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Wie weit darf man gehen bis ... ?

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Lachrymology
Alt 19.05.2005, 00:16   #1
Standard Wie weit darf man gehen bis ... ?

Hallo Leute,

ich weiß nicht ob ihr die Zeit für meine Thema investieren wollt, dennoch werde ich das Thema mal anfangen.
Vor kurzem habe ich auf dem bekannten Portal Wikipedia einen Artikel über das Milgram-Experiment gelesen und was ziemlich schockiert von den Daten bzw. dem Inhalt was dieses Experiment mit sich bringt.

LINKS:
http://de.wikipedia.org/wiki/Milgram-Experiment
http://testexperiment.stangl-taller....spmilgram.html
(ZUM nachlesen)

Ne kurze Einführung:
Es sind in einem Raum 3 Personen, wobei eine Person von den anderen beiden abgegrenzt ist und nicht sichtbar - der Schüler.
In dem anderen Raum sitzen der Lehrer und der Experimentator. Der Lehrer soll dem Schüler bei „Fehlern“ in der Zusammensetzung von Wortpaaren jeweils einen Stromschlag verpassen, wobei die Voltzahl pro Fehler um 15 erhöht wird.
Der Schüler, der dies durchführt wurde durch Anzeigen aus der ausgewählt, der Schüler sowie der Experimentator waren gestellte Personen, die von dem "Projekt " wussten.
Der Schüler bekam in Wirklichkeit keine Stromschläge, was der Lehrer (Person) nicht wusste. Damit es Echt wirkte gab es eine Tabelle, was der Schüler tun muss.

75 V Grunzen
120 V Schmerzensschreie
150 V sagt, dass er an dem Experiment nicht mehr teilnehmen will
200 V Schreie, „die das Blut in den Adern gefrieren lassen“
300 V Er lehnt es ab zu antworten, murmelt etwas über einen Herzzustand
> 330 V Stille

In der ersten Versuchsreihe waren 65% der Versuchspersonen bereit, den „Schüler“ mit einem Stromschlag mit den maximalen 450 Volt zu „bestrafen“; allerdings empfanden viele einen starken Gewissenskonflikt. Kein „Lehrer“ brach das Experiment ab, bevor die 300-Volt-Grenze erreicht war.
Dieses Experiment wurde in mehreren Ländern und Formen getestet, wobei die Ergebnisse fast überall identisch waren.

----------------------

Nun wollte ich von euch wissen, ob ihr euch für euch selber unter klarem Gewissen vorstellen könntet, das ihr zu einer solchen Tat in der Lage seien würdet.

Für mich ist es sehr schwierig vorzustellen, das ich einen Menschen umbringen muss nur weil er ein paar Fehler gemacht hat und weil eine autoritäre Person hinter mir steht und mir sagt was ich zu machen habe.

Aber wenn man das so in vergleich sieht, funktioniert diese Art von Kontrolle einer "schwachen" Person gegenüber einen autoritären Person überall:

1. Weltkrieg
2. Weltkrieg
Nationalsozialismus
Bundeswehr
- Army
Sekten
usw.

Glaubt ihr, das ihr auch so manipulierbar seit, das ihr einen Menschen töten würdet, egal auf welcher Ebene - ob körperlich oder geistlich.

MFG Lachrymology
 
 
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katsu
Alt 19.05.2005, 01:55   #2
Standard

Schwere Frage... aber möglich ist alles... die Abwälzung bzgl. "Befehlsnotstand" ist bei solchen Sachen üblich. Man selbst glaubt man übernimmt keine Verantwortung, bzw. ist von der Verantwortung entbunden.

Ich glaub dennoch, dass ich sowas nicht tun könnte... vor allem einen Menschen, weil er Fehler macht zu töten. Auch wenn ich es im Endeffekt nicht weiß, weil ich noch nicht in so einer Situation war. Ehrlich gesagt will ich auch nie in solch eine Situation kommen!

Ich glaube ich würde in einen üblen Gewissenskonflikt geraten. "Kleine Stromstöße", die keine Schmerzen hervorrufen, also einfach nur unangenehm sind, ok, aber sobald das in Schmerzen ausufert, würde ich abbrechen.
 
 
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Ripper08
Alt 19.05.2005, 02:46   #3
Standard

Wir haben dieses Thema ausführlich im Religionsunterricht auseinandergenommen und ich fands auch heftig...


Ich denke die Hauptgründe für sowas sind einerseits, dass man meint sich einer 'autoritären' Person wie einem Doktor etc. ''unterwerfen'' zu müssen und andererseits -der wohl wichtigere Faktor- ist eben diese Sache mit der Varantwortung aus seinen eigenen Händen geben und sich damit zur unmündigen Maschine degradieren zu lassen. Das hat man ja eben auch im 3tten Reich wudnerbar gesehen.

"Wir übernehmen die volle Verantwortung" -und diese Verantwortung wird dann wiederum immer weiter nach oben abgegeben bis letztendlich alles beim Führer landet, der am "Ende" eben tot ist und sich aller Verantwortung entzieht und nun hatten die Alliierten ja das Problem, wer nun ein Verbrecher ist und wer nicht, wo fängt es an ?
Beim Soldaten ? -Wohl kaum, aber beim SS-Offizier ?... schon schwierig.


Und ich denke dieses Experiment macht deutlich, dass ein Drittes Reich im Prinzip überall möglich wäre, wenn es nicht schon am Anfang gebremst werden würde.

Wie gesagt, jeder meint nun ''ER hätte das nicht getan'' aber die schwarzen Zahlen sagen etwas ganz anderes von daher ziemlich schwer sowas zu sagen. Ich könnte auch nie glauben, dass ich sowas tun könnte und hoffe wirklich absolut, dass ich SO nicht handeln könnte oder gar würde...

Ich mein jedes Kind weiß, dass ne Steckdose tödlich ist und die hat 'nur' um die 250 V (gut, für ne tödliche Ladung kommt es auch auf die Amperezahl an etc.) aber is doch klar, dass man einem Menschen sowas nicht durch den Körper jagt und dass man überhaupt noch weitermacht, wenn der Mensch noch schreit, es ihm schmerzen bereitet und er verlangt freigelassen zu werden (Gröbste Verstöße gegen die Menschenrechte...).


Aber das Milgram-Experiment zeigt auch erstaunliche Sachen, es gab nämlich mehrere Versuchskonstellationen, die du hier nicht aufgezeigt hast.

Ich hab folgende Werte für die USA (!!!)

1. Gruppe: ''Lehrer'' ist mit Professor allein im Raum und dieser treibt ihn immerzu an, weiterzumachen und sagt, dass er die volle Verantwortung auf sich nimmt.
85 % drückten ALLE Schockhebel (also sicher mehr als 90 % haben das mit den Schreien etc. noch in Kauf genommen)

2. Gruppe: Lehrer darf als Beobachter einem Versuch beiwohnen, bei de sich ein Lehrer weigert weiterzumachen.
Hier drückten ''Nur'' 52% alle Schockhebel.

3. Gruppe: Der LEhrer ist allein mit dem Schüler und kann selbstständig entscheiden, ob er das Experiment zu Ende führt.
7 % drückten hier alle Hebel.


Man kann also sagen es ist ins soclhen Angelegenheiten nie falsch ein gutes Vorbild zu sein, denn dann trauen sich andere nach dem Mitläuferprinzip auch zu, zu widersprechen.
Warum das bei den Nazis anders war (trotz der weißen Rose, Graf von Stauffenberg etc.) ist denke ich einfach zu erklären.

Bei der Gruppe 2 mit dem widersprechenden ''Vorbild'' ist dieses eben anscheinend ohne irgendwelche Folgen davongekommen, und bei den Nazis hätte Widerstand eben das KZ o.Ä. auf den Plan gerufen. Ich finde das ist keine Ausrede dafür, dass sich (mit einer handvoll Ausnahmen) niemand gegen das Regime eingesetzt hat aber andererseits kann man denke ich die Leute schon ein wenig verstehen wenn man sich dieses Experiment mal ansieht und sich klar macht, wie sehr ''der Geist ist willig doch das Fleisch ist schwach'' doch zutrifft...

MfG, Ripper
 
 
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