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eure Lieblingsgedichte

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Felicitas
Alt 15.08.2002, 17:38   #1
Standard eure Lieblingsgedichte

ich war mir jetzt nicht sicher ob bücherecke oder hierher, aber da das hier "lyrics" sich titelt habe ich mich für hier entschieden.

was ich hier will sagt ja das topic. hier ist mein lieblingsgedicht:




Kurt Schwitters


An Anna Blume

O, du, Geliebte meiner siebenundzwanzig Sinne,
ich liebe dir ! - Du deiner dich dir, ich dir, du mir.
- Wir ?
Das gehört (beiläufig) nicht hierher.
Wer bist du, ungezähltes Frauenzimmer ? Du bist
- bist du ? - Die Leute sagen du wärest - laß
sie sagen, sie wissen nicht, wie der Kirchturm steht.
Du trägst den Hut auf deinen Füßen und wanderst
auf die Hände, auf den Händen wanderst du.
Hallo, deine roten Kleider, in weiße Falten zersägt.
Rot liebe ich Anna Blume, rot liebe ich dir ! - Du
deiner dich dir, ich dir, du mir. - Wir ?
Das gehört (beiläufig) in die kalte Glut.
Rote Blume, rote Anna Blume, wie sagen die Leute ?
Preisfrage: 1.) Anna Blume hat ein Vogel.
2.) Anna Blume ist rot.
3.)Welche Farbe hat der Vogel ?
Blau ist die Farbe deines gelben Haares.
Rot ist das Girren deines grünen Vogels.
Du schlichtes Mädchen im Alltagskleid, du liebes
grünes Tier, ich liebe dir ! - Du deiner dich dir, ich
dir, du mir. - wir ?
Das gehört (beiläufig) in die Glutenkiste.
Anna Blume ! Anna, a-n-n-a, ich träufle deinen Namen.
Dein Name tropft wie weiches Rindertalg.
Weißt du es, Anna, weißt du es schon ?
Man kann dich auch von hinten lesen, und du, du
Herrlichste von allen, du bist von hinten wie von
vorne: "a-n-n-a".
Rindertalg träufelt streicheln über meinen Rücken.
Anna Blume, du tropfes Tier, ich liebe dir !




ich hab mich lange mit dem gedicht auseinander gesetzt, interpretiert und analysiert, nach hintergründen geforscht. es hat mich fasziniert und auch wenn es auf aussenstehende inhaltslos wirken mag, hat es eine bedeutung.
 
 
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CryZ
Alt 15.08.2002, 18:14   #2
Standard

aus dem gedicht stammt auch die textzeile von "freundeskreis - anna"
 
 
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michaelg
Alt 15.08.2002, 19:07   #3
Standard

Das Gedicht ist sehr schön.
Ich lese auch gelegentlich Gedichte, da mir meine Verwandten haeufig Gedichtbaender schenken, kann mich aber auf keinen Favoriten einigen. Fauser finde ich sehr schön

ich hab mich lange mit dem gedicht auseinander gesetzt, interpretiert und analysiert, nach hintergründen geforscht. es hat mich fasziniert und auch wenn es auf aussenstehende inhaltslos wirken mag, hat es eine bedeutung.
das interessiert mich, was hast du denn so heraus gefunden?
 
 
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BoehseTigerin
Alt 16.08.2002, 11:02   #4
Standard

naja ich mag gedichte nicht unbedingt.ich hör lieber bestimmte gefühlvolle lieder der onkelz (bin ich nur glücklich wenn es schmerzt,für immer,nichts ist für immer da....)!!!die lieder sagen mir mehr als 100 gedichte!!!
 
 
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daRaider
Alt 16.08.2002, 11:30   #5
Standard

Mann und Frau gehn durch die Krebsbaracke

Der Mann:
Hier diese Reihe sind zerfallene Schöße
und diese Reihe ist zerfallene Brust.
Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich.
Komm, hebe ruhig diese Decke auf.
Sieh, dieser Klumpen Fett und faule Säfte,
das war einst irgendeinem Mann groß
und hieß auch Rausch und Heimat.

Komm, sieh auf diese Narbe an der Brust.
Fühlst du den Rosenkranz von weichen Knoten?
Fühl ruhig hin. Das Fleisch ist weich und schmerzt nicht.

Hier diese blutet wie aus dreißig Leibern.
Kein Mensch hat soviel Blut.
Hier dieser schnitt man
erst noch ein Kind aus dem verkrebsten Schoß.

Man läßt sie schlafen. Tag und Nacht. - Den Neuen
sagt man: hier schläft man sich gesund. - Nur sonntags
für den Besuch läßt man sie etwas wacher.

Nahrung wird wenig noch verzehrt. Die Rücken
sind wund. Du siehst die Fliegen. Manchmal
wäscht sie die Schwester. Wie man Bänke wäscht.

Hier schwillt der Acker schon um jedes Bett.
Fleisch ebnet sich zu Land. Glut gibt sich fort,
Saft schickt sich an zu rinnen. Erde ruft.
Gottfried Benn



Das kam bei mir im mündlichen in Deutsch dran. Da Hab ich 10 Punkte gemacht und seit dem ist es mein Lieblingsgedicht
 
 
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CryZ
Alt 16.08.2002, 11:42   #6
Standard

@ dude... von wann is denn des gedicht?
 
 
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daRaider
Alt 16.08.2002, 11:56   #7
Standard

afaik 1912. das ist halt expressionismus kram...
 
 
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daRibba
Alt 16.08.2002, 17:41   #8
Standard

ich stehe auf der neckarbrück
und spuck den fischen ins genick!

-ich stehe auf der neckarbrück
-und steck mir den finger in den arsch!

(ja, es reimt sich nicht, aber es dichtet!)
 
 
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CryZ
Alt 16.08.2002, 18:02   #9
Standard

naja... so wirklich lustig find ich des ja nicht, aber jedem das seine
 
 
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kaifi
Alt 16.08.2002, 18:12   #10
Standard

Gottfried Benn ist einer meiner am liebsten Gelesenen. Besonders "Verlorenes Ich" (ich bin nicht immer so depressiv:


Verlorenes Ich, zersprengt von Stratosphären,
Opfer des Ion -: Gamma-Strahlen-Lamm -
Teilchen und Feld -: Unendlichkeitsschimären
auf deinem grauen Stein von Notre-Dame.

Die Tagen gehn dir ohne Nacht und Morgen,
die Jahre halten ohne Schnee und Frucht
bedrohend das Unendliche verborgen -
die Welt als Flucht.

Wo endest du, wo lagerst du, wo breiten
sich deine Sphären an - Verlust, Gewinn -
ein Spiel von Bestien: Ewigkeiten,
an ihren Gittern fliehst du hin:

Der Bestienblick: die Sterne als Kaldaunen,
der Dschungeltod als Seins- und Schöpfungsgrund,
Mensch, Völkerschlachten, Katalaunen
hinab den Bestienschlund.

Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten
und was die Menschheit wob und wog,
Funktion nur von Unendlichkeiten -
die Mythe log.
 
 
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CryZ
Alt 16.08.2002, 18:27   #11
Standard

boah kaifi, des is halt mal richtig goil des gedicht. gibts von dem noch mehr so goile?
 
 
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kaifi
Alt 16.08.2002, 18:38   #12
Standard

Von der Stimmung her gehen alle in diese Richtung. Ich kann ja evtl. in einiger Zeit mein 2. Bennsches Lieblingsgedicht posten..
 
 
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Felicitas
Alt 16.08.2002, 19:46   #13
Standard

Goethe


Weltseele

Verteilet euch nach allen Regionen

Von diesem heilgen Schmaus!

Begeistert reißt euch durch die nächsten Zonen

Ins All und füllt es aus!



--------------------------------------------------------------------------------

Schon schwebet ihr in ungemeßnen Fernen

Den selgen Göttertraum,

Und leuchtet neu, gesellig, unter Sternen

Im lichtbesäten Raum.



--------------------------------------------------------------------------------

Dann treibt ihr euch, gewaltige Kometen,

Ins Weit und Weitr hinan;

Das Labyrinth der Sonnen und Planeten

Durchschneidet eure Bahn.



--------------------------------------------------------------------------------

Ihr greifet rasch nach umgeformten Erden

Und wirket schöpfrisch jung,

Daß sie belebt und stets belebter werden

Im abgemeßnen Schwung.



--------------------------------------------------------------------------------

Und kreisend führt ihr in bewegten Lüften

Den wandelbaren Flor

Und schreibt dem Stein in allen seinen Grüften

Die festen Formen vor.



--------------------------------------------------------------------------------

Nun alles sich mit göttlichem Erkühnen

Zu übertreffen strebt;

Das Wasser will, das unfruchtbare, grünen,

Und jedes Stäubchen lebt.



--------------------------------------------------------------------------------

Und so verdrängt mit liebevollem Streiten

Der feuchten Qualme Nacht;

Nun glühen schon des Paradieses Weiten

In überbunter Pracht.



--------------------------------------------------------------------------------

Wie regt sich bald, ein holdes Licht zu schauen,

Gestaltenreiche Schar,

Und ihr erstaunt, auf den beglückten Auen,

Nun als das erste Paar,



--------------------------------------------------------------------------------

Und bald verlischt ein unbegrenztes Streben

Im selgen Wechselblick.

Und so empfangt mit Dank das schönste Leben

Vom All ins All zurück.
 
 
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Felicitas
Alt 16.08.2002, 19:51   #14
Standard

Sergej Michalkow

Der Hase im Rausch

Der Igel hatte einst zu seinem Wiegenfeste,
Den Hasen auch im Kreise seiner Gäste,
Und er bewirtete sie alle auf das Beste.

Vielleicht ist auch sein Namenstag gewesen,
Denn die Bewirtung war besonders auserlesen,
Und geradezu in Strömen floß der Wein,
Die Nachbarn gossen ihn sich gegenseitig ein.

So kam es denn das Meister Lampe bald zu schielen anfing,
Er verlor den Halt,
Er konnte nur mit Mühe sich erheben ,
Und sprach die Absicht aus sich heimwärts zu begeben.

Der Igel war ein sehr besorgter Wirt,
Und fürchtete das sich sein Gast verirrt,
- Wo willst du hin mit einem solchen Affen,
Du wirst den Weg nach Hause nicht mehr schaffen,
Und ganz allein im Wald dem Tod entgegengehn,
Denn einen Löwen jüngst man dort gesehen ! –

Dem Hasen schwoll der Kamm,
er brüllt in seinem Tran,
- Was kann der Löwe mir,
Bin ich sein Untertan ?

Es könnte schließlich sein das ich ihn selbst verschlinge,
Den Löwen her ich fordere ihn vor die Klinge,
Ihr werdet sehn wie ich den Schelm vertreibe,
Die 7 Häute Stück für Stück zieh ich ihm ab von seinem Leibe,
Und schicke ihn dann nackt nach Afrika zurück.-

Und so verließ der Hase bald das fröhlich laute Feste,
Und begann im Wald von einem Stamm zum anderen zu wanken,
Und brüllt dabei die kühnlichsten Gedanken,
laut in die dunkle Nacht hinaus.

- Den Löwen werde ich zerzausen,
wir sahen im Wald noch ganz andere Tiere hausen,
und machten ihn doch den blutigen Garaus. -

In Folge des geräuschvollen Gezeters,
Und des Gebrüll des trunkenen Schwerenöters,
Der sich nur mit Mühe durch das Dickicht schlug,
Fuhr unser Löwe auf mit einem derben Fluch,
Und packt den Hasen grob am Kragen,
- Du Strohkopf willst es also wagen,
mich zu belästigen mit dem Gebrüll,

Doch warte mal, halt mal still,
Du scheinst mir ja nach Alkohol zu stinken,
Mit welchem Zeug gelang es dir dich derart zu betrinken?-

Sofort verflog der Rausch dem kleinen Tier,
Er versuchte sich irgendwie zu retten,
- Sie, wir, nein, ich oh, wenn sie die Einsicht hätten,
Ich war auf einem Fest und trank viel Alkohol,
Doch immer nur auf euer Gnaden Wohl.

Und auf eure Frau, und euer lieben Kleinen,
Das wäre doch, so will mir scheinen,
Ein triftiger Grund sich maßlos zu besaufen.-

Der Löwe ging ins Garn,
Und ließ den Hasen laufen.
Der Löwe ist dem Schnaps abholt,
Und haßte jeden Trunkenbold,
Jedoch betörte ihm, wie dem auch sei,
Des Hasen‘ s Speichelleckerei
 
 
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kaifi
Alt 17.08.2002, 01:35   #15
Standard

Hallo felicitas, ich bin Dir echt dankbar für diesen Thread! Eigentlich habe ich sehr viel Sinn für Poesie und Lyrik allgemein, aber den unterdrücke ich schon seit langer Zeit. Ich merke allmählich, dass ich inzwischen wieder soweit bin, mir diese Vorliebe einzugestehen und mich mit ihr zu beschäftigen. Danke

Also, da ich nicht besonders geübt in der Interpretation und dem Lesen von Gedichten bin, würde ich gern wissen, ob ich "Weltseele" richtig deute - als eine Geschichte vom 'Erwachsenwerden', der großen Liebe und dem durch sie entstehenden neuen Leben (vielleicht neugeborenen Leben?).

Ob in dem "Hasen" eine tiefere Bedeutung steckt, weiß ich nicht. Ich finde sie nicht, also deute ich ihn als Fabel.
Und über die "Anna" muss ich mir noch viele Gedanken machen..
 
 
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kaifi
Alt 17.08.2002, 04:09   #16
Standard

Erst war ich ratlos, dann habe ich einige Ausarbeitungen zur "Anna" gelesen, war danach völlig fasziniert von ihr und, einen Weg gefunden zu haben, wie ich dieses Gedicht eines Tages verstehen könnte, und nun bin ich wieder ratlos. Hast Du schonmal was von einem Bernd Rauschenbach gehört? Stimmt das mit seiner "Entdeckung"? Im Netz findet man annähernd gar nichts!
 
 
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Felicitas
Alt 17.08.2002, 12:19   #17
Standard

ach anna is klasse, da sag ich aber erst mal nix zu.... beim hasen im rausch das ist eben n geiles fungedicht, ich finds toll. bernd rauschenbach........ich guck mal gehört hab ich schon mal was von dem.........*such*........
 
 
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Christian
Alt 19.09.2002, 15:56   #18
Standard

ist dein Wille hart wie Stein, deine Seele rein wie Luft und dein Körper im Einklang mit der Natur dann ist es dir möglich Stahl mit den Händen zu zerbrechen.

Das Auge sieht ihn doch keine Hand könnte ihn greifen den im Strome sich spiegelnden Mond.

Keine Gedanken kein Bewustsein doch etwas bestimmtes bewegt sich darin, eingenen Gesetzen folgend.


Nein, das habe ich nicht selbergedichtet
 
 
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k. l. e. e.
Alt 20.09.2002, 10:53   #19
Standard

05:24 - could've moved mountains
was sollen wir auch anderes tun, wirre spuren im sand hinterlassend,
von denen wir uns einreden, sie wären eine linie. seetang kauend,
muschelsplitter in den blutenden füßen, trockene lippen vom salzwasser,
seit tagen kein wunder und immer noch grimmig lächelnd über jedes gerippe,
das wir passieren.
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06:03 - jetzt ist es still. (1 love)
der eingang ist verrammelt, die fenster sind verhängt. vielleicht bin ich sicher.
trotz der watte in den ohren hat die luft noch eine farbe, wie ein lied aus einem traum,
oder ein schluchzen vielleicht.
ich sollte wirklich im stehen schlafen, den rücken an die wand gelehnt.
später werden sich lücken auftun in den fugen.
licht wird einsickern wie ein glaube. während ich schlafe,
wird durch die zimmer eine zeit gehen und leise die türen schließen.
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klee
 
 
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Eure Lieblingsgedichte Angel~Of~Death Literatur 5 11.05.2007 18:59
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