Umzug Zitat von Fränze Aber generell glaube ich nicht, dass Produzieren und Konsumieren bei den Geschlechtern traditionell unausgewogen ist. Ist das vierteljährliche Erlegen eines Mammuts eine größere Produktion als das tägliche Sammeln von Kilos von Pilzen und Beeren?
Ein Mammut bringt 2 Tonnen Fleisch, dazu weitere verwertbare Stoffe. Sammel du mal so viele Pilze und Beeren. Zur Zeit der Mammuts war die Nahrungsbeschaffung mengenmäßig sehr eindeutig verteilt.
Aber ich möchte das nicht polemisieren. Anthropologen haben heutige Eingeborenen-Kulturen untersucht, die noch sehr ursprünglich leben und haben festgestellt, dass Männer in diesen Kulturen in der Regel etwas mehr als die Hälfte zur Nahrungsbeschaffung beitragen. Es gibt aber auch einige Kulturen, in denen der Anteil der Nahrungsbeschaffung zu 70% auf Frauen entfällt. Allen Kulturen gemeinsam ist aber, dass Männer für die Beschaffung des Eiweißes zuständig sind. Das ist in der Regel mit mehr Risiko, mehr körperlicher Kraft und längerer Abwesenheit aus dem Dorf verbunden.
Auch wenn Männer in der Regel den größeren Teil zur Nahrungsversorgung beitragen, ist das gar nicht der entscheidende Punkt. Viel wichtiger für die Aufgabenverteilung ist der Aufwand, der mit der Beschaffung verbunden ist. Frauen leisten nicht weniger, haben mit größter Wahrscheinlichkeit nie weniger geleistet. Es war nur eine andere Art von Arbeit.
Ein extremes Beispiel, das sich bis heute unverändert erhalten hat, ist die Verteidigung der Gemeinschaft. Sein Leben im Kampf für die Gemeinschaft zu opfern, ist seit jeher Aufgabe der Männer. Ganz schön undankbar, könnte man meinen. Selbst in der heutigen Zeit der Wertezerbröselung ist das unverändert. Auf der anderen Seite haben Frauen zwar nicht so risikoreiche, aber nicht minder wichtige Aufgaben, wie z.B. die Erziehung der Kinder.
Zitat von Fränze Wie ist die Feldarbeit der Frauen bei gleichzeitigem Teehausbesuch der Männer in muslimisch-traditionellen Bauernfamilien einzuschätzen?
Ich nehme an, diese Männer sind nicht arbeitslos und bringen Geld ins Haus, von dem die Familie ernährt werden kann. Andernfalls tippe ich darauf, dass die von dir dargestellte Situation aus zwei Gründen nicht von langer Dauer sein wird:
- Geschlechterrollen waren zu beiderseitigem Nutzen und haben sich nur deswegen jahrtausendelang bewährt. Sobald sie nicht mehr von beiderseitigem Nutzen sind, werden sie aufgelöst, wie wir gerade am eigenen Leib erfahren.
- In Kulturen, wo die Männerrolle noch gepflegt und hochgehalten wird, ist Arbeitslosigkeit eins der größten Übel, die einem Mann wiederfahren kann. Weil die Männerrolle sich
nicht über gemütliches Teetrinken definiert, sondern über die
Pflichten. Und wenn ein Mann den Pflichten nicht nachkommt, aus welchen Gründen auch immer, ist er minderwertig. Mit diesem psychischen Laster muss man erst mal fertig werden. Also lieber die Pflicht erfüllen und arbeiten gehen.
Zitat von Fränze Denk auch an die Berichte von den nobelpreisgekrönten Kleinstkrediten. Es sind Frauen, die mit diesen Krediten ein Minigeschäft aufbauen und ihre Familien versorgen.
Für all das sollten wir uns (fremd)schämen, jedenfalls widerspricht es Deiner These von den konsumierenden Frauen und produzierenden Männern.
Soziale Kompetenz ist eindeutig die Domäne der Frau. Falls das in den westlichen Gesellschaften unter die alleinige Kontrolle der Männer übergegangen ist, ist das ein bekloppter Fehler. Statt ihn zu korrigieren, eifern unsere Frauen immer mehr den Männern hinterher und verhalten sich möglichst männlich, um mit Männern zu konkurrieren.
Zur Theorie sollte ich erwähnen, dass sie nicht von mir ist, das wäre zu viel der Ehre. Ich habe sie bei Gilmore abgeschaut. Und dann ist zur Theorie zu erwähnen, dass sie den heutigen Gegebenheiten nicht widerspricht. Die Geschlechterrollen sind laut Theorie ein gesellschaftliches Konstrukt, sind damit flexibel und veränderlich. Und wir haben hier im Thread schon festgestellt, dass wir uns mitten in einer Veränderung befinden, wo alte Strukturen nicht mehr voll gelten und von neuen abgelöst werden.