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Verzeihen?


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Janshi
Alt 24.07.2006, 18:30   #1
Standard Verzeihen?

Kannst du verzeihen? Kannst du wirklich verzeihen?
Meiner Meinung nach ist wirkliches Verzeihen eines der schwierigsten Disziplinen denen ein Mensch ausgesetzt ist, denn unter wirklich Verzeihen verstehe ich nicht das Zeigen von Wunden und der anschliessenden grosszügigen Geste des *...aber ich verzeihe dir!*.
Wirkliches Verzeihen sieht keine Schuld.
Das ist eine Utopie mag einer nun sagen (vlt. auch Unsinn). Mag sein, aber wer sagt, dass nur Jesus diese Utopie erreichen durfte bzw. konnte? Warum soll dies nur ihm möglich gewesen sein? Sind wir dümmer oder weniger als er?

Theoretisch müsste man also seine Sichtweise verändern. Im Konzept des Freien Willens ist ein echtes Verzeihen nicht möglich. Freier Wille beinhaltet die Idee der Kontrolle und des Verantwortlich-Seins. Bei den Deterministen hingegen ist ein Verzeihen überhaupt nicht notwendig, da Schuld und Sünde in sich zusammenfallen.

gruß Janshi
 
 
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El Sparko
Alt 24.07.2006, 19:32   #2
Standard

verziehen ist dann wenn das thema salopp gesagt "gegessen" ist. ich bin wenigen menschen begegnet die wirklich verzeihen können, was individuelle gründe hat. typischerweise stellt sich die frage bei längerfristigen beziehungen und ich war jedes mal wieder reichlich "betroffen" als vorwürfe, die als verziehen galten, wieder als neues "pulver" für einen streit verwendet wurden. das mag eine rein menschliche reaktion sein, aber von jedem intelligenten menschen verlange ich daran zu arbeiten und eine fähigkeit zum echten verzeihen zu entwickeln, asonsten hat für mich ein zusammenleben keinen sinn.

ich für mich persönlich behaupte in dingen, die bis zum schluß ordentlich geklärt wurden, auch verzeihen zu können. das habe ich des öfteren bewiesen, was mich aber in den augen nicht weniger eher gutgläubig erscheinen lässt. auf jeden fall brate ich nicht ohne grund alte kamellen auf.
 
 
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German Psycho
Alt 24.07.2006, 20:30   #3
Standard

Wenn man alles und sofort verzeiht, läuft man gefahr für gutgläubig gehalten und ausgenutzt zu werden.

Wer niemals verzeihen kann ist ein Arschloch (mir fällt atm kein besseres wort ein).

Es gilt die richtige Balance zu finden.
 
 
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Ripper08
Alt 24.07.2006, 22:35   #4
Standard

Ich kann mich nicht mehr besinnen, wann ich das letzte Mal wirklich jemandem verzeihen hätte können und das wiederum könnte man eigentlich als gutes Zeichen auslegen, was meine Beziehungen angeht .
 
 
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nephthys
Alt 25.07.2006, 00:12   #5
Standard

ich find schon dass das geht hatte da auch letztens schon ne diskussion drüber, ob ich jemanden töten würde der irgendeiner mir nahestehenden person was angetan hätte/antut. also aus hass bzw. wut. nein würde ich nicht weil ich irgendwie wohl mitleid hätte mit dem "täter".. aber wie gesagt obs dann letztendlich so passiert oder nicht doch dieser aggressionstrieb durchbrechen würde is die frage.. ach das thema is irgendwie.. komplex
naja verzeihen könnte ich schon, wenn ich sehe dass es der person leid tut und selbst wenn die person es vielleicht gar nicht interessieren würde, dann würde ich versuchen das verhalten zu verstehen.
hm das ist schwierig das so pauschal zu sagen, man müsste eher ne situation darstellen um diese frage zu beantworten.

dh. sowas, wie : dein freund/freundin geht fremd könntest du ihr bzw. der anderen beteiligten person verzeihen.. tjoa. wahrscheinlich wär das eher ein fall den ich nicht so leicht verzeihen könnte.
 
 
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El Sparko
Alt 25.07.2006, 08:48   #6
Standard

es geht nicht ums leicht verzeihen. es geht nicht per se ums fremdgehen. es geht darum _wirklich_ zu verzeihen. egal warum. eifnach weil das thema bis aufs letzte "erledigt" wurde und man dem anderen wirklich vergeben hat.

als leitsatz kann man sagen: etwas das wirklich verziehen ist, darf nie wieder als vorwurf auftauchen - ansonsten ist es nicht verziehen.
 
 
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Felicitas
Alt 25.07.2006, 09:01   #7
Standard

nunja, manchmal denkt man aber auch eine sache ist durch, weil sie gefühlsmäßig aktuell wirklich nicht mehr stark ist und dann irgendwann kommt sie wieder hoch.

ich finde es schwer zu erkennen wann man verziehen hat. vllt kann man das nach einer gewissen zeit sagen, wenn wieder schwierigkeiten aufgetreten und dabei dann die gefühle von "damals" nicht hochgekommen sind. anderseits kann man auch keinen vorwurf machen wenn die gefühle eben wieder hochkommen.

und die gefühle dann unterdrücken nur weil man als der tolle mensch dastehen will der verziehen hat?

vllt muss eine thematik auch wieder hochgeholt werden um damit abzuschließen. das ist für denjenigen nicht schön der schon damit abgeschlossen hat bzw. es glaubt, für den anderen und für die zukunft der beiden (egal in welchem verhältnis sie zueinander stehen - ob familie, beziehung, freundschaft, arbeitskollegen uä.) in meinen augen aber notwendig.

bei mir ist es sehr unterschiedlich ob ich verzeihen kann. da gibt es situationen die schon fast 10 jahre her sind, den menschen von damals habe ich bis heute noch nicht verziehen. dann gibt es situationen die sind ein jahr her und sind definitiv verziehen und dann gibts es sachen die sind wiederrum noch gar nicht solange her und die sind bei mir eben noch nicht durch.

wichtig bei mir für das verzeihen ist das verständnis, _warum_ etwas passiert ist. und bei den sachen von vor 10 jahren und denen die noch gar nicht solange zurückliegen fehlt mir das verständnis. ich kann da viele sachen noch nicht verstehen, aber erst dann ist, glaube ich, verzeihen möglich.

allerdings gehören dazu auch _alle_ beteiligten personen, bzw. die 2 zwischen denen vorfall X liegt. wenn beiden etwas an einer gemeinsamen zukunft, welcher art auch immer, liegt, dann sollte man es demjenigen, der eben noch nicht verziehen hat, nicht zum vorwurf machen, sondern gemeinsam daran arbeiten das er versteht was, warum passiert ist.

bla *fasel* (es ist zu früh für gescheiten satzbau )

Geändert von Felicitas (25.07.2006 um 09:23 Uhr).
 
 
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El Sparko
Alt 25.07.2006, 09:10   #8
Standard

seh das so. es geht nicht ums "verzeihen müssen" es geht darum es zu tun wenn man mit einem thema abgeschlossen hat. wenn etwas nicht "durch" ist weil du es nicht verstehen kannst dann kannst du es auch nicht verzeihen und alles andere wäre nur temporäres "drüber wegsehen". das ist kein wahres verzeihen und dem andern gegenüber sogar unfair wenn man es so darstellt.

was den punkt angeht "kann ja nix dafür wenn es wieder hochkommt" ist das genau das selbe. etwas das verziehen ist kommt einfach nicht mehr hoch. wenn es das doch wieder tut dann wars von vornherein noch nicht geklärt und wieder ists dem andern gegenüber, der evtl. schon im "danach" lebt, unfair.
 
 
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Felicitas
Alt 25.07.2006, 09:23   #9
Standard

naja klar (hab ich ja gesagt ). dann gehör ich aber nicht zu den menschen die von sich sagen können das sie relativ unkompliziert verzeihen können

das heisst aber, das grundsätzlich jeder verzeihen kann, wenn er denn versteht, verstehen will oder ihm geholfen wird zu verstehen.

also ist wohl weniger das verzeihen können ansich eine nette positive eigenschaft die man haben kann, sondern eher was dahinter steht (auch wenn das eine natürlich das andere bedingt und dadurch positiver oder negativer im gesamten wirkt).

zb könnte man mir jetzt sagen das ich es eben nie geschafft habe mich mit irgendwelchem mist auseinander zu setzen, vllt auch nie den willen hatte wirklich zu verstehen. oder eben auch die andere seite einem nicht die chance gibt zu verstehen.

das kann man noch recht weiter vertiefen, bla.

Geändert von Felicitas (25.07.2006 um 09:59 Uhr).
 
 
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El Sparko
Alt 25.07.2006, 10:12   #10
Standard

kann man. muss man sogar wenn man ehrlich zueinander sein will, was in einer beziehung dann vielleicht doch irgendwie die vorraussetzung ist oder?

ich für meinen teil würde mir sehr verarscht vorkommen nach z.b. 6 monaten zu erfahren dass mein partner irgend eine sache immer noch mit sich rumschleppt und heimlich nen hass schürt von dem ich nichts weis. da fehlt dann jedes verhältnis.
 
 
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Felicitas
Alt 25.07.2006, 10:20   #11
Standard

naja, das muss ja nicht bewusst sein. vllt kommt eine nicht verarbeitete sache erst bei einer ähnlichen situation wieder hoch, obwohl sie längst vergessen schien und/oder auch verziehen schien.

ich glaube, bzw. weiß von mir, das es manchmal schwer ist den unterschied zwischen verzeihen und verdrängen zu erkennen. ob es nun verziehen oder verdrängt ist merkt man dann eben erst in der nächsten konfliktsituation.

oder manch einer schämt sich auch dafür das er eben nicht verzeihen kann und will den partner damit nicht belasten, bzw. eben unfair sein. und sagt deswegen nichts mehr, bis er eben wieder in eine situation kommt in der alles wieder hochkommt.

bei mir dauert das mit dem verstehen und verzeihen manchmal etwas länger und dann denke ich auch das es vllt dem vorfall nicht gerecht ist, überzogen ist, dem konfliktpartner auf den nerv geht usw. dann wird halt erst mal geschwiegen in der hoffnung es wächst gras über die sache. klappt manchmal, nicht immer. je nach dem wie wichtig einem der andere ist.

geht ja auch nicht nur um partnerschaften, bezieht sich ja auf jegliches zwischenmenschliches verhältnis in welchem man sich gegenseitig irgendetwas bedeutet.

Geändert von Felicitas (25.07.2006 um 10:30 Uhr).
 
 
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IsoO
Alt 25.07.2006, 12:16   #12
Standard

ich kenne (oder kannte) da wen, mit dem ich nie wieder ein wort reden werde.
der dreck, den der gemacht hat, wird nicht verziehen.
 
 
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Janshi
Alt 25.07.2006, 13:19   #13
Standard

Sehr ihr noch Schuld, wenn ihr jemanden wirklich verzeiht? Es ist natürlich banal jemanden wegen "Kleinigkeiten" nicht zu verzeihen aber beziehen wir es doch z.B. mal auf das Fremdgehen: Ich persönlich konnte Fremdgehen noch nie verzeihen und werde dies auch nicht, noch würde ich es von meiner Freundin erwarten.

Janshi
 
 
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El Sparko
Alt 25.07.2006, 13:28   #14
Standard

wenn du vor hast trotzdem eine sinnvolle beziehung zu führen dann muss eine auseinandersetzung damit stattfinden. denn bei deiner lösung "verzeih ich nicht sowas" wäre fortab der fremdgänger unlimitert in der schuld, z.b. in der beweisschuld dass er nicht schon wieder fremdgegangen ist. so sehr misstrauen bei sowas gerechtfertigt ist, so sehr ein sofortiges verzeihen unrealistisch ist, so sehr das aufbauen von vertrauen auch zeit in anspruch nehmen mag - man kann keine beziehung führen in der solche dinge längerfristig im weg stehen - ein echtes vertrauen kommt da nie zustande.
 
 
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Felicitas
Alt 25.07.2006, 17:07   #15
Standard

ích halte die aussage "fremdgehen verzeih ich dir nicht" eher für eine aussage die wirklich von angst spricht. es geht darum dem partner von anfang an angst zu machen, ihn zu warnen einem ja nicht weh zu tun. daraus spricht nur die angst verletzt zu werden, obwohl man ganz genau weiß das man mit diesem satz nichts unterbindet. man kann sich nicht vor allem schützen, auch nicht davor verletzt zu werden.

wenn man verziehen hat ist die schuldfrage geklärt. dann geht es nicht mehr darum wer schuld hatte und wer keine schuld hatte. dann ist die sache vergessen.

übrigens sehe ich verkrampftes "nicht verzeihen WOLLEN" als zeichen der schwäche. und ja, das betrifft auch mich.

wenn man nicht verzeihen will, dann kann man auch nicht mit einer sache abschließen. man hat ständig gefühle wie hass und verachtung in sich. und sind die menschen, die einem so weh getan haben, es wert das man jahrelang noch diese starken gefühle für sie hegt?
 
 
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Janshi
Alt 25.07.2006, 18:10   #16
Standard

Zitat von felicitas
ích halte die aussage "fremdgehen verzeih ich dir nicht" eher für eine aussage die wirklich von angst spricht. es geht darum dem partner von anfang an angst zu machen, ihn zu warnen einem ja nicht weh zu tun. daraus spricht nur die angst verletzt zu werden, obwohl man ganz genau weiß das man mit diesem satz nichts unterbindet. man kann sich nicht vor allem schützen, auch nicht davor verletzt zu werden.
Ich habe Prinzipien, das hat vordergründig nichts mit Angst zu tun. Ich könnte keinen Menschen mehr vertrauen der mein Vertrauen auf diese Art und Weise mißbraucht hätte. Natürlich sage ich nicht bei Beginn einer Beziehung "Und wehe du gehst mir fremd!", denn wie du richtig sagst, unterbinden lässt sich sowas nicht durch solch einen Satz.

wenn man verziehen hat ist die schuldfrage geklärt. dann geht es nicht mehr darum wer schuld hatte und wer keine schuld hatte. dann ist die sache vergessen.
Vergessen, du meinst also verdrängen?

übrigens sehe ich verkrampftes "nicht verzeihen WOLLEN" als zeichen der schwäche. und ja, das betrifft auch mich.
Es hängt wohl sicher davon ab in welchem Zusammenhang man "nicht verzeihen" kann respektive will. An Prinzipien fest zu halten ist sicher keine Schwäche.
Im Gegenteil, in der heutigen Gesellschaft in der Normen&Werteverfall tagtäglich einhergehen und damit auch Prinzipien, habe ich Respekt vor Menschen die noch handfeste Prinzipien haben und diese auch konsequent halten.

wenn man nicht verzeihen will, dann kann man auch nicht mit einer sache abschließen. man hat ständig gefühle wie hass und verachtung in sich. und sind die menschen, die einem so weh getan haben, es wert das man jahrelang noch diese starken gefühle für sie hegt?
Ich gehe davon aus dass du auch die Ansicht vertritts der Mensch verfüge über einen Freien Willen oder? Das Konzept des Freien Willen geht von Verantwortung und ergo von Schuld aus. Wie kann man verzeihen wenn man trotzdem im Gegenüber noch Schuld sieht? Vergessen ist nicht mehr als Verdrängen , die Schuld bleibt, Verziehen hat man damit immer noch nicht.

Die Gefühle Hass und Verachtung bleiben eher in extremen Fällen, so zum Beispiel einen schlimmen Vertrauensbruch.

Janshi
 
 
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Felicitas
Alt 25.07.2006, 19:25   #17
Standard

nun gut, dieses prinzip habe ich halt nicht (mehr). fremdgehen hat für mich immer _irgendwelche_ ursachen die es zu ergründen gilt. je nach ursache kann man dann die konsequenz ziehen. und vertrauen ist nichts ultimatives. vertrauen ist etwas das kann schwanken, kann mal erschüttert werden, kann aber auch wieder aufgebaut werden. und wenn ich jmd liebe und er mich auch, dann gebe ich ihm die chance, mir die chance das vertrauen wieder aufzubauen. ein fehltritt soll nicht zum scheitern einer beziehung führen. aber ok, das ist einstellungssache.

vergessen war oben schon mit "abschließen" gleichzusetzen, war halt eher eine redewendung.

manchmal stellen sich aber gewisse prinzipien auch als unvorteilhaft heraus. und angebliche prinzipien, die man unerfahren im teenageralter für sich festlegt, können im laufe der zeit auch aufweichen.

und trotzdem denke ich das dieses prinzip letztendlich etwas mit angst zu tun hat.

man kann es auch krasser sehen. es gibt unzählige berichte darüber das angehörige von ermordeten dem mörder nach jahren verziehen haben. sie haben vllt, durch eine therapie, gelernt zu verstehen. vllt haben sie verstanden das der mörder krank ist/war und konnten darüber irgendwann eine erklärung finden, die sie mit der zeit und genügend abstand akzeptieren konnten.

und dennoch sage ich das verachtung und hass resultierend aus einer verletzung des vertrauens auf dauer schwächer werden sollten für ein ruhiges, ausgeglichen seelenleben.

mal am beispiel: ich wurde in der 6. und 7. klasse in meiner klasse gemobbt. das ist jetzt gut 10 jahre her und ich bekomme immer noch hass wenn ich daran denke oder von anderen menschen davon höre. aber was bringt es mir? ich kenne die ursachen und kann erklärungen finden, aber ich kann sie noch nicht akzeptieren. gleichzeitig strengt es mich an, bringt mich aus dem gleichgewicht wenn ich diesen erlebnissen von damals zugestehe mich heute noch zu beeinflussen. negativ zu beeinflussen. also muss ich anfangen mich damit auseinander zu setzen und zu verzeihen, obwohl ich damals sehr verletzt worden bin.

oder ich sage "das verzeihe ich nie" und muss damit leben das ich immer und immer wieder diese gefühle wie hass und verachtung durchleben muss, immer wieder unruhe deswegen verspüre. und immer wieder angst das noch einmal zu erleben.

thema beziehung. wenn man nun einmal verletzt wurde, weil der partner einen betrogen hat und fremdgegangen ist, dann kann man das prinzip anwenden und sagen "das verzeihe ich nicht". dann schleppt man das aber in jede neue beziehung mit. man kann sich aber auch damit auseinander setzen und daran arbeiten zu verstehen und zu verzeihen. nur dann kann man mehr oder weniger unbeschwert eine neue beziehung eingehen. dieses prinzip bringt letztendlich nur stress, es ist aggressiv.

ich will nicht das mein partner mein vertrauen in seine treue misbraucht. ich will nicht das er fremd geht, ich kenne aber die realistische chance das soetwas mal passiert. weil es mir passiert ist, weil es einem partner von mir einmal passiert ist. und ich weiß das meine beziehungen so viel mehr sind als das bloße prinzip das sein körper, seine sexualität nur mir zu steht. er als mensch ist soviel mehr als sex, so viel mehr das es ihn "wert macht" von mit geliebt zu werden. das wird alles nicht weniger wertvoll nur weil er mein vertrauen in hinsicht körperlicher treue erschüttert. dieses vertrauen ist ein teil des ganzen. nur ein teil. ich bin nicht bereit grundsätzlich, aus prinzip, alles andere zu vernichten weil ein teil mal ins schwanken geraten ist.

ist natürlich situationsabhängig. wenn er mir sagt "ich hab mit ner anderen geschlafen und ich habe gefühle für sie", dann braucht man nicht anfangen an einem plan zu arbeiten wie man wieder zusammenleben und einander vertrauen kann. trotzdem sollte man auch dann die ursachen erforschen um damit abschließen zu können um unvoreingenommen in eine neue beziehung zu gehen.

*fasel*

aber wie gesagt, das ist meine ganz persönliche meinung zu prinzipien und verzeihen. die war nicht immer so, sondern ist gewachsen durch erfahrungen und wird sich über die jahre auch weiterentwickeln und verändern. aber von diesem steifen prinzip bin ich weg und ich denke auch nicht das ich dahin zurückkehren werde. das wäre für mich persönlich ein schritt zurück.

Geändert von Felicitas (25.07.2006 um 19:44 Uhr).
 
 
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mizue
Alt 25.07.2006, 22:50   #18
Standard

verzeihen... das ist so ne sache. mit einem "ich verzeihe dir" ists ja noch lang nicht getan. ich hab mir oft gewünscht verzeihen zu können, fühlte mich aber unfähig, ich wusste nicht "wie zum teufel geht sowas?". dem ganzen gehen doch sicher noch entscheidende dinge voraus, das echte verzeihen ist dann also nur ein resultat der verarbeitung... und kommt praktisch von allein, sobald man bereit ist. aber darauf muss man erstmal kommen.

wenn ich mich - nach einem betrug des partners - kompromisslos gegen so etwas wie "verzeihen" entscheide, dann kann die liebe zu meinem partner wohl nicht ganz so groß gewesen sein oder es überwiegen das ego, ängste, verletzte eitelkeit usw usf (und noch viel mehr). zumindest ICH hätte ein interesse daran zu ergründen, wieso überhaupt fremdgegangen wurde. natürlich verletzt es, natürlich ist man wütend, natürlich fühlt man sich blosgestellt, einfach betrogen... aber eine beziehung wird NIE nur superdupitöfterosa sein. es ist einfach sich da sofort zu trennen, gleichzeitig nimmt man sich die chance miteinander und ganz besonders als individuum zu wachsen.
 
 
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michaelg
Alt 26.07.2006, 00:21   #19
Standard

Ich finde es gut, dass hier das wirkliche Verzeihen betont Wird. Man sagt ja oft, ich verzeihe dir dies und jenes, aber insgeheim hat man im Hinterkopf, aber er/sie hat mir ja das und das angetan.

Sehr alte Dinge zum Beispiel habe ich verziehen, ohne es den Personen mitzuteilen. Es lag einfach daran, dass man im anderen Alter war.

Ich versuche gerne zu verzeihen, aber laufe auch Gefahr, dabei dann nicht wirklich zu verzeihen. Kleinigkeiten sind ja kein Thema, aber grosse Verletzungen vergisst man nunmal auch nicht, um so schwerer auch das Verzeihen. Sicher ist Verzeihen nicht vergessen, es kommt ja drauf an, wie man die Erinnerung bewertet.

Harte Untaten, denen keine Einsicht und vor allem kein Verzeihungsgesuch nachgeht mag ich nicht verzeihen.
 
 
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Janshi
Alt 26.07.2006, 22:04   #20
Standard

Zitat von la mizue
zumindest ICH hätte ein interesse daran zu ergründen, wieso überhaupt fremdgegangen wurde. natürlich verletzt es, natürlich ist man wütend, natürlich fühlt man sich blosgestellt, einfach betrogen... aber eine beziehung wird NIE nur superdupitöfterosa sein. es ist einfach sich da sofort zu trennen, gleichzeitig nimmt man sich die chance miteinander und ganz besonders als individuum zu wachsen.
Wenn ein Partner fremdgeht, so bürgt er sich Schuld auf, denn er/sie ist verantwortlich für ihr tun. Was dem vorangegangen ist, ergo die Gründe, spielt in diesem Kontext keine Rolle. Verzeiht man ihm/ihr wirklich, so darf man in ihrer Tat irgendwann keine Schuld mehr sehen, Fall a.). Tut man dies nicht, sprich man sieht in ihrer Tat stets die Schuld, so ist echtes Verzeihen nicht möglich, Fall b.)

Fall a.) würde jedoch das Konzept eines freien Willens negieren, da freier Wille Verantwortung und Schuld mit sich bringt. Fall b.) zeigt dass echtes Verzeihen im Konzept eines freien Willens nicht möglich ist.

wenn ich mich - nach einem betrug des partners - kompromisslos gegen so etwas wie "verzeihen" entscheide, dann kann die liebe zu meinem partner wohl nicht ganz so groß gewesen sein oder es überwiegen das ego, ängste, verletzte eitelkeit usw usf (und noch viel mehr).
Die Entscheidung gegen "Verzeihen" zeigt in erster Linie die Einsicht, dass nie wieder ein solches Vertrauen zum Partner aufgebaut werden kann wie vorher. (Daran trägt man keine Schuld, sondern in erster Linie der Partner, insofern man den Partner nicht selbst aktiv zum Fremdgehen gebracht hat)
Es zeigt auch dass man erkennt, dass man eine Schuld nie verzeihen kann, wenn man davon ausgeht der Mensch habe einen freien Willen.

Janshi

Geändert von Janshi (26.07.2006 um 22:41 Uhr).
 
 
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mizue
Alt 26.07.2006, 22:41   #21
Standard

@janshi

irgendwie finde ich persönlich den ausdruck "schuld" in diesem zusammenhang ein wenig fehlplatziert. aber du hast recht... der partner ist verantwortlich für sein tun, was allerdings auch nie bestritten wurde. bei mir steckt eher der gedanke dahinter, dass - wenn man sich gegenseitig (!) tatsächlich liebt, beide interesse am jeweils anderen bzw. einem fortbestand, ggf. sogar reifen der beziehung haben - ergründet werden soll, wieso es überhaupt zu einem vertrauensbruch kam. das muss in erster linie beim partner stattfinden, der fremdgegangen ist, was ich als voraussetzung dafür sehe, dass man dann zusammen - als paar - zu einer ehrlichen, zufriedenstellenden lösung kommt. in jedem fall muss eine neue basis geschaffen werden und das klappt mE nur, wenn aufgedeckt wird, was vorher schief gelaufen ist. gründe kann es viele unterschiedliche geben, das wissen wir. grundsetzlich zu sagen, der fremdgegangene partner wäre schuld am scheitern der beziehung, halte ich für falsch/oberflächlich.

Zitat von Janshi
Die Entscheidung gegen "Verzeihen" zeigt in erster Linie die Einsicht, dass nie wieder ein solches Vertrauen zum Partner aufgebaut werden kann wie vorher.
woher kann man das wissen? wenn man nicht miteinander ergründet und anschließend versucht dinge zu ändern, die "basis" "morsch" bleibt, dann ists klar, dass sich da auch nie was ändern kann. ich halte es falsch vom jetzt auf die zukunft zu schließen.

voraussetzung ist für alles natürlich der WILLE.
 
 
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Janshi
Alt 26.07.2006, 22:57   #22
Standard

Zitat von la mizue
@janshi

irgendwie finde ich persönlich den ausdruck "schuld" in diesem zusammenhang ein wenig fehlplatziert. aber du hast recht... der partner ist verantwortlich für sein tun, was allerdings auch nie bestritten wurde.
Ich sagte ja auch nicht dass dies irgendjemand bestritten hatte, aber ich wollte im Anfangsthread die These zur Diskussion stellen ob echtes, wirkliches Verzeihen tatsächtlich bedeutet, dass man ihn der Tat des in unserem Falle Partners keine Schuld mehr sieht. Dies hätte, wie ich bereits erläutert habe, weitreichende Konsequenzen.

bei mir steckt eher der gedanke dahinter, dass - wenn man sich gegenseitig (!) tatsächlich liebt, beide interesse am jeweils anderen bzw. einem fortbestand, ggf. sogar reifen der beziehung haben - ergründet werden soll, wieso es überhaupt zu einem vertrauensbruch kam.
Denkst du nicht, dass die alleinige Tatsache dass ein Partner einen anderen betrügt, unabhängig davon was dem vorangegangen ist, ein Anzeichen dafür ist, dass der betrügende Partner keine "echte" Liebe mehr für den anderen zum Zeitpunkt des Betrügens mehr empfand? Falls dem so ist, halte ich dies für sehr bedenklich.
Ich gehe jetzt stets von der Annahme aus, dass man den Partner keine "richtigen" Gründe für einen Vertrauensbruch lieferte, sondern viel mehr der Partner aus "niederen" Gründen fremd gegangen ist.

das muss in erster linie beim partner stattfinden, der fremdgegangen ist, was ich als voraussetzung dafür sehe, dass man dann zusammen - als paar - zu einer ehrlichen, zufriedenstellenden lösung kommt. in jedem fall muss eine neue basis geschaffen werden und das klappt mE nur, wenn aufgedeckt wird, was vorher schief gelaufen ist. gründe kann es viele unterschiedliche geben, das wissen wir. grundsetzlich zu sagen, der fremdgegangene partner wäre schuld am scheitern der beziehung, halte ich für falsch/oberflächlich.
Es geht mir nicht um das Scheitern einer Beziehung sondern um die generelle Frage wie man begründen kann dass man das "Fremdgehen" eines Partners verzeihen kann. Wende ich die obigen Thesen aus meinem Anfangsbeitrag, gerate ich in kontroverse Situationen. Vergesse oder Unterdrücke ich den Betrug des Partners, so ist das kein Verzeihen. Das man dennoch eine Beziehung fortführen kann, weil die Liebe zum Partner größer ist als die Wut auf den Vertrauensbruch, bestreite ich nicht.

woher kann man das wissen?
Erstmal hätte ich wohl dazu schreiben sollen, dass dies meine persönliche Meinung ist. Woher weiß ich das? Theoretisch kann jeder zu jedem Zeitpunkt und immer fremdgehen, aber zwischen potentiellen Tun und tatsächtliches zur Tat schreiten gibt es Unterschiede.
Was hindert die Person ihren Betrug zu wiederholen? Sie hat schon einmal diese Hemmschwelle übertreten. Beschreitet man einmal diesen Weg, gibt es kein zurück.



wenn man nicht miteinander ergründet und anschließend versucht dinge zu ändern, die "basis" "morsch" bleibt, dann ists klar, dass sich da auch nie was ändern kann. ich halte es falsch vom jetzt auf die zukunft zu schließen.

voraussetzung ist für alles natürlich der WILLE.
Was bringt dir die Ergründung? Du magst deinen Partner tatsächtlich so sehr lieben, dass du irgendwann einmal seinen Betrug vergisst, solange du jedoch die Schuld in seiner Tat siehst, wirst du ihm nie tatsächtlich verzeihen.

Janshi
 
 
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El Sparko
Alt 26.07.2006, 23:31   #23
Standard

@janshi: was du nicht ganz nachvollziehst ist, dass wahres verzeihen eben nicht bedeutet über etwas hinwegzusehen oder es zu vergessen. es bedeutet nicht, das vorgefallene gut zu heissen oder herabzuspielen.

wahres verzeihen ist dann erreicht wenn man über das was vorgefallen ist mit abstand nachdenken kann, dies aber keinen einfluss auf das aktuelle leben hat - wenn man die negativen gefühle nicht länger verspüren muss weil die sache geklärt ist.

jetzt ist eher die frage was dieses "klären" ausdrückt. viel haben wir hier schon erfahren, z.b. das "ergründen" der ursachen. wie ein verziehensprozess im einzelnen aussieht kommt auf die umstände und die betroffenen personen natürlich immer selbst an. und ich bin mir durchaus bewusst dass in 90% der fälle wohl eher ein vorgespieltes verzeihen stattfindet - ganz einfach weil wahres verzeihen nichts ist was man sozusagen in der kinderstube lernt, es hat was mit erheblicher persönlicher reife zu tun.

was ich nicht meinte war das "drüber hinwegsehen" oder die "augen verschließen" aus liebe. liebe hat in dem kontext wenig verloren, denn wie oben gesagt bringt es nichts so zu tun als würde man etwas verzeiehen, irgendwann kommt es wieder hoch und dann hat sich, um in deiner terminologie zu bleiben, derjenige selbst verschuldet der vorgegeben hat etwas verziehen zu haben.

was du schreibst von wegen "wer einmal fremdgeht tut es immer" und der unabdingbaren einzelschuld des "täters" ist leider weitaus weniger wertvoll als du vielleicht denkst. im grunde drückst du nur aus dass ein seitensprung dich (zurecht) enorm verletzen würde und dass du aus dieser verletzung heraus keine anstalten machen würdest darüber nachzudenken warum du verletzt wurdest. spätestens in einer liebesbeziehung wird diese einstellung aber probleme verursachen. klar kann man die beziehung dann "in den wind schießen", aber es ist nur allzu menschlich aus so einer erfahrung lernen zu wollen um am ende nicht vollkommen gehemmt da zu stehen. ohne weitere auseinandersetzung wäre die lehre aus so einer erfahrung nur "hilfe, jeder könnte fremdgehen" und evtl. ein auslöser für eine zukünftige bindungsangst.
 
 
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mizue
Alt 27.07.2006, 12:32   #24
Standard

^--- kann ich so eigentlich komplett unterstreichen.

und noch eine frage:

was sind für dich "niedere beweggründe"? denkst du da an... spontane wuschigkeitsanfälle + auf balzversuche eines fremden gegenüberes eingehen oder etwas dergleichen?

da kanns ja nun auch sein, dass das sexualleben in der beziehung für beide nicht wirklich befriedigend ist und diese "anfälligkeit" daher rührt. diese ursache soll einen betrug nicht entschuldigen oder rechtfertigen... es ist lediglich eine erklärung, ein punkt an dem man ansetzen kann.

grundsetzlich spielt eine offene und ehrliche kommunikation immer ne sehr wichtige rolle, wie mir mal wieder auffällt.
 
 
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