Frust?? Nix geworden mit dem unverschämt gutaussehenden, unverschämt reichen 22-jährigen Stecher? Und mit dem anderen leider auch nicht? Schon drei Kilo angefressen, weil in der Lieblingsgirliezeitung steht, Schokolade bessere die Laune? Die ewig verständnisvolle Freundin plappert auch nur noch die eigenen Gedanken nach? Jemand anders muss her, in dessen Mitgefühl man sich viel besser suhlen kann, denn es ist nicht so gewohnt und abgestanden?
Hier der ultimative Ratgeber zum Erlangen menschlichen Mitgefühls:
1) Suche ein geeignetes Opfer. Es sollte vorallem eins sein: harmlos. Misstrauische Menschen sollte man ausklammern. Auch sollte man über den Betreffenden informiert sein. Nichts verdirbt die Show mehr, als jemanden mit Lapalien zuzulabern, der wirkliche Probleme hat. Deshalb insbesondere Vorsicht bei introvertierten Personen. Allerdings ist ein allzugroßes Selbstbewusstsein auch nachteilig, das Opfer muss den Eindruck haben, Gutes zu tun wäre ihm zuträglich.
2) Sehr wichtig: Sei davon überzeugt, dass es nichts schlimmeres auf der Welt gibt als dein Problem und dass es niemandem auf der Welt (nun ja, für Bescheidene reicht auch die eigene Umgebung) nur annähernd so dreckig geht wie dir. Komme am besten gar nicht auf diese Idee. Denn du musst von deinem Leid zutiefst überzeugt sein, sonst wird das ganze nichts. Nur auf diese Weise hast du eine gute Chance, auch zunächst Ungläubige von der Schwere deines Schicksalschlages zu überzeugen. Das ist nicht zu unterschätzen, siehe nächster Punkt.
3) Je mehr Menschen Mitgefühl mit dir haben, desto besser. Die pure Macht der Mehrheit hat auch schon oft Misstrauische bekehrt. Labere jeden zu, der nur annähernd die Bedingungen von 1 erfüllt und tu es laut, so dass auch die Umgebung noch alles mitbekommt.
4) Auch sehr wichtig und Bedingung für 2 und 3: völlige Schamlosigkeit. Nur wirkliche Probleme kann man in neutralem Tonfall vortragen. Sonst gilt: Show, mit allen Mitteln. Kannst du auf Komando flennen? Sehr gut. Falls das nicht klappt, entsprechenden Gesichtsausdruck vor dem Spiegel üben. Stimmschulung. Es muss so erscheinen, als wärst du kurz vorm Nervenzusammenbruch. Dann abwechseln mit eher gefassten Augenblicken, mit denen das Gegenüber von deiner Tapferkeit und Beherrschung im größen Elend überwältigt wird.
5) Hat man schließlich den Gesprächspartner davon überzeugt, dass Stecherlein das größe Arschloch ist, das auf der Welt rumläuft, wird es Zeit für Heroismus, Teil 2: ihn in Schutz nehmen, nun das erste Mal ein wenig Selbstkritik anbringen. Allerdings nicht zuviel, das Gegenüber soll ja nicht überzeugt werden. Im Gegenteil, es soll widersprechen, und zwar nicht zu knapp. (Das ist auch der Test, ob man wirklich das richtige Opfer gewählt hat. Hört man ein "nun ja, es stimmt schon, es sind immer beide beteiligt" o.ä. sollte man schleunigst aufhören und beim nächsten von vorn anfangen. Geschieht das zu oft, sollte man an seiner Technik feilen, man macht etwas Entscheidendes falsch. Merke: An der Geringfügigkeit des Problems liegt es nie. Es kann gar nichts so lächerlich sein, dass man es nicht als existenzielle Katastrophe darstellen könnte.)
Diesen Teil kann man ruhig etwas ausdehnen. Er ist persönlich sehr angenehm, da man sich äußerst heilig dabei vorkommt. Und zu spüren, wie man dem anderen einen solchen Stempel aufgedrückt hat, dass er einem nun genau das erzählt und einen genauso bemitleidet, wie man sich das in mühseliger Kleinarbeit die letzte Dreiviertelstunde erarbeitet hat, wie nun das alles so wundervoll veredelt durch fremdes Wohlwollen auf einen selbst zurückfällt, das ist die echte Befriedigung, das sind die Früchte der Arbeit, das gehört ausgekostet.
6) Etwas, das viele falsch machen: man darf nicht zu schnell zur Normalität zurückkehren. Auch wenn man gar nichts mehr fühlt, man muss unbedingt noch ein paar Tage so tun als ob. Sonst macht man sich im Nachhinein noch unglaubwürdig, darin liegt keine geringe Gefahr, denn es versaut einem das nächste Mal.
Ahh, das tat jetzt gut.
Byebye vom unsensiblen Pack.