Sein Schreibtisch stand genau am Fenster. Seit beginn seines Urlaubes saß er nächtelang vor seinem Computer, tief vergraben in zahlreiche Internetsites. Täglich beobachtete er jetzt, in den langen Nächten, wie der der Mond wuchs, in voller Größe leuchtete, abnahm, ganz verschwand und wieder kam.
Ein neues unbekanntes Gefühl beschlich ihn hier, etwas dunkles lauerndes, wartendes, daß er dieses Tor aufstieß.
Zunächst hatte er Angst, inzwischen fürchtete er sich nicht mehr, ließ immer mehr dieses Gefühl zu. Die Baumspitzen, die vor seinem Fenster wild und ungeordnet tanzten, waren der Ausgangspunkt. Die peitschenden Tannenspitzne hoben sich scharf von dem beleuchteten Bahndamm gegenüber ab. Ein Lichtstraße, die wegführte, im Dunst der Nacht verschwand und seine Gedanken mitnahm.
Dieses alte und so vertraute Gefühl, es kam von der undurchdringlichen Schwärze, dort, wo sich die Stämme und Wurzeln der tanzenden Tannenspitzen befinden mußten. Von tief unten kroch es hervor, ganz langsam, stockt bei jeder Bewegung, erstarrt, tat so, als wäre es nicht da, verschmolz mit den Schatten. Es fiel nicht auf, es paßte sich an, war da und war nicht da und kam doch ständig näher, unaufhaltsam.
Ein Lichtstrahl eines vorbeirasenden Zuges, ließ es kurz verharren, trieb es ins Dunkle des Erdreichs zurück. Aber das neue Gefühl nahm immer mehr besitz, breitete sich in ihm aus, wurde zur Sehnsucht.
Manchmal wollte er noch schreien, seine Nachbarn aufrüttelen, sie warnen, sie auf das da draußen aufmerksam machen, war da war und nicht da war. Aber sie würden ihn Schweigen machen, ihm nicht glauben. Sie sahen nichts mehr, merkten nichts mehr.
Das neue Gefühl wild und ungestüm, aber doch so vertraut, überkam ihm. Er mußte es nur zulassen. Ein Gefühl der Stärke machte sich in ihm breit, nahm ihm die Angst den Schritt zu tun, sich darauf einzulassen. Es wartete so viel Neues, Unbekanntes auf ihn.
Der Mond stand voll am Himmel. Er roch den Wald vor seinem Fenster, den feuchten Waldboden mit all seinen Düften. Seine Nasenflügel bebten. Er hörte die vielen Geräusche der Nacht. Die ganzen Reize der Dunkelheit umfingen ihn. Sein Blick erhob sich zum Mond. Dann durchschritt er das Tor.
Sein Körper krümmte sich vor Schmerzen. Er hatte es nicht anders erwartet, aber seine ganze Sehnsucht war darauf gerichtet. Das Fenster zerplitterte, als er hindurchspang. Endlich frei.
Er warf den Kopf in den Nacken, ein langgezogenes Heulen durchschnitt die Nacht. Mondlicht, Wolfslicht. Zeit zu Jagen.
Ich liebe es unter Drogeneinfluss meine Gedanken schweifen zu lassen
Greetz
ByteGhost
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Homo homini lupus..."Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf"
[Dieser Beitrag wurde von ByteGhost am 19. Oktober 2000 um 22:35 Uhr editiert.]