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Dem Tot ins Auge geschaut

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Skyhoof
Alt 27.03.2003, 23:40   #1
Standard Dem Tot ins Auge geschaut

Hallo!

Ich hatte eigentlich (so wie gestern auch)nicht mehr vor in den PP zu gehen, doch ich kann einfach nicht pennen.
Der Grund dafür:

Gestern ist eine Frau vor meinen Augen gestorben.
Erst dachte ich, das macht mir nix aus. Immerhin mache ich gerade n Praktikum im Altenheim und da muss ich mit sowas rechnen.

Doch Gestern und auch heute abend, wenn ich dann zu Bett gehe und zur Ruhe komme kann ich nicht einschlafen.
Ich mache mir Vorwürfe, dass die Frau nun noch leben könnte, wenn ich nur ein paar minuten Früher zur Hilfe gewesen wäre.

Aber hätte das wirklich was gebracht?
10 Minuten vor Ihrem Tod habe ich noch mit Ihr gesprochen.
Sie wollte gerade eine rauchen, doch Ihre Finger bekamen die kippe nicht zu greifen und sie fiel auf den Boden.
Da fiel mir auf dass ihre Finger ganz blau waren.
Ich hab sofort dem Pflegedienst bescheid gesagt, welcher anordnete sie auf Ihr Zimmer zu bringen, man würde sich schnellstmöglich um sie kümmern.
Ich fuhr sie in Ihrem Rollstuhl (darin saß sie vorübergehend weil sie wegen einer entzündung am Bein nicht laufen durfte) auf Ihr zimmer.
Ich unterhielt mich mit ihr noch, dass ich sie nun hoch bringe damit sich ein Pfleger um sie Kümmern kann.

Keiner hatte damit gerechnet, dass sie 10 Minuten später tot sein würde.

Ich brachte sie auf Ihr zimmer, und da begann sie plötzlich zu röcheln. Noch bevor die Sauerstoff-Flasche da war (welche in einem Wandschrank gerade mal 10m den Gang runter stand) war die Frau bereits tot.

Ganz plötzlich.

Nun kann ich nicht pennen.
Wenn ich mich ruhig hinleg, sehe ich sie da liegen.
Ich mache mir vorwürfe ...
Hätte ich Ihre Schwäche ein paar Minuten früher bemerkt, hätte Ihr wohlmöglich noch rechtzeitig geholfen werden können.

Ich hätte nie gedacht, dass mir der Tod einer mir beinah unbekannten alten Frau so nahe gehen könnte.

Und nun ?
Nun kann ich nicht pennen.
Daher sitz ich nun am Rechner, um mir einfach mal von der Seele zu schreiben, was mich bedrückt.

Tagsüber merk ich davon nix ...
Aber wie gesagt, sobald ich zur Ruhe komm und einschlafen will ...
Dann fang ich an mich hin und her zu wälzen.

Nach ner dreiviertelstunde rumwälzen bin ich wieder aufgestanden.
Und hier schreib ich nun ...

Keine Ahnung was ich noch sagen soll, doch das musste mal raus
 
 
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Sugar
Alt 28.03.2003, 01:21   #2
Standard

Das ist bestimmt ne schlimme Sache für Dich gewesen.Stell ich mir auch furchtbar vor jemanden so sterben zu sehen, aber Schuld bist Du daran defintiv nicht.Die Frau war doch krank, hätten denn die Ärzte nicht auf die Symptome achten müssen?
Ich weiss ja nicht wodran sie gestorben ist?Herzinfakt?Aber da röchelt man ja nicht vorher.

Lass Dir ein bisschen Zeit.Sowas passiert einem ja nicht jeden Tag und ich finde es wäre eher unmenschlich wenn einem sowas nicht Nahe gehen würde.Red mit Menschen darüber, vielleicht hilft Dir das ja.Vielleicht ja sogar mit Kollegen, denen wird es bestimmt ähnlich wie Dir gehen.

Ich hoffe Du nimmst Dir das nicht zu sehr zu Herzen, wie gesagt, es war nicht Deine Schuld, so wie Du es erzählst hast Du doch alles getan was möglich war.
 
 
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k. l. e. e.
Alt 28.03.2003, 11:40   #3
Standard

menschen leben - menschen sterben.
die alte frau hatte ein leben - erfüllt oder nicht, aber ich kann mir nicht vorstellen dass die letzen jahre die angenehmsten waren, die sie je durchlebte. das alter kann ganz schön ätzend sein.
manchmal ist der tod für ein fühlendes wesen nichts unangenehmes.
lass los von der vorstellung, um jeden preis leben retten und schützen zu müssen.

und das nächste mal, wenn du nicht einschlafen kannst, mach die augen zu und zähle bis 100. doch bei jeder zahl stell dir ein blatt papier vor, auf dem du die zahl schreibst.

klee
 
 
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Dawn
Alt 28.03.2003, 18:25   #4
Standard

tut mir wirklich leid das du das miterleben musstest, skyhoof aber das war auf gar keinen Fall deine Schuld und ich glaube das die Frau mit Sicherheit froh war das sie nicht alleine war.
und vielleicht ist dieses Erlebnis etwas woraus du für dich selbst was lernen kannst. Also nicht das du in der Situation anders handeln hättest sollen-du KONNTEST ja gar nicht mehr tun, aber vielleicht irgendwann mal in anderen Situationen (ich hoffe ich drück mich nicht total verwirrend aus )

Vor 2 1/2 Jahren ist meine Oma gestorben, die ich wirklich total geliebt habe. Ich bin jeden Tag nach der Arbeit/Schule zu ihr noch oben gegangen (sie hab bei uns im Haus gewohnt) um mal zu gucken wies ihr geht, weil sie auch sehr krank war. An dem Tag wo sie gestorben ist war ich NICHT oben, weil ich zu einer Freundin wollte.
Als es soweit war ist meine Mutter bei ihr gewesen und meine Schwester kam dann dazu.. ich hab mir so lange Vorwürfe gemacht, weil ich ausgerechnet an DEM Tag nicht hoch gegangen bin oder das ich gerade an DEM Tag meine Freundin besuchen musste. Aber jetzt denke ich das es einfach so sein sollte wie es gekommen ist.. ich denke das meine Oma nicht gewollt hat das ich oder mein Vater (ihr Sohn) dabei sind, weil sie wusste das wir damit niemals hätten umgehn können. und genauso wird es vielleicht bei dir auch gewesen sein...vielleicht solltest gerade DU dabei sein.

Ich würde an deiner Stelle nicht versuchen dieses Erlebnis zu verdrängen sondern direkt mit anderen Leuten darüber reden, denn ich denke ansonsten wird dir das viel mehr zu schaffen machen. Wie Sugar ja schon gesagt hat, vielleicht mit deinen Kollegen? Vielleicht sind sie schonmal in einer ähnlichen Situation gewesen und können nachvollziehn wie du dich fühlst.
Mach dich auf jeden Fall nicht selbst fertig für was wofür niemand was konnte. Für manche alten Leute ist der Tod wirklich nur noch eine Erlösung und vielleicht war es bei ihr auch so - und gerade dann denke ich das sie froh war das du da warst

gruß
~dawn~
 
 
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Jason Evil
Alt 28.03.2003, 18:37   #5
Standard

vor 1 1/2 Jahren ist meine Oma gestorben (ich hab bei ihr von meinem 6. Lebensjahr an gewohnt - war quasi meine Zweite Mutter).
Sie kam morgens ausm Krankenhaus nach ihrem 3. Herzinfarkt. Haben uns was unterhalten und nachher kam dann nen kleiner Streit weil ich es nicht mehr ganz geschafft hab die Küche zu putzen. War nicht der Rede wert. Danach hat sie mit dem Vater meiner Ex telefoniert und ist dabei gestorben. Bin hoch auf mein Zimmer gegangen als sie den Hörer in die Hand genommen hat, weil ich mich noch umziehen und zum Arbeitsamt musste. Als ich vorm Arbeitsamt stand rief mich der Bruder meiner Ex an, dass es meiner Oma wohl nicht gut ging weil sie tief Luft geholt hat und nicht mehr antwortete. Der Vater meiner Ex hat dann die Polizei angerufen und als ich vorm Haus geparkt hab, hab ich schon das Polizeiauto gesehen. Tja, so ist sie gestorben. Ich hab es zwar nicht direkt selber mit bekommen, aber mir auch erst Vorwürfe gemacht weil ich mich ja noch mit ihr gestritten hatte. Aber nach 25 Jahren seit ihrem ersten Herzinfarkt kann sie froh sein doch noch ein so langes und schönes Leben (sie starb mit 66) mit dieser Krankheit verbracht hat. Das Leben geht weiter und in diesem Beruf wirst du noch öfters mit dieser Situation konfrontiert werden. Ich selber werde auch ab August in den Pflegerberuf gehen, mache nämlich eine Ausbildung als Kinderkrankenpfleger und hoffe, dass mir dort Sterbefälle erspart werden - vermeiden lassen lässt es sich nicht.

Der Bruder meiner Ex war lange Zeit in unserer alten Schule "Schulsanitäter" und beim Roten Kreuz und durch diese Erfahrung hat er beim Zivildienst im Krankenhaus auch schon fast gearbeitet wie ein richtiger Pfleger und auch einige alte Menschen sterben gesehen. Er sagte immer: "So hart es klingt. Das ist mein Job, ich führe ihn so gut es geht aus, aber wenn einer stirbt darf es mich nicht im privaten Leben belasten!"

Ich hoffe meine Worte machen dir auch was mut und bleib bei dem Pflegerberuf! Wird der richtige Weg für dich sein und ich hoffe für mich auch
 
 
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Angua
Alt 29.03.2003, 09:40   #6
Standard

Skyhoof, du musst dir echt keine Vorwürfe machen.
Du hast doch sofort den Pflegern bescheid gesagt, als du ihre Schwäche bemerkt hast, und hast somit gemacht, was du konntest.

Sehr wahrscheinlich wäre sie doch auch gestorben, wenn dus eine viertel Stunde früher bemerkt hättest.
Sie war eine alte Frau und krank dazu, es war wahrscheinlich einfach an der Zeit.
Es war doch wohl kein schlimmer Tod, wenn sie in so kurzer Zeit gestorben ist (also vom Röcheln bis zum Tod), sondern wohl eher ein natürlicher. Da hätte wohl auch die schnellste Sauerstoffzufuhr nicht geholfen.

Als meine Tante starb war es so ähnlich. Sie hatte Krebs und lag nur noch apathisch im Bett. Als es dann soweit war, hat sie sich verkrampft, schwer geatmet und ist gestorben. Aber danach hatte sie einen ganz gelösten Ausdruck auf dem Gesicht, ganz entspannt.

Mach dir keine Vorwürfe! Du hast alles richtig gemacht und hättest wahrscheinlich in keinem Fall etwas dagegen tun können.
 
 
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Skyhoof
Alt 29.03.2003, 13:10   #7
Standard

Danke Leute für Eure aufmunternden Worte.

Letzte Nacht hab ich auch wieder gut geschlafen.

Naja, ich hatte eigentlich nie vor in einem Pflegeberuf zu landen, doch ich bin in einer Berufsvorbereitenden Maßname um der Arbeitslosigkeit zu entgehen.
Und da ich dafür keinen guten Praktikumsplatz bekommen hatte wurde ich in ein Altenheim gepackt.

Naja.

Hab mich auch viel mit dem Bruder meine Freundin unterhalten. Der ist Rettungssanitäter bei der Feuerwehr.


Ich hätte nur nie gedacht, dass mir der Tod einer relativ fremden Person (ich kannte sie nun seid 5 Wochen) so nahe gehen würde.

Als meine Mutter über 6 wochen ganz langsam Starb (Krebs) war ich zum glück noch zu klein (2) um das aktiv mit zu bekommen.

Hmm
Das Leben geht weiter ....
 
 
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digger
Alt 01.04.2003, 22:12   #8
Standard

Ein Mädchen aus meinem ehemaligen Physikkurs hätte fast unseren Lehrer umgebracht. Er hat uns einen elektrischen Blitz zwischen 2 Kontakten in der Luft gezeigt, ca. 10cm Abstand, und ein Blatt Papier reingehalten, was natürlich gebrannt hat. Also hat er es unter den Wasserhahn gehalten, als eben jenes Mädchen in ihrer gegenwärtigen Dummheit rief:"Herr XXX, können sie das nochmal reinhalten?" Und er hätte es fast gemacht. Mit nasser Hand ein nasses Blat Papier in ein elektrisches Feuer halten... geht nicht gut aus. Zum Glück haben einige im letzten Moment stop gerufen und er hats gemerkt. Der Lehrer und das Mädchen waren danach aber ziemlich perplex.
Mein Kommentar zu beiden: "Hier sind eure Schilder."
 
 
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