
30.04.2006, 16:12
# 85 hab ich was anderes behauptet? was du sagst ist richtig und da ich in bayern leben, habe ich mein ganzes leben lang mitbekommen wie sehr staat und kirche eben nicht getrennt sind. nach meiner erinnerung steht aber im grundgesetz nicht "die amtsreligion der republik ist die heilige römische katholische kirche", oder irre ich mich da? es geht mir nicht um das was in den köpfen ist, nein religion ausleben muss jeder dürfen. spätestens dann aber wenn es um eine art leitkultur gehen soll oder wenn allgemeingültige moralische werte von politikern wieder pauschal dem christentum zugeschrieben werden, also die debatte um die "beste religion" auf politischer ebene stattfindet, dann ist für mich die trennung von staat und religion verletzt.
meiner meinung nach muss jeder, egal welcher religion oder auch garkeiner, die möglichkeit haben nach moralischen grundsätzen leben zu können und seine religion gleichberechtigt ausführen zu können. was ich anprangere ist diese pauschaleinstellung "wir sind alles christen also passt ihr euch bitte an uns an". wieviele ungetaufte deutsche staatsbürger gibt es? sind diese menschen weniger wert? dürfen die die feiertage nicht feiern?
sicher hat und das christentum nicht nur schwachsinn gebracht, unsere kultur und unsere gesellschaft mag davon profitiert haben. es ist aber falsch zu sagen ohne die 10 gebote wären alle menschen unsteuerbare barbaren. es gab auch bereits zu zeiten des alten testaments verschiedene kleine kulturen die mit gänzlich anderer religion weitaus friedlicher gelebt haben als z.b. dann die juden. christentum steht nicht für friede und christentum steht ganz und gar nicht für tolleranz.
ich finde es eine unverschähmtheit diese moralischen grundwerte, nach denen jeder gebildete mensch leben kann, pauschal unter den scheffel des papstes zu stellen. man nimmt damit jedem andersdenkenden oder -gläubigen eine gewisse entscheidungsfreiheit indem man ihm sagt, wenn er ein guter mensch ist dann lebt er christlich.
im endeffekt ist für mich nur mal wieder interessant, warum so viele menschen ich täglich gedanken darüber machen, wie ihre mitmenschen denken. warum es nicht letztlich egal sein kann welcher religion jeder einzelne nachgeht, solange er sich so verhält dass es niemanden stört. warum sind wir immer darauf aus eine mehrheit von gleichdenkenden zu bilden?
die verhältnisse in der türkei kenne ich nur soweit, dass dort tatsächlich ein kopftuchverbot an öffentlichen plätzen herrscht. für mich der falsche weg, da es einen zwang darstellt. da ein kopftuch ein individuelles ding ist, wäre eher die tolleranz gefordert.
ich weis aber dass in anderen europäischen ländern, beispielsweise frankreich, die religion als privatsache erklärt wurde. hier würden politiker, solange sie keine fanatiker sind, niemals von christlichen werten sprechen - hier wird von moral gesprochen und die moral gilt für alle aufgeklärten menschen. man sieht also, das gute im menschen existiert auch über religionsgrenzen hinweg und nur weil unsere gesellchaft auf dem christentum fusst, bedeutet dies ja nicht dass wir der kirche was schuldig wären.
ich weis auch heute noch wird z.b. das theologiestudium von kirchlichen vertretern überwacht und, sagen wir mal so, unchristliche studenten bekommen nicht die chance religionslehrer zu werden, weil sie z.b. sex vor der ehe hatten. das ist dann eben einer dieser vielen punkte wo es mir lieber wäre, die kirche bliebe im dorf und würde sich vom öffentlichen leben fernhalten.
am ende bleibt für mich: will deutschland offen sein für alle menschen, die sich deutsch nennen, dann kann deutschland kein christlicher staat sein. |