Gottfried Benn ist einer meiner am liebsten Gelesenen. Besonders "Verlorenes Ich" (ich bin nicht
immer so depressiv

:
Verlorenes Ich, zersprengt von Stratosphären,
Opfer des Ion -: Gamma-Strahlen-Lamm -
Teilchen und Feld -: Unendlichkeitsschimären
auf deinem grauen Stein von Notre-Dame.
Die Tagen gehn dir ohne Nacht und Morgen,
die Jahre halten ohne Schnee und Frucht
bedrohend das Unendliche verborgen -
die Welt als Flucht.
Wo endest du, wo lagerst du, wo breiten
sich deine Sphären an - Verlust, Gewinn -
ein Spiel von Bestien: Ewigkeiten,
an ihren Gittern fliehst du hin:
Der Bestienblick: die Sterne als Kaldaunen,
der Dschungeltod als Seins- und Schöpfungsgrund,
Mensch, Völkerschlachten, Katalaunen
hinab den Bestienschlund.
Die Welt zerdacht. Und Raum und Zeiten
und was die Menschheit wob und wog,
Funktion nur von Unendlichkeiten -
die Mythe log.