Ich habe zwar auch noch nicht bei Wiki nachgeschaut, aber vielleicht hilft es, wenn man sich anguckt, wie moderner Glaube / Religion(sersatz) heute entsteht:
Es könnte der Wunsch sein, Abläufe im Leben selber beeinflussen zu wollen, anstatt den Elementen des Zufalls ausgeliefert zu sein. Als Kind ist das einfach. Die eigenen Wünsche können da noch von den großen, klugen, alles wissenden Eltern erfüllt werden, wenn man selbst dazu noch zu klein ist. Später merkt man, daß die Eltern, genau wie alle anderen Menschen gar nicht so klug sind. Man braucht einen größeren, mächtigeren Helfer, z.B. Gott. Oder einen Psychotherapeuten: Aufgrund seines Fachwissens weiß er viel mehr als ich und kann mir helfen, wie ich mein Leben in den Griff bekomme.
BESONDERS INTERRESSANT: Am Anfang jeder Therapie gilt der oberste Grundsatz: Der Patient muß dem Therapeuten vertrauen! Da aber Vertrauen nur mit einiger Zeit entstehen kann, heißt das also: der Patient soll den Therapeuten als großen allwissenden Guru anerkennen und treudoof an seine weisen Ratschläge
glauben. (Was der Patient auch gerne macht.)
Das coole ist: Wer nur leichte depressive Verstimmung hat, hat auch das Gefühl, daß ihm "geholfen" wurde. (Wer von euch aber schon schwere Depressionen hatte weiß, daß Psychotherapie nicht hilft.)
Der Wunsch sein Glück selbst zu schmieden, treibt sogar große Firmen dazu, ihre Manager und sonstigen Mitarbeiter zu überteuerten Erfolgsseminaren und Couchings zu schicken, die genauso gut "helfen" wie früher die Jagdzauberpolonaise der Medizinmänner, wenn es wieder zu wenig Mammuts oder Stinktiere zu jagen gab.
Jetzt kommt das Schlimme! Um wieder auf die Überschrift dieses Threads zurückzukommen:
Wir stellen uns ein Ehepaar vor. Dem Mann geht es schlecht, er hat Depressionen und das Eheleben leidet darunter. Die besorgte Ehefrau rät ihrem Mann zur Psychotherapie zu gehen, weil sie davon überzeugt ist. Der Mann möchte aber nicht dorthin gehen, er wird schon seine guten Gründe haben. Seine frustrierte Frau wird ihm aus ihrer Ohnmacht heraus vorwerfen: "Wenn du nicht zur Therapie gehst, kann es ja nicht besser werden!"
Das habe ich im Anfangspost unter Ignoranz und Intoleranz verstanden.
Es kommt noch schlimmer: Angenommen der arme Mann hat sich nun doch zur Therapie breitschlagen lassen und es stellt sich auch nach langer Zeit kein Erfolg ein. Nun bekommt er von seiner Frau die Schuldzuweisung: "Du willst wahrscheinlich gar nicht gesund werden!"
Das passiert, wenn die Frau von der Psychotherapie überzeugt ist / daran glaubt: Die Therapie kann gar nicht versagen, es muß am Patienten liegen. (Ich erinnere hier an die Nonsens-Theorie der Widerstände des Patienten!)
Der Glaube der Frau läßt Intoleranz und Ignoranz entstehen. Das kann man auch schon Fanatismus nennen.
Übrigens, die SigmundFreud-
Vergötterung blüht in meinem Bekanntenkreis nur bei denjenigen Leuten, die weder Freud noch seine Kritiker je gelesen haben! Wenn das kein Glaube ist! Es gibt bei diesen Menschen also gar kein Wissen, man will an einen großen klugen Guru
glauben. Mit dieser Abhängigkeit sorgen sie dafür, daß ihr
Selbstvertrauen so niedrig bleibt und am Wachsen gehindert wird.
Wie war das noch mal: Religiösität bedeutet Abhängigkeit ...