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Der kampf gegen die Finsternis

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MonoMan
Alt 23.05.2001, 13:37   #1
Beitrag Der kampf gegen die Finsternis

Entmutigt saßen sie um das Feuer welches ihre Körper wärmte, doch die Kälte die ihre Herzen ergriffen hatte konnte es nicht vertreiben. Zu tief saß die Furcht in ihren Gliedern, zu groß war ihre Hoffnungslosigkeit. Müde Krieger, beraubt aller ihrer Träume kämpften sie nur noch weil es keinen anderen Weg gab, kämpften um einer nach dem Anderen unter den scharfen Schwertern ihrer Feinde zu fallen. Nacht um Nacht. Niemand wußte ob er den nächsten Sonnenaufgang noch erleben würde. Längst waren die großen Fürsten, Helden und Könige gefallen, und mit ihnen die Hoffnung der einfachen Menschen. Die einst stolze Armee war zu einem kleinem traurigem Haufen voller Überlebender geworden...
Niemand rührte sich als sich der Alte zu ihnen gesellte, niemand blickte auf, niemand schien den zerbrechlich wirkenden Körper des alten Mannes überhaupt wahrzunehmen. Er mußte schon viele Sommer gesehen haben, denn sein Gang war gebeugt von den Jahren des Lebens, sein Bart war, wie sein Haar, lang und weiß, so weiß wie Schnee...
Er trug die zerlumpte Kleidung eines einfachen Bauern doch um hing an seiner Seite ein kunstvoll gearbeitetes Schwert welches wohl einem König würdig sein mochte.
„Ein schönes Schwert habt ihr, doch habt ihr auch die Kraft es zu führen?“ durchdrang die Stimme eines der Soldaten das Schweigen, so dass nun auch weitere auf den Fremden aufmerksam wurden.
„Nein, mein Arm wird euch in der bevorstehenden Schlacht keine große Hilfe sein können, denn ich bin alt und schwach, doch laßt mich euch eine Geschichte erzählen, ein Geschichte von Helden und von Freundschaft.... Laßt mich euch erzählen und ich verspreche euch ihr werdend für kurze Zeit eure Sorgen und euren Kummer vergessen können...“
So sprach der alte Mann zu den jungen Soldaten und während sich immer mehr der Krieger um ihn scharrten begann er zu erzählen....

„Das Blut unzähliger Feinde mischte sich auf dem Gesicht des jungen Erodin mit seinem eigenen Blut, welches aus unzähligen kleinen Wunden floß, bildete Kreise, Kurven, Linien und ließt das Antlitz des jungen Helden wie hinter einer Maske verschwinden, einer Maske aus Tot und Leid. Er wußte nicht wie viele Feinde er in dieser Nacht zurück in die Hölle geschickt hatte, er wußte nur, dass es zu wenige gewesen waren, denn jetzt als die Finsternis dem anbrechenden Tage weichen mußte und die Kreaturen der Hölle sich zurückzogen nur um am Abend mit doppelter Härte hervorzubrechen war von ihrem Heer nichts mehr übriggeblieben. Überall lagen die Erschlagenen, grausam verstümmelt mit Gesichtern die von Angst und Schmerz gezeichnet waren. Nur er stand noch neben seinem Freund, Marlok, welcher sich schwer auf seine Waffe stützen musste, da ihm aus einer tiefen Wunde der Lebenssaft aus dem Körper rann...
„Erodin,wir haben versagt. Wir sind geschlagen worden und ich werde bald den anderen Kriegern folgen. Du aber hast nur leichte Wunden davongetragen, und so bitte ich dich, geh, rette dein Leben...“
Doch der junge Held wollte seinen Freund nicht den Händen des Feindes überlassen selbst wenn dies das Opfer seines Lebens fordern sollte. Alle Reden vermochten ihn nicht umzustimmen und die Stunden des Tages verstrichen...
Als es bereits weit nach Mittag war versuchte Marlok noch ein letztes mal seinen Freund zum gehen zu bewegen...
„Was bringt es wenn du hier neben mir den Tod findest? Was bringt es wenn du hier dein Blut vergießt? Geh, rette dein Leben. Du bist jung und stark, die Menschen werden dir folgen, sie werden sich zu einer Armee zusammenschließen die du gegen den Schatten führen wirst, geh rette dein Leben, ich bitte dich...“
Erodin überlegte lange ehe er seinem Freund antwortete
„Wenn ich jetzt gehe verrate ich alles wofür wir gekämpft haben und wofür so viele unserer Freunde gestorben sind. Wenn ich jetzt gehe geht mein Körper, doch meine Seele stirbt hier bei dir. Wenn ich jetzt gehe werde ich nicht mehr sein als eine leere Hülle, ich würde niemanden mehr von unserem Kampf überzeugen können... Wenn ich aber hier, neben dir, mein Leben für unserer Sache Opfere, dann wird man noch in 1000 Jahren unsere Geschichte erzählen, die Geschichte von Marlok und Erodin. Und unsere Geschichte wird den Menschen Hoffnung und Mut geben, sie wird ihnen die Kraft geben unsere Sache fortzuführen und so werden wir Beide ewig in ihren Herzen leben.“
„Freund, deine Worte mögen noch so schön sein, doch wird Niemand unsere Geschichte erzählen, da wir Beide sie mit in Grab nehmen werden...“

Doch wie es die Götter wollten betrat in diesem Augenblick ein Hirtenjunge, welcher aus unerklärlichen Gründen den Weg verloren hatte, das Schlachtfeld... Wie Erodin aber den Knaben erblickte sprach er freudig:
„Und hier ist die Person die unsere Geschichte erzählen wird... Junge höre nun was ich zu dir spreche und merke dir jedes meiner Worte...“
Und Erodin erzählte dem Hirtenjungen die Geschichte ihres Kampfes für Wahrheit, Gerechtigkeit und Freundschaft und das er, der Hirtenjunge auserwählt sein diese Geschichte weiterzugeben auf das die Menschen Kraft und Hoffnung aus ihr schöpften... Nachdem er geendigt hatte setzte er den Knaben auf sein Pferd und wollte ihn schon entlassen als Marlok sein Schwert zog und sprach:
„Ich bin zu schwach um noch zu kämpfen, hier Junge, nimm dieses Schwert und führe unseren Kampf mit ihm fort... ich brauche es nicht mehr da ich weiß, dass mein Freund für mich kämpfen wird...“
„Warte, ich werde das Schwert meines Freundes nehmen, auf das auch er noch an dem unvermeidbaren Kampf teilnehme. Du aber sollst mit meiner Klinge den Kampf den wir begonnen haben fortführen...“
mit diesen Worten gab Erodin seinem Pferd ein Zeichen und es jagte in die anbrechende Nacht hinaus...
Diese beiden Helden hatten mein damals noch junges Herz beeindruck wie nichts je zuvor und ich blickte mich um, sah wie sich Erodin mit erhobenem Schwert vor seinen Freund stellte, sah wie er sich unerschrocken den Kreaturen der Hölle entgegenwarf die aus dem Schatten der anbrechenden Nacht auftauchten, sah wie er kämpfte und Dutzende von ihnen erschlug... mich aber trug seine Pferd schnell und sicher fort...

Angekommen in der Sicherheit der nächsten Stadt erzählte ich die Geschichte, die Geschichte von Marlok und Erodin, von den beiden jungen Helden die für ihre Freundschaft und ihren Glauben gestorben waren... wie ein Lauffeuer verbreitete sich damals die Geschichte im Land, sie gab ihnen Hoffnung... den Rest kennt ihr alle... Es formte sich das mächtigste Heer das die Welt je gesehen hat... nicht mächtig durch die Zahl der Recken, nicht mächtig durch unbesiegbare Krieger... nein, wir waren mächtig weil jeder bereit war für den anderen und für unsere Ideale zu sterben. Wir wurden getragen von der Geschichte zweier Freunde, getragen vom Glauben an Wahrheit, Gerechtigkeit und Freundschaft und dieser Glaube machte uns stark, stärker als jeden Feind...
Ihr alle wißt wie es damals vor 70 Wintern ein Heer aus Handwerkern, Bauern Tagedieben und sonstigem Volk, eine Armee ohne militärische Erfahrung, bewaffnet mit nicht viel mehr als ihrem Glauben, den großen Schatten einfach überrannte....“

So endete die Geschichte des alten Mannes und die beachtliche Gruppe Krieger die sich um ihn gescharrt hatte begann sich zu zerstreuen um letzte Vorbereitungen für den Kampf zu treffen, denn schon senkte sich die Sonne hinter den Horizont und mit dem Schatten der Nacht kamen auch die Kreaturen der Hölle wieder aus ihren Verstecken... zwar waren sie vor 70 Jahren besiegt worden, doch nur die wenigsten Menschen waren ihren Idealen treu geblieben und so war die Finsternis wieder erstarkt um das Land erneut mit Krieg und Tod heimzusuchen und den endgültigen Sieg über die Menschen zu erringen...
Doch diese Nacht war anders, die Herzen der Krieger waren voller Mut und Zuversicht, keiner ließ den anderen allein, jeder konnte auf seine Freunde zählen, und hier und dort hörte man wie einer den Namen Erodins rief....

MonoMan

[ 23. Mai 2001: Beitrag editiert von: MonoMan ]
 
 
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Guti
Alt 23.05.2001, 16:13   #2
Beitrag

Und die Moral von der Geschicht'...gibt es nicht.

CYA
Guti
.
 
 
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*viviane*
Alt 23.05.2001, 17:40   #3
Beitrag

zum glück gibt es die bösen gegner aussen, dann müssen leute nicht zu helden werden, die die inneren gegner, nämlich menschliche eigenschaften bekämpfen
kannst du dir vorstellen, dass der feind der hass in uns ist, dass er unsere unwissenheit, unsere blindheit, ist?
unsere angst vor dem fremden?
vor uns selbst?
so versuche, dich zu reinigen, großer krieger

<michberuhig>

mach, was du willst... deine geschichten sind gut, machen mich wütend

mich würde es mal interessieren, wie deine lebenswelt dazu steht: sind die geschichten deine phantasie, kannst du dich mit den inhalten identifizieren?...
sprudeln sie aus dir raus, oder strengst du dich an, was rundes hinzubekommen?
denn die struktur ist ähnlich: wirrwarr... ein erlebnis... freundschaft... hoffnung...
also: erzähl was über dich
bitte
 
 
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MonoMan
Alt 24.05.2001, 12:47   #4
Beitrag

Zitat:
mich würde es mal interessieren, wie deine lebenswelt dazu steht: sind die geschichten deine phantasie, kannst du dich mit den inhalten identifizieren?...


In gewisser Weise sind die Geschichten meine ständigen Begleiter. Die Figuren darin und deren Erlebnisse sind für mich nicht weniger real als irgendwelche Menschen aus Fleisch und Blut.
Ich sehe, was sie sehen, und fühle, was sie fühlen...
mal bin ich dieser, mal jener, dann wieder dieser.
Ich bin Teil dieser Geschichten, und mein eigenes Leben wird sich irgendwann nahtlos in das Gesamtbild einfügen. Auch mein Leben wird am Ende eine Geschichte sein, eine Geschichte von Außenseitern, Freunden und Helden... und dann wird vielleicht irgendein anderer kommen, sie zu Papier bringen und der Nachwelt darüber berichten.

Zitat:
sprudeln sie aus dir raus, oder strengst du dich an, was rundes hinzubekommen?


Es ist nicht so, dass ich suche, und dann irgendwann die passenden Geschichten finde. Die Geschichten haben vielmehr mich gefunden. In manchen Momenten, wenn ich gerade ziemlich am Ende war, schloss ich die Augen, und sah auf einmal irgendein bestimmtes Bild vor mir... kleine Fragmente, die ich dann zu einem größeren Ganzen zusammengesetzt habe.
Keine Ahnung, woher sie kommen... Sind es Bilder, die mein Unterbewußtsein erzeugt? Sind es Freunde aus einer anderen Dimension, die mir diese Geschichten übermitteln? Oder sind es gar meine eigenen Erinnerungen an irgendwas, was ich in einem früheren Leben erlebt habe...
Ich weiß nur, dass es zuweilen verdammt real wirkt.

Zitat:
denn die struktur ist ähnlich: wirrwarr... ein erlebnis... freundschaft... hoffnung...


Nun, das ist eben das Einzige, was ich kann...
wenn ich auch über einen Fischer schreiben könnte, der aufs Meer hinaus fährt und mit einem gewaltigen Fisch kämpft, dann wäre ich ein großer Schriftsteller. Ich kann aber nur über Außenseiter schreiben, die sich zusammentun und dadurch stärker werden als all ihre Feinde.
Ich bin kein großer Schriftsteller, sondern ich habe eine bestimmte Message, die ich rüberbringen möchte. Ich schreibe, um anderen von meinem Weltbild und den Idealen, nach denen ich lebe, zu erzählen... nicht, weil ich auf irgendeine bibliophilen Weise in Buchstaben verliebt wäre.
Am Ende muss der Text eine "runde" Sache sein... Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Wenn du noch was wissen willst, frag einfach... über dieses Thema rede ich immer wieder gern.

MonoMan

[ 24 May 2001: Message edited by: MonoMan ]
 
 
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