Zitat von raffis "Hier besteht die Frage, wieso sollte gerade der chr. existieren?"
Ich denke nicht, dass es einen 'christlichen Gott', unzählige von 'hinduistischen Göttern', einen 'muslimischen Gott', einen 'jüdischen Gott', usw. gibt.
Die Frage 'wieso sollte gerade der christliche Gott existieren' ist in dieser Hinsicht (mit Verlaub) falsch gestellt.
Vielmehr existiert eine christliche Interpretation von Gott, eine hinduistische Interpretation von Gott, eine muslimische Interpretation von Gott, etc.
Diese Interpretationen unterscheiden sich, weil sie in unterschiedlichen Kulturen, unter unterschiedlichen Umständen, zu unterschiedlichen Zeiten, in unterschiedlichen Kontexten der Erfahrung und von unterschiedlichen Menschen gemacht wurden.
Daraus resultieren Interpretationen von Gotteserfahrungen, die sich fundamental sehr ähneln (bspw. Christentum und Judentum) oder sich ziemlich unterschieden (man nehme die fernöstlichen Religionen mit ihren oftmals monistischen Weltbildern im Gegensatz zum Dualismus der westlichen Weltreligionen).
Aber du willst ja nicht auf die Existenz mehrerer Götter hinaus, sondern auf das folgende Zitat von dir:
Die hinduistische Götter sind sehr verschieden und manche so, so könntest du beim besten Willen nicht einen Gott vorstellen.
Ich stimme dir allerdings zu, dass der muslimische, christliche, jüdische Gott eine andere Interpretationen von Gott ist. Von dem chr. Gott. Besser gesagt, vom hebräischen Gott.
Ich dachte mir zuerst, du willst mich veräppeln. Aber anscheinend hast du Defizite in der Geschichte der 3 Religionen.
Zuerst gab es Juden. Ziemlich lange sogar und wenn du willst, kannst du einige ihrer Lehren vom AT entnehmen.
Saulus war Jude und wuchs als römischer Staatsbürger in der heutigen Türkei auf, aber nicht weit von Judäa. Aus einer vorrübergehende Blindheit wurde Saulus, der Christenverfolger im Kanaan, zu Paulus und brachte das Christentum, dass in seiner Zeit als jüdische Sekte angesehen wurde, nach Rom.
Und durch mehrere glückliche Umständen wurde es zur Staatsreligion im 4 Jahrhundert von Rom erklärt. Die davor existierende Religionsfreiheit nahm sein Ende.
Muhammad ibn Abd Allah ibn Abd al-Muttalib ibn Haschim ibn Abd Manaf al-Qurayschi wuchs in Mekka auf. Auch nicht weit von Judäa. Obwohl der hebräische Gott wahrscheinlich 30 Jahre dafür gebraucht hätte.
Muhammad arbeitet im 6 Jahrhundert in einer Handelskarawanen nördlich von Syrien und hatte dadurch Kontakt mit monotheistischen Religionen (Christen und Juden.)
Er lebte arm, bis er die reiche Abd al-'Uzza heiratete und sein Hobby zur Berufung machen konnte. Er nahm die gehörten Lehren der monotheistischen Religionen an und gab sie als Prophet weiter.
Und als Kriegsherr setzte er es manchmal mit Gewalt durch.
Jesus wird als Prophet im Koran erwähnt.
Diese drei ähnlichen Interpretationen sind somit kein Zufall ode Wunder oder sowas.
Zitat von raffis "Diese Behauptung kommt daher, dass der Gott von jedem anders dargestellt wird und vielmehr den Charakter, Wissen oder/und Wunschdenken des Individiums betrifft."
Und da kommen wir genau zu dem Punkt, wo ich dir nur beistimmen kann:
Es gibt in dem Sinne keine 'christliche Interpretation' von Gott, die für alle Christen gilt - sondern jeder Christ sieht Gott in seinem eigenen Licht, mit seinen eigenen Vorstellungen und durch seine eigene Erfahrung, die nur subjektiv sein kann - das gleiche für die Anhänger jeglicher anderen Religion; Religion KANN nur etwas Individuelles sein.
Die sind sehr widersprüchlich. Würde man die Werte ernst nehmen, klinge Gott als Gesamtbild schizophren.
Zitat von raffis Vivekananda pflegte zu sagen: 'Wahre Religion ist, wenn es so viele Konfessionen gibt, wie es Individuen gibt'. Religion und der Glaube an Gott ist zwangsläufig eine individuelle Sache, weil Erfahrung stets subjektiv und individuell ist - auch Gotteserfahrung.
Hat er das? Es gibt Religionen mit einem Gott, mehreren Götter und sogar ohne Gott. Buddhismus. D.h. es gibt Gotterfahrung, Göttererfahrung. kein Gotterfahrung, Geisterfahrung usw.
Es gibt Gott als Tier, Halbtier, Geist, Mensch, Baum, Pflanze und was der Mensch so findet oder gefunden hatte.
Zitat von raffis "Jeder Mensch erschafft seinen eigenen Gott."
Diese Begründung kann ich nur soweit bestätigen, wie jeder Mensch aufgrund seiner eigenen, subjektiven Erfahrung seine eigene, individuelle Interpretation von Gott hat und sich damit sprichwörtlich 'seinen eigenen Gott erschafft', oder die seine 'Wahrheit' - ich sehe dies aber nicht als die (rein psychologische) 'Erschaffung eines neuen, unabhängigen Gottes', sondern als 'die individuelle Manifestation des einen Gottes' - in diesem Sinne manifestiert sich Gott in unzähligen Formen und für jedes Individuum wieder anders.
Im Gegensatz zu dir bin ich also der Überzeugung, dass diesen 'eigenen Gotteserschaffungen' (bzw. Manifestationen Gottes) eine wirkliche Instanz, Essenz oder wie auch immer wir es benennen wollen, unterliegt, das zu jedem Menschen, ob Theist oder Atheist, ob bewusst oder unbewusst, in seiner individuellen, eigenen Weise spricht. Folgende Aussage deinerseits rundet das Ganze hervorragend ab:
Klingt alles wirklich interessant. Aber die Götter der Welt ergeben kein Bild.
In jedem Punkt wo du mich fragst, gibt es einen Widerspruch.
(kein)Gott will Tieropfer, (kein)Menschenopfer, (kein)finanzieller Opfer, (kein) Opfer, usw.
Zitat von raffis "Gott ist also so unterschiedlich wie es Menschen gibt."
Gott existiert für jeden in einer anderen Form und in einer anderen Weise. Ansonsten wäre es nicht Gott - wahre Religion ist stets individuell, weil wahre Religion auf der eigenen Erfahrung und nicht auf Büchern oder Doktrinen beruht - letztere sollen inspirieren, mehr nicht.
Willkommen daheim.
Gruss Raffis
Genau. Ganz nach Typ und Wunschbild des Individiums.
Zufall?
Nein!