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Wenn kontroverse Ansichten aufeinandertreffen...

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Tay
Alt 04.03.2008, 18:36   #1
Standard Wenn kontroverse Ansichten aufeinandertreffen...

Man stößt ja immer wieder auf Leute, deren Werte, Einstellungen, Verhaltensweisen etc. sich grundauf von den Eigenen unterscheiden. Meistens kann man diese einfach tolerieren und mit ihnen auskommen, da man nur peripher damit zu tun hat. Aber gerade in Sachen Beziehung, wenn man mit einem Partner zusammen lebt, der selbst oder dessen Familie kontroverse Handlungsweisen und Vorstellungen im Vergleich zu einem selbst an den Tag legt, kann es hier und da schonmal kompliziert werden oder man langt sich einfach nur an den Kopf, wie jemand so leben kann oder solche Dinge entwickeln konnte.

Ich nenn mal ein paar Beispiele:
1) Die Mutter meines Freundes isst nur Fleisch vom Metzger. Wo anders würde sie es nie kaufen, denn sonst ist es ungenießbar und verdorben. Doch auch nicht jeder Metzger ist genehm, nein es muss ein Metzger des Vertrauens sein. Sollte jemand mal aus Versehen wo anders eingekauft haben wird das Essen nicht angerührt, selbst wenn es liebevoll vom Lebenspartner zubereitet wurde.
Das kontroverse hierzu. Frau kann nicht kochen und "vermiest" jedes noch so "edle" Fleisch vom Metzger mit Fertigsoßen alla Maggi, Knorr und Co und bezeichnet dies dann als leckere Mahlzeit.
Es ist mir unverständlich, wie man einerseits auf frische, Gesundheit und Qualität beim Fleisch zwanghaft achten muss und keineswegs anderes in Erwägung ziehen kann, aber dann zu künstlichen Soßen mit geschmacksverstärkern, Aromen etc. zurückgreift.

2) Mein Freund lebt noch zu Hause und kommt mit seinem Bafög für sein eigenes Essen auf. Wenn mal jemand zu Besuch kommt und es Fleisch zum Essen gibt, dann wird dies akribisch von Sohnemann und dem Besuch abkassiert. Eine Einladung zum Essen sogesehen gibt es nicht. Man zahlt teuer für Fleisch vom Metzger, das dann mit einer Soßenpampe unappetitlich garniert wird, damit man zusammen mit der Familie speisen kann un dmuss sich noch dazu immer im voraus anmelden, da es keinerlei Vorräte im Haus gibt. Für jedes Essen wird extra eingekauft, es gibt noch nicht einmal Beilagen wie Nudeln, Kartoffeln, Reis etc. als Vorrat im Haus. Aus meinem Elternhaus kenn ich es so: Wenn Besuch kommt, dann wird zum Essen eingeladen. Entweder es wird das vorhandene aufgeteilt oder noch zusätzlich fix was zubereitet, sofern dies nicht ausreichen sollte. Hungrig heimgehen muss niemand und noch dazu würde nie jemand auf die Idee kommen, jemandem für das Essen etwas zu berechnen.

Auch ist es bei uns "normal", dass wenn jemand ne Kleinigkeit zum Naschen hat, wenn er mit anderen zusammen sitzt, dass dann eine Schüssel genommen wird und die Nascherei für alle in die Mitte gestellt wird. Anderswo ist das akribisch jemandem zugeschrieben und da wird vor gesammelter Manschaft eben genascht aber keineswegs was angeboten oder abgegeben.

3) Auch sehr interessant finde ich die Einstellung, dass jemand wegen jedem kleinen Wehwehchen seine Mutti anrufen muss, um in Erfahrung zu bringen ob und wenn ja welche Medikamente man dagegen unberzüglich einnehmen muss. Wenn ich nur den kleinsten Schnupfen habe, wird mir unverzüglich von meinem Partner eine ganze Apotheke an Medikamenten vorgelegt, die ich einzunehmen habe. Ich greif doch nicht bei jeder Kleinigkeit sofort zu Medikamenten???!
Einmal hatte ich mich verbrannt und ne kleine Brandblase am Daumen. Der Schreck war groß, die musste sofort fachmännisch geöffnet, desinfiziert und verbunden werden mit einem Verband, der 4x so dick war wie mein Daumen und die Hand schier unbrauchbar machte. Und weil keine Einweghandschuhe zur Hand waren und man die Wunde (Brandblase von nichtmal nem Zentimeter!!) nicht so anfassen durfte, musste man jemanden zum Verbandskasten des Autos schicken um jene herauszunehmen. Ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte, dafür dass ich eine für mich lächerlich kleine Wunde am Finger hatte, die ich einfach in Ruhe heilen lassen hätte. Son Kratzer bringt einem doch nicht um.

4) Apropos umbringen. Ins Schwimmbecken im Sommer SPRINGEN ist lebensgefährlich, denn man könnte sich ja nen Herzinfarkt holen, wenn man trotz Dusche den Körper solch einen Warm-Kalt-Stress zumutet.^^

Mich würde gerne mal hierzu eure Erlebnisse interessieren. Was habt ihr schon für Dinge erlebt, wo ihr nur den Kopf schütteln konntet und was einfach in eurerer heilen Welt für euch nicht nachvollziehbar war?
 
 
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Fränze
Alt 04.03.2008, 18:51   #2
Standard

Zitat von Tay
Wenn mal jemand zu Besuch kommt und es Fleisch zum Essen gibt, dann wird dies akribisch von Sohnemann und dem Besuch abkassiert. Eine Einladung zum Essen sogesehen gibt es nicht. Man zahlt teuer für Fleisch vom Metzger, das dann mit einer Soßenpampe unappetitlich garniert wird, damit man zusammen mit der Familie speisen kann un dmuss sich noch dazu immer im voraus anmelden,
Vermutlich wird das nicht oft der Fall sein, oder ^^? So was habe ich ja noch nie gehört.
Das Ganze sieht schon ein bißchen wie Abwehr aus: Wer wagt, zu Besuch zu kommen, muss büßen.

Bist Du sicher, dass Muttis Kleiner der Richtige für Dich ist ?
 
 
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Tay
Alt 04.03.2008, 19:52   #3
Standard

Ich bin ja nicht mit der Mutti zusammen sondern mit ihm.
 
 
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Reh
Alt 04.03.2008, 20:02   #4
Standard

Fragt mal die Leute mit Migrationshintergrund. Solche und noch krassere Konflikte sind für sie ein Leben lang alltäglich und man kann sie nicht eben loswerden, indem man dem Freund "Adieu!" sagt.

Ich komme mit der deutschen Mentalität bis heute nicht zurecht und fürchte mich vor dem Tag, wo es mir doch noch gelingt. Insbesondere die deutsche "Gastfreundschaft" kratzt mich mit jedem Erlebnis innerlich blutig auf. Was die soziale Kompetenz angeht, ist Deutschland ein Entwicklungsland.
 
 
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nonsurvivor
Alt 05.03.2008, 03:18   #5
Standard

Autsch.

Aber so langsam wundert mich gar nichts mehr. Ich finds (zumindest aus der Ferne, selber würde ich da wohl nur weglaufen wollen) grad ziemlich faszinierend, wie merkwürdig Menschen sein können. Gestern erst hat mir jemand von seinem leicht neurotischen Vater erzählt, der mit seinem Spartick alle in den Wahnsinn treibt. Da wurden dann so Anekdötchen erzählt, wie z.B. dass der Vater der Meinung ist, dass überall da, wo man sich auskennt, kein Licht benötigt wird. Und wenn man doch mal unbedingt Licht braucht, wird die Taschenlampe, deren Akkus der Gute im Büro auflädt, benutzt .

Bleibt zu hoffen, dass die Mitmenschen und vor allem die Kinder in der Lage sind, sich von derartigem Verhalten (also sowas wie Gäste fürs Essen zahlen zu lassen) abzugrenzen, anstatt es zu übernehmen. So kann man da ja lustige Geschichtchen erzählen, aber wenn sich jemand in meinem Umfeld so oder ähnlich verhalten würde, würde ich mich klar davon distanzieren. Es ist zumindest mal in jedem Fall legitim, sich in Gegenwart der Betroffenen kritisch zu äußern und deren Reaktion abzuwarten.
 
 
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Tay
Alt 05.03.2008, 11:14   #6
Standard

Ich weiß nicht genau, ob das bei jedem Besuch so gehandhabt wird. Gegenüber dem eigenen Sohn find ich das allein schon krass, bei ihrem Freund macht sie es genauso und wenn ich mal dort esse wirds eben auch so gehandhabt. Ich verstehe ja, dass sie nicht so viel verdient, aber sie hat immerhin nen Job und kann es sich leisten ihren Mietern im Haus zu kündigen, obwohl sie dennoch weiterhin im dunklen Keller wohnen wird, weil sie "keine Lust" hat ihre Sachen nach oben zu tragen. Oben wird dann ihr Sohn wohnen, der keine Miete außer NK zahlt d.h. die Miteinnahmen von ~ 500 € fallen weg. Da ist so viel widersprüchliches, manchmal langt man sich gerade an den Kopf.
Hin und wieder frag ich mich aber auch, ob nur ich das so eng betrachte oder die Leute doch so verdreht sind, wie sie wirken. An das ein oder andere gewöhnt man sich mit der Zeit - am Anfang als alles auf einmal über einen geprasselt ist, war ich kurz und dran die Flucht zu ergreifen.

@ Reh: Was stört dich denn an der deutschen Mentalität am meisten? Irgendwie könnte ich nun ohne Probleme die Mentalität von Türken, Italienern etc. fassen, aber für die eigene fehlt mir als Deutsche selbst irgendwie der Blick.
 
 
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OrionX
Alt 05.03.2008, 18:17   #7
Standard

ich kenn sowas auch, allerdings von keinem partner.

ein haushalt den ich kenne verbietet zb das man sich auf die sofas setzt, sonst werden die ja dreckig. Laute Musik darf auch nicht sein, die muss im Auto gehört werden.

wenn sohnemann miete bezahlen muss weil er geld verdient versteh ich ja. allerdings bescheuert.

ich finds hart das die dame wenn sies schon so mit dem geld hat noch durchzieht ihre sachen bei einem bestimmten metzger zu kaufen. soßen von knorr und so sind übrigens verhältnismäßig teuer, da kann man besseres aus dem liefern was sowieso beim braten und co anfällt.
 
 
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Reh
Alt 05.03.2008, 19:07   #8
Standard

Zitat von Tay
@ Reh: Was stört dich denn an der deutschen Mentalität am meisten? Irgendwie könnte ich nun ohne Probleme die Mentalität von Türken, Italienern etc. fassen, aber für die eigene fehlt mir als Deutsche selbst irgendwie der Blick.
Eigensinn, Arroganz, mangelnde Gastfreundschaft, permanente Unzufriedenheit mit allem, Intoleranz, Egoismus.

Ich denke mir manchmal, dass man jeden Menschen dazu verdonnern muss, für mindestens 10 Jahre in einer fremden Kultur zu leben. Dann lernt man die Welt aus einer zweiten Perspektive kennen und bekommt dadurch eine dreidimensionale Weltsicht. Wer nur eine Kultur kennenlernt, sieht die Welt wie ein Einäugiger zweidimensional. Außerdem sieht er die eigene Kultur nie von der Seite und kann deswegen nicht effektiv über sie urteilen. Für ihn ist sie die Regel, das einzige, was er kennt, er erlebt sie nur unbewusst.
 
 
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Dakame
Alt 05.03.2008, 20:13   #9
Standard

ach ja tay, du redest einem aus der seele. mein familie ist offen für alles und jeden. besuch ist immer erwünscht und gedeckt wird für jeden gast, denn es gibt immer genug, wir haben vorräte^^. es ist egal, wann und wie jemand kommt, selbst wenn es nachts um eins ist und sowieso wird alles geteilt, ohne angst zu haben, dass man übervorteilt wird. fast alle familien meiner engern freunde sind auch so.
jetzt hab ich durch den zivi jemanden kennengelernt, wo es halt wirklich total anders ist, da gilt spontan und flexibel, wenn man eine woche im voraus plant, die mutter bekommt komplexe, sie muss ja wissen, ob sie noch ein bisschen mehr fastfood kaufen muss, wenn es halt unklar ist, dann wird einfach gar nicht gekocht und die frau scheint nicht überfordert zu sein, knapp 50 und seit 20 jahren in frührente, einzige was sie macht ist rauchen wie ein schlot, deswegen stinkt die ganz wohnung nach rauch und citrusraumerfrischer. könnte noch weiter erzählen, aber muss jetzt nicht sein.


und im endeffekt muss ich sagen, dass ich mit der familie nicht klar komme. ich kann dieses typische spießige kleinbürgerverhalten nicht ab. geht einfach nicht. ich meine, wie krass ist es, dass die mutter von meinem mitzivi ihn auf der arbeit anruft um ihm mitzuteilen, dass er ihr 5 euro schuldet.......
 
 
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blue_89
Alt 05.03.2008, 23:26   #10
Standard

Also ich kenn so eine Familie auch (von ner Freundin), bzw noch ein klein wenig anders. Meine Freundin hat noch eine kleine Schwester. Geteilt wird dort rein gar nichts. Der Kühlschrabk ist aufgeteilt in zwei Fächer wo jeder seine Sachen drinnen stehen hat. Keiner darf den Joghurt des anderen anrühren (Joghurts und andere Lebensmittel werden aufgeteilt). Wenn meine Freundin mir was zu essen anbietet holt sie das logischerweise aus ihrem Fach
Also ich finds komisch. Wozu braucht man geteilte Fächer im Kühlschrank? Gut kann ja sein, dass der eine diesen Joghurt auf keinen Fall teilen will, aber dann klebt man nen Zettel hin. Aber das ganze so richtig einzuteilen mit Käse, Wurst etc. hab ich noch nie erlebt.
Da es eine Freundin ist zu der man ab und zu geht ist es ertragbar. Wenn aber die Situation bei meinem Freund so wäre (oder wie du sie geschildert hast) hätte ich große Probleme damit. Ich würde ihn mal drauf ansprechen und ihm auch mal verklickern, dass ein so großer Verband bei einer so kleinen Verletzung nicht nötig ist.
Wenn er dann da shcon anfängt rumzustessen und dich nicht verstehen kann wird es in Zukunft noch shclimmer wenn man zusammenzieht.
 
 
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Tay
Alt 06.03.2008, 17:32   #11
Standard

Zitat von OrionX
ein haushalt den ich kenne verbietet zb das man sich auf die sofas setzt
Da fragt man sich doch wirklich, für was diese Leute dann ein Sofa besitzen.^^

Also ich kenn so eine Familie auch (von ner Freundin), bzw noch ein klein wenig anders. Meine Freundin hat noch eine kleine Schwester. Geteilt wird dort rein gar nichts. Der Kühlschrabk ist aufgeteilt in zwei Fächer wo jeder seine Sachen drinnen stehen hat. Keiner darf den Joghurt des anderen anrühren (Joghurts und andere Lebensmittel werden aufgeteilt). Wenn meine Freundin mir was zu essen anbietet holt sie das logischerweise aus ihrem Fach
Meine Güte. Ist das wirklich eine Familie oder doch eher ne WG?
Bis auf ein paar Leckereien, die sich extra mal jemand für sich allein gekauft hat, ist bei uns eigentlich ausnahmslos alles für jeden zu haben. Eine alte Schulfreundin von mir, ist hier fast wie zuhause, wenn die kommt bedient sie sich selbst am Kühlschrank, gehört ja fast schon zur Familie. Letztens war sie zu Besuch als mein Freund da war, der fand es dann dreist von ihr, dass sie an den Kühlschrank ging und ihm von unserem Kühlschrank was anbot, als wärs ihr eigener und wie man sich da einfach so bedienen könne. Er fragt auch bei mir in meiner Studibude jedes Mal nach ob er was essen darf oder nicht. Eigentlich kauf ich nicht zur Deko ein, doch bei ihm daheim muss man echt nachfragen, ob man als ne Scheibe Schinken nehmen darf oder das jemand anders vorbehalten ist.^^ Das ist mir immer viel zu doof, da lass ich es besser gleich bleiben.
Vor ein paar Tagen haben wir Pizza gemacht, da hat er sich zunächst geweigert die Champignons aufzumachen, weil er nicht alle auf einmal essen konnte und niemand sonst Interesse dran hatte. Wenn bei uns einer Lust auf was hat, dann wirds halt auf gemacht, irgendeiner vernichtets am Ende doch immer.^^

@blue98
Naja stressen nicht wirklich. Gezofft haben wir uns bisher noch nicht aus solchen Gründen. Ich sag ihm da schon meist offen & direkt meine Meinung. Gerade die Sache mit dem Verband - ich habs die Nacht über netterweise gelassen und hab ihn dann kaum dass ich heim gefahren bin ab gemacht. Dann kam natürlich die Moralpredigt als er nachmittags zu mir kam und merkte wie "unvorsichtig" ich doch wäre. Aber er weiß, dass ich mir nichts vorschreiben lasse und meinen eigenen Kopf habe, so war das nach kurzem hin und her wieder gegessen. Dennoch fängt die Leier immer wieder von vorne an, wenn sowas ist und er mir sagt, dass er sich halt Sorgen macht. Es ist ja einerseits lieb gemeint aber für meinen Geschmack doch zu übertrieben. Wenn er es nicht hinnehmen würde, wäre es vermutlich ebenso untragbar für mich. Aber so wies ist, kann ich noch drüber lächeln.

Geändert von Tay (06.03.2008 um 17:45 Uhr).
 
 
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Felicitas
Alt 06.03.2008, 17:47   #12
Standard

nicht _so_ krass, aber ähnlich kenne ich das auch.

die familie von meinem ex und meine familie könnten unterschiedlicher nicht sein. ich mag gerade gar nicht zu sehr in details gehen, begründet waren die unterschiede aber darin, dass in seiner familie ein ganz klassisches und steifes rollenverhalten herrschte. es gab aufgaben die tat MANN einfach nicht, die hatte frau zu tun. der sohnemann war unselbstständig höchsten grades, denn es gehörte dazu, dass die mutter und schwester ihm vom arzt-termin ausmachen bis zum frühstücksbrote schmieren alles abgenommen haben.

meine familie hingegen ganz anders. gerecht verteilte aufgaben im haushalt, gleich verteilte einkommensverhältnisse usw. gab es unterschiede zwischen mann und frau in haushaltsfragen, dann waren die max. auf körperlichen eigenschaften begründet (schwere sachen heben zb. - aufgabe des mannes, klar).

schlimm war eigentlich nur, dass ich von seiner familie in dieses rollenverhalten mit reingezogen wurde, schlimmer war für mein ansehen in selbiger noch: ich habe mich dagegen gewehrt.
 
 
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Tay
Alt 06.03.2008, 23:25   #13
Standard

Zitat von Felicitas
die familie von meinem ex und meine familie könnten unterschiedlicher nicht sein. ich mag gerade gar nicht zu sehr in details gehen, begründet waren die unterschiede aber darin, dass in seiner familie ein ganz klassisches und steifes rollenverhalten herrschte. es gab aufgaben die tat MANN einfach nicht, die hatte frau zu tun. der sohnemann war unselbstständig höchsten grades, denn es gehörte dazu, dass die mutter und schwester ihm vom arzt-termin ausmachen bis zum frühstücksbrote schmieren alles abgenommen haben.
Habe ich bei geschiedenen Bekannte das erste mal ähnlich krass mitbekommen, nachdem ich mich wunderte, dass der Kerl ständig von seiner Mutter und Schwester bemuttert wurde: die Wäsche gewaschen & gebügelt, die Kleidung für den Tag rausgelegt, die Klamotten in die Umzugskisten beim Auszug damals verpackt. Der Kerl kennt sich in seinem eigenen Schrank nicht aus und ist nicht fähig diese selbst zu packen, das überfordert ihn. Solche Aufgaben haben stets die Frauen (bzw. seine damalige Ehefrau) übernommen und nun muss ihm seine Schwester das und vieles weitere Ersetzen, das ist ihre Pflicht. So eine Unselbständigkeit ist für mich unvorstellbar. Und eine klare Rollenverteilung gibt es ebenso nicht. Hier packt jeder überall mit an, wo Not am Manne ist und doch ist jeder in der Lage für sich selbst zu sorgen.
 
 
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Reh
Alt 06.03.2008, 23:54   #14
Standard

Ihr verwechselt Geschlechterrollen mit Bemutterung. Es ist das Gegenteil von Männlichkeit, wenn man sich rundum versorgen lässt und selbst auf der faulen Haut rumliegt. Männlichkeit zeichnet sich gerade dadurch aus, dass man andere versorgt und weniger konsumiert als man produziert.
Was ihr schildert, ist Bemutterung. Das ist das unmännlichste, was es gibt.
 
 
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Felicitas
Alt 07.03.2008, 00:05   #15
Standard

ich verwechsle das ganz sicher nicht.
 
 
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Tay
Alt 07.03.2008, 00:39   #16
Standard

Zwischen Bemutterung und sich wie ein Pascha aufführen, weil einem als Mann gewisse Rechte zustünden, ist noch immer ein großer Unterschied.
 
 
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Reh
Alt 07.03.2008, 18:51   #17
Standard

Mann-sein ist nicht mit Rechten, sondern mit Pflichten verbunden.

Erstaunlich. Nicht im dafür vorgesehenen Thread, sondern hier, rein zufällig, findet sich ein Hinweis auf die mögliche Geschlechterrollen-Problematik der heutigen Zeit.
 
 
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Fränze
Alt 07.03.2008, 23:09   #18
Standard

Aber was, das hatten wir im anderen thread auch schon. Ich frage mich nur, warum Du dort die Frage gestellt hast, was einen Mann zum Mann macht, wenn Du hier genau weißt, wie ein Mann zu sein hat, um ein Mann zu sein.
Im Übrigen finde ich Deine Aussage "Männlichkeit zeichnet sich gerade dadurch aus, dass man andere versorgt und weniger konsumiert als man produziert." als angreifbar, denn andere zu versorgen, könnte man genauso als mütterliche, weibliche Aufgabe/Eigenschaft bezeichnen. Und andersrum: Warum zeichnet sich Männlichkeit dadurch aus?

Nur: Wenn wir hier weitermachen, kriegen wir wieder an die Ohren, weil off topic.
 
 
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Reh
Alt 08.03.2008, 00:39   #19
Standard

Zitat von Fränze
Im Übrigen finde ich Deine Aussage "Männlichkeit zeichnet sich gerade dadurch aus, dass man andere versorgt und weniger konsumiert als man produziert." als angreifbar, denn andere zu versorgen, könnte man genauso als mütterliche, weibliche Aufgabe/Eigenschaft bezeichnen.
Die Rolle der Frau haben wir noch nicht unter die Lupe genommen. Willst du pauschal ausschleßen, dass sich die sozialen Merkmale der beiden Geschlechter überschneiden? Ich tue das nicht. Außerdem sehe ich Unterschiede im Verhältnis produzieren-konsumieren.

Zitat von Fränze
Und andersrum: Warum zeichnet sich Männlichkeit dadurch aus?
Weil das ein erfolgreiches Modell war. Um die Beibehaltung dieses Modells zu gewährleisten, wurde es zum gesellschaftlichen Ideal erhoben.

Zitat von Fränze
Nur: Wenn wir hier weitermachen, kriegen wir wieder an die Ohren, weil off topic.
Ach Gott. Diskussionen entwickeln sich. Und wir waren nicht mal diejenigen, die mit dem Gerede vom Mann begonnen haben.
 
 
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Fränze
Alt 08.03.2008, 11:40   #20
Standard

Irgendwie müssen wir jetzt hier einen Dreh finden, zu den kontroversen Ansichten über z. B. Gastfreundschaft zurückzukommen, weil ich zugeben muss, dass ich nach dem Lesen Deines posts erstmal wieder schauen musste, in welchem thread wir uns eigentlich befinden

Aaalso: Tays Bericht von dem herben Wesen der Mutter ihres Freundes läßt diese Frau nicht in besonders mütterlichem Licht erscheinen. Sie produziert auch nicht (außer Ärger). Vom produzierenden Mann haben wir aber auch nix gehört. Offensichtlich lebt sie vom geerbten Haus.

Aber generell glaube ich nicht, dass Produzieren und Konsumieren bei den Geschlechtern traditionell unausgewogen ist. Ist das vierteljährliche Erlegen eines Mammuts eine größere Produktion als das tägliche Sammeln von Kilos von Pilzen und Beeren?

Wie ist die Feldarbeit der Frauen bei gleichzeitigem Teehausbesuch der Männer in muslimisch-traditionellen Bauernfamilien einzuschätzen?

Ähnliche Situationen gibt es in asiatischen Ländern, wo die arbeitslosen Männer auf dem Sofa liegen und ihre Frauen putzen gehen oder Fischhandel betreiben.
Frauen produzieren da, wo es der Gesellschaft wirtschaftlich schlecht geht, und sie konsumieren da, wo die Versorgung so gut ist, dass sie sich vorrangig dem Aufziehen der Kinder und der Besitzstandswahrung widmen können.

In armen, eher patriarchaischen Ländern arbeiten die Frauen definitiv mehr als die Männer (und wortklaube jetzt bitte nicht, dass arbeiten nicht gleich produzieren ist). Und sie bekommen weniger.

In vielen Flüchtlingslagern, in denen die Nahrung von Helfern ausgegeben wird, ist man dazu übergegangen, Fleisch für die Eiweißversorgung in Eine-Portion-Packungen auszugeben, weil man weiß, dass es nur von den Männern gegessen wird. Aber man gibt dazu besonderes Gebäck, das nicht überragend schmeckt, aber besonders eiweißreich ist. Das geben die Männer gnädig und ahnungslos an die Frauen weiter, wodurch man die Eiweißversorgung der Frauen und Kinder sicherstellt.

Denk auch an die Berichte von den nobelpreisgekrönten Kleinstkrediten. Es sind Frauen, die mit diesen Krediten ein Minigeschäft aufbauen und ihre Familien versorgen.
Für all das sollten wir uns (fremd)schämen, jedenfalls widerspricht es Deiner These von den konsumierenden Frauen und produzierenden Männern.

Recht gebe ich Dir bei der Rolle mancher Frauen in modernen Gesellschaften. Wenn die Männer geschäftlich erfolgreich sind, halten sie sich oft eine Frau, die nur konsumiert und nichts produziert oder bewahrt.
(Tays Freund-Mutter hingegen ist sicher der Meinung, dass sie geschäftlich erfolgreich ist, weil sie Hinz und Kunz für jeden gereichten Brocken abkassiert.)

Ich glaube inzwischen, dass es eine Frage der Wirtschaft und der Gesellschaftsschicht ist.
 
 
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michaelg
Alt 08.03.2008, 11:43   #21
Standard

Zitat von Reh
Willst du pauschal ausschleßen, dass sich die sozialen Merkmale der beiden Geschlechter überschneiden?
Das sollte man sicher nicht; wobei in der einen Frage, der des anderen Themas, was einen Mann zum Mann macht, wäre es zumindest nicht unlogisch, für die definierenden Merkmale keine Überschneidungen zu unterstellen.
 
 
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Reh
Alt 08.03.2008, 20:51   #22
Standard

Ich habe die weitere Männerdiskussion ausgelagert.

Vielleicht konzentrieren wir uns hier auf die Gastfreundschaft, das ist auch sehr interessant.
Nachdem hier praktisch jeder geschrieben hat "Jo, das kenne ich auch", vermute ich, dass die beschriebenen Fälle keine Einzelfälle sind, sondern offenbar groß verbreitet sind.

Wie kommt es, dass gerade Deutschland, das besonders günstige wirtschaftliche Verhältnisse für Gastfreundschaft bietet, sich im internationalen Vergleich so gastfeindlich zeigt?
 
 
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Fränze
Alt 08.03.2008, 23:27   #23
Standard

Ob das Ungastliche auf Deutschland beschränkt ist oder generell den Nordwesten betrifft, weiß ich nicht, dazu kenne ich die anderen Länder zu wenig. Ich kenne nur südliche, gastfreundliche Länder, höre aber immer, dass es z. B. in Ostpreußen sehr gastfreundlich zuging.

Es könnte damit zusammenhängen, dass man Deutschen u. a. auch einen ausgesprochenen Hang zum Neid unterstellt. So hat sich kürzlich ein Psychologe zum Steuerhinterziehungsthema dahingehend geäußert, dass die "Reichen" nicht deshalb Steuern hinterziehen, weil sie noch mehr haben wollen (sie haben mehr als genug), sondern dass sie das, was sie haben, keinem anderen gönnen und nicht mit jemandem teilen wollen, also auch nicht via Staat mit den Mitbürgern. Der Gedanke, "abgeben" zu müssen, ist ihnen zuwider.

(Dass die Deutschen bei Katastrophen besonders viel spenden, widerspricht dem nicht, denn sie spenden nur via Fernsehen besonders viel, wenn am Spendentelefon Prominente sitzen, mit denen sie dann mal reden dürfen. das ist ein ganz anderes Thema.)
Hingegen ist der Spruch "Ich hab nichts zu verschenken, mir schenkt auch keiner was" regelrecht Allgemeingut. Und das bezieht dann das Verschenken von Nahrung, also die Gastfreundschaft, möglicherweise mit ein.

Allerdings ist mir das Abkassieren der Gäste ganz neu, sowas habe ich noch nie gehört, sondern ich kenne nur unterschiedliche Bewirtungsgrade.

Meine Mutter stellt, wie bei ihrer Mutter schon üblich, immer wenn Gäste da sind, ein zusätzliches Gedeck samt Glas an die Seite, ("für den Gast, der noch unerwartet kommen könnte"). Das machen jetzt meine Freundin und ich auch so.
 
 
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Felicitas
Alt 09.03.2008, 20:46   #24
Standard

ich möchte nur anmerken das gastfreundschaft nicht wirklich das einzige thema oder gar das kernthema war...

und ich habe das gefühl ihr beide schafft es mal wieder andere user aus den threads fernzuhalten...
 
 
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Fränze
Alt 10.03.2008, 17:44   #25
Standard

Also Feli, Gastfreundschaft war zwar nicht das einzige Thema, aber meiner Meinung nach das wichtigste, denn es ist ja wohl abnorm, bei Besuchern den Hut rumgehen zu lassen, wenn man Metzgerfleisch mit Kunstsoße verteilt hat.

Wir können aber gerne auch über die Wehwehchen und sofortigen Pflaster reden, oder über das gefährliche Schwimmbad, aber was bringt es? Dass diese Frau, die Mutter von Tays Freund, einen Riesenvogel hat, muss ja wohl nicht diskutiert werden.

Dass sich Tay nicht mehr an der von ihr angestossenen Diskussion beteiligt, könnte auch daran liegen, dass ihr post eher an die Klagemauer gehört.

Zum Thema Gastfreundschaft, bzw. das Fehlen derselben, kann ja wirklich jeder was sagen, oder?

Was ist Deiner Meinung nach der Grund, warum "wir" wieder mal andere user fernhalten?
 
 
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