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Religiosität bedeutet Ignoranz, Abhängigkeit und Charakterschwäche

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JCD
Alt 29.02.2008, 18:01   #76
Standard

JCD, jetzt mal ehrlich, ist das nicht traurig, wenn man so etwas glaubt? Wenn man zu glücklich wird und ohne Probleme, wird man depressiv?
Ich habe in meinem Leben mehrere Menschen mit Depressionen kennengelernt. Ich kann dir mit Sicherheit sagen, daß sie vom Gegenteil von glücklich depressiv geworden sind!
Ich bestreite doch nicht, dass man nur mit zu viel Glück depressiv wird!
Außerdem finde ich es gar nicht traurig so zu denken. ICh habe lediglich behauptet, dass ein absolutes Glück, was es so niemals geben wird auf der Welt depressiv macht. Man kann durchaus glücklich sein und bleiben ohne depressiv zu werden. Ich denke halt nur, dass es in einer absolut perfekten Welt ohne jeglichen Probleme so wäre.

Noch etwas ist seltsam. Es wurde schon angesprochen, aber ich habe es noch nicht verstanden:
Einerseits hilft Gott den Menschen (siehe Oma im Wald, Autounfall), andererseits sind die Menschen für ihr Unglück selbst verantwortlich. Ja was jetze? Wenn mich Gott in alle Unglücke reiten läßt, wozu dann noch der Glaube an ihn, wo ist der Trost?
Gott hilft den Menschen allein nur mit der Hoffnung die sie in ihn legen. Menschen die glauben in der Situation (Oma im Wald, Autounfall) hätte Gott geholfen, wollen daran glauben, dass er geholfen hat. Ich denke aber das er das nicht tut.
In der Hoffnung auf Gott und in ihrem Glauben finden die Menschen Stärke um solche Situationen zu überstehen. Ich denke, dass dieser GLaube und die Hoffnung versteckte Fähigkeiten weckt. Manchmal hat man auch einfach nur Glück.
Der Trost besteht darin, dass Gott uns nach dem Leben das Paradies versprochen hat und für die CHristen, das Reich Gottes auf Erden. Der Trost ist die Hoffnung darauf und das alles Gut wird.
Gott lässt uns nicht in alle Unglücke reiten. Unfälle passieren meißt durch menschliche Fehler oder Materialschäden. Auch bei Materialschäden ist der Mensch die Ursache und nicht Gott.
Krankheiten sind da was anderes, es gibt sie nun mal. Vllt sind die Krankheiten das nötige Übel. Wenn wir Menschen uns so verhalten wie wir sollten, dann wären wahrscheinlich Krankheiten und Naturkatatrophen die einzigen Übel die es geben würde.
 
 
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Reh
Alt 29.02.2008, 18:06   #77
Standard

Wir sind beim Placebo-Effekt angelangt.
Den liebe ich über alles und mit jeder Diskussion ein bisschen mehr
 
 
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Fränze
Alt 29.02.2008, 21:56   #78
Standard

Also Shake, das ist doch sonnenklar: Gott ist nur für das Glück verantwortlich, das Unglück hat man sich selbst zuzuschreiben. Obwohl: Es ist ein Glück (Gott), dass es Unglück (Menschen) gibt, sonst wäre man sehr unglücklich, weil man nur durch Unglück glücklich wird. Das alles macht Gott, aber nur, wenn wir an ihn glauben. Dann gibt er uns Hoffnung, aber eigentlich wiederum nicht er, sondern sie, die Hoffnung selbst gibt uns Hoffnung. Und Glück.

Oder wie?

Jawoll, Reh, jetzt haben wir ihn wieder, den Placebo-Effekt. Anscheinend ist der in unserem Leben viel, viel wichtiger, als wir glauben.
 
 
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Reh
Alt 01.03.2008, 08:20   #79
Standard

Daran glaube ich schon lange.
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 04.03.2008, 14:56   #80
Standard

Am liebsten hätte ich Fränzes Glück-Unglück-Essay als Schlußwort stehen lassen, aber das Zellhaufen-Kapitel ist mir irgendwie nicht aus dem Kopf gegangen:

Was ist an einem Zellhaufen eigentlich so schlecht?

Warum muß man eine neutrale naturwissenschaftliche Erkenntnis als gut oder schlecht bewerten? Wenn man traurig wird, weil man nur(?!) ein Zellhaufen ist, stand das Selbstbewußtsein schon vorher auf sehr wackeligen Füßen.

Milliarden Zellen haben sich zu einem Zellstaat zusammengeschlossen, und man selber ist dieser Zellstaat! Kann doch eine faszinierende Sichtweise sein.

Eine Apfelsine ist auch ein Zellhaufen und trotzdem schmeckt sie mir vorzüglich!
Wenn ich mit einer Frau im Bett liege, ist sie auch ein Zellhaufen, oder sogar ein Gemisch aus Blut und Schleim. Aber in einer schönen Haut verpackt und ich bin in dem Moment mit anderen Gedanken beschäftigt und kann die Zärtlichkeiten trotzdem genießen.

Also warum sollte mir das alles plötzlich nichts mehr bedeuten? Schöne Musik ist auch bloß eine Welle aus sich einander anstoßenden Luftmolekülen. Darum finde ich ab jetzt Musik doof.


Den Placebo-Effekt sollte man nicht überschätzen und auch die unerwünschte Nocebo-Wirkung nicht außer Acht lassen.
 
 
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Reh
Alt 06.03.2008, 12:37   #81
Standard

Zitat von ShakeTheDisease
Den Placebo-Effekt sollte man nicht überschätzen und auch die unerwünschte Nocebo-Wirkung nicht außer Acht lassen.
Du meinst sicher, dass man den Effekt nicht unterschätzen sollte. Überschätzen sollte man ihn natürlich auch nicht, aber das steht auch nicht zu befürchten, wäre also gar nicht erwähnenswert.

Placebo und Nocebo ist die gleiche Pille, die sich genausogut "Glaube" nennen könnte. Wenn der Patient beim Schlucken dieser Pille an die gute Wirkung glaubt, heißt sie von da an Placebo, glaubt er an die schlechte Wirkung, heißt die gleiche Pille Nocebo.
Wer glaubt, die Wirkung dieser Pille werde überschätzt, sehe sich die Religionen an. Mehr als diese Pille haben sie nicht zu bieten, aber die Effekte sind gigantisch.

Zitat von ShakeTheDisease
Warum muß man eine neutrale naturwissenschaftliche Erkenntnis als gut oder schlecht bewerten?
Weil wir Menschen bewerten müssen. Wenn wir damit aufhören, wird sich unsere Menschlichkeit auf 0 reduzieren und wir werden zu gewöhnlichen Tieren. Die Sinngebung ist das, was uns im Tierreich so besonders macht.
 
 
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Reh
Alt 07.03.2008, 00:23   #82
Standard

Habe einen Artikel gefunden, der mir widerspricht.

Das Sprachwissenschaftliche Institut der Universität Rom bestätigte Don Amorth 1998 einen wissenschaftlich unerklärlichen Fall. Eine junge Bäuerin, die schlecht Italienisch sprach, fluchte während eines Exorzismus stundenlang grammatikalisch korrekt in acht Sprachen, darunter die nahezu ausgestorbenen Sprache der Zeit Jesu Christi, die nur ein paar Dutzend Menschen auf dem Globus beherrschen: Alt-Aramäisch. In dem Gutachten heißt es: Es ist unerklärlich, wie die Frau diese Sprachen erlernen konnte.
Die Erzählung des Psychiaters im gleichen Artikel ist ebenfalls bemerkenswert.
 
 
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Fränze
Alt 07.03.2008, 11:17   #83
Standard

Bis jetzt haben sich (fast?) alle solcher Erzählungen als Fake erwiesen.
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 07.03.2008, 15:55   #84
Standard

Zitat von Reh
Du meinst sicher, dass man den Effekt nicht unterschätzen sollte.
Ich meinte überschätzen. Mit Nocebo meinte ich eher die unerwünschten Nebenwirkungen. Und die sind gigantischer als die positiven Auswirkungen. (*Auwei Öl ins Feuer gieß*)
Zitat von Reh
Weil wir Menschen bewerten müssen. Wenn wir damit aufhören, wird sich unsere Menschlichkeit auf 0 reduzieren und wir werden zu gewöhnlichen Tieren. Die Sinngebung ist das, was uns im Tierreich so besonders macht.
Weil ich einen Zellhaufen nicht bewerte bin ich nicht menschlich? Das Bewertenmüssen schafft gerade viele Probleme. Ich sage nicht, daß man nichts mehr bewerten darf, ich meine eine übertriebene Bewertung bei Dingen die wertfrei sind. Wenn man diese ständigen Bewertungen sein läßt, würde man in vielen Fällen mehr Verständnis aufbringen können, und das wäre in meinen Augen menschlicher!
Übertriebenes Bewertenmüssen kommt wahrscheinlich durch innere Unausgeglichenheit, übertriebene Angst und null Vertrauen. Und ja, das unterscheidet uns dann auch wieder vom Tier.
 
 
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Reh
Alt 07.03.2008, 18:59   #85
Standard

Schafft uns das Bewerten-müssen oder die Art der Bewertung Probleme?

Ich denke nicht, dass wir das Bewerten abschalten können. Wir können es aber in sinnvolle Bahnen lenken, auf denen die Bewertung keine Probleme bereitet.
Manche Christen bewerten andere Religionen als legitim und gleichwertig. Manche Christen bewerten andere Religionen als nicht legitim. Es findet jeweils eine Bewertung statt, aber die daraus resultierenden Handlungen werden gegensätzlich sein.
 
 
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gidian
Alt 22.04.2008, 23:08   #86
Standard

Naja Religion ist nicht immer ne schlechte Idee, oder das die Menschen die die Leitung inne haben schlecht sind, es ist viel eher so, das die Leute die " do oben" das sagen haben sehr häufig in den Genuß der Macht kommen und diese dann meist auch vermehren wollen, was dann zur folge hat, das sie nicht dem Glauben dienen, sondern sich den glauben zum Werkzeug ihrer Machterhaltung machen. Das ist dann in etwa der zeitpunkt wo solche sachen wie die Kreutzzüge oder Chihat etc ausgerufen werden. Der Fehler Ist der Mensch an der Spitze und das fehlende Rückrad derer die sich zu beugen haben!
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 26.04.2008, 14:59   #87
Standard

Zwei Begebenheiten ließen mich wieder an diesen Thread hier erinnern:

In einem älteren Thread gab es eine Diskussion um ein Kopftuchtrageverbot in Schulen und anderen staatlichen Einrichtungen. Daraus folgendes Zitat:
Sorry wenn ich soviel dazu schreibe aber mich berührt das Thema sehr, weil ich Lehrerin werden wollte. Doch ich werde das wahrscheilich aufgeben müssen, da mir meine Religion bei aller Liebe zu dem Beruf wichtiger ist!
Es geht mir nicht darum, ob ein Kopftuchverbot richtig oder falsch ist. Natürlich verstehe ich, daß es bitter für diese Frau sein muß, wenn sie sich zurechtgewiesen und ihrer religiösen Identität beraubt fühlt. Aber wenn nötig, kann man solch kleinliche Verbote akzeptieren und darüberstehen, und läßt sich von seiner Berufung nicht abbringen. Für mich wäre Liebe im Herzen wichtiger, anstatt Religion auf dem Kopf, als Vorausetzung für einen Lehrerberuf(ung).
noch einmal:
[...]da mir meine Religion bei aller Liebe zu dem Beruf wichtiger ist!
Religion ist wichtiger als Liebe zum Beruf?

Bei einem Kumpel von mir gibt es eine ähnliche Verbohrtheit: Thema Scheinefleisch. Er fängt langsam an, sämtliche Nahrung(szubereitungen) mißtrauisch abzulehnen, weil
Schweinefett versteckt als Zutat darin sein kann und bei Gummibärchen die Gelatine aus Schweineknochen sein könnte.
Seinen Irrsinn versuchte ich zu durchleuchten, indem ich ihn den eigentlichen Sinn erzählte, daß Schweinefleisch früher in warmen Ländern ohne Kühlung schnell verdarb.
Darauf er energisch: "Das will ich gar nicht wissen!"
Das ist sein Gottvertauen. Die Freiheit einzuschränken, weil man Halt braucht. Er erzählte mir kurze Zeit später: "Die Propheten haben das eben so gesagt. Und das wird schon stimmen, ich vertraue ihrem Wissen, denn man kann als Mensch nicht alles wissen."

Religion wird oft von Menschen als Ablenkung von sich selbst benutzt, als Maske, hinter der sie ihre Schwächen verstecken können. Also heißt das, manche ignorante und charakterschwache Menschen nutzen Religion als Flucht? Religion wird gerne als Werkzeug mißbraucht, um sich von seinen Unsicherheiten und Abgründen abzulenken.

Vielleicht ist man besonders dann geneigt Religion als Schild zu mißbrauchen, wenn man sich nicht immer wieder neu orientiert und sucht, sondern Religion aus Tradition übernimmt.
 
 
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Fränze
Alt 26.04.2008, 16:10   #88
Standard

Völlig einverstanden. Und dabei merken all diese frommen Leute gar nicht, wie klein sie ihren Gott machen, wenn sie ihm unterstellen, ein Kopftuch auf dem Kopf, ein bißchen Schweinefleisch im Magen, Fisch am Freitag, oder andere Lächerlichkeiten wichtig zu finden, und diese Lächerlichkeiten auch noch nach Regionen und Religionen zu sortieren. Was muss das für ein Gott sein!
 
 
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IceBaer
Alt 01.05.2008, 07:35   #89
Standard

Zitat von ShakeTheDisease Beitrag anzeigen
Vielleicht ist man besonders dann geneigt Religion als Schild zu mißbrauchen, wenn man sich nicht immer wieder neu orientiert und sucht, sondern Religion aus Tradition übernimmt.
Muss Religion sich denn immer wieder neu orientieren? Muss sie jedem Trend folgen und mit jeder Tradition brechen?
 
 
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Fränze
Alt 01.05.2008, 11:11   #90
Standard

Das ist eben der Unterschied zwischen Glauben und Glauben. Der kirchlich-religiöse Glaube bleibt unerschütterlich fest, egal, wie sehr die Glaubensinhalte durch vermehrtes Wissen infrage gestellt werden. Der kirchlich-religiöse Glaube geht immer weiter von einem persönlichen Gott aus, der sagt, der meint, der befiehlt.

Der Verstandes-Glaube sieht im kirchlich-religiösen Glauben Unglaubhaftes und ist nicht bereit, aus jeder Unmöglichkeit ein Symbol zu basteln. Er glaubt eben nicht, was die Kirchen als wahr bezeichnen, möchte aber trotzdem an einen Gott glauben und sucht daher nach Erklärungen, die die Diskrepanz zwischen Glauben und Wissenschaften überwinden.

Das heißt nicht, dass jedem Trend gefolgt werden muss. Es heißt aber, dass die Religion(en) kein rundes, glaubhaftes Weltbild mehr formen können.
 
 
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IceBaer
Alt 01.05.2008, 12:49   #91
Standard

Zitat von Fränze Beitrag anzeigen
Das heißt nicht, dass jedem Trend gefolgt werden muss. Es heißt aber, dass die Religion(en) kein rundes, glaubhaftes Weltbild mehr formen können.
Das ist für deine Person sicher richtig. Aber insgesamt ist dieser Absolutheitsanspruch sicherlich in Frage zu stellen. Demnach sollte es heißen "[...] dass die Religion(en) kein rundesm, glaubhaftes Weltbild für jeden mehr formen können. Ich glaube auch hier in Forum gibt es Menschen, denen ihre Religion ebenso rund wie glaubhaft vorkommt. Warum auch nicht, Glauben ist persönlich und subjektiv.

Geändert von IceBaer (01.05.2008 um 12:49 Uhr). Grund: html-tags korrigiert
 
 
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IceBaer
Alt 01.05.2008, 12:53   #92
Standard

Zitat von ShakeTheDisease Beitrag anzeigen
Religion ist wichtiger als Liebe zum Beruf?

Bei einem Kumpel von mir gibt es eine ähnliche Verbohrtheit:
Das hat nicht mit Verbohrtheit zu tun, sondern von Prioritätensetzung. Und ich finde das geht auch in Ordnung so. Wenn jemandem seine Religion so wichtig ist, dass er dafür einen "Wunschberuf" nicht wählt, so zeugt das von Charakterstärke - unabhängig davon, für wie sinnvoll ich den jeweiligen Glauben oder die jeweilige Glaubensvorschrift erachte.
 
 
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Fränze
Alt 01.05.2008, 21:50   #93
Standard

Zitat von IceBaer Beitrag anzeigen
Ich glaube auch hier in Forum gibt es Menschen, denen ihre Religion ebenso rund wie glaubhaft vorkommt. Warum auch nicht, Glauben ist persönlich und subjektiv.
Ganz subjektiv kann auch ein Glaube nicht sein. Kann man etwas glauben wollen? Ist es glaubhaft, dass jemand wirklich etwas glaubt, von dem er weiß, dass es erwiesen falsch ist? Was ist das für eine Gehirnverrenkung?

Nehmen wir mal nicht die Glaubenden hier im Forum. Nehmen wir z. B. die Kreationisten. Ich brauche den Unsinn nicht aufzuzählen, mit dem sie missionieren gehen. Sicher gibt es da schlichte Gemüter, denen man alles erzählen kann. Aber nicht alle sind schlicht, manche haben es zur Ministerin gebracht... Ist es möglich, dass so ein Mensch sagt: "Ich weiß, dass die Wissenschaft es widerlegt hat, aber ich bin fromm und will es glauben!"
 
 
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michaelg
Alt 01.05.2008, 22:20   #94
Standard

Fränze, ich bin der Meinung, dass das "wollen" gar keine so unmögliche Sache bei der Frage nach Glauben überhaupt sein muss. Dieses "wollen" stellt man sich aus einer eher skeptisch-kritischen Perspektive natürlich absurd vor: Zum einen scheint es absurd, an etwas glauben zu wollen was einem intuitiv eher gesponnen oder eher unrealistisch vorkommt, zum anderen scheint es auch unmöglich, durch das Wollen tatsächlich zu glauben.
Man muss nicht unbedingt durchs wollen alleine glauben, auch wenn man durchaus will. Das geht vielleicht bei streng erzogenen Kindern oder im nichtreligiösen Bereich bei irgendwelche "Tschakka"-Methoden.
Ich habe mich zum Beispiel vor vielen Jahren, ich konnte schon denken, entschieden zu glauben, diese Entscheidung ist ja auch ein Willen. Und das a posteriori, nachdem ich mich mit etwas beschäftigt hatte. Das war natürlich schon mehr Bann als rationale Entscheidung aber das eben auch. Ich hätte auch sagen können, dass das, womit ich mich beschäftigt habe, schön und gut klingt ich aber nicht dran glaube, nicht dran glauben kann selbst wenn ich wollte.
Ich glaube übrigens an die Schöpfung. Vielleicht nicht unbedingt an _DIE_ Schöpfung gut, aber grundsätzlich auf jeden Fall - welcher ausgestaltung auch immer. Detailfragen sind mir nicht so wichtig. Übrigens hat da "die Wissenschaft" gar nichts widerlegt. Selbst wenn irgendeine Evolutionstheorie tatsächlich jeder Widerlegung standhielte oder gar verifizierbar wäre und das erfolgreich getan wäre - Eine Schöpfungswiderlegung ist unmöglich, ganz generell. Gleiches gilt für einen Schöpfungsbeweis.
 
 
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Fränze
Alt 02.05.2008, 10:41   #95
Standard

Zitat von michaelg
Ich glaube übrigens an die Schöpfung. Vielleicht nicht unbedingt an _DIE_ Schöpfung gut, aber grundsätzlich auf jeden Fall - welcher ausgestaltung auch immer. (...) Eine Schöpfungswiderlegung ist unmöglich, ganz generell. Gleiches gilt für einen Schöpfungsbeweis.
Die Schöpfung ist eine Tatsache, die Frage ist nur, ob sie ein Willensakt war (ist - denn das All verändert sich permanent). Wer sie für einen Willensakt hält, für den gibt es auch einen Schöpfer.

Jetzt gibt es, wie immer im Leben , wieder zwei Möglichkeiten: Ist dieser Schöpfer eine zentrale Urkraft, seiner selbst unbewußt und als Kraft nur fähig, zu erschaffen oder zu zerstören, oder ist der Schöpfer ein persönlicher Gott, ansprechbar, bewußt entscheidend, wertend? An den Schöpfer als Urkraft glaube ich, denn das halte ich für sehr wahrscheinlich, weil wir von der Existenz des Alls als Tatsache (und nicht als Gedanke Gottes oder ähnliche Modelle) ausgehen müssen.

Hingegen halte ich das Modell des persönlichen Gottes für aus der Entwicklungsgeschichte des Menschen zwar verständlich, aber gewagt. Für seine Existenz wird als Beweis ein Konglomerat aus zum Teil widersprüchlichen, von verschiedenen Autoren in verschiedenen Zeiten angefertigten Erzählungen angeführt. Manche Geschichten erscheinen in verschiedenen Fassungen, der alte Teil des Konglomerats strotzt vor Brutalitäten, vom genannten und zitierten (!) Gott oft selbst ausgeführt oder gefordert, eine wüste, archaische Story - wenn man von der steten Erwähnung Gottes absieht, nicht viel anders als die Nibelungensage.

Aber Menschen entwickeln sich, und es kam einer, der sagte, dass Schluss sein muss mit dem gegenseitigen Abschlachten, und das Prinzip der Nächstenliebe durchsetzen wollte. Eigentlich ein Politiker, der aber, wie allgemein üblich, diesem Plan aus Gründen besserer Akzeptanz den Stempel des Göttlichen aufgedrückt hat. Ein überall und zu jeder Zeit bewährtes Verfahren.

Wenn jemand wie Du sich aus individuellen Gründen entscheidet, "zu glauben", dann könnte ich mir vorstellen, dass Du Dich bewußt dem Menschen- und Weltbild Christi anschließt und so handeln willst, wie in der Bibel steht, dass er gehandelt habe. Es ist letztlich für dieses Handlungsmuster auch unerheblich, ob es historisch wahr ist oder nicht, denn es ist für das Zusammenleben der Menschen - genau wie die 10 Gebote - förderlich.

Aber Du wirst mir wahrscheinlich doch Recht geben, dass Dein Glaube erst da anfängt, wo das Wissen (noch) an seine Grenzen stößt. Ab dieser Grenze hat auch für mich ein jeder Glaube seine Berechtigung, nicht aber vorher, wenn und wo er mit dem Wissen (man denke an Galileo Galilei) kollidiert.
 
 
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sLaNG.
Alt 02.05.2008, 11:07   #96
Standard

Hi,

ich habe nich jeden Beitrag gelesen, also kann es sein (und ich hoffe darauf), dass meine Meinung schon mal vertreten wurde.

Eigenverantworlichkeit ist etwas, dass man haben muss, wenn man einen eigenen Willen und einen Sinn in seinem eigenen Leben hat. Und wer außer den Gläubigen auf dieser Welt sehen sich am Ende ihres Lebens vor einem Gericht? Nur der Athheist, der glaubt er sein eine Art Tier entzieht sich seiner Verantwortlichkeit auf Erden und sieht den Zufall als seinen Gott. Dabei wird er immer toleranter, und was uns das bringt, ist nicht unbedingt das, was man eine funktionierende Gesellschaft nennt.

Was teile des Islams und die Art der katholischen Kirche angeht, muss ich dir Recht geben. Gott hat keinen menschlichen Vertreter auf Erden(Jesus ausgenommen :P). KEINER ist unfehlbar, und Massenabsolution kann keiner einfach so aussprechen, geschweige denn verantworten.
Auch die Heiligenverehrung und die Gebete an Mutter Theresa sind mir nicht ganz geheuer.


Letzlich geht es doch darum: Wer hat Recht? Die alten Religionen(Schöpfungslehre) vs neuzeitliche Wissenschaft(Evolution). Das Problem ist, dass die Kirche zu feige war zu sagen, ja, die Evolution ist bestandteil der Schöpfung. Und die Wissenschaft will nicht eingestehen, dass sie vom Anfang der Welt nichts (aber auch gar nichts) sagen kann. Bei den letzten Fragen dieser Welt, bleibt es immer ein Glaube, der darüber bestimmt, wofür ich mich entscheide.
Die Religion wird nur immer suspekter, und die Wissenschaft immer komplexer, so dass sich niemand (Sofern nicht hineingeboren) nicht mehr ernsthaft mit einem von beiden beschäftigt. Da hat die Wissenschaft aufgrund der aktuellen gesellschaftlichen Situation natürlich leicht, 'gläubige' zu finden.
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 05.05.2008, 17:08   #97
Standard

Zitat von ShakeTheDisease
Vielleicht ist man besonders dann geneigt Religion als Schild zu mißbrauchen, wenn man sich nicht immer wieder neu orientiert und sucht, sondern Religion aus Tradition übernimmt.
Zitat von IceBaer
Muss Religion sich denn immer wieder neu orientieren? Muss sie jedem Trend folgen und mit jeder Tradition brechen?
Ich meine, daß jeder seinen eigenen Glauben entwickeln sollte und nicht alle Menschen einer Religion hinterher rennen. Die Kirchen hatten damals eine höhere Macht-Stellung als heute und Religion war ein politisches Mittel um die Menschen ruhig zu halten. In Europa war das Christentum vielleicht wichtig, um die Wikinger zu beruhigen. Im Tao Te King ist deutlich zu sehen, daß in China der Taoismus die aufstandslustigen Chinesen besänftigen mußte.
Sie sollten nur für Kaiser oder Fürsten kämpfen, aber nicht gegen sie.
Das Nicht-Töten-Gebot zum Bsp. war nicht aus Nächstenliebe, sondern weil man viele Menschen brauchte, um das Christentum zu stärken und zB. die Araber zu besiegen. Deswegen war der Papst auch gegen Schwangerschaftsabbruch, auch Selbstmord stand unter Strafe.

Zitat von ShakeTheDisease
Religion ist wichtiger als Liebe zum Beruf?

Bei einem Kumpel von mir gibt es eine ähnliche Verbohrtheit:
Zitat von IceBaer
Das hat nicht mit Verbohrtheit zu tun, sondern von Prioritätensetzung. Und ich finde das geht auch in Ordnung so. Wenn jemandem seine Religion so wichtig ist, dass er dafür einen "Wunschberuf" nicht wählt, so zeugt das von Charakterstärke - unabhängig davon, für wie sinnvoll ich den jeweiligen Glauben oder die jeweilige Glaubensvorschrift erachte.
Das Kopftuch ist nur ein Zeichen der Religion, aber es ist nicht die Religion. Das hat diese Frau nicht begriffen. Sie läßt sich durch ihre Religion den Beruf kaputt machen, daß nennst du charakterstark. Ich nenne das starr und steif! Das Kopftuch-Gebot zu übertreten zu Gunsten der Kinder, das bezeichne ich als wahre innere Stärke.
Somit muß ich dem Thread-Titel leider zustimmen.
 
 
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IceBaer
Alt 07.05.2008, 22:58   #98
Standard

Du sprachst in deinem Post eindeutig von Religion, nicht von deren äußeren Zeichen. Außerdem beschränkten sich deine Ausführungen ja nicht allein auf das Tragen eines Kopftuches, sondern auch auf Speisegebote anderer Religionen...

Ich bin kein Muslim und verfüge auch nicht über den nötigen Hintergrund, um die Frage nach der Wichtigikeit des Kopftuches abschließend zu beurteielen. Wie auch, wenn sich nicht einmal die muslimischen Gelehrten untereinander einig sind? Festzuhalten bleibt, dass ein bestimmter Aspekt der Religion dieser Frau wichtiger war, als das Ausüben ihres Wunschberufs. Und sich dann nicht den eigenen Glauben so zu verbiegen, dass er sich den Wünschen anpasst, sondern sich bewusst dafür zu entscheiden, ein eigenes Ziel nicht weiter zu verfolgen, da der persönliche Glauben dem entgegen steht, halte ich nach wie vor für ein Zeichen von Stärke.
 
 
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Fränze
Alt 07.05.2008, 23:19   #99
Standard

Zitat von IceBaer Beitrag anzeigen
Du sprachst in deinem Post eindeutig von Religion, nicht von deren äußeren Zeichen. (...) Festzuhalten bleibt, dass ein bestimmter Aspekt der Religion dieser Frau wichtiger war, als das Ausüben ihres Wunschberufs. Und sich dann nicht den eigenen Glauben so zu verbiegen, dass er sich den Wünschen anpasst, sondern sich bewusst dafür zu entscheiden, ein eigenes Ziel nicht weiter zu verfolgen, da der persönliche Glauben dem entgegen steht, halte ich nach wie vor für ein Zeichen von Stärke.
Aber davon spricht Shake doch, dass das Kopftuch eben kein "Aspekt der Religion", sondern nur ein äußeres Zeichen ist. Kann ein rein äußeres Zeichen, über das sich sogar die muslimischen Gelehrten nicht einig sind, ein Aspekt der Religion sein, der so wichtig ist, dass darüber ein Berufswunsch aufgegeben wird? in Berufswunsch mit sozialer Komponente?

Meiner Meinung nach würden hier andere Motive besser greifen als religiöse, aber das müßte Psychologen überlassen bleiben.
 
 
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gidian
Alt 08.05.2008, 06:54   #100
Standard

Bei den Kopftüchern, sollte man jedoch nicht vergessen, das es auch einen Sozialen Aspect geben könnte. Hat schon jemand daran gedacht, das es auch so sein könnte, das z.B. Frauen in diesen Regionen in denen der Muslim verbreitet ist, sehr viel wert sind, Bzw. waren ? Soviel ich weiß gab es mal eine zeit in der der Mann sich einfach genommen hat, was ihm grade geviel. Irgendwann wurden dann die Kopftücher für Frauen eingeführt, um ein Zeichen zu setzen: Diese Frau ist vergeben ( werder Jungfrau noch sonnstwas dergleichen ). So hab ich diese sache eben gehört, naja irgendwann einmal, hat sich des dann eben in die Religion "eingebürgert".

Dann wär da noch die sache mit dem Blut:
Nirgends steht, das man keine Bluttransvision bekommen darf, jedoch steht in der Bibel ausdrücklich, das Blut etwas Heiliges ist. Demzu Folge sind viele Menschen der Meinung, das sie so etwas heiliges nicht bekommen dürfen um ihr "unheiliges Leben" zu retten.

Im großen und ganzen, ist es nichts weiter als ein Haufen ideen, die sich irgendein Typ als ne nette Richtlinie einer Religion gedacht hat. Endergebnis : Religion ist nichts als Knechtschaft

Jeder soll sich seine eigenen Götter machen und sie verehren, genauso wie jeder mensch einzigartig ist.
Für jeden riecht Luft anders, jeder fühlt liebe anders, jeder hat im bezug auf einen Menschen eine andere Meinung, warum, sollte also ein gott in der Lage sein alle bedürfnisse der gesamten menscheit ohne zum schaden eines einzelnen erfüllen zu können ?
Ich halte das selbst für einen allmächtigen unmöglich, sonnst würds hier nicht so zugehen !

Schau aus dem fenster, du siehst keine Erde, keine Menschheit sondern nur einen Planeten voll Gülle. Solang es Menschen gibt, die herrschen wollen, hat der mensch an sich keine fähigkeit zu leben, geschweige denn sich zu entwickeln!!!!!!!!!!!!!!!!
 
 
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