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Psychologische Hilfe im Forum

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Reh
Alt 20.05.2007, 21:58   #1
Standard Psychologische Hilfe im Forum

Moin,

aus aktuellem Anlass möchte ich das Thema "Psychologische Hilfe im Forum" aufrollen.
Was ist darunter zu verstehen?
Was sind die Möglichkeiten? Wo liegen die Grenzen? Welche Gefahren bestehen?
Wie zufriedenstellend ist die Hilfe? Aus neutraler Sicht und aus Sicht der Betroffenen betrachtet.
Mit Sicherheit gibt es weitere Fragen, die euch einfallen werden.

Um bei diesem Thema Missverständnissen vorzubeugen, sollte zuerst das Definitorische geklärt werden.
Was ist Psychologie? Nach Wikipedia eine "Wissenschaft zur Beschreibung, Erklärung und Vorhersage des Erlebens und Verhaltens des Menschen, deren Entwicklung in der Lebensspanne sowie deren inneren und äußeren Ursachen und Bedingungen." Es geht also um das Erleben und Verhalten des Menschen. Das ist ein sehr weites Feld.
Was ist die Suche nach Rat oder Hilfe? Eigentlich selbsterklärend. Jemand muss danach fragen.

Beides zusammengenommen: Wenn jemand nach Rat und/oder Hilfe in Bezug auf sein Erleben und/oder Verhalten fragt, befinden wir uns im Bereich der zu diskutierenden Problemstellung.

Fragen nach Rat oder Hilfe in Bezug auf Erleben oder Verhalten treten im Postplanet nun wirklich nicht selten auf. Praktisch immer gibt es auch Antworten. Das sind psychologische Beratungen. Sie sind natürlich ganz weit weg vom Niveau professioneller psychologischer/psychiatrischer Therapien, aber im kleinen Rahmen sind sie im Prinzip das gleiche.

Zustimmung? Ablehnung? Andere Meinungen?
 
 
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Jumpy
Alt 21.05.2007, 04:31   #2
Standard

Da es sich hier um ein Forum handelt, kann "HILFE" sofern auch nur denkbar, im Rahmen eines Meinungsaustausches stattfinden. Hilfe ist wahrscheinlich schon damit gegeben, dass eine persoenliche Einstellung, Meinung oder Handlungsweise bestaetigt, bekraeftigt oder abgelehnt wird. Die Quintessence aus der gewonnenen Erkenntnis kann nur jeder fuer sich bewerten (im positiven sowie im negativen Sinne).

Geändert von Jumpy (22.05.2007 um 00:34 Uhr).
 
 
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OrionX
Alt 21.05.2007, 15:56   #3
Standard

kurzfassung:

Hilfe im Forum != medizinische Diagnose

und nu mathematisch:

Gefährlich = medizinisch psychologische Diagnose + Laie + User + Online

so. das war ganz arg leicht oder?
 
 
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Reh
Alt 21.05.2007, 22:32   #4
Standard

Wir sind uns sicher einig, dass Hilfe im Forum (in den allermeisten Fällen) keine medizinische Diagnose ist.

Aber wenn " Gefährlich = medizinisch psychologische Diagnose + Laie + User + Online"
Ist dann "Hilfe ohne medizinisch psychologische Diagnose + Laie + User + Online" in irgendeiner Weise besser zu bewerten?
 
 
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Felicitas
Alt 22.05.2007, 00:03   #5
Standard

Sich selbst als psychologe zu bezeichnen scheint ein trend zu sein. Aber jeder, der einmal reale psychologische oder psychiatrische hilfe in anspruch genommen hat, oder selbst psychologie studiert, oder vllt auch nur jmd kennt der eines von beiden ist, weiß wie anmaßend es von den meisten ist, sich selbst als psychologe, oder das was sie tun als psychologische beratung zu bezeichnen.

Mal ein paar vergleiche genannt, die verdeutlichen sollen was ich meine. Wenn man einen ikea schrank zusammenbauen kann, kann man sich noch lange nicht als schreiner bezeichnen. Nicht jeder der in der lage ist mittels html eine homepage zu basteln, kann sich programmierer nennen. Ist klar worauf ich hinaus will?

Die psychologie als solches, ist ein wissenschaftliches feld. Psychoanalyse, als (eventuelles teilgebiet der psychologie) hingegen ist sehr umstritten und auch im studium ist psychoanalyse nur ein kleiner teil, meistens wird sie gar nicht explizit gelehrt, sondern lediglich freudsche oder moderne theorien selbiger.

Wieder ein vergleich. Nur weil ich soziologische theorien der gegenwart kenne, bin ich kein soziologe. Nur weil ich das gebiss vom hund in der 7. klasse gelernt habe, bin ich kein tierarzt. Nur weil ich theorien der theateranalyse kenne, bin ich noch kein analytiker.

Wir hatten neulich in einem theorie seminar die diskussion über praktiker und theoretiker. Kann man das eine sein, ohne das andere zu sein? Ist man ein besserer praktiker, wenn man der theorie mächtig ist und kann man überhaupt praktiker sein ohne die theorie zu kennen? Kann man alle aktuellen und historisch wichtigen theorien kennen? Was taugt ein theoretiker der keine praktischen erfahrungen hat? Ist jmd der beides in sich vereint besser, als 2 die sich gegenseitig ergänzen? Usw. und die frage ist was hobbypsychologen überhaupt sind.

Nehmen wir mal chirurgen die kosmetische eingriffe vornehmen. Man hört ja ab und an in boulevardmedien von selbsternannten schönheitschirurgen, die agieren, ohne jemals einen doktortitel erworben zu haben. Was ist dein gefühl wenn du so etwas hörst? Beschleicht dich unbehagen dass du auch mal an so einen geraten könntest?

In einem forum wird oft nach rat gefragt. Es gibt ein problem, vllt mit der familie, vllt mit der liebe, vllt mit mobbing. Und manchmal wird ein forum „benutzt“ um sich einfach mal alle gedanken aus dem kopf zu schreiben. Dabei geht es vllt nicht primär um die reaktionen. Da geht’s manchmal nur darum all die gedanken aufzuschreiben, sie wieder und wieder zu lesen, durch andere gedanken zu ersetzen und sie dadurch vllt zu ordnen. Dann kommen user die können vllt zu einem teil der gedanken etwas sagen, weil sie ähnliches auch schon mal erlebt haben und dem user dann sagen können wie sie damit umgegangen sind. Oder sie kennen jmd mit einem ähnlichen problem und können aus sicht des dritten sagen wie derjenige damals damit umgegangen ist und ob das nur vorteilhaft war, oder ob man etwas anders hätte machen können.

Es gibt menschen, die haben von natur aus ein unwahrscheinlich gutes gespür für menschen. Hier im forum gibt es einige davon. Das drückt sich dann durch einfühlungsvermögen aus, dadurch wie sie nachfragen, wie sie verständnis zeigen, wie sie sich einfühlen können. Und daraus resultieren können sie gut rat geben und so etwas wie ein vertrauensverhältnis aufbauen. Aber „psychologische beratung“ geben auch sie nicht. Sie schaffen es einfach nur sich einzufühlen und können dann formulieren wie sie in der situation handeln würden. Und das ist gut! Das ist hilfreich. Mit solchen usern und solchen posts ist dem user der ein problem hat wirklich geholfen. Er sieht dass er nicht allein ist, dass er verstanden wird und dass ihm lösungswege aufgezeigt werden. Und nun kommen wir an den punkt, an dem sich wohl die geister scheiden und wir sind da, wo ich bei absatz 1 angefangen habe. Für mich persönlich, gehört zu einer psychologischen beratung auch fundiertes wissen über die theorie der psychologie und reale praxiserfahrung. Ist dies vorhanden kann man auch von „psychologischer beratung“ sprechen. Ist dies nicht vorhanden, dann hat man einen menschen vor sich der gern mit menschen zu tun hat und gern nachforscht was dahinter stecken könnte, wenn ein problem genannt wird. Im optimalen fall hat man es dann mit so einem menschen zu tun wie ich sie oben beschrieben habe, mit einem menschen mit einem guten gespür für menschen.

Und dann unterscheide ich persönlich noch zwischen der art der probleme. Es gibt problemthreads, da liegt das problem für außenstehende auf der hand. Das ist zB so bei pubertärem gefühlschaos, jeder der die pubertät hinter sich gebracht hat kann da ziemlich schnell sagen „ach du, ja, so ging mir das damals auch“. Vereinfacht ausgedrückt. Und dann gibt es problemthreads, die sind derart komplex aufgebaut, dass es schlichtweg unmöglich ist aufgrund eines posts zu sagen was los ist. Dann muss man halt noch mal nachfragen, noch mal genau abklären, noch mal nach hintergrundinformationen fragen um sich damit dann auf den user und sein problem einlassen zu können. Sich einfühlen zu können.

Und um mal konkret zu werden. Das ist in dem loser thread nur genau einmal passiert und das war von mephisto. Er hat nachgefragt und hat versucht hintergründe herauszufinden. Und von cassandra kam dann die einfühlende komponente. Und von anderen wieder kam gleich die analyse schlechthin, da wurden angststörungen diagnostiziert. Und damit wurde der vergessliche dann allein stehen gelassen. Da gabs eine liste mit sachen vor denen er angst hat. Einfach so hingeknallt. Das ist so als ob man zum allgemeinarzt gehen würde weil man ständig husten und atemnot hat und der erklärt einem dann „sie haben astma“ und sagt einem aber nicht was man dagegen nun tun kann. Und an der stelle erkennt man dann diese hobbypsychologen vor denen ich gerne warne und die ich persönlich so absolut nicht ausstehen kann. Es bringt niemandem etwas wenn einem eine diagnose oder eine analyse von einem laien hingeknallt wird (die auch noch falsch sein kann!), der dann nicht sagt worauf er die begründet und der dann nicht mal ein fazit ziehen kann in form von „lösungsansatz“ bieten. Und das unterscheidet diese hobbypsychologen auch von brauchbaren realen. Ein psychiater oder psychologe hat irgendwie auf ganzer linie versagt wenn er seinem patienten zwar allerhand sachen aufzählen kann die gestört sind, aber wenn er dann keine hilfe anbietet oder lösungswege aufzeigt, hat er in meinen augen versagt.

Ein guter psychologe, der sich in meinen augen auch als solcher bezeichnen kann, vereint beides. Zum einen natürlich ein gewisses theoretisches wissen, zum anderen aber auch das einfühlungsvermögen und die bereitschaft lösungswege darzulegen. Das muss nicht so aussehen dass derjenige sagt „du musst nun das oder das tun“. Sondern wirklich elegant wird es, wenn im dialog zusammen ein lösungsweg gesucht und gefunden wird, und der der berät, dem anderen hilft sich selbst zu helfen. Ihm hilft selber auf ursachen zu stoßen, selber auf lösungswege zu stoßen. Das kann, meiner meinung nach, meistens nur im dialog passieren, real oder virtuell. Von daher glaube ich, dass einem forum natürliche grenzen gesetzt sind was die verwirklichung von psychologischer beratung/hilfe angeht.

Also fazit: ich glaube die möglichkeiten in einem forum wirklich psychologisch zu beraten sind eher beschränkt. Zum anderen traue ich niemanden der von sich selbst sagt „ich bin psychologe oder psychoanalytiker“. Das weckt bei mir persönlich immer sofort misstrauen.


irgendwie hatte ich vor mehr zu schreiben, aber mir ist irgendwann im laufe des tages n bissl was dazwischen gekommen (glück gehabt )

edit. um noch mal herauszustellen. ich habe nichts direkt gegen menschen die von der psyche des menschen fasziniert sind und sich damit gern in der freizeit beschäftigen. ich finds sogar gut wenn man sich beließt und sein wissen dann in einem anonymen forum "irgendwie erprobt". aber was mir immer sehr unangenehm aufstößt ist diese selbstverherrlichung und selbsteingenommenheit die bei diesem trend oft auftritt. ich würde trotz psychologie studium, trotz großem privaten interesse und trotz realer erfahrungen, und wer mit mir per chat zu tun hat und mich gerade deswegen vllt ab und an um rat fragt wirds wissen, mir niemals anmaßen mich selbst als psychologe oder als psychoanalytiker darzustellen. ich sag immer "joa, ich interessier mich dafür, les gern darüber, bin im 2. semester, also erwarte bitte nix professionelles, ich erzähl lieber einen schwank aus meinem erfahrungsschatz". und bislang kam ich damit besser als die meisten die groß tun und sich laut als psycho irgendwas auftun. die chance etwas kaputt zu machen ist einfach zu groß. viel zu groß. und in meinem wortschatz gibt es die worte "vermutlich" und "vielleicht", die fehlen dem ein oder anderen selbst ernannten psychologen leider. wenn ich im forum zb hhai oder krashok frage, was das sein kann, dass mein knie sporadisch weh tut, dann formulieren diese ihre antwort auch so "joa, das hatte ich auch mal, bei mir war es lt. facharzt XY, vielleicht ist es das bei dir auch. geh mal lieber zu nem richtigem arzt".

Geändert von Felicitas (22.05.2007 um 00:27 Uhr).
 
 
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Reh
Alt 22.05.2007, 01:18   #6
Standard

Zitat von felicitas
Wenn man einen ikea schrank zusammenbauen kann, kann man sich noch lange nicht als schreiner bezeichnen. Nicht jeder der in der lage ist mittels html eine homepage zu basteln, kann sich programmierer nennen.
Wer aber den Ikea Schrank zusammen gebaut hat, hat eine schreinerische Tätigkeit vollführt. Und der Bastler, der eine Html Homepage gebaut hat, ist vielleicht kein ausgebildeter Programmierer, aber er hat programmiert.

Völlig unerheblich, ob der Bastler ein Programmierer, der Familienvater ein Schreiner oder wir im Forum Psychologen sind. Wir Menschen tun ja nicht nur das, was wir in der Ausbildung oder im Studium lernen, wir führen täglich und unser Leben lang Tätigkeiten aus, in denen wir - verglichen mit den jeweiligen Experten - als Laien bezeichnet werden müssen. Eine Mutter kocht ihr Leben lang für die Familie - sie ist aber keine ausgebildete Köchin; ein Rentner pflanzt Rosen in seinem Garten - er ist aber kein Gärtner. Man kann tausende Beispiele anführen.

Es geht nicht darum, was wir beruflich sind. Es geht darum, was wir machen. Und ich sehe, dass im Forum ständig Seelsorge betrieben wird. Obwohl die Leute nicht dafür ausgebildet sind. Ich sehe auch, wie ständig bei psychischen Problemen Ratschläge angeboten werden. Obwohl die Leute keine Psychologen/Psychiater sind. Ich sehe, wie bei körperlichen Beschwerden alle möglichen Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten angeboten werden (aktuell der Zahnschmerzthread - ein Paradebeispiel!). Obwohl die Leute keine Ärzte sind.

Ich bezeichne die pschologische Hilfestellung im Forum als solche, weil sie das ist. Ob sie qualitativ auf dem Niveau eines ausgebildeten Psychologen ist, ist für die Quantifizierung unerheblich. Du würdest sicher nicht behaupten, dass die Tätigkeit einer Frau nicht als Kochen zu bezeichnen ist - nur weil sie keine gelernte Köchin ist und ein 5-Sterne-Koch das möglicherweise besser könnte.

Das ist der Punkt, an dem wir noch aneinander vorbei reden. Ich versuche eine Tätigkeit dadurch zu definieren, dass diese Tätigkeit ausgeführt wird. Du versuchst eine Tätigkeit dadurch zu definieren, dass sie von einem ausgebildeten Personal ausgeführt wird.

Es geht nicht darum, uns als Philisophen zu klassifizieren, weil wir gerade ein wenig herumphilisophieren.
Es geht nicht darum, uns als Psychologen zu klassifizieren. Es geht (zumindest mir) darum, selbstkritisch zu schauen, was wir eigentlich tun. Und wir tun etwas auch völlig ohne eine Ausbildung.
 
 
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Felicitas
Alt 22.05.2007, 01:31   #7
Standard

oooh ich höre das stöhnen einiger mir bekannter pp user bei deinem satz zum programmieren , da wird sicher noch dagegen protestiert .

aber zu deinem koch beispiel. ich sage von mir: ich koche gern und ich kann in gewisser weise kochen und habe an manchen tagen ein gutes gefühl dafür welche kräuter ich da zusammenklatsche. aber als KOCH würde ich mich nie selber bezeichnen.

ich verstehe was du meinst, nur ich persönlich lebe halt nicht danach. was ich mir nicht alles andichten könnte wenn ich wöllte huijuijui , dann würde mein ego ja ins unermessliche wachsen . aber eigentlich bin ich nur eines mit sicherheit. abiturient und werbekauffrau (und auf anderer ebene noch partner, freundin, tochter, frau usw.). ansonsten spiel ich gern volleyball, bin aber von nem volleyballer meilenweit entfernt. ich koch gern und glaube zu wissen was ich da so in den topf haue, aber koch bin ich deswegen noch lange nicht. ich arbeite sogar neben dem studium in der gastronomie, nicht selten in der küche, koch bin ich deswegen noch lange nicht *g*. ich beobachte gern menschen, steh einigen gern mit rat und tat zur seite, psychologe bin ich dadurch noch lange nicht. ich bastel unwahrscheinlich gern an elektrokram. wenn ein notebook, ein handy, eine fernbedienung nicht funktioniert bau ich die liebend gern auseinander und bastel daran rum bis sie funktioniert. deswegen bin ich noch lange nicht das was man ist wenn man das gelernt hat (elektriker? kein plan *gg*)

ich fotografiere und male gern. aber ich würd mich nie als fotograf zb bezeichnen, obwohl ich manches was dabei raus kommt schon arg geil finde *gg*. ich interessiere mich _irgendwie_ für webdsign. verkaufe sogar ab und an das ein oder andere was ich da so produziere. aber ich habe mich selbst noch nie als webdesigner verkauft.

ich hab heut beim einschlafen einen bericht im fernsehen gesehen, mehr gehört (weil augen zu), da ging es um einen typen, der als hobby aus allen möglichen metallischen sachen waffen schmiedet. er hat sich, wenn ich mich recht erinner, nicht einmal selber als schmied bezeichnet. obwohl er das nun schon jahre macht und einem der das irgendwann mal als beruf gelernt hat sicher in nichts nachsteht.

vllt ist es wirklich an der stelle, individuell wie der einzelne sich darstellen will, und welche bedeutung er einzelnen teilen seines lebens beimisst. der eine wohl eher "bescheiden" (wobei ich mich nun nicht als bescheiden beschreiben würde, ich lass mein ego schon gutgehend raushängen, aber diese selbsttitelvergabe empfinde ich schlichtweg als anmaßend), der andere eher "selbstbewusst". alles wird seine vor- und nachteile haben. und alles hat seine berechtigung.

vllt ist die ebene auf der ich da unterscheide auch zu feingliedrig als das man mir folgen könnte, keine ahnung.

Geändert von Felicitas (22.05.2007 um 02:07 Uhr).
 
 
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Sivar
Alt 22.05.2007, 03:21   #8
Standard

Ich finde, die letzten 2 Postings gehen völlig am bemängelten Problem vorbei. Es geht hier doch nicht darum, ob jemand auch auf dem Papier qualifiziert ist, psychologische Hilfestellung zu geben, oder ob das jemand aus Menschenkenntnis heraus macht. Vielmehr geht es um selbstverherrlichende Arroganz, wenn jemand der festen Überzeugung ist, aus wenigen Postings tiefgehende psychische Störungen diagnostizieren zu können.

Weiterhin geht es darum, dass auf selbstverherrlichende Weise die eigene "Diagnose" als einzig richtige dargestellt wird, und wenn Kritik mit den Worten verworfen wird, man hätte schliesslich Ahnung. Und selbst wenn der Hobbypsychologe sämtliche Lektüre zu psychischen Störungen gelesen hätte, zig Jahre Psychologie studiert hätte... woher nimmt er sich das Recht zu behaupten, seine Sicht der Dinge wäre die einzig gültige, sogar wenn der gesunde Menschenverstand mehrerer anderer Leute mit Lebenserfahrung das ziemlich abwegig/abgedroschen/übertrieben findet? Wer sagt, dass die etablierte Psychologie/Psychoanalyse recht hat?

Die Psychoanalyse wird ausserdem bei JEDEM Menschen eine psychische Störung diagnostizieren können, wenn nur lange genug danach gesucht wird. Allein das ist ein Grund, die Probleme der Leute nicht auf 5 Zeilen Text zu komprimieren, die zu allem Überfluss noch nicht einmal eine Hilfestellung anbieten.

Viele Hobbypsychologen brauchen die Probleme anderer Leute für ihr eigenes Selbstwertgefühl. Sie fühlen sich toll, wenn sie ein Verhaltensmuster erkannt haben... meinen, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, wenn von irgendeiner Seite Bestätigung kommt. Ihnen geht es dabei in Wahrheit - auch wenn sie es glauben - nicht um das Wohl der Person, die Probleme hat, sondern sie versuchen, ihre eigenen Probleme zu bewältigen, indem sie die Probleme anderer Leute katalogisieren, in Schubladen stecken, bestenfalls noch einen rein theoretischen Weg aus der Misere aufzeigen, und dann das Gefühl haben, Ordnung ins Chaos gebracht zu haben.

Der Mensch besteht nunmal aus so vielen Facetten, dass es unmöglich ist, diese in einigen Postings in Worte zu fassen, daher finde ich die Arroganz, mit der das versucht wird (und den Eindruck habe ich bei einigen), zutiefst widerlich. Amen.
 
 
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Reh
Alt 22.05.2007, 17:54   #9
Standard

Zitat von Sivar
Es geht hier doch nicht darum, ob jemand auch auf dem Papier qualifiziert ist, psychologische Hilfestellung zu geben, oder ob das jemand aus Menschenkenntnis heraus macht. Vielmehr geht es um selbstverherrlichende Arroganz, wenn jemand der festen Überzeugung ist, aus wenigen Postings tiefgehende psychische Störungen diagnostizieren zu können.
Nein, genau darum geht es hier nicht. Darüber wird schon in einem anderen Thread gestritten und hier möchte ich etwas anderes besprechen.

Zitat von Sivar
Viele Hobbypsychologen brauchen die Probleme anderer Leute für ihr eigenes Selbstwertgefühl. Sie fühlen sich toll, wenn sie ein Verhaltensmuster erkannt haben... meinen, sie hätten die Weisheit mit Löffeln gefressen, wenn von irgendeiner Seite Bestätigung kommt. Ihnen geht es dabei in Wahrheit - auch wenn sie es glauben - nicht um das Wohl der Person, die Probleme hat, sondern sie versuchen, ihre eigenen Probleme zu bewältigen, indem sie die Probleme anderer Leute katalogisieren, in Schubladen stecken, bestenfalls noch einen rein theoretischen Weg aus der Misere aufzeigen, und dann das Gefühl haben, Ordnung ins Chaos gebracht zu haben.
Wer im Glaushaus sitzt...
Wenn das mal keine tiefergehende Analyse ist, die ganze Personengruppen anhand eines ganz bestimmten Verhaltens klassifiziert. Und nachfolgend erzählst du was von den Facetten eines Menschen, die eine Klassifizierung unmöglich machen.
Du hast möglicherweise Recht mit deiner Hobby-Psychoanalyse. Wie kommt es nur, dass du regelrecht Hass versprühst gegen etwas, was du selbst genauso machst?

Falls du übrigens mit den mehr oder weniger offenen Anschuldigungen gegen "einige" auch mich meinst, so weise ich die Vorwürfe zurück. Es hat nämlich zu keinem Zeitpunkt eine sachliche Diskussion stattgefunden, in der man versucht hat herauszufinden, wer eigentlich was meint. Man ist direkt zu Beschuldigungen und Beleidigungen übergegangen und darauf basieren derzeit die Meinungen.

@felicitas:
Ich denke, wir kommen der Sache näher. Was du mit Beispielen beschreibst, ist genau das, worauf ich hinaus will.
Beispiel: Du kochst.
Man kann sich jetzt fragen, ob du eine Köchin bist. Aber das ist überhaupt nicht mein anliegen. Das ist derzeit unerheblich.
Man kann auch zuerst feststellen, dass du kochst. Und dann kann man schauen, was du kochst und wie du es machst. Das ist das, worüber ich sprechen möchte. Nur eben nicht über das Kochen, sondern über die Erteilung von Ratschlägen.
 
 
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OrionX
Alt 22.05.2007, 19:13   #10
Standard

man sollte erstmal allgemein definieren was man anprangert, das scheint irgendwie unklar. Ich für meinen teil sage das Diagnosen, nicht ratschläge, sondern klare Kranheitsbezeichnungen "du hast störungxy" generell gefährlich und falsch ist, sofern man nicht über hinreichende ausbildung und qualifikation verfügt. Immer.

Wenn man sich mit Psychologie beschäftigt, hat man sicher schon davon gehört, das die reine überzeugung und das "einreden" einer krankheit manchmal dazu führen kann das man diese krankheit wirklich bekommt, bei psychischen krankheiten kann das noch häufiger vorkommen, da man wenn man sich es genug einredet sein leben darauf einstellt und sich psychische störungen leichter einreden lassen wenn man nur genug über die symptome "weiss". dafür will ICH nie verantwortlich sein.

was sivar, feli und andere hier machen ist KEINE psychische analyse, noch ein versuch ein psychologisches profil zu erstellen und ein krankheitsbild zu suchen, das findet man nämlich leicht wenn man denn nur eins finden will. Der Rat in diesem forum, beruht auf erfahrung oder meinung, nicht auf irgendwelchen irgendwo erlesenen o.ä. kenntnissen. und keiner der kein psychologie oder medizin studium abgeschlossen hat, oder entsprechend wirklich ausgebildet ist darf diagnosen und krankheitsbilder verkünden. Wenn man etwas sagt wie sivar ist das für mich aussage eigener meinung oder erfahrung. Er dichtet KEINEM ein krankheitsbild an.

Oder darfst du ohne führerschein auto fahren, auch wenn du alles über autos gelesen hast? (mal als minimalvergleich)
 
 
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mizue
Alt 22.05.2007, 20:04   #11
Standard

ist klar, dass ein laie keine diagnose "ausstellen" kann bzw. eine vermutung äußert und die dann zutreffen muss. trotzdem kann und darf er vermuten und diese vermutung dann auch äußern. diese vermutung kann dem beratenen einen hinweis oder anhaltspunkt liefern, den er selbst für sich bewerten oder (achtung wichtig) anschließend wieder verwerfen kann, falls ihm klar geworden ist, dass betreffende vermutung von xyz ihn nicht betrifft. so viel mündigkeit sollte man einem menschen schon zutrauen.

ich glaube nicht, dass krankheiten durch blose einbildung entstehen, wenn vorher nicht die vorraussetzungen (oder tendenzen, neigungen) in einem selbst dafür vorhanden waren. letzten endes können krankheiten auch symptome sein.

diese debatte um bezeichnungen und berufe halte ich für ein wenig... öh mühsam, überflüssig. auch wenn ich von beruf kein koch bin, kann ich eine gute köchin sein, weil: ja weil ich gut kochen kann. auch wenn ich kein ausgebildeter fotograf bin, kann ich durchaus gute fotos machen und mich mit der materie auch auskennen. usw. usf. es braucht keine urkunde und keinen schein, um trotzdem zu sein.

die "psychologische" beratung in foren kann ein austausch von erfahrungen sein und - wie ich finde - in gewisser weise durchaus hilfreich sein. dass man - ohne eine person wirklich zu kennen - keine definitive "diagnose" austellen kann, sollte sich eigentlich von selbst verstehen. ich bezweifle sogar, dass das funktioniert, wenn ein ausgebildeter psychologe online berät.

btw: stop fighting.

Geändert von mizue (22.05.2007 um 20:39 Uhr).
 
 
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Reh
Alt 22.05.2007, 21:07   #12
Standard

Ok, wir reden teilweise aneinander vorbei, weil wir teilweise von etwas anderem reden. Ich bin noch dabei festzustellen, dass hier im Forum dauernd psychologische Hilfe angeboten wird. Das muss als Bedingung gegeben sein, damit wir dann über die Qualität dieser Hilfe diskutieren können.
OrionX diskutiert bereits über die (Un)Möglichkeiten einer Diagnose. So weit war ich noch gar nicht. Man kann nämlich Hilfestellung ohne Diagnose geben. So wie z.B. Sport als Allheilmittel bei Problemen empfohlen wird.

Ich halte es eigentlich für sinnvoll, erst einmal zu schauen, was wir haben und erst im zweiten Schritt zu bewerten. Sonst kann es nämlich passieren, dass wir über Einzelheiten diskutieren, die möglicherweise im Gesamtkontext kaum eine Rolle spielen. Wenn sich beispielsweise feststellen sollte, dass hier im Forum die Hilfestellung ohne vorherige Diagnose erfolgt, dann wäre die Diskussion um die Gefährlichkeit von Diagnosen im Forum an der tatsächlichen Sachlage vorbei geführt (aber deswegen noch nicht sinnlos!).

Schauen wir doch zuerst, was wir haben. Später können wir das auch bewerten.

- Im Forum erfolgt Hilfestellung verschiedenster Arten. Beratungen, Aufmunterungen, Beileidsbekundungen, Erfahrungsberichte, Tipps, Handlungsvorschläge usw.
- Eine Diagnose findet nicht in allen Fällen statt.
- Eine medizinische Diagnose findet nur selten statt, oft aber werden Vermutungen geäußert, auf deren Basis man Arztbesuche, Selbstmedikation oder Verhaltensvorschläge macht.

Ergänzungen? Gegenmeinungen?

PS: Ich bin wirklich und ernsthaft an dem Thema interessiert. Ich möchte sachlich und kritisch über das Thema diskutieren und habe überhaupt kein Interesse, irgendwen zu diskreditieren oder mich selbst zu rechtfertigen.
 
 
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Sivar
Alt 23.05.2007, 10:08   #13
Standard

Ok, gehen wir das ganze etwas konstruktiver an...

Wenn man psychologische Hilfe als das definiert, was auch ständig zB unter Freunden stattfindet (gegenseitige Hilfestellung, trösten, Tipps geben, etc), dann ist das natürlich in Foren gang und gäbe. Weil die Leute in Foren zudem noch offener und ausführlicher erzählen, gibt einem das teilweise auch noch tiefere Einblicke in das Gefühlsleben der jeweiligen Leute, so dass man dabei vielleicht noch eher nen Bezug zu der Situation herstellen kann (durch Vergleich mit eigenen Erfahrungen und denen von Bekannten) und deswegen noch eher die Tragweite der Situation erfasst und noch gezielter helfen kann.

Ich hab ausserdem ne Weile nachgedacht über dein "Wer im Glashaus sitzt...", und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich da nicht selber beschrieben hab. Ich war in der Hinsicht tatsächlich schonmal schlimmer, und möglicherweise habe ich gerade deswegen sone Abneigung gegen diese Arroganz entwickelt. Ich weiss nämlich, wie leicht man zu irgendwelchen Diagnosen kommt, wie schnell man glaubt den Überblick zu haben, das Gegenüber quasi in seine psychischen Bestandteile zerlegen zu können. Aber die Wahrheit, die ich im Laufe der Zeit festgestellt hab, ist jene, dass die Leute einem zwar die Wahrheit erzählen, diese aber nur einen sehr kleinen Ausschnitt aus deren ganzer Persönlichkeit darstellt. Wenn dieselbe Person an einem sehr schlechten und an einem sehr guten Tag über sich schreibt, hätte man zwei völlig verschiedene Bilder von ihr im Kopf, und würde sie jeweils ganz anders analysieren, bewerten, und dementsprechend mit ihr reden.

In gewisser Weise ist das Segen und Fluch des Internets gleichzeitig. Man kann zwar zu einer spezifischen Situation sehr gute Tipps geben, aber man hat einen weit schlechteren Gesamteindruck von seinem Gesprächspartner als im RL, selbst wenn man genau dasselbe erzählt bekommt. Man sieht keine Körpersprache, man hört die Stimmlage nicht, man hat keine Mimik, etc... es fehlt also der Grossteil der sonstigen Signale, die man normalerweise (unbewusst) in seine Beurteilung mit einfliessen lassen würde. Es fehlt einem der Kontext, der es einem ermöglichen würde, tatsächlich einen Gesamteindruck von der Persönlichkeit seines Gegenübers zu bekommen.

Ich habe schon zigmal gehört, ich solle doch Psychologie studieren, etc bla, und ich lag sehr selten daneben, aber ich bin oft durch Arroganz viel weiter über das Ziel hinausgeschossen als angebracht. So kam es, dass ich - zumindest in Gedanken - den Leuten psychische Störungen angedichtet habe, die in der Form überhaupt nicht vorhanden waren. Siehe das Beispiel derselben Person, die an einem besonders schlechten Tag schreibt, wo ihr die ganze Welt über den Kopf wächst. Man stellt evtl viel zu schnell deren Fähigkeit in Frage, überhaupt mit Problemen umgehen zu können. Das würde einem nie passieren, wenn man die Person auch nur eine Stunde lang im RL beobachten könnte, wie souverän sie da normalerweise agiert und mit Situationen umgeht.

Das Problem am Internet ist auch, dass es Leute hauptsächlich in besonderen Notlagen anzieht, und später erst "bindet". Deswegen bekommt man anfangs, wenn sie neu sind, oft einen viel "schlechteren" Eindruck von den Leuten, als ihnen eigentlich gerecht werden würde. Man könnte zwar schreiben "Du hast möglicherweise die und die Ängste", aber was man da auf eine ganze Persönlichkeit projiziert, und wovon man den Eindruck hat, es würde diese Person ständig dominieren, spielt vielleicht nur eine untergeordnete Rolle im normalen Leben, und äussert sich nur in diesem einen Problem so stark.

Daher kommt (auch wenn ich mich wiederhole) die Gefahr, dass man Leute so leicht auf ein bestimmtes Problem, eine bestimmte Störung, eine emotionale Instabilität reduziert, und das wiederum kann dieser Person gerade in der Notlage weit mehr schaden als nützen. In Notlagen sind viele Menschen empfänglicher dafür zu "erfahren", was sie an eigenen Fehlern und Schwächen haben könnten, und das kann sogar einer Lösung des aktuellen Problems im Weg stehen, weil die Leute anfangen, sich als Mensch noch mehr in Frage zu stellen, als sie es sowieso schon (wiederum aufgrund ihres Problems) tun.

Ein weiterer Punkt... die Menschen brauchen unterschiedliche Hilfestellung. Dem einen ist am besten geholfen, wenn man ihn aufmuntert, dem anderen, wenn man dessen Persönlichkeit in seine Einzelteile zerpflückt. Ein Beispiel... Traumabewältigung ist ja lange davon ausgegangen, dass der einzige richtige Weg die bedingungslose Konfrontation und Nacharbeitung des Erlebten ist. Mittlerweile ist man aber unsicher, ob nicht gerade wegen der Versuche zur akuten Traumabewältigung (etwa einen Tag nach einem Unglück) einige Menschen posttraumatische Stresssymptome entwickelt haben. Soll heissen: Selbst wenn man sehr genau wüsste, was das Gegenüber gerade alles so belastet, fehlen einem die Hintergrundinfos (wie erwähnt... Körpersprache, Mimik, etc) zu beurteilen, wie weit man bei der Konfrontation gehen kann.

Ausserdem könnte man was Falsches sagen, was die Person in der Notlage so erschüttert, dass sie sich danach zurückzieht, so dass sie am Ende allein dasteht und noch mieser dran ist als vorher (siehe oben: sich in Frage stellen). Von daher ist ein gewisser "weicher" Umgang nicht nur angeraten, sondern eigentlich zwingend notwendig. Sicher sein kann man sich eh nie, von daher sollte man lieber ein "vielleicht" und eine Frage mehr in ein Hilfe-Posting einbauen, und dafür die sturen Behauptungen weglassen.

Das gilt vor allem, wenn die Behauptungen weder in den geschriebenen 15 Zeilen ausführlich begründet sind ("du hast einen Komplex aus deiner Kindheit bla, und in Folge dessen diese Angststörung und jenes Bindungsproblem entwickelt"), noch ein möglicher Weg aus der Misere gezeigt wird. Zurecht sagt man dann, man würde den andern nicht genug kennen, um sichere Wege aus dem Problem heraus aufzuzeigen, aber aus demselben Grund hätte man garnicht erst wilde Analysen in den Raum stellen dürfen, die der Gesamtpersönlichkeit nicht ansatzweise gerecht werden (können).

Um zu nem Abschluss zu kommen... Hilfe in Foren ist sicherlich eine wichtige Sache und hat bestimmt schon vielen Leuten geholfen, ihre eigene Situation distanzierter sehen zu können. Man sollte dabei nur nicht vergessen, dass man einen komplexen Menschen "vor" sich hat, und nicht ein psychologisches Versuchskaninchen, dem man mal dieser und jener Analyse aussetzen kann, um zu gucken, was passiert. Die allermeisten Leute, die das in Foren tun, würden nämlich meiner Meinung nach nicht wagen, mit ihren besten Freunden so zu reden, sondern würden weitaus vorsichtiger vorgehen. In gewisser Weise erkennt man doch beim näheren Kennenlernen einer Person oft, dass sie noch ganz andere Qualitäten und Eigenschaften hat, als man anfangs für möglich gehalten hätte. So lernt man jemanden besser kennen, und ist (während des anfänglichen Kennenlernens) auf gewisse Weise doch mit jedem Schritt unsicherer, wie gut man ihn wirklich kennt und einschätzen kann.
 
 
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OrionX
Alt 23.05.2007, 11:44   #14
Standard

^ den post da den unterschreib ich so 100%ig, genauso ist auch mein standpunkt ums mal deutlich darzustellen.
 
 
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Reh
Alt 23.05.2007, 18:11   #15
Standard

Ich stimme vollkommen darin überein, dass man keine komplette Persönlichkeitsanalyse anhand von Forenbeiträgen erstellen kann. Ich bin sogar der Meinung, dass man komplette Persönlichkeitsanalysen überhaupt nicht erstellen kann. Es mag Ausnahmen, wie Zwillinge, Seelenverwandte oder sehr eng und langjährig verbundene Partner geben, aber in der Regel ist es ein Ding der absoluten Unmöglichkeit.

Um Hilfe zu leisten, bedarf man aber auch keiner kompletten Analyse. Sonst könnte man nie Hilfe leisten... Man muss die wichtigen Faktoren des gerade aktuellen Problems kennen. Was darüber hinaus geht, ist ein Bonus, der hilfreich sein kann (aber nicht muss) und der im Umfang stark begrenzt ist.

Bei manchen Beschwerdebildern sind die Einflussfaktoren bekannt und gut untersucht, so dass man das Leiden einigermaßen sicher einordnen kann. Es gibt aber auch Probleme, wo die Faktoren nur unzureichend bekannt sind. Hier geben selbst Experten höchstens Schätzungen ab.

Krankheit ist also nicht gleich Krankheit. Über manche weiss man gut bescheid, über andere nicht. Das sollte man immer berücksichtigen, wenn man Diagnosen erstellt und Ratschläge erteilt.

Zitat von Sivar
Ein weiterer Punkt... die Menschen brauchen unterschiedliche Hilfestellung. Dem einen ist am besten geholfen, wenn man ihn aufmuntert, dem anderen, wenn man dessen Persönlichkeit in seine Einzelteile zerpflückt. Ein Beispiel... Traumabewältigung ist ja lange davon ausgegangen, dass der einzige richtige Weg die bedingungslose Konfrontation und Nacharbeitung des Erlebten ist. Mittlerweile ist man aber unsicher, ob nicht gerade wegen der Versuche zur akuten Traumabewältigung (etwa einen Tag nach einem Unglück) einige Menschen posttraumatische Stresssymptome entwickelt haben. Soll heissen: Selbst wenn man sehr genau wüsste, was das Gegenüber gerade alles so belastet, fehlen einem die Hintergrundinfos (wie erwähnt... Körpersprache, Mimik, etc) zu beurteilen, wie weit man bei der Konfrontation gehen kann.
Das ist ein eminent wichtiger Punkt, gut, dass du darauf gekommen bist.
Im Forum hat man im Gegensatz zu einer Therapiestunde keine direkte Rückmeldung darüber, wie der "Patient" die Ratschläge aufnimmt.
Das ist ein riesiges Problem, für das ich gerade keine Lösung sehe. Eine Kennenlernphase ist sicher nicht schlecht, aber im Grunde auch völlig unzureichend.
Ich möchte aber nicht ausschließen, dass es möglich ist, ein gewisses Fingerspitzengefühl zu entwickeln, um die fehlenden visuellen und akustischen direkten Rückmeldungen zumindest teilweise durch geschicktes Vorgehen in schriftlicher Form herauszukitzeln.
 
 
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Reh
Alt 05.06.2007, 17:29   #16
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Wie sieht es mit der Diagnose psychischer Störungen aus?
Es wurde bisher von fast allen betont, dass Diagnosen über ein Forum unmöglich sind. Ist das wirklich so?

Ich behaupte mal dreist das Gegenteil. Gerade die Psyche lässt sich mit Worten gut beschreiben und genau das kann in einem Forum getan werden.
Einfaches (fiktives) Beispiel:
"Wenn ich nur an Mäuse denke, bekomme ich eine Gänsehaut. Beim Anblick einer Maus breche ich in Panik aus, kreische herum und versuche zu fliehen, wenn es eine Möglichkeit gibt. Ich habe riesige Angst vor Mäusen, obwohl ich eigentlich weiss, dass sie harmlos sind."

Aus der kurzen Beschreibung kann man problemlos eine Phobie gegen Mäuse erkennen und diagnostizieren. In einem persönlichen Gespräch wäre die Erklärung gleich und die Diagnose auch gleich.
 
 
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Reh
Alt 10.06.2007, 20:04   #17
Standard

Da bis jetzt kein Widerspruch gekommen ist, gehe ich einen Schritt weiter.
Man hat eine Störung diagnostiziert. Ist es sinnvoll, die Diagnose mitzuteilen? Unter welchen Umständen sollte man sie (nicht) mitteilen? Sollte man sie nur mitteilen, wenn man anschließend sowas wie eine Behandlung anbieten kann? Sollte man weitergehende Ratschläge aus der Diagnose ableiten oder sich doch lieber auf Allgemeintipps ("Treib Sport", "Nimm's locker") beschränken?
 
 
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sc0rp
Alt 12.06.2007, 10:30   #18
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Hallo,

liest sich wie'n Stachelschwein. Moechtest du dir gerne das Amt des ersten Vorsitzenden des Zirkels der Hobbypsychologen einverleiben? Was moechtest du denn gerne erreichen, bitte? Eine vollkommend allgemeingueltige Handhabung wie mit Kummerthemen umzugehen ist? Vielleicht ein paar mehr Regeln oder Gesetze in diesem Sinn und darfs ansonsten noch ein Klecks Bürokratiewahnsinn sein? Werd mir hier ja nicht zum Hobby-Rechtsanwalt, rat ich dir.
 
 
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Reh
Alt 12.06.2007, 16:31   #19
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Ich will keine Ämter. Ich möchte ein Streitthema sachlich ausdiskutieren. Aber offenbar besteht an einer sachlichen Auseinandersetzung kein Interesse. Dafür waren beim Rummotzen alle ganz groß. Schade.
 
 
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sc0rp
Alt 12.06.2007, 23:10   #20
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Hallo,

naja, das habe ich doch nie? Wuerde ich an deiner Stelle also nicht grad persoenlich nehmen.

Du wirst aber einfach zugeben muessen, dass du hier versuchst ein Thema zu konkretisieren was sich schlecht zu konkretisieren lässt. Wenn du es dennoch schaffst ne Allgemeingueltige Handlungsdevise für vermutlich psysisch gestoerte Menschen hier im Planeten aufzusetzen, bin ich aber gern wieder dabei dir das auszureden.
 
 
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Reh
Alt 13.06.2007, 17:01   #21
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Ich müsste einiges persönlich nehmen, weil ich persönlich angegriffen wurde. Aber das war im anderen Thread, wo die Diskussion mit Beleidigungen durchsetzt war und damit unmöglich sachlich geführt werden konnte.

Also Extra-Thread aufgemacht für alle Schlaumeier (mich inbegriffen). Es ist klar, dass ich das Thema konkretisieren und vertiefen will - sonst bräuchte es den Thread auch nicht. Ich bestreite, dass es sich nicht konkretisieren lässt. Denn ich schaffe das ja. Dass es nicht möglich ist, musst du erst mit logischen Argumenten begründen.

Ob sich eine Handlungsdevise ergibt, ist völlig offen. Ich kann doch nicht in die Zukunft sehen und wissen, was sich aus der Diskussion ergibt. Falls sich eine Handlungsdevise ergeben sollte, musst du mir aber erklären, was du dagegen hättest. Es wäre ein Schritt weg vom absoluten Laientum und in meinen Augen etwas positives.
An irgendwelche Handlungsdevisen habe ich aber gar nicht gedacht. Sowas setzt viel übereinstimmendes Wissen voraus und davon sind wir meilenweit entfernt.
 
 
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sailor
Alt 19.06.2007, 01:04   #22
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Zitat von Reh:
Moin,
aus aktuellem Anlass möchte ich das Thema "Psychologische Hilfe im Forum" aufrollen.
Lässt Du mich auch wissen, um welchen Thread es zuvor ging?

Wenn ich Dich richtig verstanden habe, Reh, dann möchtest Du darauf hinaus, daß psychologische Hilfe durchaus auch von sogenannten Laien gegeben werden kann. Begründung: Sie kann auch durchaus gut und hilfreich sein und verdient deshalb -trotz der Abgrenzung von "professioneller" (=mit Titelvergabe) Hilfe- diesen Titel. Richtig?

Fragen nach Rat oder Hilfe in Bezug auf Erleben oder Verhalten treten im Postplanet nun wirklich nicht selten auf. Praktisch immer gibt es auch Antworten. Das sind psychologische Beratungen. Sie sind natürlich ganz weit weg vom Niveau professioneller psychologischer/psychiatrischer Therapien, aber im kleinen Rahmen sind sie im Prinzip das gleiche.

Zustimmung? Ablehnung? Andere Meinungen?
Ich möchte darauf folgendes antworten:

Jeder wird mir vermutlich darin zustimmen, daß eine examinierte (staatl. geprüfte) Krankenschwester/Pfleger eine professionelle Person in ihrem Fachbereich ist.

Beispiel 1:
Nun war es vor gar nicht allzu langer Zeit so, daß man der Meinung war (Lehrmeinung), es sei nicht förderlich (eher schädlich), wenn ein Patient etwas mehr Besuch bekäme. Nun ist "etwas mehr" sehr schwammig, aber es war so, daß man bis in die 80er Jahre nur zu sehr begrenzten Besuchszeiten und angemeldet Kranke besuchen konnte.

Heutiger Stand: Der Mensch ist ein Individuum. Aufgrund dessen ist das Volumen des Besuchs auch vom Patienten selbst zu bestimmen und nur bei neg. Einflüssen auf denselben (oder Mitpatienten) zu unterbinden.
Besuch wird heute im Regelfall für den Krankheitsverlauf als sehr förderlich eingestuft.

Beispiel 2:
Es wurde früher gelehrt, eine stillende Mutter solle bei fiebrigen Erkrankungen abstillen. (das stillen beenden, d.h. künstliche Säuglingsnahrung füttern)
Heutiger Stand: Das Stillen ist wegen der vielfältig positiven Wirkungen für den Säugling beizubehalten.

Beispiel 3: Nach einer Operation war man früher der Ansicht, der Patient müsse unbedingt einen festen (längeren) Zeitraum Bettruhe einhalten.
Das konnte dann durchaus mal Wochen betragen.
Heutiger Stand: Bewegung ist in den meisten Fällen sehr wichtig. Nach Operationen wird man heute bereits oftmals am Folgetag mobilisiert. Man weiss: Das dient der Vorbeugung von gefährlichen (teilw. tödlichen) Blutgerinseln, schneller Genesung etc..

Dafür könnte man noch viele weitere Beispiele nennen, die ich unter anderem von meiner Schwiegermutter aus ihrer Ausbildungszeit erfahren habe.

Ich will damit sagen: Professionell heisst heutzutage: Nach wissenschaftlichem Stand und mit Zertifikat.
Wissenschaftlicher Stand bedeutet aber immer: "Nach aktuellem Stand des Wissens."
Wie die drei Beispiele zeigen, liegt dieser "Stand des Wissens" teilweise dermassen daneben, daß es für den Patienten nicht nur Nachteile, sondern teilweise sogar arg gefährlich wird.
Genau diese Problematik liesse sich ebenso auf das Fachgebiet der Psychologie oder sonstwelche Profession übertragen. Alle wurden nur nach dem "Stand des Wissens" ausgebildet.

Aber: Professionalität gewährleistet (wenn es auf einem kontrollierten Niveau geregelt ist) einen gewissen Rahmen an Wissen. Unabhängig ob nun dieses Wissen immer korrekt ist, ist es sehr umfangreich und beruht vielfach auf entsprechenden Erfahrungen. Was wiederum eine gewisse Sicherheit gibt.

Zurück zur psychologischen Beratung: Dieser bestimmte Level, dieser kontrollierte Wissensrahmen fehlt dem Laien, wenn er psychologische Beratung gibt.
Aber ich behaupte: Er kann es teilweise besser, wenn auch oftmals viel schlechter als der professionell ausgebildete. Das ist natürlich nur eine Behauptung von mir. Aber ich will sie begründen.

Psychologie hat sehr viel mit Menschenkenntnis und Empathie zu tun. Also Einfühlungsvermögen, Mitgefühl.
Hat ein Mensch diese Fähigkeiten (teilweise erworben) und kann sie dementsprechend (wenigstens im letzteren Fall) auch glaubhaft vermitteln, dann hat das grosse Vorteile für den Erfolg der Bemühungen.
Jegliches inkongruente (in sich widersprüchliche) Verhalten wird wohl eher zum Misserfolg führen. Menschen haben da ein sehr feines Gespür.

Ich kann Dir darin zustimmen Reh, daß psychologische Beratungen durchaus auch von Laien sehr gut durchgeführt werden können. Von mir aus verdient das auch diese Bezeichnung.
Man muss sich nur als Betroffener darüber im klaren sein, daß von manchen Laien leider auch eine Menge Unsinn empfohlen wird.
Die Menschen sind eben eitel, kaum einer gibt gerne zu, daß er nicht weiss, wovon er spricht und setzt gar noch einen drauf.
Es verlangt also wiederum Menschenkenntnis und eine Portion Glück an den richtigen zu geraten.
Was die professionellen betrifft:
Obwohl dort ein gewisser Rahmen gewährleistet ist, verlangt es auch dort Menschenkenntnis und eine Portion Glück an den richtigen zu geraten.
Wie hoch das nun jeweils prozentual sein könnte, darüber kann man unterschiedlicher Auffassung sein.

Geändert von sailor (19.06.2007 um 01:16 Uhr).
 
 
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Reh
Alt 19.06.2007, 12:42   #23
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Direkter Anlass war dieser Thread, indirekt bezieht sich diese Diskussion auf unzählige Threads, darunter weite Teile der Klagemauer und des Liebe/Sex/Zärtlichkeiten - Forums.

Zitat von sailor
Wenn ich Dich richtig verstanden habe, Reh, dann möchtest Du darauf hinaus, daß psychologische Hilfe durchaus auch von sogenannten Laien gegeben werden kann. Begründung: Sie kann auch durchaus gut und hilfreich sein und verdient deshalb -trotz der Abgrenzung von "professioneller" (=mit Titelvergabe) Hilfe- diesen Titel. Richtig?
Das ist die spannende Frage, ob das so ist.
Bisher halte ich lediglich fest, dass Laien psychologische Hilfe leisten. Und zwar nicht zu knapp. Ich habe weiter oben beschrieben, warum ich das so sehe. Psychologische Hilfe definiere ich nicht dadurch, dass sie von einem ausgebildeten Psychologen gegeben wird, sondern dadurch, dass psychologische Hilfe geleistet wird. Ein Ratschlag ist ein Ratschlag. Ob er vom (angeblichen) Profi oder von einem (angeblichen) Laien kommt, ist eine andere Frage.

Was du über den wechselnden Wissensstand der Wissenschaft sagst, ist absolut richtig. Was wir heute als unumstößliche Gesetzmäßigkeiten ansehen, wird in 20 Jahren vielleicht als totaler Schmarrn beurteilt. Das ist ein Problem.
Trotz dieses Problems müssen wir mit dem Wissen arbeiten, das uns zur Verfügung steht. Der Arzt kann nicht sagen, dass er keinen behandeln kann, weil sein Wissen unvollständig und in Teilen fehlerhaft ist. Man muss immer weiter forschen, für Veränderungen offen sein und aus Fehlern lernen.
Trotz aller Wissenslücken retten Ärzte Leben. Und das vielleicht so gut wie nie zuvor.

Wir sind uns einig darin, dass uns Laien die breite Wissensbasis eines studierten Psychologen/Psychotherapeuten fehlt.
Wir sind uns auch einig darin, dass wir deswegen nicht unnütz auf diesem Gebiet sind. Entweder handeln wir intuitiv oder wir haben uns auch etwas Fachwissen angelesen. Ob Intuition und Teilwissen ausreichen, um gute Hilfe zu leisten, sei erstmal dahingestellt.

Zitat von sailor
Ich kann Dir darin zustimmen Reh, daß psychologische Beratungen durchaus auch von Laien sehr gut durchgeführt werden können.
Dass Laien psychologische Beratung leisten können, steht außer Frage. Beweise dafür gibt es hier im Forum zuhauf. Ob diese Beratungen gut oder sogar "sehr gut" sind, wage ich aber stark zu bezweifeln. Meiner Meinung nach sind sie nicht gut. Ich möchte das natürlich begründen.

1. Die Hilfe erfolgt nicht strukturiert. Strukturierte Hilfe wäre es, wenn man dem Betroffenen die Ursachen erklärt, dann einen Lösungsweg zeigt und dann auch sagt, mit welchen Mitteln dieser Lösungsweg erfolgreich beschritten werden kann. Und das müsste zeitlich so abgestimmt sein, dass der Betroffene nicht dermaßen überfordert wird, dass er mittendrin aufgibt.
Stattdessen gibt es einen Haufen sich teilweise widersprechender Tipps von etlichen Helfern. Statt einer Ursachenerklärung gibt es einen eigenen Erfahrungsbericht (Übertriebene Beispiele: "Yo, hatte ich auch mal. Einfach regelmäßig Sport treiben und das Problem ist sofort weg. Zumindest war es bei mir so" oder noch besser: "Junge junge, sowas hatte ich ja noch nie. Aber ich esse auch täglich Salat. Versuch das auch mal!") und daraus abgeleitete Maßnahmen. Die Beratung erfolgt anhand eigener Erfahrungen und nicht anhand von Wissen um Ursachen, Wirkungen und Lösungswegen.

2. Die Hilfe erfolgt symptom- und nicht ursachenorientiert. Das liegt ganz einfach daran, dass das Wissen um die Ursachen nicht vorhanden ist. Man erkennt die Wurzel des Problems nicht und kann das Problem folglich nicht an der Wurzel beseitigen. Stattdessen lindert man die Symptome. Man spricht Mut zu, tröstet, man hat einfach ein offenes Ohr für den Betroffenen, was auch schon eine Hilfe ist. Oder man gibt konkrete Ratschläge, die oft sogar sehr gut sind, aber nicht helfen, weil der Betroffene sie aus diversen Gründen nicht nach einer bloßen Aufforderung umsetzen kann.

Die im Forum gegebene Hilfe halte ich für sehr oberflächlich. Sie lindert für kurze Zeit die Symptome. Nichtsdestotrotz ist es eine Hilfe und aus diesem Grund positiv einzuschätzen. Sie beseitigt bloß das eigentliche Problem nicht und ist aus diesem Grund negativ einzuschätzen.
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 27.08.2007, 19:53   #24
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Warum willst du unbedingt PSYCHOLOGISCHE Hilfe? Du glaubst daß PSYCHOLOGISCHE Hilfe von richtigen echten klugen wissenschaftlichen fachlichen Psychologen besser ist?
Zitat von Reh
Stattdessen gibt es einen Haufen sich teilweise widersprechender Tipps von etlichen Helfern. Statt einer Ursachenerklärung gibt es einen eigenen Erfahrungsbericht (Übertriebene Beispiele: "Yo, hatte ich auch mal. Einfach regelmäßig Sport treiben und das Problem ist sofort weg. Zumindest war es bei mir so" oder noch besser: "Junge junge, sowas hatte ich ja noch nie. Aber ich esse auch täglich Salat. Versuch das auch mal!") und daraus abgeleitete Maßnahmen. Die Beratung erfolgt anhand eigener Erfahrungen und nicht anhand von Wissen um Ursachen, Wirkungen und Lösungswegen.
Genau das ist das Gute: Daß mehrere Vorschläge kommen. Klar ist da ´ne Menge Mumpitz bei, aber ich bin vom Autoritäten-Hinterherrennen abgekommen, wo man vom (Pseudo-)Gott-In-Weiß eine Heilmethode vorgesetzt bekommt, die man zu fressen hat.
Und Erfahrungen wiegen für mich schwerer als Pseudofachwissen!
Zitat von Reh
2. Die Hilfe erfolgt symptom- und nicht ursachenorientiert. Das liegt ganz einfach daran, dass das Wissen um die Ursachen nicht vorhanden ist. Man erkennt die Wurzel des Problems nicht und kann das Problem folglich nicht an der Wurzel beseitigen. Stattdessen lindert man die Symptome. Man spricht Mut zu, tröstet, man hat einfach ein offenes Ohr für den Betroffenen, was auch schon eine Hilfe ist. Oder man gibt konkrete Ratschläge, die oft sogar sehr gut sind, aber nicht helfen, weil der Betroffene sie aus diversen Gründen nicht nach einer bloßen Aufforderung umsetzen kann.
Was du hier beschreibst, ist bei der fachgerechten Psychotherapie auch nicht anders! Mut, Trost, offenes Ohr, Ratschläge, auf die man selbst schon gekommen ist und die trotzdem nicht helfen. Über die Ursachen wird auch spekuliert, denn es ist natürlich besser die Ursache zu beheben. Aber man kommt nur selten auf die tiefe Ursache oder die Erkenntnis hilft auch nicht weiter (aber Psychologen können damit Eindruck auf die naiven Patienten machen).
In der Verhaltenstherapie legt man auch nicht mehr so viel Wert auf Ursachenfindung. Denn Ursachen beheben würde viele Jahre oder Jahrzehnte dauern, können aber meistens überhaupt nicht behoben werden! Warum dann also langwierige Ursachenforschung?
Ein Problem/Störung zeigt sich immer in den Symptomen, es sind diese Symptome die uns das Leben schwer machen, diese Symptome gilt es zu beseitigen.
Zitat von Sivar
Wer sagt, dass die etablierte Psychologie/Psychoanalyse recht hat?
Genau!
Lebenshilfe kann jede Oma geben. Diese Hilfe würde ich nicht als schlechter bewerten!!!

"Fachleute" der Psychologie stellen öfter als man denkt falsche Diagnosen. Dank ihres Autoritätsstatus schieben sie therapeutische Mißerfolge auf die "Widerstände" des Patienten.

Der gesamte PostPlanet ist wertvoll als eine leichte Form indirekter "psychologischer" Lebenshilfe zu sehen. An den Diskussionen aktiv teilnehmen heißt Feedback auf seine persönlichen Gedanken bekommen, in der Welt sich einbringen können, gehört werden, bei anderen etwas auslösen, in Kontakt sein. Und durch Beiträge anderer, ganz wichtig: neue Impulse bekommen, Denkanstöße!
Das ist genau das selbe was ein Psychotherapeut versucht!

Aber man darf Ratschläge hier im PostPlanet natürlich nicht als direkte Hilfe ansehen. Ratschläge helfen doch nur selten, selbst wenn sie vom studierten PSYCHOTHERAPEUTEN kommen würden!
Die Erfahrungen der Planetarier dienen eher als Denkanstoß, nicht als Ratschlag.
Man muß das Leben SELBER erfahren.

Also: Psychologie als Wissenschft nicht überbewerten!
Gebildete Neurotiker sind nicht besser als ungebildete Neurotiker.
Lösungen kommen aus dem vielseitigen Leben, nicht von "Sigis Fickel-Anekdoten" des verklemmten Wien vor 100Jahren.
 
 
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ShakeTheDisease
Alt 31.08.2007, 16:23   #25
Standard

Ich habe jetzt erst den "Ursprungs-Thread" vom Vergesslichen gelesen und möchte versuchen, konkreter zu werden:

Auslöser war doch, daß Dr. Psychobrain dem Vergesslichen Ängste vorgeworfen hat. Und der_vergessliche konnte damit (verständlicher Weise) nichts anfangen und bat Dr. Psychobrain das ausführlicher zu erläutern.

Wenn ein Psychoanalytiker sagen würde, sie stecken noch in der Analen Phase, oder, sie haben einen Penisneid, könnte kein Patient damit was anfangen. Also:

Wenn man hier als Psychologe, (echt oder unecht), Theorien oder Analysen erstellt, könnte man diese doch im Hinterkopf bleiben lassen, denn sie nützen dem Hilfesuchenden nicht, und sollte gleich die praktische Lösung (die aus der Theorie oder Analyse resultiert) vorschlagen.

So ein Lösungsvorschlag wie: Ruhe dich mal ein paar Tage aus!,
klingt zwar laienhaft, aber schadet auch wenigstens nicht, denn dem Hilfesuchenden eine Theorie an den Kopf zu knallen, verunsichert ihn nur. (Psychologen geben letzten Endes auch nur solche Wischi-Waschi-Tips wenns ums Praktische geht.)

Zitat von Reh
Interessant finde ich, dass auf der einen Seite behauptet wird, dass Diagnosen über ein Forum unmöglich sind, auf der anderen Seite aber hier im Forum nach Hilfe gerufen wird, was impliziert, dass jemand das Problem erkennt (->Diagnose) und dann eine Lösung für das Problem anbietet. Und interessanterweise finden sich genug Leute, die Lösungen anbieten... Sehe nur ich da einen Widerspruch?
Ich glaube, man kann ein PROBLEM ERKENNEN, ohne die PERSON ANALYSIEREN zu müssen!

Oft kann man auch erkennen, daß sich, bei manchen Threads, der Themenstarter selbst nicht sicher ist, was er eigentlich will und er sich nur mal Ballast von der Seele reden will. Da braucht es einfach mal ein offenes Ohr!
der_vergessliche sprach doch selbst von einem "Hirnfick"! (welch häßlich Wort!)
 
 
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