Zitat von Fränze Nun aber mal halblang, ja? Es ist nicht der Feminismus gewesen, der die traditionellen Geschlechterrollen aufgehoben hat, sondern die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem Krieg.
Da widerspreche ich wiederum. Kriege und zurückgelassene Frauen gab es in der Geschichte schon oft. Das hat früher aber nicht zur Auflösung der Geschlechterrollen geführt.
Ich kann mir außerdem nicht vorstellen, wie wirtschaftliche Verhältnisse in direktem Einfluss Geschlechterrollen auflösen. Schieben wir den Feminismus als Zwischenvariable in die Gleichung, dann ergibt sich die Annahme, dass wirtschaftliche Verhältnisse die Frauenbewegung angeheizt haben. Das wiederum kann ich mir vorstellen, halte den Einfluß des Krieges aber noch nicht für wesentlich.
Vielleicht war das Problem, dass die Wirtschaft in den westlichen Ländern zu Beginn des 20. Jahrhunderts immer mehr wuchs, die Frauen an den Erfolgen aber nicht beteiligt wurden? Während der Mann früher hart arbeiten musste und das praktisch nur für die Familie tat, entwickelte sich plötzlich Überfluß, der Mann konnte sich Luxus gönnen. Die Arbeit des Geschäftsmannes war auch körperlich nicht mehr anstrengender als der Job der Hausfrau. Solche Faktoren könnten zum Gefühl der Ungerechtigkeit beigetragen haben. Zurecht natürlich.
Zitat von Fränze Eigentümlich finde ich Deinen Satz, dass Frauen jetzt für sich Eigenschaften
beanspruchen, die früher Männern
vorbehalten waren. Wie kann man eine Eigenschaft
beanspruchen, und wieso kann irgendeine Eigenschaft irgendjemandem
vorbehalten sein

??
Weil sowas einfach von der Kultur festgelegt wird. Männer haben hart, mutig, aggressiv, zielstrebig zu sein. Frauen müssen sanft und liebevoll sein. Und jetzt beanspruchen Frauen für sich Eigenschaften wie Härte, Zielstrebigkeit, Aggressivität, die früher reine Männersache waren. Solche Festlegungen sind keine Naturgesetze, sondern kulturelle Entwicklungen. Sie können sich ändern und ändern sich auch, wie wir an uns selbst feststellen können.
Zitat von Fränze Ich will jetzt aber auch mal persönlich eine Lanze für selbstständige und ehrgeizige Frauen brechen: Gerade in dieser Zeit, in der kein Job sicher ist und die Wirtschaft von heute auf morgen einem "Ernährer" seine Rolle zerstören kann, ist es doch beruhigend zu wissen, dass die Partnerin einspringen kann.
Das hat sich in den westlichen Ländern so entwickelt, ja. Der Job des Ernährers ist aber prinzipiell nicht in Gefahr. Wenn alle Frauen wie früher Hausfrauen wären, dann gäbe es keine Arbeitslosigkeit mehr. Das Problem muss woanders liegen. Vielleicht sind die Ernährer nicht mehr vertrauenswürdig? Wenn ja, warum sind sie das nicht mehr? Früher hat es doch funktioniert. Vielleicht sind die Ernährer zu geizig geworden und stellen nicht wie früher den gesamten Verdienst der Familie zugute, sondern verprasseln einen Großteil für persönlichen Eigenbedarf? Das wäre ein berechtigter Grund für die Frau, alte Rollenverständnisse aufzugeben.
Für die Unzufriedenheit der Frauen und die daraus entstandene Frauenbewegung sehe ich bei den Männern die Schuld.
Zitat von Fränze Natürlich ist eine selbstständige Frau nicht ohne Weiteres bereit, den Herrn und Meister anzuhimmeln. Das war sie aber früher auch nicht. Das hat sie gefaked, das gehörte zu ihrem Beruf als Weibchen. Willst Du das? Würde Dich das in Deiner Männlichkeit bestätigen?
Ich stimme dir nicht darin zu, dass Frauen irgendwas gefaked haben früher. Das gegenseitige Anhimmeln ist zudem das Produkt der heutigen romantischen Beziehungsvorstellung. Das war früher sehr viel pragmatischer, Liebe im heutigen Sinne war mit Sicherheit sehr viel unbedeutender.
Zitat von Fränze Der Feminismus hat viel Unsinn verbreitet, er hat aber auch auf das Problem "weniger Geld für gleiche Arbeit" hingewiesen.
Naja. Der Feminismus hat dazu beigetragen, jahrtausendelang funktionierende Geschlechterrollen abzubauen, aber das Problem der Unterbezahlung der Frauen ist bis heute nicht gelöst. Da läuft doch gewaltig etwas schief.
Ich plädiere übrigens nicht für Steinzeitverhältnisse. Das ist in der heutigen Zeit nicht angebracht. Ich bin aber nicht überzeugt davon, dass die Auflösung der Geschlechterrollen notwendig ist und glaube, dass wir damit an der falschen Schraube drehen.