellung auch auf die Mathematik ausweiten. Gab es die mathematischen Formeln schon in der Natur unabhängig davon, dass wir sie erkannt haben oder mussten wir sie erst erfinden damit sie zur Wirklichkeit wurden?

In dem einem wie dem anderen Fall aber ist das Wissen begrenzt, es sitzt auch nicht a priori in unserem Verstand sondern muss sich erst durch Erfindungen oder Entdeckungen einnisten. Was wir uns überhaupt aneignen, betrachte ich mehr als ein Sammelsurium von subjektiven Meinungen (die sich mehr oder weniger in den Meinungen anderer bestätigt finden und sich mit diesen decken. Gleichzeitig decken sie sich aber nie mit allen Wahrheiten und Meinungen. Genaugenommen gibt es zu jeder Meinung eine entgegengesetzte. Zwei können aber nicht zugleich wahr sein die sich im grundlegenden anfeinden. Wer also überhaupt die Wahrheiten in Händen hält muss über alle andere Wahrheiten erhaben sein) denn als objektive Wahrheiten die sich unverrückbar, unwiderlegbar und unantastbar in die Welt einschlagen. Selbst wenn sich objektive Wahrheiten in die Welt eingeschlagen haben, folgen denen neue nach, werden neue Fragen aufgeworfen die nach neuen Lösungen verlangen. Hinter einer Lösung, einer Wahrheit, einem Wissen folgt eo ipso ein langer Rattenschwanz mit neuen Aufgaben an denen wir uns festbeißen können und ein Leben damit aufhalten und haben dann doch nur einen Bruchteil, einen Auszug der Welt erahnt.

Einstein:
*Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt*
 
 
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Shannara
Alt 19.09.2004, 22:22   #2
Standard

ok, kann dir nicht ganz folgen, was eigendlich selten vorkommt.. kannst du dein Anliegen vieleicht noch mal ganz kurz und für normaldämliche fromulieren oder willst du hier nur etwas mit deinem Wissen angeben?
 
 
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Janshi
Alt 19.09.2004, 22:29   #3
Standard

Die Frage ist: Ist *Wissen* möglich? Viele Menschen schwören ja heut zu tage auf die Genialität der Naturwissenschaft. Ist der Satz von Sokrates kritsch zu gebrauchen oder führt er letztendlich nur dazu, dass man *alles* negieren kann ohne sich darüber genauere Gedanken zu machen.

Betrachte z.b. die Mathematik:
Gab es die mathematischen Formeln schon in der Natur unabhängig davon, dass wir sie erkannt haben oder mussten wir sie erst erfinden damit sie zur Wirklichkeit wurden?

Im Grunde genommen kann man das Wissen unter 2 Gesichtspunkten betrachten:

Zunächst, können wir überhaupt sicher sein zu *wissen*? Das Problem liegt hier wohl am kausalen Denken des Menschen (Actio -> Reactio). Kausalität ist angeboren, wir betrachten die Welt durch eine Brille, die alle Eindrücke, Erfahrungen usw. filtert und unserem kausalem Denken verständlich macht.
Z.b. du wirfst einen Ball der daraufhin fliegt. Kausalität führt dazu dass man denkt der Ball würde fliegen weil man ihn geworfen hat -> Actio - Reactio, Ursache und Wirkung -> Wissen. Dies Beziehung ist jedoch nicht zu begründen, das einzige das man *wahrnimmt* ist dass man einen Ball wirft und er dann fliegt. Das kausale Denken des Menschen sieht darin einen Zusammenhang, der nicht zwangsläufig stimmen muss. Man kann nicht eine Sache beweißen indem man die zu beweisende Sache als Beweiß heranzieht.

Der zweite Gesichtspunkt wäre dieser: Selbst wenn es tatsächtlich *Wissen* gäbe, wie sollen wir jemals alles wissen können, wenn eine Lösung gleichzeitg einen dutzend weiterer Fragen aufwirft?
 
 
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IVI
Alt 19.09.2004, 23:26   #4
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Sicher ist "Wissen" möglich. Es gibt nämlich eine Sache, die du wirklich weißt: das du existierst. Das ist nunmal Fakt. Ob du nun ein Mensch bist oder was anderes, ein Computerprogramm oder ein Alien...ob wir in einer Matrix leben oder einer anderen Illusion - das lässt sich niemals beweisen. Fakt ist: "Ich denke, also bin ich"
 
 
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Janshi
Alt 19.09.2004, 23:28   #5
Standard

Ist es befriedigend nur das zu wissen?
 
 
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IVI
Alt 19.09.2004, 23:33   #6
Standard

Soll ich ehrlich sein? Ich weiß noch wesentlich mehr, aber ich habe einfach keinen Bock, es hier hinzuschreiben und mich um so eine Theorie stundenlang zu kloppen. Es hätte eh keinen Sinn. Gegen die Theorie des "Ich denke also bin ich" wird niemand was sagen können

Mit anderen Worten: ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich weiß auch wenn es noch mehr sein könnte
 
 
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Janshi
Alt 19.09.2004, 23:39   #7
Standard

Original geschrieben von IVI Gegen die Theorie des "Ich denke also bin ich" wird niemand was sagen können
[/b]
Ich halte das nicht unbedingt für eine Theorie. Es beweißt die Existenz von einem selbst.

Original geschrieben von IVI

Ich weiß noch wesentlich mehr, aber ich habe einfach keinen Bock,
[/b]
Du denkst, dass du doch mehr weißt.
 
 
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IVI
Alt 19.09.2004, 23:44   #8
Standard

Nein, falsch, ich WEISS noch mehr..nur um genau diesem "du denkst, du wüsstest...blabla" zu entgehen, lasse ich es.

Ich weiß, wie du siehst, z.B. dass du mir genau mit solchen Sätzen dann ankommst, wie viele andere auch. Ihr stürzt euch dann wie Geier darauf, dass ich es nicht beweisen kann - immer auf der Suche nach einem Gegenargument...was in diesem Thread ja supereinfach ist
 
 
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Janshi
Alt 19.09.2004, 23:49   #9
Standard

Wenn du es lassen willst, warum antwortest du denn?
Begründe doch warum du mit Sicherheit etwas weißt.



Um ehrlich zu sein, ich stütze mich mehr auf Kant´s/Hume´s Philosophie als auf solche *Sätze*.
 
 
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IVI
Alt 19.09.2004, 23:52   #10
Standard

Ich antworte aus Höflichkeit und nu Ende mit dem Thread für mich
 
 
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Janshi
Alt 19.09.2004, 23:53   #11
Standard

Okay, schade aber ich hätte gern mit dir diskutiert
 
 
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Bi-Zar
Alt 20.09.2004, 13:19   #12
Standard

Wissen ist nicht möglich. Mehr als das berühmte Descartsche "cogito ergo sum" steht uns nicht zur Verfügung. Die welt wie wir sie betrachte wird getrübt durch unsere Sinneseindrücke die uns trüben können und Geräte die Messfehler haben. Es gibt auch keine Möglichkeit herauszufinden ob wir nicht tatsächlich in einer Welt wie der Matrix leben. (es ist allerdings wahrscheinlich)

Darüber hinaus kann die Richtigkeit einer wissenschaftlichen Aussage nie bewiesen werden. Wenn wir beobachten wie ein Stein zu Boden fällt, so können wir dies mehrfach tun und Regelmäßigkeiten herausfinden. Was wir aber nicht können ist beweisen, dass der Stein immer zu Boden fällt. Vielleicht fliegt er eines Tages auf und davon.

Damit eine Theorie als wissenschatlich erkannt wird(nach Popper) muss sie Aussagen über die Wirklichkeit treffen, relativ simpel und falsifizierbar sein. Dass sie Aussagen über die Wirklichkeit treffen muss ist logisch. Simpel bedeutet in diesem Fall, dass von 2 gleichwertigen Theorien die angenommen wird, die mit weniger Elementen auskommt. Wenn man eine Kraft beschreiben will, mag es 2 Theorie geben. Die eine beschreibt eine Kraft, die andere eine Kraft und 2 wechselwirkenden Felder. Wenn sie beiden korrekte Ergebnisse liefern wird man sich die simplere nehmen. Und die Falsifizierbarkeit besagt, dass ein Experiment vorstellbar ist, dass die Theorie widerlegt. Solange man aber die Theorie nicht falsifiziert hat, also kein Gegenereignis betrachtet kann man nicht sagen ob sie nun stimmt oder nicht. Man kann höchstens zeigen, dass eien Theorie falsch ist, aber nie dass sie stimmt.
 
 
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raffis
Alt 20.09.2004, 17:38   #13
Standard

Ich neige zu einer Unterscheidung zwischen Wissen und Erfahrung, und versuche kurz, diese Unterschiedung zu erläutern.

Nehmen wir ein Kleinkind, das ein scharfes Messer vor sich sieht. Mal angenommen, es kennt dieses Objekt "Messer" bis dahin nicht, also fasst es die Klinge an und schneidet sich.
-> Schmerz

Nun hat das Kind das Wissen, dass dieses Objekt "Messer" schmerzt, und dieser Eindruck des Schmerzes, diese Erfahrung als ganzes, speichert sich in seinem Verstand (bzw. Gedächtnis).
Wenn das Kleinkind wieder ein Messer sieht, ruft sein Intellekt die Erinnerung des ersten Erlebnisses auf, besinnt sich daran, dass dieses Objekt schmerzt, und es lässt die Finger davon.
Im Laufe der Jahrzehnte wird das Kind unmengen von Eindrücken und Erfahrungen in seinem Verstand abspeichern, und dabei wird sich die Aufmerksamkeit mehr und mehr auf den Verstand richten, denn er ist es, der auf die angesammelten Eindrücke des Gedächtnis zurück greift.

Mal ganz ehrlich. Der Arbeitsalltag ist Routine. Das Leben an sich ist grösstenteils Routine. Zähne Putzen als Beispiel genommen. Wie oft ist man während dem Zähne putzen in Gedanken vollkommen woanders?
Woher kommt es, dass man die Aufmerksamkeit zum Zähne putzen nicht mehr voll braucht?
Weil die Eindrücke von unzähligen, früheren Erfahrungen (mit dem Zähne Putzen) im Verstand gespeichert sind, und damit die Bewusstheit dieser Aktion, die man z.B. beim aller ersten Mal Zähne Putzen braucht, nicht mehr benötigt wird, denn der ganze Ablauf dieser Aktion ist im Verstand gespeichert.

Das intellektuelle bzw. empirische Wissen ist meines Erachtens nach das Wissen, wo man sagen kann "Ich weiss es nicht wirklich" bzw. es ist eine Relativität da, wie ja schon Einstein sagte. Es ist in dem Sinne real, noch unreal.
Eben "Ich weiss nicht wirklich ob ich weiss."
Das intellektuelle bzw. empirische Wissen ist eine gigantische Ansammlung von Eindrücken aus Erfahrungen, welches durch theoretische Dinge (bspw. Schule), als auch praktischen Erfahrungen (bspw. Zähne Putzen) fortlaufend erweitert wird.

Aus jeder Erfahrung und dem hinterlassenen Eindruck dieser Erfahrung, erweitert sich das intellektuelle Wissen.

Damit will ich nicht sagen, dass solches Wissen negativ wäre (sonst würde man zwar äusserlich altern, innerlich bliebe man aber immer das Kind, das sich jedesmal erneut mit dem Messer schneidet), sondern will damit viel mehr andeuten, dass viele Menschen dieses angesammelte Wissen stark überschätzen, und damit eben viel mehr mit dem Intellekt leben, als mit dem Moment (klar, der Verstand arbeitet immer, aber ich glaube ihr wisst worauf ich hinaus will).
Eben genau dadurch ergibt sich dieses "Schlafwandeln durch die Routine namens Leben". Die Bewusstheit der Aktionen geht verloren, da das Bewusstsein auf den Intellekt gerichtet ist, der solche Aktionen durch Eindrücke aus früheren Erfahrungen angesammelt hat.

Das ist meiner Meinung nach intellektuelles Wissen, also nicht nur das Lesen von Büchern und das Wissen daraus, sondern auch das Wissen durch frühere Erfahrungen, und leider, die immer stärker werdende Konzentration auf dieses Wissen (bzw. auf den Verstand), wodurch die Aufmerksamkeit auf den Moment flöten geht.

Es ist doch in gewisser Weise wie eine Sucht. Man will immer mehr wissen, wird immer kopflastiger, und umso mehr man wissen will, umso mehr neue Gebiete eröffnen sich vor dem Denkenden. Es ist ein Dschungel, der immer tiefer und komplexer wird.
Und man kommt nie an einem sogenannten Ende dieses Dschungels an, denn er hat in dem Sinn kein Ende.

Wenn man eine Erfahrung macht (das schmerzende Beispiel des Messers), ist jene Erfahrung im Moment des Geschehens real, sie ist echt.
Für andere mag eine Erfahrung unecht sein, doch Erfahrungen sind subjektiv und für den Erfahrenden im Moment der Erfahrung echt.
Die Echtheit einer Erfahrung kann jeder für sich selbst bestätigen, denn er erfährt die Erfahrung an sich (wie oder was diese Erfahrung sein mag, sei mal dahin gestellt).

Das Wissen, das man aus dieser Erfahrung bezieht, und das sich im Gedächtnis abspeichert, ist dann aber wieder das intellektuelle Wissen, und damit das Wissen, dass weder echt noch unecht ist.
Denn letzten Endes basiert dieses Wissen auf einer individuellen Erfahrung.

Und letzten Endes basiert jegliches Wissen, ob bewiesen oder nicht, auf subjektiven Erfahrungen. Die Erfahrung ist echt, das Wissen daraus weder noch.

Klar, wenn vielleicht 1 Million Leute die selbe Erfahrung mit einem Objekt machen (als Beispiel wieder das Messer genommen), tendiert man schnell mal dazu, das "Wissen, dass das Messer schmerzt", als Realität, als Wahrheit anzusehen.
Meiner Meinung nach sind jedoch nur die unmengen von Erfahrungen, die man jeden Tag erlebt, im Moment der Erfahrung echt (der Erfahrende bestätigt sich diese Echtheit durch die eigene Erfahrung selbst), das Wissen, das auf diesen unzäligen Erfahrungen aufbaut, ist relativ.

Natürlich bin ich trotzdem für einen gesunden Menschenverstand, bitte versteht mich nicht falsch.
Ich denke es geht hier mehr um die Gewichtung von Intellekt und Moment.
Wer bei jeder Erfahrung so viel Aufmerksamkeit wie nur möglich derselbigen schenkt (ob er diese Erfahrung schonmal in ähnlicher Weise durchgemacht hat, bspw Zähne putzen, oder ob es das erste Mal ist), weiss durch das aufmerksame Erfahren jener Erfahrung mehr, als derjenige, der das Wissen aus solchen Erfahrungen, von anderen Personen erfahren und dann in Theorien oder was auch immer standardisiert, übernimmt.

Oh man, tönt verwirrend, aber ich hoffe ihr konntet mir etwa folgen, worauf ich hinaus will.

Gruss Raffis
 
 
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raffis
Alt 20.09.2004, 18:43   #14
Standard

Ich muss noch hinzufügen, dass wenn ich z.B. sage "man sollte die Aufmerksamkeit nicht auf den Verstand richten", mir schon klar ist, dass Aufmerksamkeit ohne den Verstand gar nicht möglich ist, sondern ich damit meine, dass die Aufmerksamkeit nicht auf die vielen, nicht verarbeiten Eindrücke und Erinnerungen, Hoffnungen und Ängste, des Verstandes gerichtet sein sollte, sondern auf den aktuellen Moment der Erfahrung. In voller Bewusstheit also. Klar, man sollte sich mit seinen mentalen Unreinheiten auseinandersetzen, dies aber so tun, dass man sich dieser Auseinandersetzung vollends hingibt, also seine Zeit dafür nimmt.

Gruss Raffis
 
 
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raffis
Alt 20.09.2004, 18:47   #15
Standard

Durch die Auseinandersetzung mit seinen mentalen Unreinheiten wird es dann geradezu umso einfacher, sich vollkommen auf den Moment der Erfahrung zu konzentrieren, und ihm volle Aufmerksamkeit zu schenken.
Die Achtsamkeit des Augenblicks ist meiner Meinung nach wahre Quelle der Intuition, jedem intellektuellen Wissen weit überlegen.
Aber ich will hier keine Debatte starten, sondern das leidiglich noch hinzufügen.

Gruss Raffis
 
 
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Janshi
Alt 21.09.2004, 14:16   #16
Standard

Original geschrieben von raffis

Es ist doch in gewisser Weise wie eine Sucht. Man will immer mehr wissen, wird immer kopflastiger, und umso mehr man wissen will, umso mehr neue Gebiete eröffnen sich vor dem Denkenden.
Ich denke du überschätzt damit vor allem die heutige Jugend. Betrachte dir viele Haupt-, Realschüler: Kann da wirklich die Rede sein von einer *Wissenssucht*? Mir scheint es mehr dass sie viel lieber in ihrem Status Quo bleiben.



Wenn man eine Erfahrung macht (das schmerzende Beispiel des Messers), ist jene Erfahrung im Moment des Geschehens real, sie ist echt.
Für andere mag eine Erfahrung unecht sein, doch Erfahrungen sind subjektiv und für den Erfahrenden im Moment der Erfahrung echt.
Die Echtheit einer Erfahrung kann jeder für sich selbst bestätigen, denn er erfährt die Erfahrung an sich (wie oder was diese Erfahrung sein mag, sei mal dahin gestellt).


Und letzten Endes basiert jegliches Wissen, ob bewiesen oder nicht, auf subjektiven Erfahrungen. Die Erfahrung ist echt, das Wissen daraus weder noch.
Du kannst nicht beweißen ob dieses *Wissen* der Realität entspricht, es kann aber es kann auch nicht. Die Erfahrung ist für einen Menschen *echt*, man kann aber nicht die in die Erfahrungen anderer Menschen blicken. Wissen, damit es Realität wäre, müsste unabhängig von allen menschlichen Erfahrungen, gelten. Da man aber nicht aus seinem eigenen Verstand hinaussehen kann und immer im kausalen Denken und Erfahrungen des Menschens gebunden ist, ist es unmöglich zu erfahren ob *Wissen* möglich ist. Ich würde aber nicht sagen dass Wissen nicht existiert.
 
 
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