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hilflos (?)

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Ænema
Alt 24.02.2003, 11:38   #1
Standard hilflos (?)

hoi,

vorhin hatten wir einen Mann hier bei uns in der nuklearmedizinischen Abteilung bei dem wir mit Hilfe einer radioaktiven Substanz und einer Gammakamera Metastasen im Knochen sichtbar machen sollten. Der Mann hatte einen Tumor in der Speiseroehre. Auf den Bildern war deutlich zuerkennen, dass sich Metastasen im Schaedel und im Knie abgelagert hatten. Bei der Untersuchung hat er sich vor Schmerzen gekruemmt, so dass wir ihm Morphium geben mussten. Tjo und was mach ich? Ich kann nur hilflos daneben stehen und nichts tun, wohl wissentlich das dieser Mensch, egal wie bedeutungslos sein Tod fuer den Rest der Menschheit ist, nicht mehr lange leben wird. Kann ich denn ueberhaupt irgendetwas tun oder bin ich einfach nur da um zu akzeptieren was passieren wird?

Seid ihr auch schonmal in einer Situation gewesen wo ihr vollkommen hilflos gewesen seit, obwohl ihr gern geholfen haettet? Berichtet mal davon. Mich wuerde das sehr interessieren.
 
 
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k. l. e. e.
Alt 24.02.2003, 12:41   #2
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wer lebt, der lebt.
wer tot ist, ist tot.

"and all living things must die."

sich dagegen aufzulehnen, oder diese gesetzmäßigkeit als unfair zu betrachten ist schwachsinnig. "you come from nothing, and you go back to nothing... what's the loss?" versuch ihm zu helfen, lindere seine schmerzen, rede mit ihm, mehr geht nicht.
meine meinung.

hart, aber herzlich.

klee
 
 
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Nickless
Alt 24.02.2003, 13:06   #3
Standard

Hui wtf arbeitest du?
NAja egal, das Gefuehl kenn ich wohl, wenn auch nicht so direkt und so krass...
klee was du da sagts, mag wohl war sein, interresiert dich aber einen scheiss dreck in dem Mioment und eigendlich immer wenn man darueber nachdenkt...
Es ist quaelend wenn man sieht wie machtlos man ist.

und isch dagegen aufzulehnen ist nicht schwachsinnig, sondern eine Frage der Medizin..unsterblichkeit blabla, hat aber mit dem wohl weniger zu tun.

Fazit, versuch dich abzulenken oder stumpf ab..
 
 
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moechen
Alt 24.02.2003, 13:54   #4
Standard

Hm ... joa ... miterlebt schon u. ich konnte auch nur zusehen u. war in der nahen Verwandtschaft...
er ist ganz am anfang zusammengebrochen, dann haben die ärzte festgestellt das er Krebs im vortgeschrittenen stadium hat, in speiseröhre und in den drüsen (schilddrüse u. noch wo) u. es war sinnlos was dagegen zu tun, war schrecklich mit anzusehn, wie es ihm jedes mal schlechter ging u. er nichts mehr essen, trinken geschweige denn seinen eigenen speichel schlucken konnte! am ende lag er flach,konnte nicht mehr gehen, er sah kaum noch was u. wurde so mit schmerzmitteln zugepumpt, dass seine inneren organe schaden genommen haben ... naja, fuer ihm war es eine erloesung trotzdem fehlt er ... ich fands schrecklich die gewissheit zu haben, dass er stirbt obwohl man ihm gern helfen wuerde ...
 
 
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scolistim
Alt 24.02.2003, 14:18   #5
Standard

natürlich ist es schrecklich mit anzusehen wenns jemandem so mies geht und ma´n merkt wie scheiße es ist. aber es ist nun mal dein job solche sachen festzustellen etc.
Du darfst es einfach nicht zu nah an dich rankommen. Sonst kannst du deine Arbeit nicht sauber machen.
Aber natürlich ist der Mann ein ziemlich sch**** dran. Aber daran kannst du nichts ändern. Machs einfach wie EINSAMEndeR gesagt hat, rede mit ihm und heiter ihn ein auf!
 
 
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Ænema
Alt 24.02.2003, 17:18   #6
Standard

versuch ihm zu helfen, lindere seine schmerzen, rede mit ihm, mehr geht nicht.
nunja, klee, das ist einfacher gesagt als getan. ich hab bemerkt, dass die leute sich nicht helfen lassen wollen, lediglich das medizinische standardprogramm, ausserdem werd ich den mann wohl nie mehr wiedersehen, weil er aus einem anderen krankenhaus kam und nur bei uns zu einer speziellen behandlung (wie oben erklaert) gekommen ist.

ich finds halt lediglich schlimm, dass man neben den menschen steht und sieht wie sie leiden, aber ueberhaupt nichts dagegen tun kann um ihnen den koerperlichen schmerzen zunehmen. ja, das wirft auch die frage auf, sterbehilfe - ja oder nein? ich mein, wenn ich diese leute sehe und mitbekomme wie sie sich quaelen, wuerde ich aktiv sterbehilfe leisten, weil es wie ich finde einfach das beste fuer leute in so einer lage ist. wie denkt ihr denn ueber sterbehilfe?

Hui wtf arbeitest du?
Zivi
 
 
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moechen
Alt 24.02.2003, 17:46   #7
Standard

Hm .. ich glaub,die Betroffenen sehn das zum Teil anders, mit der Sterbehilfe .. man selbst denkt vielleicht das man sie dadurch helfen kann u. von ihren Schmerzen erlösen kann, aber manche sehns wieder anders ...
ich persönlich könnte glaub ich keine Sterbehilfe leisten, koennte das mit meinen Gewissen glaub ich nich vereinbaren, auch wenn ich wuesste, dass ich die Person erloest hab
 
 
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Skyhoof
Alt 24.02.2003, 18:29   #8
Standard

Hm, ich kenn das.
Hatte eine ähnliche Situation letzte Woche.

Ich mach gerade n Praktikum in nem Altenheim.
Hab ich mir zwar bed ausgesucht, aber wieso ich da nun bin ist na andere Geschichte.

Da ist ein Zimmer, in dem Liegen zwei Männer.
Beide dem Tot näher als dem Leben.
Der eine liegt total verkrüppelt mit derart angezogenen Beinen im bett, dass die Fersen den Hintern berühren, der andere kerzengrade.
Beide können sich keinen millimeter bewegen.
Werden durch einen Schlauch der dierekt durch die Bauchdecke ins Körperinnere führt ernährt und haben je einen schlauch im Pimmel tecken, durch den se pinkeln.
Sie tragen Windeln, die sie vollkacken.

Naja, das schlimme daran ist, dass die beiden nur vor sich hin wegetieren, der eine schreit den ganzen Tag, der andere kann selbst das nicht mehr.

Ich fand diesen Anblick furchtbar, mir war den halben Tag übel davon, wie eklig schlecht es Menschen gehen kann.
Dein Krebspatient hat es vieleicht in 2 Monaten hinter sich, die vegetieren da seid Jahren rum, und werden der Medizin sei dank dort auch noch sicher 5 Jahre weiter rum vegetieren...

Sowas trifft einen echt hart, und es drängen sich einem Gedanken auf, wie man nur so grausam sein kann, diese beiden am Leben zu halten ...

Naja, was nun richtiger wäre, leben oder sterben lassen, kann ich nicht beurteilen.

Es ist einfach n scheiß Gefühl.


Und zum thema Krebs weiß ich auch nix recht zu sagen.
Ist scheiße!
Zwei meiner besten Freunde haben es, scheint ne Volkskrankheit zu sein. Sicher weil wir die Umwelt so belasten, mit all dem dreck in der Luft...

Meine Mutter starb an Krebs, als ich 2 war.
Ihr Todeskampf dauerte 6 Wochen (unter Morphium).
Scheiße sowas
 
 
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Preston
Alt 24.02.2003, 21:26   #9
Standard

Naja, seht das von der Seite, wenn ihr auf diese Menschen nicht getroffen hättet, würdet ihr sie gar nicht kennen und ihr Leiden auch nicht! Tja ist zwar nicht ganz der Sinn der Sache, aber es ist so! z.B. verhungern viele Menschen und ihr könnt nichts dagegen tun und ihr denkt kaum an sie.
 
 
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Skyhoof
Alt 25.02.2003, 22:50   #10
Standard

Hm, irgendwie hat Tracid recht ...
Und dennoch tut es immer wieder weh, wenn man mit so ner Scheiße persönlich konfrontiert wird.
 
 
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Ænema
Alt 25.02.2003, 23:02   #11
Standard

hoi,

mit sowas werd ich taeglich konfrontiert, aber hast schon recht, dass es eigentlich sinnlos ist und man ebenfalls mit der zeit abstumpft. Heute hatten wir schon wieder so 2 Faelle. Bei einem der beiden Maenner wars eigentlich recht unfair - Prostata CA und Rectum CA - nunja, that's life (anscheinend)
 
 
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Anardil
Alt 27.02.2003, 19:05   #12
Standard

Ich war zum Glück nur immer kurz in einem Altenheim, sehs aber leider auch bei meinem Opa. Das ist nur noch ein dahinvegitieren und hoffen. Nur sollte man sich nicht das recht rausnehmen und sagen, die Leute bekommen nix mehr mit und man muss abwarten bis das Ende kommt. Wenn Leid und Schmerz im Spiel ist und es keine Hoffnung mehr gibt, sollte man den Betroffenen selber, sofern sie in der Lage sind, die Entscheidung überlassen.

Es ist ein verdammt beschissenes Gefühl daneben zu stehen und zu sehen was Sache ist, aber nix tun zu können. Was den Tod angeht, weiß ich nicht wie ich damit umgehen soll. Es geht mittlerweile alles viel zu schnell und wäre ein Fehler (meine Ansicht) groß nachzudenken was eigentlich genau geschehen ist. Ich habe mal anschauen müssen, wie ein Zug eine alte Frau erfasst und "zerstückelt" hat. Da kann man ausgehen, daß es ein relativ schneller Tod war, ok. Klingt beschissen aber sie hatte es hinter sich. Schlimmer gings den Leuten, die das ansehen mussten. Denen gings danach richtig dreckig. Am schlimmsten waren die ganzen (Schock)Schreie.

Ich denke, gerade wenn man mit dem Tod oder Leid anderer Leute direkt zu tun hat, sollte man versuchen eine Art Barriere aufzubauen ohne gleich zum Eiswürfel zu werden. Man muss es lernen. Für mich wäre es nix, war auch ein Grund für mich zum Bund zu gehen.
 
 
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