"Müsste diese *Bindung* nicht beim physichen *Tod* aufbrechen, da *Egoismus* sich durch Taten und Handlungen äußert, sodass das die Vorstellung des *Ichs* aufhört zu existieren?"
Ich denke die Unterscheidung zwischen Ego, und dem vorhin definierten Jiva (oder im westlichen Sinne gefangene Seele) ist hier von Bedeutung.
Das Ego im Sinne des "Ichs" einer Persönlichkeit (also nicht dem universellen Ich) stirbt mit dem Tod, richtig. Das Ego ist aber nicht etwas, das der Jiva mit in den Tod nimmt, sondern das zu der Persönlichkeit gehört, als welche sich der Jiva inkarniert.
Der Bezug des Jiva zu seinem jeweiligen Ego bzw. die Stärke der Idenfitikation des Jiva mit seinem Ego wird dadurch definiert, wie weit der Jiva in seiner Entwicklung ist und was die unbewussten Eindrücke, die er mit über den Tod hinaus nimmt, sind.
Das Ego bzw. der Egoismus ist damit also temporär und mit dem jeweiligen Leben des Jiva verbunden.
Durch den Einfluss des Egos im Leben des Jiva wird jener auf die Probe gestellt, zu sagen "das Ego bin ich", oder eben nicht, wenn seine Erkenntnis darüber hinaus geht.
Der Egoismus ist insofern ein Bestandteil dieser einen Kraft, als dass es eine Hürde verkörpert, durch die der Jiva in der Lage ist, seine wahre Natur zu realisieren bzw. die Vergänglichkeit des Egos und die Unvergänglichkeit seiner inneren Natur, dem universellen Ich, zu erkennen.
Man kann also sagen, dass hinter jedem Ego das universelle Ich steht, die Erkennung dieses wahren Ichs bzw. die Verschleierung dieses wahren Ichs (durch das Ego) von der Entwicklung des Jiva abhängig ist.
"Auch wenn man diesen *Eindruck* mit in den Tod nimmst, so müsste er doch trotzdem aufhören zu existieren, da man diese Bindung doch nur zu Lebzeiten aufrecht erhalten kann."
Der Hinduismus kennt 3 bzw. 5 "Körper" (je nach Lehre). Das Wort "Körper" sollte hier vielleicht nicht wörtlich übernommen werden.
Einer dieser Körper ist bwps. der mentale Körper, in welchem sich diese unbewussten Eindrücke, welche das nächste Leben definieren, befinden könnten.
Der Jiva nimmt also durch diese feinstofflichen Körper seine Eindrücke mit bzw. sie haften an ihm bzw. sie binden ihn an die Wiedergeburt - das Ego der vorigen Persönlichkeit ist tot, das Ego der nächsten, inkarnierten Persönlichkeit bzw. der Einfluss dieses nächsten Ego wird dann eben wieder durch die Eindrücke und die Erfahrung des Jivas definiert.
"Was tut man dann während der Mediation z.B., aufhören zu *Denken* (wenn das überhaupt möglich ist)?"
Ich denke nicht dass es möglich ist, aufhören zu denken.
Durchführung und Resultate einer Meditation sind individuell und varieren stark. Wenn einer in der Meditation nichts anderes sieht, als seinen "Kopf zu leeren", dann wird er wohl auch nicht mehr erfahren.
Die Sache mit dem "Leeren des Kopfes" ist in meinen Augen aber mehr ein Nebeneffekt - denn durch die Meditation wird ja der Geist auf einen Konzentrationspunkt fokussiert. Der Geist geht mit dem Prana bzw. Chi bzw. Ki (Energie). Wenn man seinen Geist also auf einen Punkt ausrichtet, bündelt man diese Energie (welche ja in dem Sinne die geistige Kraft ist) auf das Objekt, und richtet dadurch den Geist auf diesen Punkt aus.
Deswegen auch die bekannte Aussage, dass Meditation nur dem hilft, der einen ausgeglichenen Geist hat, denn sonst wird diese Konzentration nicht lange anhalten bzw. schwer zu erhalten sein, da der Geist noch immer von nicht verarbeiteten Eindrücken heimgesucht wird und diese ihn immer wieder vom Konzentrationspunkt ablenken.
VIele werden dir darum sagen, dass Meditation nichts anderes ist als Nachdenken. Man führt Psychologie mit sich selbst und versucht durch die Ehrlichkeit zu sich selbst, durch die Reflektion von nicht verarbeiteten Erfahrungen und Eindrücken, seine eigene Lösung bzw. Antwort zu finden und den Geist damit für die einpünktige Konzentration vorzubereiten bzw. auszugleichen.
Die höchste Stufe der Meditation wird Samadhi (Versenkung) genannt. Es ist die totale Verschmelzung des Meditierenden und des Objekts der Meditation. Es ist in dem Sinne ein Werden des Objekts, denn die Inder behaupten, dass Manas (zu Deutsch in etwa die geistige Fakultät, die durch die Sinnesorgane mit der Aussenwelt kommuniziert) die Form des Objekts annimmt, über welches meditiert wird. Umso länger diese Fokussierung auf das Objekt, umso stärker die Bindung und umso stärker das "Annehmen" des Objekts im Geiste.
Fragt sich nun, welches Objekt man für die Meditation nimmt.
Interessant auch die Anspielung, dass sich dieses eine Bewusstsein in jedem Objekt (ob Materie, oder mentales Objekt) befindet. Es kommt also auf den Meditierenden drauf an, diese Göttlichkeit in allem zu realisieren und sich damit der Göttlichkeit im Objekt der Meditation bewusst zu werden. Ich denke, von hier an kannst du selber weiter kombinieren, was die Ausweitung des limiterten Bewusstseins zum einen Bewusstsein betrifft.
Bis man zur Versenkung gelangt, sollte man ca. 12 Jahre regelmässig meditieren, wird von vielen Meistern gesagt. Es ist also ein kontinuerlicher Prozess, der auf Disziplin und Übung aufbaut.
Ich kann dir nicht sagen, wie dieser Samadhi, diese höchste Versenkung, erfahren wird - man liest zwar hin und wieder was in Schriften, doch diese Erfahrungen des "Eins werden mit Gott" varieren stark und sind vorallem sehr schwer zu beschreiben.
Aus meinen persönlichen Erfahrungen kann ich dir nur beipflichten, dass Versenkung nicht ein vollkommenes Abschotten der Aussenwelt bezweckt (was aufgrund der einpünktigen Konzentration angenommen werden könnte), sondern das bei totaler Fokussierung auf das Objekt eine Art "erhöhte Wahrnehmung" (ich mag den Ausdruck nicht), oder um es in den indischen Worten zu brauchen, eine Erweiterung des Bewusstseins entwickelt, die sich mit der Übung stetig in der Meditation verstärkt.
Ich kann dir nur soviel sagen:
Man ist total auf den Punkt fixiert, aber ist sich seiner eigenen Existenz und den Dingen um sich herum total bewusst, ohne sich speziell auf eines dieser aussentsehenden Dinge zu konzentrieren.
Die Aktivität des Gehirns geht stark zurück (aufgrund der Ausrichtung des Geistes auf den einen Punkt), aber komischerweise braucht es die Gedanken an das um-sich-befindende nicht, sondern sie werden intuitiv erfasst.
Besser kann ich es dir nicht erklären. Alles weitere wird zu subjektiv und zu persönlich, als dass ich es hier darlegen möchte.
Ziele in der Meditation sind sehr vielseitig und unterschiedlich und vieles hängt mit der Erfahrung des Meditierenden zusammen.
Man kann aber sagen, dass dieser Samadhi (diese totale Versenkung) die höchste Entwicklungsstufe des Meditierenden ist.
Gruss Raffis