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Welt ohne Religion.

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Panazee
Alt 29.05.2008, 16:39   #1
Standard Welt ohne Religion.

Kürzlich tat sich in kleiner Runde ein Thema auf, das ich auch hier einfach mal so in die Runde werfen will. Interessant wurde es für mich, weil die Meinungen dazu sehr geteilt waren, also:

Was wäre die Welt heute, wenn sich niemals eine Religion entwickelt hätte? Natürlich ist der Fall äußerst unwahrscheinlich, weil es vielleicht im Naturell des Menschen liegt sich etwas zu suchen dem er folgen kann, aber das sei mal vernachlässigbar. Ohne Religion sähe die Geschichte der Menschheit mit Sicherheit sehr viel anders aus, daran gibt es keinen Zweifel. Aber wäre die Welt heute besser, weil vielleicht zum Beispiel etliche Kriege nicht geführt worden wären (wobei der Mensch sicherlich immer einen Grund zum kämpfen gefunden hätte) oder aus sonstigen Gründen, wäre sie schlechter, weil sich eventuell Moralvorstellungen anders entwickelt hätten oder denkt ihr wir wären - wenn auch auf anderen Wegen - genau hier angekommen wo wir jetzt stehen?
 
 
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bub
Alt 29.05.2008, 17:33   #2
Standard

Wenn ein Teil der Kriege, die wir aufgrund der Religion geführt haben, nicht gewesen wäre, dann hätten wir diese "Lücke" mit Kriege aus anderen Gründen gefüllt.

Meine persönliche Meinung ist die, dass die Welt tatsächlich schlechter wäre. Ich sage das deshalb, weil es der Wahrheit entspricht, wenn man - auf halbwegs bescheidene Weise - sagt, dass einem die Religion (welche auch immer) Werte und Normen vermittelt. Wie früher, so auch heute.
ABER,
heutzutage haben wir dieses Problem der "Verlorenheit" eben nur deshalb so geringfügig, weil diese Werte/Normen/Richtlinien/Prinzipien/whatever eben durch die Religion in den letzten Jahrhunderten schon in uns "verewigt" sind. Egal aus welchem Teil der Erde man kommt.
Das heißt aber nicht zwangsläufig, dass man (heutzutage) religiös sein muss. Man hat in der heutigen Zeit auch als Nichtgläubiger dieses geistige Gut, eben durch die vorangegangene "Erziehung" dorthin.
Hätte es von Anfang an aber keine Religionen gegeben, dann glaube ich hätten wir diese Richtlinien nicht, oder zumindest nicht in dem (positiven) Ausmaß wie heute.
Ich denke also, die Welt wäre "schlechter", ja

PS: ich bin einer dieser Nichtgläubigen ^^
 
 
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baedr
Alt 29.05.2008, 18:34   #3
Standard

Alle Fragen über das Thema "wie wäre die weltgeschichte verlaufen, wenn folgendes passiert, oder nicht passiert wäre" sind eigentlich nicht zu beantworten, man kann nur wild spekulieren. Tatsache ist aber, dass viele amoralische Handlungen sogar wegen der Religion gemacht wurden, Kreuzzüge, Terrorismus, etc... Und dass der Mensch gut wird, sobald man ihm mit der Hölle droht, ist meiner Meinung nach auch Unsinn. Jeder, der in einer einigermaßen funktionierenden Gesellschaft lebt, bekommt moralische Werte vermittelt, die das geordnete Zusammenleben ermöglichen.

Vielleicht würden die Leute mehr auf die Philosophen hören, weil sich die Frage "warum das alles?" natürlich trotzdem stellt. Die Religionen haben darauf mehr oder weniger ähnliche Rezeptantworten, wohingegen die Philosophen mit viel strukturierteren Überlegungen den Menschen zu einem tiefgreifenderen Denken bringen würden.

"Schlechter" würde die Welt deshalb denke ich nicht unbedingt.
 
 
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Ænema
Alt 29.05.2008, 18:38   #4
Standard

Von welchen Moralvorstellungen aus deiner Sicht sprechen wir hier? Konkretisiere das mal bitte. Tu mir den Gefallen. :>

Mal vorne weg, ich habe mit der uns bekannten Religion nichts am Hut. Bin weder gläubig noch sonst von dieser "Bewegung" irgendwie angetan. Ich schustere mir da lieber was Eigenes zusammen.

Die Welt in die Kategorien besser und schlechter zu verpacken halt ich auch nicht unbedingt für gelungen, aber egal. Es ist schwer das zu beantworten. Wir kennen ja heute nicht einmal den Ursprung des Ganzen und wieso solch ein Phänomen überhaupt be- oder gegründet wurde.

Wenn man das nun mal nicht tiefgründig hinterfragen würde, sondern eher flach und polemisch, könnte man vermutlich getrost behaupten, dass es der Welt besser gehen würde, wenn man sich die Auslegung in einigen Bereichen der Religion ansieht. Jedoch muss man sagen, dass durch die Religion Dinge entstanden sind, die uns immer schon begleitet haben und dazu beigetragen hat eine Gesellschaft entstehen zu lassen, die zwischenzeitlich eben von den "vorgefertigten" Werten geleitet wurde. Allerdings ist heute in einigen Teilen der Gesellschaft der Verfall eben dieser Werte gut zu erkennen.
 
 
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Sytrax
Alt 29.05.2008, 18:39   #5
Standard

... ^^ Es würde noch aus einem anderen Grund nicht funktionieren...
Religion = Moral, Ethik
Man brauchte Regeln... und da es kein Bundesgesetzbuch oder Menschenrechte oder sonst was gab MUSSTE sowas wie Religion entstehen...
 
 
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Panazee
Alt 29.05.2008, 18:45   #6
Standard

@Aenema:

Mit "Moralvorstellungen" meinte ich ganz einfach die Werte die die Religionen zu ihrem "Beginn" zu vermitteln versucht haben. Im christlichen Glauben wären das zum Beispiel die 10 Gebote und so weiter, das gesamte "Liebe deinen Nächsten". Wie Sytrax gesagt hat war Religion ja sowas wie eines der ersten Gesetze was zwischenmenschliches Verhalten angeht. Davon war die Rede.

Ich wollte die Welt nicht in schlechter und besser aufteilen, sondern lediglich das Thema hier möglichst unkompliziert halten und damit eine Antwort erwirken, die beinhalted ob es heute tendenziell besser oder schlechter aussähe. Denn ansonsten würde sich ganz einfach die Antwort "anders" anbieten.
 
 
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short_cut_baby
Alt 29.05.2008, 19:18   #7
Standard

Ich denke, es ist ganz und gar unmöglich, dass sich Religion nicht entwickelt. Der Mensch entwickelt unumgänglich den Gedanken: was wenn es dort noch was gäbe! irgendwoher muss das kommen!
Und fangen dann an, irgndwem zu opfern oder zu beten. Kulte zu errichten. Selbst wenn man glaubt, dass man selbst die kraft ist, die einen am leben hält, ist das eine art von religion. der mensch muss an etwas glauben und sich an etwas festhalten, sonst wäre er ja vollkommen erleuchtet und bräcuhte das nicht.
 
 
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Sidolin
Alt 29.05.2008, 19:39   #8
Standard

Einmal muss ich zustimmen, ganz ohne eine Art Glauben geht es nicht. Aber Atheismus ist auch eine so eine Art Glauben, es gibt keinen Gott der für alles verantwortlich gemacht wird sondern es wird eben mit Wissenschaft versucht die Welt zu erklären.
Aber ich denke so viel anders wäre es nicht gelaufen, wenn es keine Religionen geben würde. Grundsätzliche Werte würden sich genauso entwickeln, die sind nicht zwingend von Religionen abhängig. Und anstatt Religionen als Kriegsgründen würde dann halt etwas anderes stehen, Nationalismus oder was auch immer. Ich glaube sowohl das Positive als auch das Negative an Religionen liegt einfach in der Natur des Menschen und wenn es keine Religionen gäbe würden sich sehr ähnliche Dinge eben in anderen Gebieten zeigen.
 
 
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Panazee
Alt 29.05.2008, 21:48   #9
Standard

Naja, ich sagte ja im Eingangspost, dass es äußerst unwahrscheinlich ist, dass sich Religion nicht entwickelt und die Menschheit nicht irgendwann begonnen hätte irgendetwas zu folgen und sich all diese Fragen zu stellen. Aber das hier ist ja nur eine rein theoretische Überlegung.

Ansonsten spricht Sidolin btw für mich mit.
 
 
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Iggy
Alt 29.05.2008, 22:20   #10
Standard

Es hätten sich nur keine Religionen gebildet, wie schon gesagt, wenn die Menschen nicht nachgefragt hätten: "Is da noch was?" In dem Falle sie hätten sich das nicht gefragt, würde sie auch nichts anderes interessieren! Wir würden uns noch mit Keulen und Steinen unsere Nahrung Jagen gehen!

Aber ohne Religion konnte sich die Menschheit nich in größere Gruppen vereinigen, wie zb. Die Islamische Welt, bestehend aus sehr vielen Staaten die sich häufig nicht mögen, aber eine fast Gleiche Kultur bilden. Ohne Religion währen sie nur ein Paar Menschen, die es nie zu bekannten "Völkern" entwickelt hätten. Ebenso andere Religionen.
Oder die Christen. Viele der Europäischen Länder, wie Großbritannien, Frankreich, die hunderte Staaten die sich heute Deutschland nenne, Italien und viele andere mochten sich nicht. Sie führten Kriege und Töteten sich. Aber was sie gemeinsam hatten, war ihr Glaube. Was der Papst sagte war gesetz!
Moralische Werte im Christlichen Mittelalter: Viele Leute hätten doch sicher ohne das Gebot "du sollst nicht töten" leute umgebracht, um an deren Hab und gut zu kommen , oder aus Rache, etc...

Der Glaube´einigete Menschen und lehrte ihnen gut zu Leben. (wenn auch manchmal auf merkwürdiger Art und Weise)


Aber die Frage kann ich nicht mit Ja oder Nein beantworten, da jede Lebensform ab einer bestimmten Intelligenz sich Fragen stellt und Religionen bildet.


Doch beim Schreiben dieses Textes fällt mir auf, dass anerzogene Gundwerte zu Religion einen fließenden übergang bilden.
Zb. die Buddhisten: Ist der Buddhismus eine Religion, eine Moralvorstellung, oder beides?
Beides! Sie Leben friedlich, weil es Moralisch richtig ist und weil es ihre Religion ist!
 
 
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bub
Alt 29.05.2008, 23:42   #11
Standard

Buddhisten leben friedlich weil ihnen alles am Arsch vorbei geht *lol* überzogen formuliert ^^

@ Topic:
Gewisse Grundnormen, die den Menschen heute dazu verhelfen auf konstruktive Weise miteinander zu leben, die haben sich imho ganz klar aus den Religionen entwickelt.
Natürlich gäbe es auch Werte, wenn es nie irgendwelche Religionen gegeben hätte, aber ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaften in ihren zwischenmenschlichen Entwicklungen dann so weit wären wie sie es heute sind. Wir würden vermutlich nicht mehr in Höhlen wohnen, aber die durch die Religionen "eingeführten" und in die Erziehung übernommenen Werte, so wie sie heute sind, würde es (noch) nicht geben...
 
 
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baedr
Alt 30.05.2008, 00:37   #12
Standard

Gewisse Grundnormen, die den Menschen heute dazu verhelfen auf konstruktive Weise miteinander zu leben, die haben sich imho ganz klar aus den Religionen entwickelt.
Ich würde sagen es ist genau andersherum. Die Religionen haben sich aus der Notwendigkeit nach diesen "Grundnormen"(Wie auch immer, Verhaltensgrundsätzen etc.) gebildet. Oder zumindest die Teilaspekte der Religionen, welche eben das soziale Miteinander regeln.
 
 
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Morris
Alt 30.05.2008, 00:42   #13
Standard

Domine! Viele interessante Beiträge...

Zuerst natürlich noch der obligatorische Hinweis bzgl. der Entstehung von Religion: Wenn man behauptet, sie wäre aufgrund irgendwelcher Welterklärungsversuche entstanden, unterstellt man ihr schon fast einen mehr oder wenigen philosophischen Ansatz. Davon kann aber keine Rede sein. Wahrscheinlicher scheint mir eine Erklärung hinsichtlich von Dankopfern, wobei ich jetzt auch nicht weiß, wie weit das verbreitet ist, aber für die alten Religionen Europas, des Mittelmeerraums und Vorder- und Südasiens mag das stimmen. Ich kann jetzt nur ein wenig für den indischen Bereich sprechen, aber sowas wie erste mythische Erklärungen der Welt finden sich innerhalb der ältesten Textschicht nur sehr vereinzelt und dann auch wiederum schon sehr spät, am Ende dieser ältesten Phase. Solche erklärenden Ansätze, denke ich, entwickeln sich vielleicht eher proportional zum Zivilisationsgrad.

Auch war in dieser frühen Zeit wenig von Ethik zu spüren. In der Regel galt "Wir" gegen "die anderen", also Volk gegen Volk bzw. eher Stamm gegen Stamm, Clan gegen Clan. Moralische Grundsätze haben sich dann etwa mit dem jüdischen Monotheismus oder etwa in der griechischen Philosophie entwickelt. Und in anbetracht der Tatsache, dass der jüdische Monotheismus und seine Folgereligionen eine erheblich größere Breitenwirkung als Sokrates hatten, ist es sehr wohl angebracht, den Religionen, also ganz speziell für unseren Kulturraum: Judentum, Christentum, Islam, ihren vielleicht nicht zu unterschätzenden Beitrag in der Ethik zu würdigen. Die Welt wäre ohne Religion und nach unsrigen, heutigen Maßstäben tatsächlich schlechter.
Das ganze darf man jetzt natürlich auch nicht zu sehr auf den Mittelmeerraum begrenzen. In Indien hat es auch eine Entwicklung von Moral und Ethik gegeben und anderswo sicher auch.

Zitat von Iggy
Der Glaube´einigete Menschen und lehrte ihnen gut zu Leben.
Das gilt natürlich nur für den Monotheismus, da dieser universal war/ist (bzw. auch für andere Universalreligionen, wie der Buddhismus) und somit ganz entschieden half, Stammesdenken, und damit die Stammesreligionen, zu überwinden.
Zitat von bub
Buddhisten leben friedlich (...)
Der war gut ...

Würde man schreiben "Christen leben friedlich" schrien sofort alle auf, aber nicht bei den Buddhisten. Zu Unrecht wie ich meine .
 
 
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bub
Alt 30.05.2008, 01:11   #14
Standard

Zitat von baedr Beitrag anzeigen
Ich würde sagen es ist genau andersherum. Die Religionen haben sich aus der Notwendigkeit nach diesen "Grundnormen"(Wie auch immer, Verhaltensgrundsätzen etc.) gebildet. Oder zumindest die Teilaspekte der Religionen, welche eben das soziale Miteinander regeln.
Aber diese Verhaltensgrundsätze haben sich doch erst entwickelt, als es hieß "Gott sieht uns immer und überall, passt auf, sonst kommt ihr ins Fegefeuer, seid brav und lieb und nett", oder?
Wäre es anders rum, so wie du sagst, dann hätten sich Religionen nie so unserem Leben aufdrängen müssen. Wozu bräuchten wir dann Religionen? (Wenn man mal von dem ganzen "ich brauche Halt, oh helft mir, ohne Glauben stürz ich ab"-Mist absieht)

@ Morris:
Religionen SIND aber doch imho nur aus Welterklärungsversuchen entstanden. Hat man etwas nicht verstanden - und das war früher sehr viel -, musste es etwas Höheres geben, das das so wollte...
 
 
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baedr
Alt 30.05.2008, 02:08   #15
Standard

Die Regeln, die in den Schriften der Religionen verfasst sind, gewährleisten mehr oder weniger ein geregeltes Zusammenleben, wo jeder weiß, wie er sich korrekt zu verhalten hat. Es mag frauenfeindlich, teilweise unfair oder unsinnig sein, aber es ist zumindest geregelt. Diese Regeln wurden aufgestellt, weil von einigen Menschen eben ein regelungsbedarf erkannt wurde. Dann wurde eben noch hinzugefügt, dass Gott alles sieht, und man bei Zuwiderhandlung in der Hölle schmort. Diese Regelung hatte sicher rückwirkend einen Einfluss, der aber keine Moral gefördert hat, kein gesundes Sozialbewusstsein entwickeln lies. Die Menschen hatten eben Angst vor Gott, und indem man Menschen Angst macht, konnte man schon vieles durchsetzen. Moralisches und soziales Handeln bildet sich denke ich ganz von selbst in einer Gesellschaft, da die Gesellschaft sonst ja überhaupt nicht als solche existieren würde. Diese Werte werden von den Eltern und anderen Mitgliedern aus der Gesellschaft, die sich erfolgreich integriert haben, an die Nachkommen weitergegeben.
 
 
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Sidolin
Alt 30.05.2008, 02:09   #16
Standard

Zitat von bub Beitrag anzeigen
Aber diese Verhaltensgrundsätze haben sich doch erst entwickelt, als es hieß "Gott sieht uns immer und überall, passt auf, sonst kommt ihr ins Fegefeuer, seid brav und lieb und nett", oder?
Wäre es anders rum, so wie du sagst, dann hätten sich Religionen nie so unserem Leben aufdrängen müssen. Wozu bräuchten wir dann Religionen? (Wenn man mal von dem ganzen "ich brauche Halt, oh helft mir, ohne Glauben stürz ich ab"-Mist absieht)
Der Gott den du beschreibst ist der moderne Christliche, besonders davor gab es doch durchaus auch andere Gottesformen.

Nach dem was ich weiß und was ich gelernt habe basiert besonders das christliche Wertesystem sehr stark auf der Moral die es vorher auch schon gab. Die zehn Gebote sind z.B. nichts neues gewesen, sondern von den schon bestehenden Gesellschaftsnormen übernommen worden.
Allerdings haben Religionen sicherlich zur massenhaften Verbreitung der gleichen Normen geführt und auch geholfen dass diese Werte auch eingehalten wurden/werden.

Das macht meiner Meinung nach auch Sinn, wenn man sich die Entwicklung der Gesellschaft ansieht. Anfangs gab es Familienclans die allein durch die Blutsbande zusammenhalten, aber umso größer (durch technische Entwicklung, Domestizierung usw.) die einzelnen Gruppen werden müssen sich da bestimmte Wertegebilde entwickeln. Gerade sowas wie die Versorgung der Eltern oder nicht stehlen/töten innerhalb der Gruppe gibt den Gruppen die diese Werte haben einfach Vorteile gegenüber Gruppen die diese Werte nicht haben. Daher können diese dann schneller wachsen und breiten sich immer mehr aus.

Dass die Religionen grundsätzlich aus der Not, bestimmte Dinge erklären zu müssen entstanden sind sehe ich übrigens auch so.
 
 
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Morris
Alt 30.05.2008, 10:45   #17
Standard

Nur kurz jetzt...
Zitat von bub
Religionen SIND aber doch imho nur aus Welterklärungsversuchen entstanden. Hat man etwas nicht verstanden - und das war früher sehr viel -, musste es etwas Höheres geben, das das so wollte...
Das ist jetzt natürlich ein schlagendes Argument .

Aber so einfach ist das nicht. Wenn du sagst, Religionen wären aus einem Welterklärungsbedürfnis heraus entstanden, dann unterstellst du diesen Menschen in ferner Zeit, sie hätten solche Fragen gehabt. Aber woher wollen wir das wissen? Ich halte das nach wie vor für anachronistisch. Schauen wir nach Indien, dort haben wir Texte überliefert einer sehr alten, archaischen und nicht zivilisierten Religion, es handelt sich um den Vedismus. Götter dort sind z.B. Vayu (Wind), Agni (Feuer), Dyaus (Himmel), dann auch Surya (Sonne), allesamt Naturgottheiten. Es gibt auch andere wichtige Götter wie Indra, dessen wichtigster Verdienst die Befreiung der Rinder von einem Drachen war oder Varuna als Hüter der Wahrheit. Von den vielen Schöpfungsmythen, an denen das spätere Indien so reich und vielfältig ist, ist hier nichts zu spüren, außer ganz vereinzelt in späteren Lieder dieser archaischen Epoche. Warum? Woher soll man das wissen... Die Menschen hatten eben andere Probleme, als sich um die Entstehung und Funktionsweise der Welt zu kümmern, stattdessen dankte man der Natur/den Naturgöttern für die Bereitstellung von Speise.
Ähnlich ist es, so weit ich es im Blick habe, auch im alten Griechenland, wo das Speiseopfer ja ebenfalls sehr wichtig war. In noch größerem Maße bei den Römern, deren Religion ja noch lange Zeit von einem archaischen Opferkult geprägt war. Zu den Germanen kann man leider nicht viel sagen, da die ersten umfangreichen Quellen aus dem Island des 12. oder 13. Jahrhunderts stammen. Die Angaben bei den römisch-griechischen Historikern sind recht dürftig. Also warum Religion mit dem Versuch des Verstehens der Welt erklären? Dafür gibt es keine Notwendigkeit.
 
 
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Iggy
Alt 30.05.2008, 12:15   #18
Standard

WO sind Buddhisten nicht friedlich???
 
 
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Fränze
Alt 30.05.2008, 13:53   #19
Standard

Zitat von Iggy Beitrag anzeigen
Wir würden uns noch mit Keulen und Steinen unsere Nahrung Jagen gehen!
Keineswegs. Fortschritt ist immer aus Neugier auf die Möglichkeiten des Diesseits entstanden, die Religionen sind traditionell konservativ und bremsen eher (Galilei).

Zitat von Iggy
Oder die Christen. Viele der Europäischen Länder, wie Großbritannien, Frankreich, die hunderte Staaten die sich heute Deutschland nenne, Italien und viele andere mochten sich nicht. Sie führten Kriege und Töteten sich. Aber was sie gemeinsam hatten, war ihr Glaube. Was der Papst sagte war gesetz!
Keineswegs. Wie Du selbst schreibst, töteten sie sich OBWOHL sie denselben Glauben hatten. Religion hat noch nie am Töten gehindert. Was "der Papst" sagte, was nicht immer Gesetz, es gab gelegentlich zwei Päpste, manchmal wurden Päpste verjagt, in der Regel kämpfte die kirchlichen Herrscher gegen die weltlichen um die Macht.
Zitat von Iggy
Viele Leute hätten doch sicher ohne das Gebot "du sollst nicht töten" leute umgebracht, um an deren Hab und gut zu kommen
Das haben sie trotz der Religion und oft auch mit Hilfe der Kirche immer wieder gemacht. In Deggendorf in Niederbayern wurden vor wenigen Jahrhunderten in einer Progromnacht alle Juden erschlagen, weil viele Deggendorfer Schulden bei ihnen hatten. Die Kirche fand das klasse und hat noch bis vor wenigen Jahren (!) zum Gedenktag eine Glocke läuten lassen: Deggendorf judenfrei! Ich weiß gar nicht, ob es nicht sogar heute noch so ist.
 
 
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michaelg
Alt 30.05.2008, 14:44   #20
Standard

Ohne Religion wäre Gott und das Himmelreich sehr einsam und verlassen - weswegen Gott sich wohl zeigen würde und Religion wieder entstünde.

Die Welt wäre ohne Welt sicherlich fürchterlich. Man bedenke wie unerträglich sie nun, trotz Religion, bereits ist und verinnerliche die schreckliche Vorstellung einer religionsfreien Welt. Der ganzheitliche Verzicht auf überinstanzliche Moralkorrektive führte zur Stärkung alles Erbärmlichen. Zwischenmenschliche Totalanarchie in der schrecklichsten Form, Zwangs"krieg" als Steigerung der Ellenbogengesellschaft. Staat und Seine Justiz erschöpfen sich doch in marginaler Eindämmung einiger abweichender Verhaltensweisen - das Miteinander und das in den Köpfen und wichtiger noch Herzen wird nicht erfasst.

Es fängt doch schon an, wenn die vermeintliche Tatsache "Man lebt nur einmal" zum Rechtfertigungsargument für jedweden Hedonismus wird. Wessen Verstand einen zu barmherziger Moral leitet wird in der Minderheit bleiben und Opfer der anderen, von denen noch als "selber schuld" verhöhnt. Von Gerechtigkeit wird betrunken vielleicht mal geträumt, im Konjunktiv, bleibt aber nur Idee, zerfetzt von den Pfeilen des Pragmatismus.
 
 
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senjo midorí no
Alt 30.05.2008, 14:49   #21
Standard

Eine Welt ohne Religion wäre wohl eine Welt ohne Menschen... oder voll von Menschen ohne verstand... Warum sind Religionen erst entstanden... nun, zugegebenermaßen lässt sich darüber wohl nur spekulieren, aber betrachtet man die in den verschiedenen Religionen getroffenen Aussagen lassen sich doch einige Schlüsse ziehen.

Religionen erlären die Welt. Was nicht erklärt werden konnte war eben eine höhere Macht, das war für den damaligen wissensstand der logichste weg...

Religionen geben den Menschen einen Sinn im Leben. Egal welche der Religionen man her nimmt, sie treffen alle eine Aussage darüber, was einem nach dem Tod erwartet, sowas gibt den Menschen Hoffnung und das Gefühl nicht umsonst zu leben. Es half den Menschen die daran glaubten durch schwere zeiten, da sie meinten zu wissen, das nach dem Tod alles besser wird und sie sich keine gedanken machen brauchen.

Religionen führen menschen zusammen... menschen die an das gleiche Glauben entwickelten im Laufe der zeit ein gewissen zusammengehrigkeitsgefühl, das das nicht immer und überall so ist versteht sich von slebst, dieser Punkt ist natürlich auch von der Natur der jeweiligen Religion abhängig.

Ich persönlich bin der Ansicht das es keine Rolle spielt ob sich Religionen niemals entwickelt hätten... denn der Mensch glaubt immer an irgendwas, ob an irgendeine transzendente erscheinung, an irgendeinen Menschen mit vorbildfunktion, an naturphenmäne oder an was auch immer... und dieser Glaube an was auch immer ist letzten endes auch dafür verantwortlich das sich Menschengruppen zusammenfinden und lernen mit einander zu leben... ein prozess der noch lange nicht abgeschlossen ist... An der bibel zum beispiel sieht man schön wie viele menschen daran geschreiben haben, es spielt keine rolle ob das was darin steht nun stimmt oder nicht, aber die tatsache, das sich so viele menschen damit identifizieren können rechtfertigt eigentlich schon ihre existens... was nich bedeutet das dieses Buch jetzt DAS buch ist oder so, irgendwann wird auch das nur noch ein stück antiquierte eschichte sein, denn auch wenn nicht immer so aussieht, selbst religionen entwickeln sich (was man am deutlichsten an dem abstracktionsgrad sieht)

wie dem auch sei, ich halte religion nur für einen sammelbegriff für dinge die nuneinmal seit anbeginn unserer geschichte in uns verwurzelt sind.... vielleicht ist ja gerade das der punt der dazu führte das sich der mensch so weit entwickeln konnte? wer weiß^^
 
 
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bub
Alt 30.05.2008, 17:50   #22
Standard

Zitat von Morris Beitrag anzeigen
Nur kurz jetzt...Das ist jetzt natürlich ein schlagendes Argument .

Aber so einfach ist das nicht. Wenn du sagst, Religionen wären aus einem Welterklärungsbedürfnis heraus entstanden, dann unterstellst du diesen Menschen in ferner Zeit, sie hätten solche Fragen gehabt. Aber woher wollen wir das wissen?
Eben, mehr wie spekulieren können wir nicht. Ich persönlich bin dennoch der Meinung, dass die Menschen früher sehrwohl ein Welterklärungsbedürfnis hatten und danach fragten. Als man sich fragte wieso es donnert, da wurde kurzerhand erklärt, dass da oben einer mit seinem Wagen rumfährt und der so laut ist, dass es "donnert". Als man sich fragte, warum die Sonne immer wieder auf- und untergeht, da wurde gesagt, dass die einer da oben hinter sich herzieht...

Zitat von Morris Beitrag anzeigen
Also warum Religion mit dem Versuch des Verstehens der Welt erklären? Dafür gibt es keine Notwendigkeit.
Ich glaube eben genau das Gegenteil. WEIL man wissen wollte, wieso das und das so ist, wie es ist - man wollte es ja verstehen - driftete man in Erklärungsweisen ab (weil man es ja nicht besser wusste), aus denen imho im Endeffekt die ganzen Religionen und Mythen entstanden, die ja Teil der Religionen sind...
 
 
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Morris
Alt 30.05.2008, 20:09   #23
Standard

Ich persönlich bin dennoch der Meinung, dass die Menschen früher sehrwohl ein Welterklärungsbedürfnis hatten und danach fragten.
Und ich bin immer noch der Meinung, sie stellten nicht solche Fragen , zumindest nicht vordergründig. Warum ich das denke? Die ältesten schriftlichen Quellen, die wir von Religion haben, lassen eben deinen Schluss nicht zu. Man kann vielmehr eine geschichtliche Entwicklung erkennen, dass solche Fragen später erörtert wurden bzw. dann ausführlicher, sofern sie schon in Ansätzen gestellt wurden. Da gibt es beispielsweise die griechischen Naturphilosophen (~ 600 v.Chr.?), die ganz explizit die Frage nach dem Ursprung diskutieren, aber seltsamerweise gilt das nicht als Religion.
Zitat von bub
Eben, mehr wie spekulieren können wir nicht.
Richtig, aber man kann probieren sich anhand der verfügbaren Quellen wenigsten anzunähern und nicht munter ins Blaue drauflos.
Zitat von Iggy
WO sind Buddhisten nicht friedlich???
In Tibet neulich, oder auf Sri Lanka.

@Michael:
Vielen Dank für deinen Beitrag, fand ich inspirierend und kann dir nur zustimmen.
 
 
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bub
Alt 30.05.2008, 20:23   #24
Standard

Gut, von diesen Schriften hab ich wenig Ahnung, da lass ich mir gern was sagen
 
 
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Fränze
Alt 31.05.2008, 00:50   #25
Standard

Zitat von bub Beitrag anzeigen
Eben, mehr wie spekulieren können wir nicht. Ich persönlich bin dennoch der Meinung, dass die Menschen früher sehrwohl ein Welterklärungsbedürfnis hatten und danach fragten. Als man sich fragte wieso es donnert, da wurde kurzerhand erklärt, dass da oben einer mit seinem Wagen rumfährt und der so laut ist, dass es "donnert"(...) WEIL man wissen wollte, wieso das und das so ist, wie es ist - man wollte es ja verstehen - driftete man in Erklärungsweisen ab (weil man es ja nicht besser wusste), aus denen imho im Endeffekt die ganzen Religionen und Mythen entstanden, die ja Teil der Religionen sind...
So sehe ich das auch - die Philosophen kamen ja viel später. Der Anfang war die Sache mit Donner oder Regen oder Feuer - alles, was man sich nicht erklären konnte, musste irgendwer machen, jemand, der mächtig genug ist, es donnern oder regnen zu lassen. Also musste man den besänftigen und ihm was opfern - der Anfang eines Gottesglaubens war sicher Angst.

Man darf nicht vergessen, dass zu Beginn menschlicher Gesellschaften das Dasein ein täglicher Überlebenskampf innerhalb vergleichsweise kleiner Gruppen war. Die Philosophen, die ausgeklügelte Weltbilder entwarfen, lebten bereits in Zivilisationen, so dass die Erklärungen weitaus abstrakter sein konnten. Die mussten sich nicht mehr wegducken, wenn es donnerte und blitzte, und schnell ein Schaf opfern. Die konnten bereits einen ganzen Himmel mit Göttern bevölkern.
 
 
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