Selbst geschulte Menschen habe eine niedrige Trefferquote im Erkennen von Lügen. "Rollen spielen" als Möglichkeit zum lügen funktioniert nicht wirklich. Dazu muss man absolut in der Rolle aufgehen und bedingungslos selbst glauben was man sagt.
Stelle sich jeder selbst die Frage, inwiefern es realistisch ist, besonders unter Druck.
Faustregeln lassen sich nur ungenügend auf reale Situationen übertragen. Statistik hat mit nonverbalen Verhaltensmerkmalen - um die es hier wohl geht - auch nur bedingt wenig zu tun. Es geht eher in Richtung Physiologisch bedingte Reaktionsabläufe, wenn ich mal so hochgestochen schwafeln darf.
Selbst Verhörpersonal muss sehr intuitiv vorgehen und erreicht im Schnitt nur marginal bessere Quoten als ungeschulte Menschen, so wenig man es glauben mag.
Ihr solltet, bevor ihr über Lügen redet, auch erstmal festhalten was unter einer Lüge zu verstehen ist. Gibt ja schliesslich subjektivgültige Wahrheiten & allgemeingültige Wahrheiten.
Auf unterschiedliche Kulturkreise is auch noch keiner eingegangen. Paradebeispiel sind in dem Fall die Asiaten. Die viel gerühmte Japanische Unverbindlichkeit, das Grinsen durch das man nix erkennen kann.
'ne sehr gute Zusammenfassung in dem Bereich hat imo Sven Max Litzcke verfasst: Nonverbale Lügen- und Machtmerkmale.
Auszug:
8.1 Lügen entlarven
Wichtig ist hierfür die Frage, welche nonverbalen Signale willentlich
steuerbar sind und welche nicht. Man kann nun die Signale danach
einteilen, ob sie dem Sender bewusst oder unbewusst sind (vgl. auch
Argyl, 1992); bewusste Signale sind stärker willentlich steuerbar Die
Einteilung in Tabelle 4 gibt einen knappen Überblick.
Signal ------------------------------- Sender
verbale Mitteilung ---------------- bewusst
Mimik -------------------------------- teils / teils
Pupillenweitung ------------------- unbewusst
Blickdauer -------------------------- bewusst
Blickrichtung ----------------------- unbewusst
Blinzelhäufigkeit ------------------ unbewusst
Illustratoren ----------------------- bewusst
Adaptoren ------------------------- unbewusst
Körperhaltung -------------------- teils / teils
Raumverhalten ------------------- teils / teils
Tabelle 4: Beeinflussbarkeit nonverbaler Merkmale.
Generell kann man ferner sagen: Der willentliche Einfluss auf die
Körpersprache ist umso geringer, je weiter man sich vom Gesicht
entfernt. So können viele Personen ihre Mimik kontrollieren (Goleman,
1983).
Oft reicht die Kontrolle jedoch nicht aus, um auch ein nervöses
Kniewackeln oder Fußwippen z u unterdrücken (Schober, 1994).
Eine verfälschte Mimik kann durch andere Aspekte nonverbalen Verhaltens
entlarvt werden, besonders dadurch, dass verschiedene nonverbale
Merkmale nicht stimmig sind. Wichtig ist das parallele Betrachten vieler
Signale. Nur dann kann man Unstimmigkeiten erkennen. Wie passt
beispielsweise ein freundlicher Tonfall und lächelnde Mundwinkel zu
einer unbewegten Augenpartie? Gar nicht.
Besonders verlässlich sind die durch Erregung des autonomen Nerven-
systems ausgelösten Signale wie Schweißperlen, Trockenwerden des
Mundes, Rotwerden, da diese nur schwer steuerbar und insofern
besonders glaubwürdig sind (Argyl, 1992). Wenn Körpersignale in unter-
schiedliche Richtungen weisen, sollte man das als Warnhinweis
auffassen.
Die Mimik lässt sich nur schwer in dieses Schema einordnen. Als
Ausdruck von Emotionen wäre sie grundsätzlich sehr glaubwürdig.
Andererseits lernt man, sein mimisches Ausdrucksverhalten zu
beherrschen, unter Umständen auch mit der Mimik zu lügen.
Eine weitere Schwierigkeit ist: Der Gesichtsausdruck kann zum eine einzelne
Emotion widerspiegeln, er kann aber auch eine Mischung von Emotionen
zeigen. Man spricht dann von Affekt-Überblendungen. Auf diese Weise
werden negative Emotionen häufig kaschiert. Dem Ärger wird beispiels-
weise ein Lächeln beigemischt. Dem Lächeln ist in diesem Fall kein
Glauben zu schenken.
Ein weiteres Problem ist die Kurzzeitigkeit emotionaler Mimik. Meist dauern mimische Emotionsausdrücke weniger als eine Sekunde. Sie werden bei ihrem Auftreten gebremst und unter Kontrolle gebracht. Als geschulter Beobachter kann man das zwar sehen, aber es bedarf größerer Aufmerksamkeit als das Beobachten anderer nonverbaler Signale.