Auch ich mit meinem gerade mal 18 Jahren finde keinen Zweck, der ausreicht, um in ihm einen tatsächlichen Lebenssinn zu sehen.
Kraftlos und desillusioniert schreite ich durchs Leben. Das Einzige, was mich auf eine objektive Art weiterbringen kann, das Abi, verderbe ich mir zur Zeit selbst, indem ich in der Schule nur dasitze und über andere Dinge nachdenke, denn ich kann kein Interesse an dem finden, was die Schule mir bietet.
Sicher werden einige jetzt sagen: Wenn das Abi das große Ziel ist, warum zwingst du dich nicht dazu, weiterzumachen?
Jedoch Tatsache ist: Es zählt für mich eigentlich nicht. Ich möchte nicht weitermachen zum Abi, um danach eine Ausbildung zu absolvieren, von der ich jetzt schon weiß, dass sie für mich die gleiche Tortur darstellen wird wie die Schulzeit, und zwar in einem immer stärkeren Maß.
Es ist nicht so, dass ich keinerlei Interesse hätte, das ist es ganz und garnicht, wenn auch ich manchmal selber anfange, das zu glauben.
Ich möchte gerne mein Allgemeinwissen erweitern, ferne Länder sehen, die Natur genießen und andere interessante Dinge erleben/lernen, zu guter Letzt ein Leben abseits der Zivilisation führen.
Doch vor all diesen Träumen steht wie bei den meisten Menschen die große Barriere des Materialismus. Woher das Geld nehmen für all diese Träume?
Es gibt weniges, was mich wirklich antreiben kann, diese Dinge ähneln den Dingen, die andere Leute hier schon aufgezählt haben. Eine meiner wenigen Leidenschaften ist die Musik. Doch muss ich feststellen, dass Musik nicht das Einzige sein kann, das dich weiterbringt.
Freunde... Freunde können sich gegenseitig sicher weiterhelfen. Doch betrachte ich viele heutige Freundschaften als höchst oberflächlich. Echte Freunde sind jene, mit denen man alle Erfahrungen teilen kann, die für einen eintreten, selbst wenn man einmal Mist baut. Ich konnte diese Erfahrung bislang nicht machen und verliere mehr und mehr den Glauben an die Existenz einer solchen Freundschaft. Der heutige Mensch braucht Freunde, um sich mit ihnen in Bars volllaufen zu lassen und darüber zu disputieren, welcher der beste Film sei.
Ich habe Freunde, mit denen ich soeben genannten Interessen nachgehen kann. Doch sie scheinen sich nicht zu interessieren für dumme Probleme wie die Meinen. Sie scheinen für mich auch alle nach dem Carpe-Diem-Stil zu leben, an ihnen scheinen alle Schwierigkeiten vorüberzuziehen.Doch an mir tun sie das nicht.
In den Genuss der großen Liebe bin ich noch nicht gekommen, habe auch keine großen Hoffnungen. Sehr wohl war ich schon verliebt, bin es immer noch, bzw. wieder, doch blieben die Gefühle immer einseitig.
Ich habe vor einziger Zeit festgestellt, dass ich die Menschen, die Menschen als Kollektiv, als die Gründer und die Ausführer unserer Gesellschaft verabscheue. Das bedeutet also nicht in jedem Fall, dass ich den Menschen als Individuum nicht mag. Wie könnte ich sonst verliebt sein oder Freunde haben. Doch schmerzt es mich immer mehr, das Leben einiger Menschen zu beobachten und frage mich: Wofür leben diese Leute? Wie können sie nur glücklich sein?
Wenn ich so im Bus oder in der Schule sitze, verspüre ich ich oftmals eine starke Trauer ob der Sinnlosigkeit der Leben aller, aber auch ob der Vergänglichkeit alles Guten, wie der Schönheit oder der Verhältnisse an sich, da ich einen starken Hang zur Schönheit, wie auch zu meinen Mitmenschen habe.
Auch ich warte wie jedermann auf das Wochenende und ebenso wie bereits einmal geschildert stellt sich das Wochenende als kaum besser heraus.
Die ganze Woche, von Montag bis Sonntag, ist eine einzige Zeitverschwendung und das in dem doch eigentlich besten Lebensabschnitt des Menschen. Ich habe Angst davor, immer mehr Zeit zu vertun, ohne eine gewisse Selbsterfüllung erreicht zu haben. Auch ich möchte alles bis zum Letzten auskosten.
Doch ich warte, ohne Hoffnung.
Jeder Mensch hat Hoffnung, werdet ihr sicher sagen. In gewisser Hinsicht stimmt das: Ich habe eine Hoffnung, von der ich aber weiß, dass sie hirnrissig ist, einfach töricht. Ist das Hoffnung? Ich bin mir nicht sicher.
Ich sehe andere Menschen: Sie arbeiten ein Leben lang wie die Blöden, um sich ein gutes Kapital zu schaffen, um im Alter, also wenn sie in Rente gehen, etwas zu haben. Doch während sie noch arbeiten, wissen sie, dass es bulls*** ist: Warum arbeiten, wenn man durch die Sozialhilfe fast genauso viel bekommt? Obendrein hat man viel Zeit. Warum arbeitet ein Mensch, um im hohen Alter von 60+, wenn doch eigentlich eh schon alles vorbei ist, anzufangen zu leben?
Obendrein wird ihm dies natürlich durch Rentenkürzungen, angepasste Renten, verdorben.
Auch das stimmt mich sehr traurig.
Manchmal beneide ich die gläubigen Menschen, denn sie sehen einen Sinn, sie sehen einen wirklichen Lohn hinter der Farce namens Leben, der es wert ist, es durchzumachen.
Ich sehe ihn nicht.
Eine weitere Angabe zum Thema war die Gründung einer Familie. Das kam mir bei der Suche auch schon das ein oder andere Mal in den Sinn, doch ist mir klargeworden, dass das nicht richtig ist. Es drängt sich mir sofort die Frage auf, mit welcher Rechtfertigung ich, der ich an all dem, was diese Welt der Menschen ausmacht, zweifle, neues Leben in genau diese Welt setzen kann, zumal ich von der Zukunft keine bessere Meinung habe als von der Gegenwart.
Was, wenn mein Kind mir einmal die gleichen Fragen stellt, die ich stelle und auf die ich keine Antwort weiß: Warum? Zu welchem Zweck? Wie?
Ich könnte es nicht ertragen, zu wissen, dass meine Kinder an der gleichen Stelle stehen wie ich, die gleichen Zweifel, die gleichen Schmerzen.
Ich bin nicht definitiv gegen Kinderkriegen, Familie gründen und das alles. Doch habe ich gesehen und am eigenen Leib erfahren, dass Kinder und Jugendliche es heute, mehr denn je, schwer haben, in dieser Welt ohne Werte, in dieser Welt, in der nichts zählt als das kalte Kapital, zu bestehen. Schon vom Grundschulalter an werden Kinder in diesem Sinn erzogen: Wer nicht das neueste Handymodell hat, gehört nicht dazu (ja, es geht schon in der Grundschule damit los). Ich kann mich wohl glücklich schätzen, dass diese Form der Entwicklung an mir, wie an einem geringen Teil der Jugend, vorübergegangen ist. Doch weiß ich sehr wohl, was an Schulen geringeren Standards und sozialen Brennpunkten "abgeht". Ich sehe für die Zukunft dieser Generation schwarz, da diese Entwicklung auch wirtschaftlich und politisch von großer Bedeutung ist.
Was danach kommt, lässt sich kaum erahnen.
Ich hoffe, ihr verzeiht die Länge dieses Beitrags durch die Ansprache anderer Themen, ich finde sie jedoch sehr relevant, deshalb wollte ich sie nicht ignorieren.
Wolfmann