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Vertrauen oder Glauben?

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ShakeTheDisease
Alt 30.11.2007, 16:30   #1
Standard Vertrauen oder Glauben?

Ich bekomme immer mehr den Eindruck, daß Vertrauen und Glauben das selbe ist bzw oft falsch verwendet werden. Man kann jemandem vertrauen oder jemandem glauben (Arzt, Gott, Freund, Mitarbeiter, Teampartner). Man kann Vertrauen in eine Sache haben oder an eine Sache glauben (Expertenfachwissen, Regierungsform, Rentensystem, Therapie).

-Wo ist der Unterschied zwischen Vertrauen und Glauben?
-Hat Glaube nur etwas mit Religion zu tun?
-Vertrauen ist ein positiv besetztes Wort. Kann Vertrauen auch etwas Negatives sein?
-Wo ist der Unterschied zwischen "gesundem Vertrauen" und "blinder naiver Gutgläubigkeit"? (Rattenfänger-Situation)
-Spruch: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser." Ist das richtig? Ist es Vertrauen wenn ich noch kontrollieren muß?
 
 
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michaelg
Alt 30.11.2007, 17:42   #2
Standard

Natürlich sind Glaube und Vertrauen nicht das selbe, wenn auch durchaus eng verwandt. In der christlichen Religion beispielsweise wird glauben sehr oft im Sinne von vertrauen gebraucht.

Glaube bedeutet für wahr erachten, da macht es auch keinen Unterschied ob das jetzt metaphysisch aufgeladen ist. Vertrauen ist eine Sonderform des Glaubens: Es wird nicht nur auf die subjektive Wahrheit gezielt sondern auch auf die Richtigkeit, im Sinne von damit einverstanden sein - was auch Taten betrifft - , der Unterschied zur Wahrheitskategorie wird dann am deutlichsten, wenn man das Vertrauen, das man seinen Mitmenschen schenkt betrachtet, man glaubt, dass jemand etwas richtig machen wird.
Zudem hat Vertrauen gegenüber dem reinen glauben ein antizipatorisches Moment, was auch in der Zwischenmenschlichkeit am deutlichsten wird.
Glauben wird sehr oft auch in solchen Sinne verwendet, das zu differenzieren ist auch nicht immer notwendig.

Für mich ist Vertrauen tatsächlich positiv besetzt, als Menschlichkeitswert an sich, ganz gleich ob man damit auf die Schnauze fällt bzw. fallen kann. Extrem realistische Sichtweisen, die Vertrauen überhaupt nicht für sinnvoll erachten finde ich schwach.
Negativ besetzt wäre Vertrauen für mich nur unter Umständen, zum Beispiel Wenn zu Unrecht vertraut wird oder den falschen oder wie auch immer.
 
 
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Reh
Alt 30.11.2007, 19:58   #3
Standard

Zitat von ShakeTheDisease
-Wo ist der Unterschied zwischen Vertrauen und Glauben?
Je mehr man an einen Teufel glaubt, desto weniger vertraut man ihm. Es muss einen Unterschied geben.

Zitat von ShakeTheDisease
-Hat Glaube nur etwas mit Religion zu tun?
Nein! Achte darauf, wie oft Menschen ihre Argumentation mit "Ich glaube..." beginnen. Sehr oft behaupten sie dann sehr lustige Sachen, bei denen denkende Menschen verzweifeln.

Zitat von ShakeTheDisease
Vertrauen ist ein positiv besetztes Wort. Kann Vertrauen auch etwas Negatives sein?
Wenn ich gezwungen bin, jemandem zu vertrauen, dem ich nicht vertrauen möchte. Einem Arzt zum Beispiel. Oder meinem Arbeitgeber. Oder Politikern. Oder den Verkehrsteilnehmern. Wir sind täglich gezwungen, anderen Leuten zu vertrauen, ob wir das wollen oder nicht.

Zitat von ShakeTheDisease
-Wo ist der Unterschied zwischen "gesundem Vertrauen" und "blinder naiver Gutgläubigkeit"? (Rattenfänger-Situation)
Gesundes Vertrauen schenkt man erst, wenn man überlegt hat, ob Vertrauen in diesem Fall sinnvoll ist. Ein naiver Gutgläubiger wägt nicht ab, er lässt sich vom erstbesten beeinflussen und übergibt das Denken am liebsten anderen.

Zitat von ShakeTheDisease
-Spruch: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser." Ist das richtig? Ist es Vertrauen wenn ich noch kontrollieren muß?
Der Spruch besagt, dass man statt zu vertrauen lieber kontrollieren soll. Das sind verschiedene Dinge. Man kann aber auch vertrauen und trotzdem kontrollieren. In der Wissenschaft ist das zum Beispiel notwendig, um unbeabsichtigte Fehler aufzudecken. Das Vertrauen in einen Kollegen schützt den Kollegen nicht davor, einen Tippfehler in eine Formel einzubauen und damit falsche Ergebnisse zu produzieren. Kontrolle kann bei solchen Fällen helfen, ohne dass sie mit einem Vertrauensverlust einhergeht.
 
 
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Lupus Silvanus
Alt 30.11.2007, 20:01   #4
Standard

Vertrauen ist eher so ein Sympathievorschuss. Wenn ich jemandem vertraue oder vertraue dass irgendetwas funktioniert dann bin ich davon überzeugt.

Glauben ist eher so was wie eine feste Überzeugung die sich nicht erschüttern lässt. Wenn ich glaube dass irgendwas so und so ist dann lasse ich mich davon erstmal nicht so leicht abbringen.

Der Zusammenhang ist folgender: Durch Vertrauen entsteht Glauben. Ich vertraue auf bestimmte Dinge und das ist eine Sache die von mir ausgeht. Irgendwann glaube ich daran und das ist dann eine relativ stabile Einstellung, also Vertrauen geht von mir aus und Glaube ist etwas was durch Vertrauen entsteht und das fühlt sich dann so an als ob es schon immer da wäre.
 
 
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Reh
Alt 30.11.2007, 21:59   #5
Standard

Hat Vertrauen vielleicht etwas mit Wissen zu tun, während Glaube mit Nichtwissen zu tun hat? Ich vertraue darauf, dass der Airbag bei einem Unfall auslöst. Ich glaube nicht daran, ich weiss es. Auf Gott vertraue ich z.B. nicht, denn ich weiss nicht, ob es einen Gott gibt. Für die Gläubigen dagegen ist Gott Realität, sie wissen, dass es ihn gibt und vertrauen ihm daher.
Eh.. ja.
 
 
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Fränze
Alt 04.12.2007, 16:39   #6
Standard

Was Michaelg gesagt hat: Glauben heißt, etwas für wahr halten. Wenn ich an Gott glaube, halte ich es für wahr(scheinlich), dass es einen Gott gibt. Das heißt aber noch nicht, dass ich ihm vertraue. Denn (Reh), je mehr ich an den Teufel glaube, desto weniger vertraue ich ihm. Vertrauen heißt in der Regel, etwas Positives erwarten - aber nicht immer. Ich kann auch darauf vertrauen (erwarten), dass alles Gequatsche über Klimaschutz keine Taten nach sich zieht. Vertrauen basiert auf Erfahrung mit jemandem oder etwas.
 
 
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Reh
Alt 04.12.2007, 19:19   #7
Standard

Wo ist der Unterschied zwischen Vertrauen und Erwartung? Den Glauben an die Nutzlosigkeit des Klimagequatsches würde ich als Erwartung, nicht aber als Vertrauen definieren.

Hat Vertrauen vielleicht etwas mit dem eigenen Wohlbefinden zu tun?
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 04.12.2007, 21:08   #8
Standard

Zitat von michaelg
Zudem hat Vertrauen gegenüber dem reinen glauben ein antizipatorisches Moment, was auch in der Zwischenmenschlichkeit am deutlichsten wird.
Was ist "antizipatorisch"?
 
 
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