Jaja Stolz is was ganz faszinierendes, aber ich glaube eigentlich Nationalgefühl hat relativ wenig mit dem Thema zu tun(aber davon werd ich wohl sowieso selbst bald etwas abschweifen*g*).
Und ich glaube in diesem Land wurde auch noch niemand gezwungen etwas zu ändern, was nur er selbst und zwar von sich aus wollte..
Die Deutschen jammern wohl im allgemeinen auch sehr gerne, aber eher über andere Dinge, als die, die Sivar ansprach. Eher über Politik, dass alles immer teurer wird, dass es im In- und Ausland zuviele Ausländer gibt, dass die da oben ja eh machen was sie wollen und dass früher alles besser war.
Und wenn sie in Rom schönes Wetter haben und das wohl noch die einzige Stadt in Süditalien ist, die halbwegs an den reicheren Norden rankommt, ich denke auch damit hat es wenig zu tun.
Wenn ich mit Leuten rede, die Monate wegen eines Praktikums in einem nicht gerade besonders wohlhabenden afrikanischen Land waren, wo es sicher auch sehr viel Sonne gab, das aber auch nicht gerade nur positiv ist..bekomme ich dann trotzdem ähnliche Eindrück zu hören.
Die Leute wären im allgemeinen einfach nicht so depri wie in Deutschland, fröhlicher und kommunikativer, und der Kopf ist lange nicht so weit unten, wenn die Leute durch die Straßen gehn.
Und keiner von uns wohlbehüteten Europäern würde wohl so einfach auf die Idee kommen und sagen, ja denen gehts eben gut und die haben ja auch keinen Teuro (wie ich diese Wortschöpfung hasse..) und müssen auch nicht so viel für Strom und Milch bezahlen..
Ich denke doch eher, das hat viel damit zu tun, wie unsere (aber auch einige andere, die inzwischen ähnlich sind und wohl auch ähnliche Probleme haben) Gesellschaft sich so in den letzten 150-200 Jahren entwickelt hat. Was man für einen Wohlstand erreicht hat, so dass es vielen Leuten, auch mir, einfach ziemlich abgeht, sich über kleine Dinge freuen zu können. Und man weiß auch, wenn man sich etwas leistet, muss man so und so lange dafür Dinge tun(Arbeitsplatz), die einem großen Teil der Bevölkerung nicht unbedingt Spaß machen.
Alles ist genormt und geplant. Die allumfassende Bürokratie hat wohl in keinem Land mehr Einzug gehalten als in Deutschland. Denke an deine Rente, wähle den sicheren Weg, etc. pp. Man wird auch von allen Seiten mit hauptsächlich einem Lebens- und Umgebungs/Situationsmodell bombardiert. Sei es von der Poltik mit ihren hohen moralischen Werten von Ehe, Familie und Kind oder die Industrie. Mit letzterer meine ich natürlich in erster Linie Werbung. Sobald man das erwähnt kommen einem von allen Seiten Dinge entgegen geflogen wie, kein Zwang, freie Wahl, mach den Fernseher/Radio/Computer aus, schau das Plakat eben nicht an, etc pp. Immer die armen Medien. Aber ich denke, dass man diese durchaus angreifen darf und sollte.
Man kann ihr auch schlecht entkommen, wenn man nicht gerade ne Hippie Kommune auf dem Land bezieht und einer der wenigen ist, der "zurecht" keine GEZ Gebühren bezahlen.
Der überwiegende Teil der TV und Radiolandschaft, der private, besteht im Grunde genommen nunmal auch einzig und allein zu dem Zwecke, Werbung, Trends und ähnliches unter die Leute zu bringen. We Love to entertain you..Schwachsinn. Es geht darum Profit zu machen, wofür man eben mehr oder weniger gutes Entertainment braucht, damit man ordentlich Kohle für Werbung und product placement abgreifen kann. Das ist ja im Grunde sehr simpel, aber ich denke ernsthaft viele Leute haben sich das noch nicht einmal bewusst gemacht.
Es wird so im allgemeinen auch alles mehr und mehr zum Mainstream bzw. vom Mainstream vereinnahmt, das irgendwann einmal anders sein wollte und vielleicht sogar war. Sei es Musik oder Musikrichtungen, irgendwelche Bücher oder Comics, bestimmte Filmkategorien, Freizeitbeschäftigungen, Sport, was auch immer. Irgendwann wird ihm dadurch, dass es zur Werbung benutzt, in Werbung eingebettet, zur Massenunterhaltung eingesetzt wird (denn man muss ja zumindest auch vortäuschen immer mal wieder was neues für den Konsumenten zu haben) und mehr einfach das besondere, das es mal ausmachte, genommen. Und so gleicht sich alles immer mehr an. Einheitsbrei fürs Volk.
Man kann sagen, ist doch schön, dass die Anbieter für viele Geschmäcker jeweils das passende anzubieten haben. Man kann aber auch sagen, dass man letztendlich für alle das gleiche in leicht veränderter Fassade anbietet.
Lässt sich so auch viel besser planen, bewerben, kategorisieren und vermarkten, wenn man jedem das Gefühl gibt in irgendeiner Form alternativ zu sein und dieser dennoch genau im Plan agiert, als wenn man eingestehen würde, ihr werden alle auf äußerst ähnliche Weise beschäftigt, damit es läuft in Wirtschaft und Staat und ihr auch nicht auf dumme oder gar wirklich alternative Ideen kommt.
Jedenfalls kann einen in diesem Land sehr schnell der Eindruck überkommen, dass alles irgendwie grau ist und gar so falsch wird man damit nicht immer liegen. Und die Menschen können nicht alle gleich mit all dem, was auf sie einprasselt umgehen. Manche sind einfach Frohnaturen können sich gut einfügen ohne sich dabei selbst aufzugeben und kommen zurecht, andere jammern, einige versuchen sämtliche Emotionen abzustellen, andere trinken den ganzen Tag Bier und schaun Talkshows oder bekommen physische oder psychische Krankheiten, weil sie nicht mit ihrer Umwelt umgehen können. Andere nehmen das Geschehen um sie herum nur sekundär war und leben alleine glücklich oder unglücklich in ihrer kleinen Welt. Manche sind motivert, manche nicht. Manche wissen/meinen zu wissen/bekommen eingetrichtert, dass sie mit ihren Noten und/oder ihren Vorraussetzungen nie einen normalen Job bekommen oder irgendwas erreichen werden und scheissen auf so ziemlich alles oder schlucken es runter und sind einfach nur für den Rest des Lebens unglücklich, aber funktionieren. Manche betäuben sich auch 2 Tage die Woche um wenigstens nicht die ganze Zeit alles mitzubekommen, andere krepieren an irgendeiner Überdosis. Und so weiter und so fort.
Ich würde aber nicht davon ausgehen, dass diejenigen, die wirklich mit ihrer Situation und Umwelt gut umgehen können, ohne dabei ihr selbst in irgendeiner Form zu verstecken oder mit oder ohne Zwang zu verändern, inzwischen wohl immer weniger werden. Oder es kommen immer mehr der anderen "Kategorien" nach.
Vielleicht hab ich ja auch einfach eine ganz seltsame Einstellung zu manchen Dingen oder die falschen Bücher gelesen und damals oder heute die falsche Medizin genommen...wer weiß.
Aber es könnte einen in jedem Fall schon einmal nachdenklich machen, wenn in einem der absolut wohlhabendsten Länder der Welt, das Wohlbefinden/die Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung prinzipiell "gedrückter" und schlechter zu sein scheint, als sie es beispielsweise in so manchen südlicheren Gefilden oder teilweise auch in wirklich extrem armen Ländern ist.