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Trauerarbeit/Selbstmitleid/Deprimusik?

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ShakeTheDisease
Alt 20.12.2007, 21:38   #1
Standard Trauerarbeit/Selbstmitleid/Deprimusik?

Was macht ihr wenn ihr traurig seid? (Kündigung, Partnertrennung, berufl. Mißerfolg, von Menschen enttäuscht, Unglücke, sonst. seelische Verletzungen)

Sucht ihr Aufheiterung bei Freunden? Oder trauert ihr zurückgezogen (Musik, TV, PC)?

Man soll an sich selbst Trauerarbeit leisten, aber nicht in Selbstmitleid verfallen. Was ist der Unterschied? Geht das Eine denn ohne das Andere, wie kann man das auseinander halten? Was ist Trauerarbeit? Könnt ihr Trauerarbeit leisten, ohne in Selbstmitleid zu versinken?

Denkt ihr, daß traurige Musik eine gute Unterstützung der Trauer ist oder auf lange Sicht noch depressiver macht?
 
 
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michaelg
Alt 20.12.2007, 22:32   #2
Standard

"Deprimusik" ist in meinen Augen ein sehr schönes Thema, daher sei an dieser Stelle definitiv auf:

lieder mit depristimmung verwiesen und eventuell auch noch, da Herzschmerz nicht selten mit "Depri-Stimmung" einhergeht auch auf:
Eure absoluten Herzschmerz / depri Songs verwiesen, auch wenn es da "nur" um die Songs geht.

Wenn ich richtig traurig bin - was bei mir bei einigen der genannten Beispielssituationen erst später eintritt, oft werde ich vorher ersteinmal so richtig 'aggro', was auch nicht besser ist - dann gehe ich da sehr selten konstruktiv ran. Eher suhle ich mich in Selbstmitleid und/oder betrinke ich mich. Das "hilft", jedenfalls gefühlt, auch wenn es objektiv sicher uneffektiver sein mag, als son Schmarrn wie sachliche Auseinandersetzung, der Situation trotzen, Analysieren und besser machen, die Trauerursache als Resultat statt als Misserfolg verbuchen. Das ist einfach nicht meine mentale Einstellung und wird es hoffentlich auch niemals sein. Auch wenn man, was ich vermute, die Welt auf so eine Weise durchaus einfacher und spaßreicher erleben wird.

Also ich trauere zurückgezogen, wobei ich allerdings nicht auf der Schiene fahre, mich einzumauern und alles soziale zu lassen, da sage ich ohnehin nie nein. Ich würde auch schon gerne mit Menschen darüber reden, da ich da aber entweder arrogant oder ängstlich bin, traue ich den meisten Menschen nicht zu, damit vernünftig umzugehen, womit ich zum einen ein großes Maß an Empathie- und Verständnisfähigkeit zum anderen aber auch Dinge wie Diskretion meine. Es kommt jedenfalls selten vor, dass ich mich anvertraue. Vielleicht wäre es besser, das öfter zu tun.

Selbstmitleid ist auch ein schönes Thema, es hat nicht ganz zu unrecht einen schlechten Ruf, weil es als die bequeme Variante der Trauer gilt, da man aktiv nichts tut und sich auch noch mehr runterzieht. Es gibt bekanntlich diesen klassischen Rat in Problemsituationen "Man kann entweder sich lethargisch in der Trauer suhlen oder eben sich sich einen Arschtritt geben und was machen". Ich habe nichts gegen diesen Rat, würde aber intuitiv das Selbstmitleid gegen diejenigen Menschen, die solche Ratschläge gerne altklug geben verteidigen. Die Tatsache des Leidertragens alleine gibt meiner Meinung nach schon einen Anspruch auf Selbstmitleid her, also eine Trauerarbeit ohne ständig Vorwürfe, selbst Schuld zu sein (nicht an dem eigentlichen Grund, sondern dass es einem so schlecht geht).
 
 
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Sehr gut ?
Alt 21.12.2007, 20:18   #3
Standard

Hm, ich hatte bis vor einer stunde große depries.
Bei meiner mutter lag ein verdacht auf lungenembolie vor.
Dazu kommt noch, morgen ist der todestag meines vaters der dann genau ein jahr tot ist.
Wie ich damit fertig werde?
Hmmm ich denk mir einfach klaren kopf bewahren, ich hab gehandelt bzw. versucht zu tun was zu tun ist.
Mit den hunden raus, haushalt aufgeräumt.
Aber zwischendrin hatte ich immer wieder diese "lähmungserscheinungen", mein kopf war leer und ich starrte einfach so in den raum.
Bzw. stand einfach da und wusste nicht was ich machen soll.
Musste dann meine gedanken sammeln, und weiter machen.

Depriemusik finde ich äusserst ungeeignet, da ich IMMER versuche einen klaren kopf zu bewahren vorallem, weil meine verwandten, genau das gegeteil machen.
Dadurch wurde ich schon öfters als gefühlkalt bezeichnet, was ich absolut nicht bin, denke mir nur: "heulen sollen die anderen, ich versuche zumindest zu handeln" auch wenn ich an der situation groß nichts ändern kann.
Aber nützt nunmal nix wenn alle da sitzen, weinen und keiner "weiter" denkt.

Ach ja die embolie wurde nicht bestätigt, ein großer stein der mir vom herzen fiel- jetzt kann ich weinen- vor freude

Sry für gramatische fehler/ rechtschreibfehler bin immer noch ganz aufgelöst im positiven sinne.
 
 
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Nuss
Alt 29.12.2007, 12:41   #4
Standard

da ich grad ne trennung hinter mir habe kann ich dir sagen was ich mache/gemacht habe.

Ich hab mich abgelenkt in dem ich mir verschiedensten personen geredet habe, selbst mit welchen mit denen ich schon lange nicht mehr geredet habe. deprimusik hätte bei mir er zum gegenteil geführt und mich noch mehr runter gezogen. Erlich gesagt hat es mich an konzerten gezogen um einfach erst mal abgelenkt zu sein. und dort meinen frust beim "tanzen" auszulassen.(ohne alk natürlich)
 
 
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Irrer mit Bogen
Alt 30.12.2007, 00:49   #5
Standard

Wenn ich total in der depressive versinke fang ich an innerlich wütend zu werden.
Die Grundeinstellung ist dann nicht mehr normal sondern gleich 'ein aufs maul??' und ich bekomme etwas ähnliches wie einen 'Kurzschluss' (es reichen kleinste Dinge aus um mich zum durchdrehen zu bringen ) aber meistens versickert alles in einer Art selbstbemitleidenden Mattheit die mich nahezu auffrisst .
Es kommen dann dabei solche sachen raus wie im hochsommer mit schwarzem pulli und schwarzer hose 4 stunden mit kurzen pausen fahrrad fahren oder ähnliches um an die Grenzen zu kommen .Um meine Wut auszutoben .

Bei kleineren Dingen fange ich an es einfach hinzunehmen und es zu vergessen.Ganz nach dem Motto :' Da kann man nix machen !'
 
 
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Sehr gut ?
Alt 30.12.2007, 01:11   #6
Standard

Wenn ich total in der depressive versinke fang ich an innerlich wütend zu werden.
Die Grundeinstellung ist dann nicht mehr normal sondern gleich 'ein aufs maul??'
Hattest du schon richtige probleme?
 
 
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RegularJohn
Alt 30.12.2007, 20:43   #7
Standard

ablenkung... einfach ständig was machen, damit man nicht daran denken muss ^^ es bringt einen nicht weiter, wenn man sich selbst bemitleidet oder auch einfach nur trauert... das bremst einem im leben und dafür haben wir heutzutage keine zeit mehr
 
 
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Reh
Alt 30.12.2007, 21:18   #8
Standard

Naja. Es stimmt nicht, dass Ablenkung die beste Möglichkeit ist, mit Trauer fertig zu werden.
Man kann Trauer verdrängen oder verarbeiten. Verdrängen der Trauer bringt akute Linderung, trägt aber nicht dazu bei, den Verlust wirklich zu überwinden. Der innere Konflikt, der durch den Verlust entsteht, bleibt somit bestehen.
Langfristig sinnvoller ist die Verarbeitung der Trauer. Dazu muss man sich der Trauer hingeben. In jeder Kultur existieren zahlreiche Rituale, die diesen Prozess unterstützen und begleiten, so dass die Trauerarbeit erfolgreich geleistet werden kann. In unseren modernen Gesellschaften haben wir diese Rituale leider aus den Augen verloren und bedienen uns ihrer zu selten. Mehr noch, die kulturell geprägte Ansicht, der Mann müsse hart sein und darf keine Schwäche zeigen, trägt dazu bei, dass gerade Männer sich dem Trauerprozess verweigern. Selbst schuld, kann man da nur sagen. Die langfristigen negativen Folgen einer nicht geleisteten Trauerarbeit ließen sich vermeiden.
 
 
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Felicitas
Alt 30.12.2007, 21:28   #9
Standard

Zitat von Reh
In jeder Kultur existieren zahlreiche Rituale, die diesen Prozess unterstützen und begleiten, so dass die Trauerarbeit erfolgreich geleistet werden kann.
was wären das zum beispiel für rituale und in welchen kulturen? mach doch bitte nicht immer nur halbe posts, sondern bring zuende was du anfängst
 
 
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mizue
Alt 30.12.2007, 21:50   #10
Standard

Zitat von RegularJohn
ablenkung... einfach ständig was machen, damit man nicht daran denken muss ^^ es bringt einen nicht weiter, wenn man sich selbst bemitleidet oder auch einfach nur trauert... das bremst einem im leben und dafür haben wir heutzutage keine zeit mehr
weil time is money und so?

mal ehrlich... wenn du die vielen dinge nur in dich reinfrisst und verdrängst, dann ist im grunde vorprogrammiert, dass die dinge irgendwann wieder ans tageslicht kommen. sei es nun in der form, dass du dich daran erinnerst und wieder den alten schmerz fühlst oder in form irgendeiner störung oder was auch immer.

verarbeiten und zwar wirklich verarbeiten, sich mit dem problem & mit sich selbst auseinandersetzen. nicht wegschauen, sondern hinschauen.

ich selbst beobachte an mir manchmal, dass ich erstmal weglaufe, nicht hinschauen will, weil ich manchmal auch nicht sofort verstehe, was passiert ist. klar, wenn man eben nicht hinschaut... und meine eltern haben mir selbst eben auch nicht beigebracht, (meine) probleme ernst zu nehmen, weil sie es selbst nicht tun. selbst weglaufen, verdrängen. aber so läuft das eben nicht, habe ich festgestellt, so wird oder bleibt man nicht wirklich glücklich und zufrieden. nunja und ich bin am üben, d.h. ich übe hinzuschauen und lerne (mich) zu verstehen und probleme wirklich zu verarbeiten.

selbstmitleid find' ich übrigens gar nicht so schlimm. es ist eine phase, die man ruhig mal durchleben darf. selbstmitleid kann doch durchaus eine phase von trauerarbeit/verarbeitung/verstehen und so weiter sein, oder nicht?
 
 
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RegularJohn
Alt 30.12.2007, 23:04   #11
Standard

ja aber wenn man sich der trauer wirdmet, kann es auch sehr leicht passieren, dass man sich darin verliert und die kraft nicht mehr hat neuanzufangen und weiter in die zukunft zu blicken...
 
 
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Nuss
Alt 30.12.2007, 23:37   #12
Standard

ich denk mal beide aspekte sind wichtig, aber es ist ja auch von fall zu fall anderes.
Wenn man in einer trennung zu viel zurück schaut, kommt man nicht wirklich vorran.
Türlich sollte man sich schon ein bisschen gedanken drum machen welche fehler man selbst gemacht hat, um davon zu lernen, aber irgent wann muß man das hintersich lassen. und sich irgent wie ablenken. sonst frist es einen auf.
 
 
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Reh
Alt 30.12.2007, 23:38   #13
Standard

Also mir ist nicht bekannt, dass ein Trauerprozess die besondere Gefahr birgt, sich darin auf ewig zu verlieren. Das klingt sehr nach Märchen, die sich die Leute ausdenken, weil gerade keine bessere Erklärung zur Hand ist oder weil man so die Angst vor dem Trauerprozess in eine Erklärung kanalisiert, die weniger Angst einflößt.
Aber gut, ich bin kein Experte und lasse mich eines besseren belehren von ernstzunehmenden Daten.

Zitat von felicitas
was wären das zum beispiel für rituale und in welchen kulturen? mach doch bitte nicht immer nur halbe posts, sondern bring zuende was du anfängst
Begräbnis mit dem ganzen Drumherum ist vielleicht das markanteste Beispiel. Es kommen Leute vorbei, die den Trauernden in seiner Trauer begleiten und unterstützen, es werden Mahlzeiten extra für den Verstorbenen abgehalten, es wird mit dem Begräbnisritual und weiteren gemeinsamen Treffen Abschied genommen usw.
Wenn eine Frau ihren Freund/Lebenspartner verliert, dann sucht sie Freundinnen auf, in derer Gegenwart sie sich ausweinen und aussprechen kann, was zu großer Erleichterung führt. Das wird dann gern vielfach wiederholt, auch mit verschiedenen Ansprechpartnern.
Die Rituale äußern sich auch in eher subtilen Sachen, wie besonderen Gesten, Zusprüchen, Beileidsbekundungen. In der Anwensenheit eines Trauernden Freundes verhalten wir uns immer anders als sonst. Es wird nicht fröhlich gefeiert und blöde Witze wie sonst werden auch nicht gerissen.
Einen repräsentativen Querschnitt über die Trauerrituale verschiedener Kulturen müsste ich selbst erst recherchieren, aber ich denke, es ist nun klar, was ich gemeint habe.
 
 
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Nuss
Alt 31.12.2007, 00:01   #14
Standard

ich kann nur von mir ausgehn ich bin zu tief in der trauer versunken und hatten meine handlungen nicht wirklich unter kontrolle und hab dadurch mehr kaputt gemacht als repariert, trauern sollte man zwar schon um es besser verarbeiten zu können, aber irgent wann kommt der zeit punkt an dem man loslassen muß um wieder nach vorn zu sehn. Mag sein das der ein oder andere es anders sieht, aber ich kann nur für mich sprechen.
 
 
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Felicitas
Alt 31.12.2007, 09:36   #15
Standard

@reh: die von dir gegannten beispiele gibts aber durchaus noch, sagt mir zumindest meine erfahrung in meinem umfeld.

@topic:
Bei mir beginnt die Trauerarbeit erst mal mit ner Art Schockzustand/Fassungslosigkeit. Diese "hä, warum das nun?"-Frage. Das ist wohl auch allgemein die erste Phase der üblichen Trauerprozesstheorien. Egal ob nun Trennung, blöde Erlebnisse auf Arbeit, Versagen bei Klausuren, Todesfall usw. usf.. Je nach Trauergrund kann das bei mir zwischen Minuten und ein paar Tagen andauern.

Und je nach Trauergrund werden dann darauffolgende übliche Phasen von Trauerprozesstheorien übersprungen oder auch vermischt. Bzgl. "Problemen" auf Arbeit kommt dann recht schnell Wut in mir auf (Wut auf mich und/oder auf denjenigen der am Problem beteiligt war) gepaart mit dem Analysieren warum das passiert ist und inwiefern ich dazu beigetragen habe. Bzgl. Trennungen von Partnern ist das ein bisschen anders. Da kommt bei mir keine Wut sondern eher "Verzweiflung", wobei das Wort das Gefühl nicht ganz trifft. Es beginnt dann die Phase in der ich verstärkt Freundschaften aufsuche oder alte Kontakte wieder belebe. An der Stelle rede ich viel und offen, schreibe viel und offen und rede und schreibe mir quasi meine Seele und mein Gewissen frei. Das geht dann mit Unmengen von Analysen einher, wobei ich diese Probleme immer als solche begreife, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt. Und mathematisch akribisch geh ich dann an die Lösungsfindung. Parallel dazu suche ich mir aber auch Rückzugsräume, nabel mich von außen, bzw. von dem was mir in dem Moment nicht primär wichtig erscheint völlig ab. Bei Todesfällen gab es bislang nichts groß zu analysieren (alles "normale" Todesfälle, bei Suiziden im näheren Umfeld wär das vermutlich anders, bei Tod durch Unfall würde wohl eher eine allgemeine Wut aufkommen), von daher bleibts im Erinnerungen schwelgen und einfach zurückgezogen traurig sein. Wobei in diesem Fall die Trauerphase relativ kurz gehalten wird mit der "richtigen" Einstellung zum Leben und zum Tod.

In der nächsten Phase werd ich dann meistens arbeitswütig. Während bei anderen die Verdrängung oft gleich nach der ersten Phase kommt, kommt die bei mir erst später, wenn ich den Halt von Freunden habe, genug geweint habe, Lösungen gefunden habe und für mich selbst beschließe "Nun ist Schluss damit, du musst weiter leben". Das waren dann die Phasen in denen einer meiner Ex-Arbeitgeber unendlich begeistert von mir war weil ich mich ja "so engagiert habe" und oftmals 10-15 Stunden Tage geschoben habe und in der Zeit auch wirklich verdammt gute bzw. überdurchschnittliche Leistungen erbracht habe. Das sind dann auch Zeiten in denen ich eine verdammt saubere Wohnung habe weil ich am "Erinnerungen weg putzen" bin.

Und ab da kommt bei mir der am stärksten ausgeprägte Punkt der Verdrängung: Auslöschen sämtlicher Sachen die mit dem Grund der Trauer zu tun haben. Am Beispiel einer gescheiterten Beziehung wäre das völliger Kontaktabbruch, das "Wegputzen von Erinnerung(sgegenständen)" usw.

Und irgendwann beginnt das Leben wieder normal zu verlaufen. Meistens dann, wenn eine neue Tür aufgeht. Und mit genug zeitlichem Abstand kann ich über erlebte Sachen die Grund zur Trauer waren dann relativ emotionlos reden. Nicht nur emotionslos reden, sondern emotionslos dahingehend sein - Phase der Gleichgültigkeit und damit wirklich Abschluss der Trauerarbeit.

Im großen und ganzen funktioniert das bei mir. Zumindest habe ich bei keinem Anlass der zur Trauer bestand jetzt im Nachhinein das Gefühl dass noch etwas zu klären sei. Es ist einfach durch, gegessen, vorbei.

@traurige Musik: Ja, vorallem in der zweiten Phase in der starke Gefühle mitspielen. Ich will mich da auch nicht zwingen extra fröhliche Musik zu hören, sondern ich will mich den Gefühlen hingeben, sie ausleben. Und dazu gehört auch Musik. Es ist dann die Zeit in der ich mich und meine Gefühle in irgendwelchen Songtexten wiederfinde - bla. Zum Glück endet diese Phase irgendwann und ich weiß auch das sie endet, vllt "traue" ich mich deswegen mich dieser Phase wirklich hinzugeben und sie zuzulassen. Bzw. ich hab gar keine andere Chance als mich den Gefühlen hinzugeben, aber das ist ne andere Geschichte. In der darauffolgenden Phase, in der arbeitswütigen Verdrängungsphase, schlägt das dann aber schlagartig um.

@Selbstmitleid: das seh ich wie mizu, das darf es ruhig geben. Warum auch nicht? Das ist ja in gewisser Weise auch Selbstpflege. Passt schon. Teil von Phase zwo.

@absolute Verdrängung: Mir ists relativ egal wie andere Menschen trauern und wie sie und wann sie und ob sie überhaupt verdrängen. Als Außenstehender finde ich es aber immer einfacher demjenigen zu helfen wenn er sich seinen eigenen Gefühlen und seinem (nahen) Umfeld öffnet, als wenn er sich verschließt und es versucht mit sich allein auszumachen. Wobei es sicherlich Menschen gibt die es gar nicht anders können oder es sich auch nicht getrauen die Fassung zu verlieren, sich anderen zu öffnen. Manchmal denke ich dann "Versuchts doch wenigstens einmal. Wenn es nicht klappt, dann könnt ihr es beim nächsten Trauerfall ja wieder wie gewohnt machen, aber versuchen kann man es". Ich hab auch das Gefühl, dass die Menschen die sich dann verschließen und "absolut verdrängen" kalt werden mit der Zeit. So abgeklärt, ja fast unmenschlich. Denn Gefühle gehören ja irgendwie zum Mensch-sein dazu. Zumindest für mich.

Gabs jetzt noch ein Thema das angeschnitten wurde? Ich glaub nicht

Geändert von Felicitas (31.12.2007 um 10:07 Uhr).
 
 
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Irrer mit Bogen
Alt 31.12.2007, 12:53   #16
Standard

@ Sehr gut ?
Wer hatte die noch nicht? Ohne jegliche Probleme wird kein Mensch leben ,geschweige denn ohne größere. Und ja ich hatte schonmal größere Probleme .
In dem Punkt kann man sagen ,dass 'richtiges Problem' eigentlich sehr relativ ist. Jemand dem oft etwas passiert oder der schon sehr heftiges durchgemacht hat ist in gewisser weise ein wenig abgehärteter gegenüber kleinereren Dingen als jemand der eigentlich normalerweise wenig um die Ohren hat .Klar jedes schlimme Ereignis nimmt einen mit . Das ist auch garnich die Frage.Aber es hängt immer vom Standpunkt ab .
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 01.01.2008, 17:25   #17
Standard

Ich trauere immer zurückgezogen, Ablenkung geht meistens nicht, weil ich eben schlecht drauf bin. Trauern heißt bei mir grübeln, nachdenken und Selbstmitleid. Mit kühlem Kopf die Dinge anpacken und Lösungen suchen, klappt meistens nicht. Meist gibt es auch gar nichts zu lösen oder ich bin zu antriebslos. Deprimusik gehört immer mit dazu. Traurige und aggressive Musik empfinde ich dann als schön und sie unterstützt auf Gefühlsebene, während der Verstand umgangen wird.
Zitat von felicitas:
was wären das zum beispiel für rituale und in welchen kulturen?
Bsp: Die Fayu-Indianer in Papua/Indonesien:
Zitat von Sabine Kuegler: Dschungelkind
WENN JEMAND EINE SCHLIMME ERFAHRUNG GEMACHT HATTE, LAG ER MANCHMAL FÜR WOCHEN IN SEINER HÜTTE, OHNE EIN WORT ZU SAGEN, ODER SANG STUNDENLANG VOR SICH HIN. Eines Tages stand er wieder auf, und kein Schock oder Trauma war zurückgeblieben. Er war wie gereinigt, strahlte über das ganze Gesicht und nahm seine Aufgaben in der Gesellschaft wieder wahr.
 
 
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again'nd.again
Alt 21.05.2008, 21:35   #18
Standard

Das Zitat von dem Dschungelkind finde ich sehr zutreffend, ich kann das gut auf mich beziehen - manchmal.
Ich hatte mal eine Zeit, da ging es mir durchgehend schlecht, unglaublich schlecht. Da diese Zeit einen langen Zeitraum annahm habe ich mich viel ablenken lassen und wenn es wieder so über mich kam, habe ich versucht mit einer Freundin zu reden.
Das war damals.
Jetzt geht es mir überwiegend richtig gut. Doch manchmal fällt die Errinerung auf mich ein und dann kommt keine Ablenkung zu mir durch. Dann lasse ich es einfach so sein,wie es ist, höre Musik, die meine Gefühle unterstützt, schreibe viel. Und das meistens den ganzen Abend dann (Weil diese Phasen immer abends kommen). Am nächsten Tag ist es dann wieder in Ordnung, ich sehe wieder alles Positive. An den Abend errinere ich mich noch, fühle mich aber anders - Und außerdem freue ich mich immer über meine Texte o.Ä., die mir selbst oft sehr gut gefallen
Ja, manchmal geht es mir auch morgens schlecht. Vor zwei Monaten habe ich die Hilfe gefunden - Keine gute, muss ich sagen. Hab damals mit dem Rauchen angefangen, wäre ohne den Gedanken, ich könnte gleich rauchen, wahrscheinlich nicht mehr aus dem Haus gekommen. Hab dann aber wieder aufgehört, ich dachte mir, dass man so früh ja nicht unbedingt täglich rauchen muss. Jetzt ist es eigentlich nur noch die Musik und das Schreiben.
Selbstmitleid?. Hm nein, habe ich eigentlich nie. Das hatte ich eigentlich auch selten im Leben bis jetzt. Es ist einfach alles so, was passiert, für einiges kann ich was - für anderes weniger. So ist das Leben, von jedem. Mitleid ist meiner Meinung nach nicht angebracht.
 
 
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Dreamrat
Alt 21.05.2008, 22:02   #19
Standard

hey, also wenn ich so richtig traurig bin, dann fahre ich an den see mit meinen Hund und versuche da irgendwie meine gedanken zu fassen, Lösungen zu suchen, frage mich auch oft, Warum das alles so sein muss? Warum macht man sich oder andere das leben so oft schwer?
Warum man solche schlimmen Ereignisse, erleben musste, einfach was es für einen Sinn geben soll. Ich weine dann oft sehr, die Tränen kullern einfach über die Wangen, obwohl ich gar nicht heulen will, und wenn ich dann noch Dreprimusik hören würde, dann müsst ich wahrscheinlich bloß noch heulen. Ich brauche dann auch die Einsamkeit. Alleine zu sein, an meinen Orten, wo ich gerne bin, in der Natur.

lg Dreamrat
 
 
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gatta
Alt 21.05.2008, 23:11   #20
Standard

Bei mir ist das ganz unterschiedlich. Wie meine Mum gestorben ist, war mir einmal nach Gesellschaft, dann wieder nicht. Wenn ich alleine sein wollte, dann hab ich mich in mein Zimmer verzogen, was schnulziges im TV geguckt, ins Tagebuch geschrieben oder ruhige Musik gehört, schlafen probiert und so Sachen eben. Wenn's ganz schlimm war, hab ich mir das Lied angehört, dass wir auf ihrer Beerdigung gespielt haben ("Großer Schwarzer Vogel" von Ludwig Hirsch, falls das wer kennt) und ihr Bild angestarrt . . . .

Aber dann war mir auch wieder nach Gesellschaft. Bin zu unsrem Verein, ließ mich von meinen Freunden ablenken, ging fort, hatte Spaß . . . .
 
 
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katjes
Alt 22.05.2008, 00:22   #21
Standard

Wenn ich depri bin, dann suche ich Ruhe für mich, versuche es vor anderen zu unterdrücken, heule mich dann im schlafzimmer richtig schön aus, und dann geht das leben weiter
 
 
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marley
Alt 22.05.2008, 15:30   #22
Standard

Wenn ich traurig bin, ziehe ich mich meistens zurück und versuche nicht, mich abzulenken. Ich lebe meine Gefühle alle aus- egal ob positiv oder negativ. Habe ich Liebeskummer, höre ich traurige Lieder, erinnere mich an schöne Zeiten zurück, denke viel nach, frage nach dem "Warum" und weine natürlich. Ich vergrab mich dann gern in meinen Tränen- und das ist auch gut so. Denn so richtig ausgeheult fühlt man sich zwar voll beschissen, aber insgesamt kann man es dann schneller verarbeiten. Wenn ich versuche, mich abzulenken, besteht das Problem ja nachwievor und kommt später trotzdem wieder ans Licht. So lange die Erinnerungen noch frisch sind, will ich alles verarbeiten und danach bin ich offen für Neues.
Wenn meine Depriphase jedoch schon sehr lange dauert, lenke ich mich bewusst ab. Denn dann habe ich genug getrauert und finde bloß nicht gleich auf Anhieb den Weg aus dem Dunkel...
 
 
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short_cut_baby
Alt 25.05.2008, 14:01   #23
Standard

Ih fall da manchmal eher in selbstmitlied aber versuch meistens mcih durch freunde abzulenken und dann gehts wieder. nja udn manchmal denkt man, man hat jegliche perspektive verloren. das sind die momente,wo man sinnlos inner ecke hocktund gar nichts mehr tut.
 
 
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Panazee
Alt 25.05.2008, 14:14   #24
Standard

Hm, die letzte Situation in der ich wirklich heftige Probleme hatte, die zum Thema passen war als sich mein Freund nach 3 Jahren Beziehung von mir getrennt und wenige Tage später eine Neue hatte, das habe ich allerdings erst etwas später erfahren.

Ich habe diese Zeit mehr mit mir selbst verbracht als mit Anderen, generell war ich immer schon lieber alleine, wenn es mir schlecht ging. Ich habe viel mit meiner Familie gesprochen (Bruder, Mutter) und mit einer sehr guten Freundin. Dem Rest habe ich versucht "heile Welt" vorzuspielen, weil darüber zu reden noch mehr weh getan hätte. Die ersten Tage habe ich mich nur zuhause verkrochen, bin nicht zur Schule gegangen und auch sonst nicht aus dem Haus. Gegessen habe ich etwa 1-2 Monate nicht "normal", das war allerdings keine Trotzreaktion, ich hatte einfach keinen Appetit. Die gesamte Zeit war von Ups und Downs geprägt, ich verfiel dann zwischenzeitlich in eine Euphorie von wegen "neues Leben" und so. Neue Frisur, neue Klamotten, neue Sachen ausprobieren. Aber das flaute alles sehr schnell wieder ab, ich saß wieder zuhause und heulte. Wenn ich versucht habe mich mit Freunden abzulenken, sah das meist gleich aus: der erste Teil des Abends war super, viel gelacht, gute Ablenkung, aber irgendwann wenn das eigentliche Thema erstmal zurück im Kopf war ging es auch nicht mehr weg und ich wollte nur noch nachhause und wieder heulen. Ich glaube ich habe viel Zeit damit verbracht mich selbst zu bemitleiden, einfach weil ich kein Morgen mehr gesehen habe und mein ganzes gewohntes Leben übernacht einfach nicht mehr so war wie vorher. Zudem hab ich in dieser Zeit sehr viel über mich und auch meinen Ex Partner gelernt und habe mir auch noch Selbstvorwürfe gemacht. Wie ich aus dieser Krise wieder rausgefunden habe, kann ich euch leider nicht sagen, denn das hab ich nicht... wir sind nach längerer Trennung und etwas Funkstille wieder zusammen gekommen und haben alles geklärt... demnach habe ich nicht alleine aus meinem Loch gefunden und ich frage mich manchmal wie das ausgesehen hätte...
 
 
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Dreamrat
Alt 22.08.2008, 18:15   #25
Standard

Das Selbstmitleid ist das schlimmste und unnötigste Leid. Bedauere Dich nicht selbst. Du hast dich dafür entschieden zu leiden. Vielleicht willst oder sollst Du dadurch etwas lernen, was du jetzt noch nicht erkennst... Man darf die Traurigkeit in sich nicht abwehren, man darf Sorgen, Schmerzen und Leid nicht beklagen. Gesegnet sind diese Dinge, denn durch sie wachsen wir zum wahren Verstehen unseres Weges. Es gibt ein kostbares Geschenk des Mitgefühls, das dem eigenen Selbstmitleid entspringt und sich in äußeren Handlungen ergießt. Sondern das Fühlen eines gemeinsamen Schicksals..aus dem Buch "Denk mal darüber nach" von Dagmar Berg



Ich finde die Worte wahr, denn durch Selbstmitleid, kommt man keinen Schritt voran. Es bedarf aber alles seine Zeit und Geduld. Aber dennoch ist es unnötig sich selbst zu bedauern, es ist unnötige Energie..

Eine Trauer, Traurigkeit, Schmerz, Leid sollte man ausleben, verarbeiten, aber der Weg sich zu bedauern ist nicht der Weg den man nehmen sollte......

Geändert von Dreamrat (23.08.2008 um 00:44 Uhr).
 
 
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