Also ich finde das erste Zitat schon ziemlich gut. Es pauschalisiert und übertreibt zwar, aber das macht jede Karikatur, um das Augenmerk auf eine bestimmte (manchmal Fehl-)Entwicklung oder Situation zu lenken.
In der heutigen Berufswelt gibt es jede Menge Anhaltspunkte dafür, dass das Befolgen von Befehlen in den meisten Fällen weitaus stärker honoriert wird als eigene kreative Leistung. Ich selber habe das oft genug im Rettungsdienst erlebt. Dämliche Chefs mit bestimmten Anordnungen, von denen sie glaubten, dass sie zur aufrechterhaltung der Ordnung und Qualität der Arbeit notwendig sind. Und auf der anderen Seite ein paar Leute, unter denen ich war, die das "System" zum Teil angezweifelt haben, weil es zum Teil wirklich unsinnige Vorschriften enthielt. Gleichschaltung war dort wichtiger als individuelles Handeln, obwohl die Vorschriften wirklich auf niedrigem Niveau waren. Demzufolge haben ich und die wenigen anderen, die sich gesträubt und eigenverantwortlich gehandelt und gedacht haben, nur zu oft den Unmut der Chefs auf uns gezogen. Wir haben und dabei gut gefühlt, weil wir mit gutem Gewissen gehandelt haben, wären aber mit Sicherheit als erste geflogen, wenn Personal abgebaut worden wäre.
Ich habe mich Ende Juli dann auch nicht mehr um eine Vertragsverlängerung bemüht, weil ich den Umgangston, das Arbeitsklima und die Holzhammermethode der "Mächtigen" nicht mehr mit mir vereinbaren konnte. Abgesehen davon hätte man mich auch wohl nicht länger angestellt, weil ich den Oberen immer durch Hinterfragen sinnloser Entscheidungen negativ aufgefallen bin. Nun bin ich zwar arbeitslos, muss aber nicht mehr am unteren Ende der Hierarchiekette eines Systems arbeiten, in dem jegliche konstruktive Kommunikation zwischen Chef und Angestellten im Keim erstickt wurde und man sich jede Mühe gegeben hat, Kreativität zu unterdrücken.
Es ist auf jeden Fall also so, dass die Mächtigen Angst vor Kreativität haben, insbesondere wenn sie dumm sind. Dann könnte es nämlich passieren, dass sich das Blatt gegen sie wendet und die Mehrheit erkennt, dass die falschen Leute oben sitzen. Allerdings ist es ohne Hierarchie unmöglich, geordnete Strukturen zu schaffen. Nur dann bitte auf gerechte Weise (jeder soll möglichst individuell gefördert werden), mit Kommunikation zwischen oben und unten (es fällt wesentlich leichter Entscheidungen gegen die eigene Meinung zu akzeptieren, wenn man den Sinn erläutert bekommt), und mit Mächtigen, die nicht an der Macht um der Macht willen kleben, sondern den Mut haben, sich zu korrigieren und notfalls den Platz für jemanden zu räumen, der besser geeignet ist.
Alles sehr idealistisch, vielleicht sogar utopisch, aber ich glaube, dass in solch einem System die Gesamtheit eher auf ihre Kosten kommt und die Weiterentwicklung und Individualität des Einzelnen wesentlich verbessert würde. Wie bei Eltern, die ihre Kinder gemeinschaftlich behandeln, zwar Grenzen setzen, aber auch erklären und diskutieren, sie fördern und fordern, ihnen das Gefühl geben, ein Teil der Familie zu sein und gebraucht und geliebt zu werden, anstatt sie zu schlagen oder ständig für Fehler zu bestrafen, ohne sie für Gutes zu loben.
Danke fürs Lesen... sorry, war mal wieder ziemlich lang

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