Nur mal rein hypothetisch angenommen, ich und ein paar andere Leute verändern mit Hilfe des Internets die ganze Welt.
Wer hat dann den größeren Verdienst an den Veränderungen?
Ich?
Oder der Typ, der das Internet erfunden hat, ohne das ich vielleicht überhaupt nichts erreicht hätte... schuf er doch erst die Möglichkeit, mit Gleichgesinnten in Kontakt treten zu können.
Da fällt mir ein:
Was ist mit dem Vater von dem Erfinder des Internets?
Hätte der seinen Samen für sich behalten... wer weiß...
Oder was ist mit dem Sanitäter, der dem Vater, als der noch ein Kind war, einmal das Leben gerettet hat?
Ohne den Sanitäter keinen Vater, ohne den Vater keinen Sohn, ohne den Sohn kein Internet und ohne das Internet keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme mit Gleichdenkenden.
Ich hätte nie meine Freunde kennengelernt, hätte den Guardian vielleicht nur in meinem Kopf entwickeln können... doch letztlich wäre ich als Ein-Mann-Guardian nur eine ziemlich tragische Witzfigur gewesen.
Und die Moral?
Kann jeder Lemming die Welt verändern??
Muss man gar nicht wissen, was man tut... reicht eine unbeabsichtige Ejakulation aus, um den Stein des Anstoßes zu liefern???
Und wenn ja, wird einem sowas dann auch als gutes Karma angerechnet???
Ich will damit nicht sagen, ich würde an der Wichtigkeit des überlegten und vorausschauenden Handelns zweifeln. Wenn man alles mit etwas Abstand betrachtet, offenbaren sich einem ganz andere Möglichkeiten... und man ist sich dessen, was man tut, und der Konsequenzen, die es haben wird, auch viel mehr bewußt, als wenn man einfach nur blind im trüben Gewässer stochert.
Dennoch, ein jeder verändert die Welt irgendwie.
Mal mehr, mal weniger...
mal beabsichtigt, mal völlig unbewußt.
Naja, nur leider ist das ein rein theoretisches Gedankenspiel gewesen.
Die Informationstechnologie ist da...
die richtigen Ideen sind da...
man sollte meinen, jetzt wird die Welt tatsächlich besser! Doch es fehlt an der Bereitschaft der Menschen, das Weltbild, das ihnen anerzogen wurde, aufzugeben und sich ein neues zurechtzubasteln. Sie sehen keinen Grund dafür, da es ihnen ja auch so einigermaßen gut geht.
Wenn ich davon erzähle, was ich mir unter Freundschaft vorstelle... nämlich, dass man sich dem anderen Menschen gegenüber verpflichtet fühlt und ihm dessen Leben und dessen Glück genauso wichtig ist wie das eigene...
dann meinen die meisten schon, dass ihnen das zu weit gehen würde.
Zu weit??
Das verstehe ich einfach nicht ganz...
einerseits wollen die Menschen genau diese Sicherheit, die ihnen nur die absolute Freundschaft bieten kann. Andererseits fühlen sie sich davon eingeschränkt, weil sie ja auch selber in der Pflicht stehen würden.
Also lassen sie es lieber und denken sich:
"Es geht ja auch so!"
Ich glaube, für manche Menschen muss man echt eine Kugel abfangen und sein Leben opfern, damit die verstehen, dass sie einem ziemlich viel bedeutet haben.
Nur hab ich leider auf diesem Planeten nur ein Leben zu vergeben...
wohingegen Millionen darauf zu warten scheinen, dass einer kommt und für sie stirbt.
Aber anders scheint man nicht viel zu erreichen.
Gut, mit Texten und Geschichten kann man Menschen erreichen... aber nur solche, die bereits dafür bereit sind. Die den Samen längst in sich tragen.
Aber wer hat gesät??
Das waren vermutlich einfach nur Erfahrungen, die diese Menschen in ihrem Leben gemacht haben... kombiniert mit der nötigen Zeit, darüber auch nachzudenken und sich selbst zu reflektieren.
Somit hat also dann derjenige diese Menschen erleuchtet, der ihnen die Zeit zum Nachdenken gegeben hat?
Oder der, der ihnen die schlechten Erfahrungen gegeben hat?
Oder der, der ihnen den letzten, finalen Arschtritt gegeben hat, der ihnen konkret gezeigt hat, wie sie ihr Leben in Zukunft führen könnten?
Derjenige, der für sie die Kugel abgefangen hat?
Oder hat sich jeder Mensch selbst erleuchtet?
MonoMan