Jemand (er heisst Ralf) hat mir vor einigen Wochen eine Geschichte erzählt...
Vor ungefähr 10 Jahren war er in der 9. Klasse, in der Schule einer der jüngeren, die mit den älteren in den Pausen in der Raucherecke standen und rauchten. Einer seiner besten Freunde stand als Nichtraucher dabei, nur um ihm Gesellschaft zu leisten. Rauchen war natürlich verboten, und als Ralf einen Lehrer kommen sah, bat er seinen Freund, für ihn kurz die Zigarette zu halten, er müsse eben aufs Klo. Dann hat er sich verpisst, der gute Freund wurde allerdings erwischt und bestraft, da der Lehrer natürlich kein Wort glaubte, dass dieser nicht selber geraucht hatte.
Während Ralf mir die Geschichte erzählte, musste er immer wieder zwischendurch grinsen. Er schien wirklich stolz auf sein Verhalten zu sein, anstatt es irgendwie zu bereuen. Mit dem Freund hatte er einen handfesten Streit, die beiden haben sich aber wohl wieder vertragen. Ralf argumentierte noch ein wenig dafür, dass man im Leben Vorteile davon hätte, sich wie ein Arschloch zu verhalten. Er ist einer der intrigantesten Leute, die ich kenne, ohne dass man es ihm auf den ersten Blick ansieht.
Ich bin der festen Überzeugung, dass solche Leute ein Problem mit sich selber haben, Minderwertigkeitskomplexe, Versagensängste, was auch immer. Sie glauben, mit ihren Intrigen immer ihren Willen zu bekommen, und ihre Vergangenheit hat ihnen zum Teil sogar Recht gegeben. Schade dass es keinen Weg gibt, Leute dazu zu zwingen, ehrlich zu sein, sich auf anständige Art und Weise durchs Leben zu schlagen... wieviele Leute wohl an ihrer Unfähigkeit, durch Authentizität und Ehrlichkeit Erfolg zu haben, scheitern würden? Kein Mensch fühlt sich gut, wenn er etwas nicht verdient hat, er gewöhnt sich nur an das ungute Gefühl.
Man könnte mir vorwerfen, ich sei ein Idealist, und dass ich es mit meiner Einstellung nicht weit bringen werde. Ich schätze, das stimmt

. Dafür kann ich morgens in den Spiegel sehen und mir sagen, dass ich anderen Menschen nicht zu meinem Vorteil täglich Unrecht tue, und das ist so ein gutes Gefühl, dass ich dafür liebend gern auf Unmengen an Geld und/oder Macht verzichte. Was habe ich von viel Geld, wenn mich die meisten Menschen (zurecht) hassen? Ich muss nicht auf anderen Leuten herumtrampeln, um mir etwas zu beweisen.
"Ich wünsche mir eine Welt, in der ich aus einer Toilette trinken kann, ohne Ausschlag zu kriegen!"
Musstet ihr schonmal unter eurer Ehrlichkeit leiden? Und ich meine wirklich leiden, nicht eine kleine Strafe bekommen zu haben. Und hattet ihr persönlich schonmal einen wirklichen Vorteil von Lügen/Intrigen?