Wir haben dieses Thema ausführlich im Religionsunterricht auseinandergenommen und ich fands auch heftig...
Ich denke die Hauptgründe für sowas sind einerseits, dass man meint sich einer 'autoritären' Person wie einem Doktor etc. ''unterwerfen'' zu müssen und andererseits -der wohl wichtigere Faktor- ist eben diese Sache mit der Varantwortung aus seinen eigenen Händen geben und sich damit zur unmündigen Maschine degradieren zu lassen. Das hat man ja eben auch im 3tten Reich wudnerbar gesehen.
"Wir übernehmen die volle Verantwortung" -und diese Verantwortung wird dann wiederum immer weiter nach oben abgegeben bis letztendlich alles beim Führer landet, der am "Ende" eben tot ist und sich aller Verantwortung entzieht und nun hatten die Alliierten ja das Problem, wer nun ein Verbrecher ist und wer nicht, wo fängt es an ?
Beim Soldaten ? -Wohl kaum, aber beim SS-Offizier ?... schon schwierig.
Und ich denke dieses Experiment macht deutlich, dass ein Drittes Reich im Prinzip überall möglich wäre, wenn es nicht schon am Anfang gebremst werden würde.
Wie gesagt, jeder meint nun ''ER hätte das nicht getan'' aber die schwarzen Zahlen sagen etwas ganz anderes von daher ziemlich schwer sowas zu sagen. Ich könnte auch nie glauben, dass ich sowas tun könnte und hoffe wirklich absolut, dass ich SO nicht handeln könnte oder gar würde...
Ich mein jedes Kind weiß, dass ne Steckdose tödlich ist und die hat 'nur' um die 250 V (gut, für ne tödliche Ladung kommt es auch auf die Amperezahl an etc.) aber is doch klar, dass man einem Menschen sowas nicht durch den Körper jagt und dass man überhaupt noch weitermacht, wenn der Mensch noch schreit, es ihm schmerzen bereitet und er verlangt freigelassen zu werden (Gröbste Verstöße gegen die Menschenrechte...).
Aber das Milgram-Experiment zeigt auch erstaunliche Sachen, es gab nämlich mehrere Versuchskonstellationen, die du hier nicht aufgezeigt hast.
Ich hab folgende Werte für die USA (!!!)
1. Gruppe: ''Lehrer'' ist mit Professor allein im Raum und dieser treibt ihn immerzu an, weiterzumachen und sagt, dass er die volle Verantwortung auf sich nimmt.
85 % drückten ALLE Schockhebel (also sicher mehr als 90 % haben das mit den Schreien etc. noch in Kauf genommen)
2. Gruppe: Lehrer darf als Beobachter einem Versuch beiwohnen, bei de sich ein Lehrer weigert weiterzumachen.
Hier drückten ''Nur'' 52% alle Schockhebel.
3. Gruppe: Der LEhrer ist allein mit dem Schüler und kann selbstständig entscheiden, ob er das Experiment zu Ende führt.
7 % drückten hier alle Hebel.
Man kann also sagen es ist ins soclhen Angelegenheiten nie falsch ein gutes Vorbild zu sein, denn dann trauen sich andere nach dem Mitläuferprinzip auch zu, zu widersprechen.
Warum das bei den Nazis anders war (trotz der weißen Rose, Graf von Stauffenberg etc.) ist denke ich einfach zu erklären.
Bei der Gruppe 2 mit dem widersprechenden ''Vorbild'' ist dieses eben anscheinend ohne irgendwelche Folgen davongekommen, und bei den Nazis hätte Widerstand eben das KZ o.Ä. auf den Plan gerufen. Ich finde das ist keine Ausrede dafür, dass sich (mit einer handvoll Ausnahmen) niemand gegen das Regime eingesetzt hat aber andererseits kann man denke ich die Leute schon ein wenig verstehen wenn man sich dieses Experiment mal ansieht und sich klar macht, wie sehr ''der Geist ist willig doch das Fleisch ist schwach'' doch zutrifft...
MfG, Ripper
