Irgendwie müssen wir jetzt hier einen Dreh finden, zu den kontroversen Ansichten über z. B. Gastfreundschaft zurückzukommen, weil ich zugeben muss, dass ich nach dem Lesen Deines posts erstmal wieder schauen musste, in welchem thread wir uns eigentlich befinden
Aaalso: Tays Bericht von dem herben Wesen der Mutter ihres Freundes läßt diese Frau nicht in besonders mütterlichem Licht erscheinen. Sie produziert auch nicht (außer Ärger). Vom produzierenden Mann haben wir aber auch nix gehört. Offensichtlich lebt sie vom geerbten Haus.
Aber generell glaube ich nicht, dass Produzieren und Konsumieren bei den Geschlechtern traditionell unausgewogen ist. Ist das vierteljährliche Erlegen eines Mammuts eine größere Produktion als das tägliche Sammeln von Kilos von Pilzen und Beeren?
Wie ist die Feldarbeit der Frauen bei gleichzeitigem Teehausbesuch der Männer in muslimisch-traditionellen Bauernfamilien einzuschätzen?
Ähnliche Situationen gibt es in asiatischen Ländern, wo die arbeitslosen Männer auf dem Sofa liegen und ihre Frauen putzen gehen oder Fischhandel betreiben.
Frauen produzieren da, wo es der Gesellschaft wirtschaftlich schlecht geht, und sie konsumieren da, wo die Versorgung so gut ist, dass sie sich vorrangig dem Aufziehen der Kinder und der Besitzstandswahrung widmen können.
In armen, eher patriarchaischen Ländern arbeiten die Frauen definitiv mehr als die Männer (und wortklaube jetzt bitte nicht, dass arbeiten nicht gleich produzieren ist). Und sie bekommen weniger.
In vielen Flüchtlingslagern, in denen die Nahrung von Helfern ausgegeben wird, ist man dazu übergegangen, Fleisch für die Eiweißversorgung in Eine-Portion-Packungen auszugeben, weil man weiß, dass es nur von den Männern gegessen wird. Aber man gibt dazu besonderes Gebäck, das nicht überragend schmeckt, aber besonders eiweißreich ist. Das geben die Männer gnädig und ahnungslos an die Frauen weiter, wodurch man die Eiweißversorgung der Frauen und Kinder sicherstellt.
Denk auch an die Berichte von den nobelpreisgekrönten Kleinstkrediten. Es sind Frauen, die mit diesen Krediten ein Minigeschäft aufbauen und ihre Familien versorgen.
Für all das sollten wir uns (fremd)schämen, jedenfalls widerspricht es Deiner These von den konsumierenden Frauen und produzierenden Männern.
Recht gebe ich Dir bei der Rolle mancher Frauen in modernen Gesellschaften. Wenn die Männer geschäftlich erfolgreich sind, halten sie sich oft eine Frau, die nur konsumiert und nichts produziert oder bewahrt.
(Tays Freund-Mutter hingegen ist sicher der Meinung, dass sie geschäftlich erfolgreich ist, weil sie Hinz und Kunz für jeden gereichten Brocken abkassiert.)
Ich glaube inzwischen, dass es eine Frage der Wirtschaft und der Gesellschafts
schicht ist.